Sally (3. Kapitel)
von
*soulmate*
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einen flüchtigen Blick in jeden der Gänge und entschloss sich dann für den rechten.
Bitte lass es den richtigen sein, betete sie in Gedanken.
Völlig außer Atem lief sie weiter.
Nun sah sie, dass die Räume links und rechts von ihr leere Zellen waren. Es waren also sehr viele an dem Ausbruch beteiligt.
Plötzlich musste sie stehen bleiben, denn vor ihr war eine Wand.
Im ersten Moment dachte sie, sie wäre in einer Sackgasse gelandet, doch nach einem Blick nach rechts entdeckte sie eine Tür, die man von weiter vorne nicht sehen konnte, da sie im Gegensatz zur Wand ein Stück nach hinten versetzt eingebaut war.
Ohne zu zögern drehte sie sich um und drückte die Tür mit der Hand auf. Sie war nur angelehnt.
Nach einem tiefen Atemzug wagte Sally einen vorsichtigen Blick hinein.
Der Raum war offenbar ein Büro. Oder er sollte zumindest eines sein, denn im Moment herrschte hier drin heilloses Chaos.
Akten lagen offen oder sogar zerrissen auf dem Boden, der Schreibtischstuhl war umgeworfen und alles mögliche, was wohl einmal geordnet in Schränken gewe-sen war, war im ganzen Raum verteilt. Manches völlig zerstört, manches sogar noch heil.
Und plötzlich entdeckte sie noch etwas.
Dort, hinter dem Schreibtisch, wo eigentlich der Stuhl stehen sollte, lag jemand.
Sie konnte nicht erkennen, wer dieser Jemand war, aber egal wer er war, Hilfe leisten war selbstverständlich für Sally.
Vorsichtig trat sie an den Tisch heran und spähte hinüber.
Ein blonder Haarschopf kam zum Vorschein.
Gott sei Dank, es war der blauäugige Wärter.
Doch die Erleichterung verging ihr schnell wieder, als sie die große Platzwunde auf seiner Stirn wahrnahm, die unaufhörlich blutete. Seine ganze linke Gesichtshälfte war blutverschmiert und auch sein Hemdkragen hatte sich schon rot gefärbt.
Regungslos lag er da.
Die blauen Augen geschlossen wie ein Engel.
Sally kniete sich augenblicklich neben ihn, nahm sein Handgelenk und suchte seinen Puls.
Ihr Herz machte einen Freudensprung, als sie ihn ertastete.
Er lebte also, das war die Hauptsache.
Doch wie sollte sie die Blutung stoppen?
Sie sah sich in dem Durcheinander des Büros nach irgendeinem brauchbaren Stoff um, doch außer Papier und Stiften lag da nicht viel.
Plötzlich gab der Wächter ein leises Stöhnen von sich.
Sally zuckte zurück.
Er drehte langsam den Kopf hin und her und seine Augenlider begannen zu flattern. Schließlich konnte er sie öffnen.
So gleich find sein Blick den ihren und sie schenkte ihm ein unschuldiges Lächeln.
„Ganz ruhig.“, flüsterte sie und beugte sich über sein Gesicht, da er sie sonst bei dem lauten Sirenengeheul wohl nicht verstanden hätte.
„Was...?“, setzte er mit zittriger Stimme an.
„Ein paar Gefangene haben dich wohl K.O. geschlagen und dir deinen Schlüsselbund geklaut, um damit zu fliehen.“, erklärte Sally, als wäre es das Normalste auf der Welt.
„Wie...?“, begann er dann wieder.
„Das weiß ich auch nicht so genau. Ich kannte den Plan nicht.“ Sag nicht zu viel, mahnte sie sich selbst.
„Und du....?“ Seine Augen bekamen einen ängstlichen Ausdruck.
„Ich bleibe hier.“, sagte sie und lächelte wieder.
Dann lächelte auch er, doch das Lächeln hielt nicht lange an, denn dann verzog er das Gesicht vor Schmerz und fasste sich mit der Hand an die Stirn.
„Nicht! Du blutest sehr stark. Wir müssen die Blutung irgendwie stoppen.“, erklärte Sally besorgt.
„Rechts an der Wand.“, presste der Wärter zwischen zusammengebissenen Zäh-nen hervor.
Sally richtete ihren Blick nach oben.
Oh man, ein Arzneischrank. Wie blind konnte man eigentlich sein?
Hastig stand sie auf und eilte hinüber. Sie setzte auf ihr Glück, dass der Schrank nicht auch so verwüstet war wie der Rest des Büros.
Zum Glück war er es auch nicht.
Alles war noch an seinem Platz und Sally fand schnell Verbandszeug. Sie hatte nicht viel Ahnung von erste Hilfe, aber sie hielt es für das Beste, die Wunde erst einmal zu verbinden.
Sie nahm sich eine Kompresse, eine aufgerollte Mullbinde und einen frischen Verband. Damit sollte es gehen.
Soweit Sally wusste, musste sie bei einer Platzwunde einen Druckverband anlegen, damit die Blutung gestoppt werden konnte, also kniete sie sich wieder neben den verletzten Wärter und drückte ihm vorsichtig die Kompresse auf die Wunde.
Er gab einen gequälten Laut von sich.
„Tut mir leid, ich versuch nur zu helfen.“, flüsterte sie und legte die Mullbinde auf die Kompresse, damit das Blut aufgesaugt werden konnte.
Vorsichtig legte sie ihre Hand unter seinen Kopf und hob ihn ein wenig nach oben.
Die Berührung ließ es in ihrem Körper kribbeln, doch angesichts der Situation nahm sie es kaum war.
Behutsam wickelte sie dann den Verband um seinen Kopf, damit alles gut zusammengehalten wurde.
„Ich hoffe das hilft.“, sagte sie und lächelte ihn an.
„Danke.“ Er versuchte zurückzulächeln, doch der Schmerz ließ nur ein kleines Zucken der Mundwinkel zu.
In diesem Moment hörte endlich das lärmende Geräusch des Alarms auf.
Sally fühlte sich wie taub und in ihren Ohren surrte es noch.
Mit Bedacht legte sie den Kopf des Wärters wieder auf den Boden und setzt sich dann neben ihn.
Die Stille war richtig beruhigend.
Sally konnte zum ersten Mal wieder klar denken.
Sie begann sich zu fragen, ob der Ausbruch wohl gelungen war, ob Rachel und Lu nun wirklich draußen in der Freiheit waren, oder ob man sie wieder eingefangen hatte.
Plötzlich hörte sie etwas.
Jemand näherte sich im Laufschritt dem Büro.
Aus war es mit dem Klardenken.
Auf einmal wusste sie nicht mehr, was sie tun sollte. Sich verstecken? Oder einfach warten und alles erklären? Würde man ihr glauben?
Doch Zeit für eine Entscheidung war sowieso nicht mehr.
Die Schritte waren schon so deutlich zu vernehmen, dass die Person fast vor dem Büro sein musste.
Schon stand jemand in der Tür.
Sally zitterte am ganzen Körper.
Der Polizist, der wahrscheinlich gekommen war, um nach seinem Kollegen zu sehen, hielt eine Waffe in der Hand und machte ein sehr ernstes Gesicht.
Sally konnte vor Angst nichts sagen.
„Was machst du hier?!“, brüllte er sie an.
„Ich...ich...ich wollte nur...“ Ihre Stimme versagte.
„Haben sie dich vielleicht hier zurückgelassen?!“, schrie er weiter und näherte sich ihr mit festen Schritten.
„Nein, ich...ich wollte doch nicht...“ Sie begann zu schluchzen und erste Tränen rollten schon über ihre Wangen.
„Steh auf!“, befahl der Polizist, packte sie am Arm und zerrte sie hoch.
Sally versuchte mit ihm zu sprechen, doch sie hatte solche Angst, dass ihr kein Wort über die Lippen kam.
Sie war ihm hilflos ausgeliefert.
„Leon, nicht!“
Sally drehte den Kopf.
Der Verletzte hatte seine ganze Kraft für diese Worte zusammengenommen, „sie hat mir geholfen.“
Der Wärter setzte sich für sie ein.
Ihr fiel ein Stein vom Herzen.
Leon, der Polizist, starrte den Wärter ungläubig an.
„Sie hat dir geholfen?“, wiederholte er dann.
„Ja, und jetzt lass sie los, sie wollte nichts Böses.“, presste der blonde Wärter zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Perplex schaute der
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Kommentare
Mary schrieb am 2010-02-12 14:32:54:
BItte weiter >-< Ich liebe es!
Bis auf ein paar Rechtschreibfehler, total gut!
Ich freu mich auf den nächsten Teil!
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