Sally (11. Kapitel)
von
*soulmate*
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11. PURES GLÜCK
Als Sally schließlich in ihrem Bett lag, wusste sie sofort, dass sie heute nicht so schnell einschlafen würde.
Dafür wirbelten gerade viel zu viele Gedanken durch ihren Kopf.
„Ok.“, sagte sie sich selbst, „eines nach dem anderen.“
Sie rollte sich auf die Seite und bettete ihren Kopf in ihre Armbeuge.
„An erster Stelle steht Anni.“, murmelte sie leise und blendete alle anderen Gedanken aus.
Um an Anni heranzukommen musste sie erst einmal von hier weg und herausfinden, wo sie Anni hingebracht hatten.
Ihre kleine Schwester war bei dieser Familie untergebracht, bei dieser blonden Frau namens Hannah Parker.
Sally stockte.
Hannah Parker.
Ja, eindeutig, das war ihr Name gewesen. Der Name, nach dem sie vorhin so verzweifelt gesucht hatte. Ein weit verbreitetes Phänomen war das, nicht über etwas nachzudenken und es dann plötzlich vor Augen zu haben. Vorhin hatte sie viel zu angestrengt überlegt, und so war der Name immer weiter in ihrem Gedächtnis verschwunden, doch jetzt war er plötzlich da.
Sally musste fast lachen.
Vor ein paar Stunden noch hatte sie sich das Hirn zermartert und jetzt hatte sie nicht einmal nachgedacht.
Nun gut, ein kleines Problem weniger.
Sie musste nach Familie Parker suchen, das wusste sie jetzt.
Nur gab es wahrscheinlich tausende Familien mit diesem Namen in Amerika.
Sally beschloss, sich zunächst einmal auf die nähere Umgebung zu beschränken. Was anderes blieb ihr ja auch gar nicht übrig. Vielleicht würde sie von irgendwoher ein Telefonbuch bekommen und könnte bei verschiedenen Familie anrufen, um einfach einmal auszuprobieren, ob ihr die Stimme am anderen Ende der Leitung bekannt vorkam oder ob sich jemand mit „Hannah“ meldete.
Da war dann aber auch schon wieder das Problem, dass in ihrem Urteil die Auflage, nicht telefonieren zu dürfen, enthalten war.
Verärgert über dieses Hindernis drehte Sally sich über den Rücken auf die andere Seite.
„Aber nachts....“
Wenn sie schnell genug war und vor allem, wenn sie leise genug war, könnte sie sich vielleicht nachts zum Telefon hinab schleichen und wenigstens eine Nummer ausprobieren.
Eine Nummer pro Nacht, wenn es nicht zu viele Parkers waren.
Aber erst einmal musste sie an das Telefonbuch kommen und bis jetzt wusste sie noch nicht, wo Familie Green das aufbewahrte.
Hoffentlich in der Nähe des Telefons, denn Zeit, das ganze Haus auf den Kopf zu stellen, hatte Sally sicherlich nicht.
Sie atmete einmal tief durch und versuchte, bei all diesen Hürden nicht zu verzweifeln. Dann drehte sie sich auf den Rücken und setzte sich in ihrem Bett auf. Sie zog die Füße an den Körper und umschloss ihre Knie mit ihren Armen.
„Angenommen, ich finde das Telefonbuch. Angenommen, ich finde sogar die richtige Familie und weiß dann, wo ich hin muss. Wie komme ich hier weg?“
Im Schutz der Dunkelheit fliehen wäre natürlich eine Möglichkeit, doch das hatte schon beim letzten Mal nicht richtig hingehauen, und da hatte Sally alles viel sorgfältiger und länger geplant. Vor allem kannte sie sich hier in der Gegend nicht einmal aus.
Verzweifelt ließ sie den Kopf auf die Knie sinken.
„Keine Panik.“, redete sie sich selbst gut zu, „du schaffst das.“
Der erste Teil des Plans war ja schon einmal beschlossene Sache.
Wieso eigentlich noch warten?
Der Gedanke kam so plötzlich, dass Sally für einen kurzen Augenblick die Luft anhielt.
Jetzt war es Nacht, alle schliefen, und das dunkle Haus wartete nur darauf, von Sally durchstöbert zu werden.
Kurzentschlossen warf sie ihre Bettdecke zurück und stellte ihre Füße auf den Boden.
Ihr Herzschlag beschleunigte sich.
Sollte sie das jetzt wirklich riskieren?
Wenn sie erwischt wurde, was sollte sie dann sagen?
Sollte sie behaupten, sie wollte sich etwas zu Essen aus der Küche stibitzen?
Eine bessere Ausrede fiel ihr auf Anhieb nicht ein.
Bevor sie es sich anders überlegen konnte, stand sie auf und schlich auf Zehenspitzen zur Tür. Auf keinen Fall wollte sie jetzt schon unvorsichtig werden. Vielleicht hörte man ihre Schritte ja im Erdgeschoss.
Die Klinke in der Hand atmete sie ein letztes Mal tief durch und öffnete dann ihre Zimmertür.
Das Herz schlug ihr mittlerweile bis zum Hals.
Wenn diese Aktion hier blöd endete, konnte sie vielleicht sogar im Gefängnis landen.
Vorsichtig zog sie die Tür einen Spalt weit auf und blickte hinaus. Auf dem Flur war es stockdunkel und totenstill.
Wie sollte es auch anders sein?
Mittlerweile war es schließlich weit nach Mitternacht und wenn Familie Green jeden Tag so früh aufstand wie heute Morgen, musste sie ja auch früher zu Bett gehen.
Sally tat den ersten Schritt nach draußen. Die Holzdielen gaben Gott sei Dank kein einziges Geräusch von sich. Sofort als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewohnt hatten, bewegte Sally sich so lautlos wie möglich in Richtung Treppe. Dort verharrte sie einen Moment um zu lauschen, doch auch von unten war nichts mehr zu hören.
Sie schluckte.
Jetzt ging es los.
Fast zitternd vor Angst setzte sie einen Fuß vor den anderen und schlich die Treppe hinab.
Langsam, ganz langsam.
Auch die Stufen schienen auf ihrer Seite zu sein und warteten ohne einen Laut, bis Sally unten angekommen war.
Schon stand sie im finsteren Wohnzimmer.
Durch die Fenster fiel gerade so viel Licht, das Sally sich nicht durch das Zimmer tasten musste, sondern es mit den Augen durchsuchen konnte.
Wie froh war sie um den Mond.
Er half ihr über einen großen Teil ihrer Angst hinweg.
Angestrengt ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen.
Da!
Schon hatte sie es entdeckt.
Das Telefon befand sich auf einem kleinen Tischchen gleich neben der Couch. Es war drahtlos und schwarz, in der Dunkelheit kaum zu sehen.
Sally ging auf Zehenspitzen hinüber und suchte die Umgebung ab.
Und tatsächlich: auf der unteren Ablage des Tisches lag ein großes, schweres Telefonbuch.
Das Glück stand heute wohl auf ihrer Seite.
Sie ging in die Hocke und streckte eine Hand nach dem Buch aus, doch plötzlich vernahm sie ein Geräusch.
Es war leise, doch ganz deutlich.
Wie ein Flüstern, doch kein bedrohendes Flüstern, eher ein........beruhigendes.
Sally sah sich hastig um.
Wo kam das nur her?
Für kurze Zeit war es wieder still, aber Sally hatte keine Ruhe mehr.
Sie verharrte in der Hocke und lauschte.
Schon hörte sie es erneut.
Ein klares Flüstern.
Sally traute sich nicht, nach dem Telefonbuch zu greifen, solange sie nicht wuss-te, woher diese Stimme kam.
Vielleicht wurde sie ja beobachtet.
Das war zwar eher unwahrscheinlich, aber ausschließen konnte sie das nicht.
Langsam richtete sie sich wieder auf und sah sich erneut um.
In der Dunkelheit hätte sich in jeder Ecke jemand verstecken können und sie hätte ihn trotzdem erst entdeckt, wenn sie direkt neben ihm gestanden wäre.
Sie zitterte am ganzen Leib.
Genau das war es, was ihr in der Dunkelheit solche Angst einjagte.
Wenn die Möglichkeit bestand, dass sie nicht allein war.
Wenn jemand hier war, den sie nicht sehen konnte.
Jemand, der ihr vielleicht etwas antun
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Kommentare
BlackLotus schrieb am 2010-10-21 22:18:32:
Also bisher fehlt mir für das Genre Fantasy einfach die Fantasy und auch wenn es gut geschrieben ist und spannend hab ich doch Kritik anzubringen und ich hoffe du empfindest die Kritik als positiv.
Deine Schreibweise macht es spannend, doch im Endeffekt ist es Hammerschlagliteratur, die Sätze enden immer sehr schnell und die für das Genre typischen langen Sätze mit wunderschönen Umschreibungen fehlen mir etwas.
Trotzdem mach weiter so :)
thrustworthy schrieb am 2010-08-20 12:09:05:
also, um ganz erlich zu sein; ich weiß noch nicht genau, was ich von deiner geschichte halten soll. ich denke mal, der fantasyanteil kommt noch. auf jeden fall bin ich gespannt wie es weiter geht und werd dir treu bleiben ;P schreib bloß weiter!
*Deine Lieblingssis* schrieb am 2010-08-14 20:16:58:
hey solemate<3
Ich bewundere deine Schreibweise und finde deine Geschichten großartig!!!;)
Auch wenn ich noch nicht viel Ahnung vom Schreiben hab, denke ich, du kommst mal groß raus!!!
Natürlich ist diese 11 Kapitel genau so genial geschrieben wie alle anderen zuvor!!<3
Lg *Deine Lieblingssis*
Mary schrieb am 2010-08-10 21:26:44:
Es ist so herrlich spannend >-< Du schreibst so gut. Bitte schnell weiter^^
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