Sally
von
*soulmate*
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EPILOG - VERFOLGT
Wohin nur?
Wo war sie noch sicher?
Kein Ort dieser Welt würde sie noch verstecken können.
Dafür war es jetzt zu spät.
Sie lief und lief, tief in die Dunkelheit hinein, und hoffte, die lauten Polizeisirenen hinter ihr würden irgendwann leiser werden, doch sie wurden mit jedem Schritt, den sie tat, nur noch lauter.
Die Tränen, die über ihr Gesicht liefen, weil ihr diese Tat nicht leicht gefallen war, fühlten sich eiskalt an und schienen niemals wieder zu versiegen.
Sie wusste nicht, wie lange sie schon rannte. Es hätten Stunden, aber auch nur Minuten sein können. Der Weg hatte sich nicht verändert. Vielleicht auch doch, aber ihre tränennassen Augen hätten es nicht wahrnehmen können.
Plötzlich tauchte vor ihr ein hoher Zaun auf. Er war ungefähr eineinhalbmal so groß wie sie selbst, doch sie hatte keine Wahl. Sie musste ihn überwinden, sonst würde die Polizei sie zu fassen kriegen und das durfte auf keinen Fall passieren, denn dann wäre alles umsonst gewesen.
Ohne lange zu Zögern versuchte sie einige Male auf die Hürde zu klettern, doch immer wieder rutschte sie ab. Als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, schaffte sie es endlich, sich oben zu halten. Sie schwang ein Bein hinüber, so dass sie wie auf einem Pferd reitend auf dem Zaun saß und sah auf der anderen Seite hinunter. Sie wusste nicht, ob der Sprung genauso gefährlich ausgesehen hätte, wenn es Tag gewesen wäre, aber eigentlich machte es ja keinen Unter-schied. Springen musste sie auf jeden Fall, egal wie tief es hinunter ging.
Einmal holte sie noch tief Luft und dann sprang sie. Obwohl sie nur etwa eine Sekunde lang fiel, kam es ihr vor wie die Ewigkeit. Beim Aufkommen stürzte sie auf ihre rechte Hand, die daraufhin unglaublich schmerzte, doch für Jammereien hatte sie jetzt wirklich keine Zeit. Schnell stand sie auf und rannte weiter. Sie spürte, wie etwas flüssiges und warmes über ihr linkes Schienbein lief. Sie hatte sich wohl beim Sturz das Knie aufgeschlagen.
Auf einmal hörte sie den Lärm der Polizeisirenen nicht mehr hinter sich, sondern vor sich. Abrupt blieb sie stehen und lauschte genauer. Ja, es war ganz deutlich vor ihr, ganz nah.
Geschwind stellte sie sich dicht an eine Hausmauer, so dass sie von dem Schwarz der Nacht verschluckt wurde.
Nur zu gern hätte sie etwas gesehen, wenigstens wo die Straße anfing und die Gasse endete, aber diese Nacht meinte es nicht gut mit ihr. Es schien, als wäre es die schwärzeste Nacht, die es jemals gegeben hatte.
Einen Moment später flitzten drei Polizeiwagen gleich neben ihr vorbei. Wäre sie noch einen Schritt weitergegangen, hätte sie genau in ihren Scheinwerfern gestanden.
Furchtbare, gemeine Dunkelheit....
Ein Schritt, der Leben oder Tod bedeuten hätte können.
Nachdem die Polizei vorbeigefahren war, hörte sie zum ersten Mal in den letzten Stunden voller Angst und Hektik ihr Herz rasen. Es pochte wie wild gegen ihre Brust. Ihr Puls war wohl nicht mehr im Normalbereich. Aber nicht nur ihr Herz bezeugte diese Verfolgungsjagd; auch ihre Füße waren müde von dem langen Weg, den sie ziellos durch die Nacht hindurch gerannt war. Sie konnte sich einfach nicht mehr auf den Beinen halten. Erschöpft sank sie zusammen. Der Schock saß tief und wäre keine feste Mauer hinter ihr gestanden, wäre sie womöglich einfach nach hinten auf den Boden gefallen. So saß sie wenigstens, zusammengekauert in einer dunklen Straßenecke bei sternloser Nacht. Erneut rannen Tränen über ihre Wangen. Ein Schluchzen saß tief in ihrer Brust. Alle Kraft war aus ihren Gliedern gewichen. Sogar das Aufrechtsitzen war eine He-rausforderung. Sie weinte sehr lange, aber Zeit spielte jetzt im Moment keine Rolle. Sie wusste nicht, was die nächste Stunde, der nächste Tag oder die nächste Woche für sie bereithalten würde, oder wie lange sie noch weglaufen konnte ohne gefunden zu werden. Irgendwann würde sie der Hunger wieder in Richtung der Menschen treiben, und dann hatte sie keine großen Chancen mehr, unent-deckt zu bleiben. Ihr war kalt, ihr Knie blutete und sie war übersät mit Schmutz, doch nichts davon störte sie gerade. Ihre Gedanken galten einzig und allein ihrer Tat. Nur schwer konnte sie die Schluchzer unterdrücken, die unbedingt über ihre Lippen kommen wollten, doch sie hielt das für viel zu gefährlich. Sie musste sich zusammenreißen. Dann, ohne es zu wollen, schlief sie einfach ein. Die Müdigkeit siegte über die Angst.
„Wagen 14, bitte melden!“, tönte es aus dem Funkgerät, das im Auto des Polizei-teams auf der Beifahrerseite befestigt war.
George nahm es in die Hand und antwortete: „Hier Wagen 14. Gibt es Neuigkei-ten?“
„Nicht viel.“, gab die Frauenstimme am anderen Ende der Leitung bekannt, „sie ist jedenfalls nicht mehr in der Nähe des Tatortes. Sie hat mindestens schon fünf Kilometer zurückgelegt und rennt weiter Richtung Stadtrand, soweit wir feststel-len konnten, aber in den sechs Stunden, in denen wir sie schon suchen, könnte sie auch schon viel weiter gekommen sein!“
„Wie lange sollen wir denn noch suchen? Es wird ja schon hell!“, empörte sich George, „es ist doch sowieso....“
„George!“, unterbrach ihn Richard, der auf der Fahrerseite saß, „schau doch!“
Er nahm eine Hand vom Lenkrad und zeigte in eine kleine Gasse auf der rechten Seite der Straße, „ist sie das?“
George riss den Kopf herum und schaute in die Richtung, in die sein Kollege zeigte. Nach einem kurzen Augenblick nahm sein Gesicht einen emotionslosen Ausdruck an.
„Oh ja, das ist sie.“, stellte George fest und konnte seine Augen gar nicht von dem schlafenden Mädchen am Straßenrand wenden.
„Jessy, wir haben sie!“, sprach er dann noch ins Funkgerät und sprang aus dem Auto, das Richard sofort angehalten hatte.
Aus Angst, sie aufzuwecken, blieb er jedoch ein paar Schritte entfernt stehen.
„Sieh sie dir doch an!“, sagte Richard mitleidig und stieg auch aus dem Wagen, „glaubst du wirklich, dass so ein junges Ding zu so etwas fähig sein kann?“
„Jung heißt nicht gleich unschuldig. Noch dazu wäre sie andernfalls wohl kaum weggelaufen.“, stellte George fest und näherte sich der Schlafenden.
„Fällt dir noch etwas auf?“, fragte Richard und tat es seinem Begleiter gleich.
„Was denn?“
„Sie fehlt.“
George riss die Augen auf und suchte hastig die nähere Umgebung um das schlummernde Mädchen herum ab. Richard hatte vollkommen Recht. Ein ent-scheidender Teil, weshalb sie überhaupt verfolgt worden war, war nicht mehr da: ihre Geisel.
„Vielleicht hat sie sie ja laufen lassen.“, sagte Richard hoffnungsvoll.
„Glaub ich kaum. Dann wär das ganze ja fast umsonst gewesen.“, entgegnete George.
Langsam und leise schritt er auf das Mädchen zu, um es ja nicht zu wecken.
„Was willst du jetzt machen?“, wollte Richard erschrocken wissen. Ihm gefiel es nicht, die dünne, harmlos aussehende Jugendliche in den Armen seines rüpelhaf-ten Kollegen George zu sehen. Nach seiner Meinung könnte er ihr einfach Mund und Nase zuhalten, bis sie erstickte, damit sie auch ihre gerechte Strafe – oder zumindest das,
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Kommentare
thrustworthy schrieb am 2010-08-19 22:50:20:
das ist das erste kapitel, ja? ich hätte es jetzt nämlich als letztes gelesen. du meintest sicher prolog^^
Elina schrieb am 2009-10-21 17:04:51:
Heeeeeeey,
endlich ist das erste Kapitel online!!! Super Einstieg, find ich toll! *nächstesKapitelnichterwartenkann*
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