Sag mir wer du bist!
von
Eistee
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Ich stand vor einem älterem, verklinkertem Haus, das völlig im Dunkeln lag. Die Straßenlaterne davor brannte nicht. So konnte mich niemand erkennen. Das Haus sah aus wie ich es mir vorgestellt hatte: zwei Etagen, und wahrscheinlich Keller und Dachboden. Selbst im Dunkeln waren die hellroten Klinkern zu erkennen. Die Fenster waren hoch aber modern in braun gehalten wie die Eingangstür zu der eine alte Steintreppe empor führte. Der Vorgarten lag brach. Zu dieser Jahreszeit nichts Besonderes. Der Wind blies kalt und hin und wieder fielen ein paar Schneeflocken vom Himmel. In keinem der Zimmer an der Vorderseite brannte Licht. Ich fragte mich ob überhaupt jemand zuhause war. Einen kurzen Moment stand ich noch da und betrachtete das Haus doch dann setzte ich mich endlich in Bewegung. Ich spürte, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte. Langsam umrundete ich das Haus und suchte nach einem Lichtschimmer die Fenster ab. Da, auf der Rückseite in einem der oberen Zimmer brannte licht. Jetzt stellte sich nur noch die Frage wie ich ins Haus kommen sollte. Ich ging zur Hintertür und drückte die Klinke nach unten. Verschlossen. Das war auch nicht anders zu erwarten, aber manchmal gibt es komische Zufälle. Die Fenster im kompletten Untergeschoss waren dicht, auch die Kellerfenster rührten sich nicht. Aber wenn ich eines einschlagen würde, würde das zu viel Aufmerksamkeit erregen. Irgendwie musste ich in dieses Haus kommen. Angestrengt nachdenkend fuhr ich mir durch die kurzen feuerroten Haare. Mir lief es kurz eiskalt den Rücken hinunter. Die Blauen Augen reflektierten das Licht der entfernten Straßenlaternen. Ich würde es nicht mehr lange aushalten. Fast schon panisch sah ich mich um. Keine andere Tür, kein offenes Fenster, nicht einmal eine Hundeklappe oder ähnliches. Ich ging noch einmal rund um das Haus. Da schimmerte etwas. Als ich näher kam entdeckte ich eine Tür die im Boden neben dem Haus eingelassen war. Ein Kohleschacht! Ich hatte ihn vorher nicht gesehen. Ich versuchte die Klappe zu öffnen doch auch die rührte sich nur ein paar Millimeter. Ein Vorhängeschloss baumelte daran. Ich überlegte noch kurz. Meine Hand begann zu zittern. Es nützte nichts, ich hatte einfach nicht mehr genug Zeit. Ich packte das Schloss mit beiden Händen und zog den Bügel aus dem Gehäuse. Es quietschte doch es schien niemand davon wach zu werden. Die leuchtenden Augen blitzten umher. Ein kurzes schütteln und ich stieg die schmale Leiter hinab ohne auch nur einen Meter in der Dunkelheit zu sehen. Unten angekommen zog ich eine kleine, blau leuchtende Taschenlampe aus der Tasche. Sie würde meinen Augen nicht schaden. Ich stand im Keller des Hauses. Sehr ordentlich sauber und aufgeräumt. Wahrscheinlich wurde er mehr oder weniger als Hobbyraum genutzt. So viel Zeit blieb noch um sich etwas hier unten um zu sehen. Links neben mir stand eine Töpferscheibe und gleich daneben ein Regal mit selbst getöpferten Vasen, Krügen und Tellern. Weiter hinten stand eine Staffelei mit einem noch nicht fertig gestellten Gemälde. Bis jetzt waren nur eine Landschaft zu erkennen und eine kleine vorgezeichnete Burg. Schade. Es wäre bestimmt ein schönes Bild geworden. Auf der anderen Seite des Raumes stand nur noch eine kleine Werkbank. Wieder schüttelte es mich und ich machte schnell die Lampe aus. Es wurde langsam Zeit. Ich stieg die Treppen hinauf und betrat den Hausflur, der sehr geschmackvoll eingerichtet war. Ein großes Bild auf dem ein wunderschöner Strand zu sehen war hing an der Wand. Für nähere Besichtigungen blieb keine Zeit. Der Spiegel an dem ich vorbei ging, zeigte nur den dunklen Flur. Ich ging weiter die Treppe hinauf ins obere Geschoss. Alles war dunkel. Nur die Tür zu meiner rechten, die einen kleinen Spalt breit geöffnet war, lies einen schmalen Lichtkegel herein. Vorsichtig näherte ich mich der Tür und lugte hinein. Da Stand sie, die Frau Doktorin, und legte gerade ihre Ohrringe ab. Ein begehren durchfuhr mich. Ein lieblicher Duft stieg mir in die Nase und ich konnte mich kaum noch zurückhalten. Eine gefühlte Ewigkeit stand ich da und wartete den richtigen Moment ab. Die Frau, Anfang dreißig, die ich so beobachtete bemerkte mich nicht. Sie begann sich abzuschminken und ihre natürliche Schönheit kam zum Vorschein. Die blauen Augen suchten im Spiegel das rundliche Gesicht ab. Die zarten Hände fuhren durch ihr schimmerndes Haar. Gleich stand sie auf und begann ihre Bluse zu öffnen. Adrenalin durch strömte meinen Körper. Mein Puls raste. Meine Nackenmuskeln verspannten sich. Erwartungsvoll schob ich die Tür ein paar Millimeter weiter auf. Draußen schrie eine Katze und die schlanke Frau ging ans Fenster um nach zu sehen. Jetzt!
Die Tür öffnete sich nicht hörbar und jemand betrat das Zimmer. Langsam, ganz leise, näherte sich ihr Jemand. Er blieb ganz nah hinter ihr stehen und sog förmlich ihren Geruch in sich auf. Das Spiegelbild im Fenster zeigte nur die Frau Dr. und ganz langsam öffnete die Frau dahinter den Mund und zeigte ihre verlängerten Eckzähne. Sie spürte etwas, drehte sich um. Im selben Moment bohrte sich etwas in ihren Hals. Das Blut lief warm über ihre Schulter. Jemand sog an ihr und hielt sie fest. Sie versuchte sich zu währen doch sie konnte sich vor Angst nicht rühren. Schmerzenstränen kullerten ihre Wange hinunter. Panik versuchte in ihr hoch zu steigen. Dann spürte sie die Begierde, die Lust und das Verlangen. Es lag nicht an dem Lebenssaft der ihr so gewaltsam entrissen wurde. Es lag an ihr. Diese Person die sie so fest hielt und förmlich an sich presste, tat das nicht um sie daran zuhindern sich zu währen. Sie berührte sie. Ganz voller Begehren und Hingabe ließ sie ihre Hände über ihre Taille und ihre Hüften gleiten, fuhr durch ihr Haar und berührte ihre Brust. Sie ließ das alles geschehen. Sie genoss es. Sie griff nach den Händen die sie fast schon liebkosten, hielt sie fest, wollte sie lenken. Dann ganz plötzlich, wurde ihr ganz anders. Ihr wurde schwindelig und dann schwarz vor Augen.
Ich fing den erschlafften Körper auf. Ein Gefühl von Erleichterung machte sich in mir breit. Ich hatte meinen Durst gestillt. Langsam legte ich sie auf ihr Bett und Deckte sie zu. Sie lag wie schlafend da. Vorsichtshalber kontrollierte ich ihren Puls. Sterben sollte sie nicht. Jedenfalls nicht mehr. Als ich sie berührte wurde mir etwas klar. Ich wollte nicht ihr Blut. Ich wollte nur meinen Durst stillen, egal wessen Blut ich getrunken hätte. Was mich zu ihr zog war ein Verlangen. Ein Begehren nach einem Menschen, nach einer Frau, nach ihrem Körper, ihrem Duft, danach ihren Atem zu spüren. Es war berauschend ihren Körper an meinen zu pressen, sie zu berühren. Überwältigt von diesem Gefühl und von dem Durst der mich seit Tagen plagte, war ich unfähig damit auf zu hören ihr Blut zu trinken. Ich fühlte mich schuldig. Sie würde noch etwa eine halbe Stunde so daliegen. Ich setzte mich. Sah sie an. Dachte nach. Was ging da gerade in mir vor? Schon eine ganze weile trug ich diese Ungewissheit in mir herum.
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