Sally (3. Kapitel)
von
*soulmate*
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3. DER BLAUE STERN
Die Zeit schien nur so dahin zu kriechen.
Der Minutenzeiger der Uhr, die an der Wand hing, schien sich nur alle paar Mi-nuten um einen Strich weiter zu bewegen.
Sally war schon fast davon überzeugt, dass die Uhr sie zur Weißglut treiben wollte.
Sie saß auf ihrem Bett und starrte stur auf das tickende Ding. Hätte sie eine andere Möglichkeit gewusst, um sich die Zeit zu vertreiben, hätte sie nicht gezögert, diese anzuwenden, doch es gab ja nichts in der kalten Zelle, mit dem man sich hätte beschäftigen können.
Der Schrank war leer, ebenso wie das Regal.
Auf dem Tisch befand sich nichts und ansonsten gab es nur noch das Waschbe-cken.
Was das alles doch für ein abwechslungsreiches Programm bot!
Das einzige sich bewegende Etwas war nun mal die Uhr.
Tick, tack, tick, tack, tick, tack...tickte sie wirklich noch?
Sally stützte ihre Ellbogen auf ihre im Schneidersitz verschränkten Füße und legte ihren Kopf in ihre Hände.
Müde war sie nicht, denn an Schlaf hatte es ihr in letzter Zeit nicht gemangelt, doch irgendwie fehlte ihr die Kraft, ihren Kopf aufrecht zu halten.
Dieses Ticken war so unendlich...langweilig.
Außerdem regte sich in ihr wieder der Drang, zu reden.
Nach langer Zeit begann sie schließlich, ein Lied, dass ihr spontan eingefallen war, im Takt der Uhr zu summen.
Wenigstens ein Geräusch, dass sie ablenkte.
Nach und nach fielen ihr immer mehr Lieder ein, manche, die sie noch kurz vor ihrer Verhaftung gehört und manche, die sie schon Jahre lang nicht mehr im Kopf gehabt hatte.
Sie summte „How to save a life“ ebenso wie „When the wild roses grow“ und “Apologize” gleich nach “My love is your love”.
Doch auch diese neuentdeckte Beschäftigung hielt nicht lange an. Irgendwann gingen die Lieder in Balladen über und Sally konnte es nicht verhindern, dass ihr letztendlich doch die Augen zufielen und sie aus ihrem Schneidersitz rückwärts in ihr Bett fiel.
Ein furchtbar lautes, schrilles Geräusch weckte sie erst Stunden später.
Verwirrt schlug sie die Augen auf.
Das Geräusch klang bedrohlich und angsteinflößend. Am liebsten hätte sie laut geschrien, um es zu übertönen, doch das war wohl nicht angebracht. Stattdessen hielt sie sich die Ohren zu und sah sich nach der Ursache um.
Draußen, genau gegenüber von ihrer Zelle, war an der Wand ein Lautsprecher angebracht und aus ihm drangen diese furchtbaren Töne.
Jetzt fiel es ihr erst ein.
Es musste ein Alarm sein.
Ein Alarm.....der Ausbruch!
Schnell sprang sie aus dem Bett und stellte sich ganz nah an die Gitterstäbe. Irgendwer musste doch kommen, um sie rauszuholen. Mehr wusste sie nicht.
Warten....folgen....tun, was man ihr sagt.
Weitere Instruktionen gab es nicht.
Vor Aufregung begannen ihre Beine zu zittern und das Herz schlug ihr bis zum Hals. Um noch besser um die Ecke außerhalb der Zelle sehen zu können, nahm sie die Hände von den Ohren und umklammerte die Gitterstäbe, um dann ihr Gesicht daran zu legen.
Da!
Waren das Schritte?
Ja, ganz deutlich!
Jemand rannte den Gang entlang, und zwar in erstaunlichem Tempo.
Sallys Hände wurden schweißnass und sie trat sicherheitshalber ein paar Schritte von der Zellentür zurück.
Man wusste ja nie.
Wie wollte ihre Retterin die Tür überhaupt aufbekommen?
Sally rechnete mit allem: einem Draht, Sprengstoff, irgendetwas um die Tür aus den Angeln zu heben, aber woher sollte sie solche Utensilien haben?
Endlich, ein Schatten war schon zu sehen.
Mit der sich nähernden Person schien auch der Alarm immer lauter zu werden.
Viel Zeit hatten sie bestimmt nicht.
Nun kam sie um die Ecke, ihre Retterin, eine Frau mit schulterlangen, schwarzen Haaren und einem durchtrainiertem Körper.
In der Hand hielt sie festumklammert einen Schlüsselbund.
Natürlich, dachte Sally, die einfachste Methode.
Die schwarzhaarige Frau zitterte am ganzen Körper und hatte Mühe, den Schlüs-sel in das Schloss zu bekommen
Sallys Beine zitterten immer mehr.
Komm schooon, wollte sie rufen, doch sie biss sich auf die Lippe.
Plötzlich stach ihre etwas ins Auge.
Ein blauer Stern, der munter an dem Schlüsselbund vor sich hin baumelte.
Sally riss die Augen auf.
„Woher hast du den?!“, brüllte sie ihre Retterin an.
„Was?!“, schrie diese verwirrt zurück.
„Den Schlüsselbund!“ Sally zeigte auf ihn.
Verdattert schaute die Frau auf den Schatz in ihren Händen.
„Woher ich den habe?!“, fragte sie.
„Ja!“ Sally war außer sich.
„Ja von dem Kerl, der ihn vorher hatte.“ Für die Schwarzhaarige schien die Frage keinen Sinn zu ergeben.
„Ja den hat er dir doch bestimmt nicht freiwillig gegeben, oder?“ Ihre Stimme zitterte.
„Äh, nein, das nicht, er musste schon erledigt werden.“
Erledigt? Sallys Atmung beschleunigte sich. Erledigt? Der gutmütige, freundliche Wärter mit den blauen Augen? Erledigt? Einfach so?
Sie musste sich mit einer Hand an den Gitterstäben festhalten, um nicht einfach umzukippen.
„Komm jetzt!“, brüllte die Schwarzhaarige, die die Verwirrung offensichtlich schnell überwunden hatte.
Sie schloss die Tür auf und packte Sally beim Arm.
Sally selbst konnte gar nichts tun.
Erbarmungslos wurde sie hinter der Frau her geschleift.
Erledigt? Mein Wärter? Immer noch war sie fassungslos.
„Beweg deine Füße mal alleine!“, brüllte die andere und zog ein letztes Mal an Sallys Arm, bevor sie ihn losließ.
Ohne nochmal nach Sally zu sehen, lief die Frau weiter.
Sally blieb stehen.
Wie hätte sie auch weiterlaufen können?
Wie könnte sie etwas tun, wobei andere Unschuldige verletzt oder vielleicht sogar getötet werden?
Wie sollte sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren?
Nein, das war nicht möglich.
Ihr Gewissen war schon belastet genug.
Endlich eine Entscheidung, die sie eindeutig treffen konnte.
Sie zwang ihre zitternden Beine kehrt zu machen und genau den entgegengesetz-ten Weg zu laufen. Erst in Richtung ihrer Zelle, dann an ihr vorbei und um die Ecke, die in einen langen Korridor führte.
Sie wusste, dass die nächste Abzweigung rechts zum Speisesaal führte, doch da wollte sie ja nicht hin, oder doch? Wo erledigte man denn jemanden?
Der Alarm surrte erbarmungslos weiter.
Bald musste jemand hier sein, der die Ausbrechenden wieder einfangen wollten. Vielleicht ein paar Polizisten mit Schlagstöcken oder sogar Waffen.
Viel Zeit hatte sie nicht mehr, das wusste sie, denn würde ein Polizist sie finden, bevor sie den Wärter gefunden hatte, würde es garantiert so aussehen, als wollte sie auch fliehen, und dann stand es ziemlich schlecht um sie.
Schnell beschloss sie, die nächste Abzweigung zu nehmen. Sally rannte so schnell, wie ihre Beine sie vorwärts tragen konnten. Verzweifelt drehte sie immer wieder den Kopf in alle Richtungen.
Lag hier irgendwo jemand?
Oder kam schon jemand hinter ihr her?
Schön langsam waren ihre Ohren taub vom Heulen der Sirene.
Hätte sie den Namen des blauäugigen Wärters gewusst, hätte sie ihn gerufen.
Der Gang, in dem sie nun lief, hatte wieder zwei Abzweigungen, die in entgegengesetzte Richtungen führten.
Sally blieb kurz stehen, warf
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Kommentare
Mary schrieb am 2010-02-12 14:32:54:
BItte weiter >-< Ich liebe es!
Bis auf ein paar Rechtschreibfehler, total gut!
Ich freu mich auf den nächsten Teil!
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