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Kategorien > Fantasie und Liebe > Vampire

SIE / Kapitel 1

von Moonwish

1

Kennenlernen:

Sanft fiel das Straßenlicht in das Zimmer herein und erhellte nur spärlich die wichtigsten Gegenstände des Raumes. Stille erfüllte jeden Winkel und wurde nur dann unterbrochen, wenn eines der selten vorbeikommenden Autos doch einmal den Weg durch diese verlassene Straße fand.
Chris saß ruhig auf einem Stuhl neben seinem Bett und beobachtete das blasse Mädchen, das darin lag. Er hatte sie vor wenigen Stunden gerettet und wartete nun auf ihr Erwachen.
Sie hatte die ganze Zeit nur gezittert als er sie zu seinem Haus getragen hatte. Die Ohnmacht, in die sie gefallen war, hatte sie nicht beruhigen können. Erst als er sie in sein Bett gelegt hatte, wurde sie ruhiger, bis das Zittern ganz aufgehört hatte.
Immer wieder fragte er sich, warum man sie gejagt hatte, warum man auf sie geschossen hatte. Viele Antworten schwirrten in seinen Gedanken, doch alle waren absurd: Um jemanden zu ermorden war sie eindeutig zu schwach. Um irgendwo einzubrechen sah sie zu unschuldig aus und klauen kam auch nicht in Frage. Er konnte sich nicht vorstellen, dass ein engelsgleiches Wesen etwas derart Böses tun konnte.
"Nicht sie.", flüsterte er und musterte sie.
Ihre Haut war beinahe so hell wie Elfenbein und ließ besonders an den Armen die Venen durchscheinen. Ihre Lippen gingen ins Fliederfarbene und ihre schulterlangen gewellten Haare waren fast dunkler als Mahagoni. Sie war dünn und leicht wie ein Kind. Was ihm aber...
Plötzlich seufzte sie und riss ihn aus seinen Gedanken.
Ihr Kopf drehte sich in seine Richtung und ihre Augen öffneten sich einen Spaltbreit. Keine Sekunde später erschien ein erschrockener Ausdruck in ihrem schönen Gesicht.
"Hab keine Angst, du bist in Sicherheit." Langsam, um sie nicht zu erschrecken, beugte er sich vor. "Ich tu dir nichts."
Noch immer sah man ihr die Angst an als sie leise fragte: "Wo bin ich?"
"In meinem Haus. Ich habe sich hierher gebracht.", antwortete der 20-jährige ruhig und hoffte, sie würde ihm glauben und vertrauen. "Wie heißt du?"
Sie schien zu überlegen, ehe sie antwortete. "Lilliana.", gab sie nach einer Weile zurück und setzte sich auf.
Jetzt erst bemerkte er, dass sie einen Kopf kleiner war als er.
"Ich heiße Chris... Was wollten die von dir?"
"Ich möchte nun gehen.", verlangte sie, ohne auf seine Frage zu achten und erhob sich.
Die Decke, die sie bis dahin warm gehalten hatte, fiel zu Boden und landete mit einem dumpfen >>woom<<.
Erschrocken trat das Mädchen zur Seite und wäre fast gefallen, hätte er sie nicht gefangen.
"Das war doch nur die Decke.", bemerkte er verwirrt und ließ sie sich wieder auf das Bett setzten.
"Ich... weiß." Verlegen legte sie die Hände in den Schoß und stand dann wieder auf, ihren Blick starr nach vorne gerichtet. "Ich danke dir für deine Hilfe.", begann sie und Unsicherheit klang darin mit. "Ich möchte jetzt aber wirklich gehen."
"Warte mal. Ich kann dich doch nicht einfach gehen lassen. Was, wenn die wieder auftauchen? Du musst sie anzeigen." Chris hatte sich inzwischen aufgestellt und sah ihr nun in die katzenhaften grün-grauen Augen. "Ich weiß wirklich nicht, ob das so eine gute Idee ist."
"Ich kann auf mich selbst aufpassen.", entgegnete sie sturr und atmete tief ein. "Wo ist die Tür?"
"Dann lass mich dich nach Hause bringen."
Ein leises Knurren ertönte in ihrer Brust, das sie aber sofort mit einem Husten erstickte. "Warum bist du so dickköpfig?", wollte sie dann plötzlich wissen.
"Weil... es meine Art ist, Unschuldige zu beschützen." Dafür, dass er sie gerettet hatte, war sie ganz schön unfreundlich!
Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht und entblößte zwei Reihen blendend weißer Zähne. "Woher willst du wissen, dass ich unschuldig bin?"
"Weil ich mir nicht vorstellen kann, dass so eine", er behielt das Wort >>schön<< lieber für sich, "Frau jemanden Schaden zufügen könnte."
"Du irrst dich!" Es kam wie ein Faustschlag - hart und schnell.
"Und warum?" Deutliche Verwunderung spiegelte sich in seinen Augen.
"Wo ist die Tür?", fragte sie noch einmal und trat einen Schritt vor. Ihr Fuß verfing sich in der Decke und diesmal stürtzte sie wirklich. "Au!"
"Vorsicht." Schnell war er an ihrer Seite und half ihr wieder auf die Beine.
Wieder ertönte dieses Knurren in ihr, nur kurz, aber intensiv. "Verdammt!"
"Hey, ganz ruhig."
"Du weißt doch gar nicht, was los ist!", brach es unerwartet aus ihr heraus. "Lass mich gehen!"
"Mach ich, wenn ich dich fahren kann!"
Was war denn mit ihr los? Beinahe wäre sie erschossen worden und das erste, was ihr einfiel, war, alleine nach Hause zu gehen. Diese Typen könnten irgendwo lauern und ihr bei der ersten Gelegenheit eine Kugel in den Kopf jagen! War sie so sehr auf Selbstmord aus?
"Sch!" Scharf sog sie die Luft durch ihre Zähne ein und ließ sich auf den Boden fallen. Keine Sekunde später hielt sie sich den Knöchel.
"Was hast du?"
"Nichts!"
"Das sieht aber nicht nach Nichts aus." Vorsichtig kniete er sich neben sie und streckte die Hand nach ihrem Bein aus. Als seine Fingerspitzen ihre Haut berührten, zog sie das Bein zurück. "Lass mich mal sehen. Ich kenne mich mit Verletzungen aus." Wieder streckte er seine Hand aus und diesmal zog sie es nicht zurück.
Erfreut über ihr Vertrauen lächelte er sie an und da bemerkte er zum ersten Mal, dass sie blind war.

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Kommentare

jess schrieb am 2008-07-25 13:20:43:
eine tolle geschichte!! bzw ein toller geschichtsanfang!:)) lg jess
Moonwish schrieb am 2008-04-06 17:32:25:
Naja, ich schreibe gerade an drei Geschichten gleichzeitig.
Diese hier ist die am wenigsten weitergeschriebene.
Ich setzte das nächste Kapitel bald rein.
LG,
Moonwish.
andrea schrieb am 2008-04-04 16:42:23:
mhm. kann deine geschichte noch nicht beurteilen, aber ich glaube sie wird gut. dein schreibsteal gefällt mir auf alle fälle schon mal und was ich bis jetzt gelesen habe auch. hoffe du schreibst schnell weiter
lg andrea

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