Sally (2. Kapitel)
von
*soulmate*
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2. BLEIBEN?
Die Stunden verstrichen nur sehr langsam in der kalten Zelle. Sally hatte festgestellt, dass ihr das Rauchen nicht schmeckte. Nachdem sie sich nach dem ersten Zug fast übergeben hätte, hatte sie es lieber gelassen.
Danach hatte sie sich an dem kleinen Waschbecken gewaschen und sich die Zähne geputzt. Nur weil man im Gefängnis ist, musste man ja schließlich nicht aussehen wie aus dem letzten Loch.
Nun saß sie auf dem Bett und starrte die leere Wand an. Wie dick sie wohl war?
Sie fragte sich, ob schon einmal jemand versucht hatte, aus diesem Gefäng-nis auszubrechen.
Bestimmt, schlussfolgerte sie, Abenteuerlustige gibt es immer.
Auf einmal hörte sie ein Geräusch. Eine Tür am Ende des Ganges nach der Biegung wurde zugeschlagen. Danach näherten sich sanfte Schritte ihrer Zelle.
Es war der Wärter mit den schönen blauen Augen und dem traumhaften Lä-cheln.
„Mittagessen.“, lächelte er und steckte einen Schlüssel in das Türschloss.
„Endlich.“, entgegnete Sally und erhob sich von ihrem Sitzplatz.
Sie stellte sich vor die Tür aus Gitterstäben, doch der Polizist zögerte, sie zu öffnen.
„Ich soll dir noch etwas sagen.“, begann er.
„Nur raus damit.“ Sally redete eigentlich nicht so offen mit einer Autoritätsperson wie diesem Wärter, aber die letzten Stunden in Stille und Einsamkeit hatten ein gewisses Bedürfnis erweckt, sich unterhalten zu wollen.
Auch der blauäugige Mann schien irritiert.
„Ähm“, sprach er dann weiter, „es geht um deine Verhandlung. Sie ist auf morgen früh vorverlegt worden. Richter Hayden hat den Vorsitz.“
Sally wusste nicht, ob er erwartete, dass ihr das etwas sagen würde.
„Er ist sehr gutmütig.“, erklärte er dann, offenbar zu dem Schluss gekom-men, dass sie mit dem Namen nichts anfangen konnte, „bei ihm hat noch niemals jemand lebenslang bekommen.“
„Ah.“ Eine bessere Antwort fiel ihr nicht ein, „gut zu wissen. Das gibt ir-gendwie..........Hoffnung.“
Sie lächelte.
„Ja“, stimmte der Wärter zu, „das wird schon.“
Sally fragte sich, ob er auch so nett zu ihr gewesen wäre, wenn sie sich zu irgendeinem früheren Zeitpunkt irgendwo auf der Straße getroffen hätten.
Hätte er Interesse an ihr gezeigt?
Wären sie sich näher gekommen?
Er schien ja wirklich nett zu sein......
Schließlich öffnete er endlich die Tür und Sally trat heraus. Danach ver-schloss er sie wieder sorgfältig. Er warf Sally noch ein kurzes Lächeln zu und dann machte er sich schlendernd auf den Weg zum Essenssaal.
Sally folgte ihm lautlos.
Hinter ihm zu gehen gab ihr irgendwie ein Gefühl der Sicherheit, als ob ihr niemand etwas antun könnte, als ob wirklich alles wieder gut werden würde.
Nachdem sie ein paar Sekunden gedankenverloren auf seinen Hinterkopf gestarrt hatte, fiel ihr ein, dass sie sich ja eigentlich die Gänge einprägen könnte, um das nächste Mal nicht zweifeln zu müssen, ob sie den Weg auch bei Dunkelheit finden würde.
Der Weg war eigentlich nicht kompliziert. Ein paar Mal links, ein- oder zweimal rechts abbiegen und schon erreichte man den Speisesaal.
Als wäre es das Normalste der Welt reihte Sally sich wieder in die Reihe vor der Essensausgabe ein und setzte sich dann mit vollem Tablett wieder an den Tisch, an dem sie schon zum Frühstück gesessen war.
Die Sitzordnung schien etwas zu sein, dass die Insassen im Gefängnis von sich aus einhielten.
Rachel saß wieder links neben ihr, und Lu ihr gegenüber.
„Hey“, grüßte Sally, denn der Drang, endlich wieder zu reden, war noch nicht vergangen.
„Hey“, sagte auch Lu, doch Rachel schwieg.
Irritiert schaute Sally in Rachels Gesicht. Sie sah nachdenklich, ja fast schon verbissen aus, als würde sie über einem Problem brüten, dass sie einfach nicht loslassen wollte.
Sally beugte sich ein wenig hinüber.
Zögerlich flüsterte sie dann: „Ich hab den Joint wieder dabei. Kiffen ist wohl nichts für mich.“
Plötzlich blinzelte Rachel und schüttelte den Kopf, als ob sie aus einer Art Hypnose erwachen würde: „Hm?“
„Ich...äh....“ Sally zuckte zurück, „der Joint...er schmeckt mir nicht.“
„Ach so......ja, gib her.“ Den Blick immer noch ins Leere gerichtet, streckte Rachel ihre Hand zu Sally hinüber.
Verwirrt legte Sally ihr Leihgut wieder zurück in seines Besitzers Hand. Diese schloss sich und wurde wortlos wieder zurückgezogen.
Sally beschloss, sich an Lu zu wenden.
„Was ist denn mit ihr los?“, fragte sie leise.
„Der Plan“, flüsterte Lu zurück.
„Der Plan?“ Sally kam sich immer verwirrter vor.
„Rachel“, sagte Lu mit fester Stimme und man hörte, dass sie die Angespro-chene zeitgleich mit dem Fuß anstieß, „erklär es ihr doch.“
Rachel blinzelte abermals.
Dann atmete sie tief durch und wandte ihren Kopf Sally zu.
Ihr Blick war voller Spannung.
Sally wurde es richtig bange.
„Wir schmieden einen Plan“, begann sie schließlich mit gedämpfter Stimme, „um hier raus zu kommen.“
Sallys Augen weiteten sich.
„Ihr wollt ausbrechen?“ Sallys Stimme quiekte vor Entsetzen.
„Scccchhhh!“, machten Rachel und Lu zugleich.
Rachels Hand zuckte, als müsste sie sich zurückhalten um Sally nicht den Mund zuzuhalten.
„Du hast es erfasst.“, fuhr sie dann fort, während sie ein paar vorsichte Blicke auf die Wachtposten warf, „heute Nacht noch. Es ist alles schon seit Monaten genau geplant, aber heute morgen ist eine Komplikation aufgetreten.“
„Eine Komplikation?“ Sally lauschte gespannt.
„Ja, und zwar du.“, erklärte Lu.
„ICH?“ Das Quieken war erneut zu hören, und darauf folgte wieder ein „Scccchhhh!“.
„Ja, sie haben die Wachtposten deinetwegen umpostiert. Jetzt wissen wir nicht mehr genau, wen wir wo antreffen werden. Es hat Monate gedauert um den Aufstellungsplan genau herauszufinden. Außerdem wissen wir nicht, wie wir deine Zelle auch noch in der Zeit, die wir haben, erreichen und auf-schließen sollen.“, berichtete Rachel.
„Meine.....“ Sallys Gedanken überschlugen sich, „meine Zelle? Ihr wollt mich mitnehmen?“
„Ja willst du denn hierbleiben?“, fragte Lu verwundert.
„Ich...äh....ich weiß nicht...meine Gerichtsverhandlung ist doch morgen...“
„Ach so, und die willst du nicht verpassen, oder was?“ Rachel schien sich über sie lustig zu machen.
„Ähm...naja, ich meine, ich weiß ja noch gar nicht, wie mein Urteil aussehen wird...vielleicht lohnt es sich gar nicht, auszubrechen...vielleicht wird alles gar nicht so schlimm...den Vorsitz hat Richter Hayden.“ Sally wusste nicht, was sie da redete. Wollte sie denn nicht um jeden Preis aus dem Gefängnis? Sie hatte doch noch was zu erledigen, da draußen...
„Richter Hayden, soso, na dann hast du wirklich gute Chancen. Wie lautet denn die Anklage?“, wollte Lu wissen.
„Ähm...Mord.“ Sally beobachtete aufmerksam die Gesichter der beiden anderen.
Lus Augen wurden groß, Rachel senkte den Blick.
„Das war auch meine“, murmelte Rachel, „und ich hab dafür lebenslang bekommen. Genau darum will ich hier raus.“
„Aber du warst nicht so jung, und Richter Hayden hast du auch nicht bekommen“, wandte Lu ein.
„Ja, das stimmt.“ Rachel wandte sich wieder Sally zu, „letztendlich ist es deine Entscheidung.
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Kommentare
Ein-guter-Tipp schrieb am 2010-02-07 21:15:00:
Hallo, daß hat zwar nichts mit der Geschichte zu tun, aber ich muß hier mal was loswerden:
Nervt das euch nicht auch, wenn man in den Suchmaschinen nur Angaben findet,
die man nicht gebrauchen kann? Wenn man ein Suchwort eingibt, werden meistens
auf den forderen Plätzen nur irgendwelche Müllseiten angezeigt.
Das muß aber nicht sein, ich kenne jetzt eine Seite, wo man mit einem Klick
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Moon Dancer schrieb am 2010-02-06 15:04:53:
die geschichte ist echt gut. mach weiter so xD
lg
Mary schrieb am 2010-02-05 16:40:47:
Man, ich liebe die Story! Bitte, bitte weiter! So schnell wie möglich! Ich bin verückt danach :D
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