Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Fantasy > Soll mal ein Buch werden

Sally (4. Kapitel)

von *soulmate*

1 2 3 4

4. ERINNERUNGEN


Brav ging Sally zurück in ihre Zelle und verhielt sich ruhig.
Sie hätte auch nicht gewusst, was sie hätte tun können, wenn sie sich nicht ruhig verhalten hätte wollen.
Schließlich war ja niemand da.
Wahrscheinlich hätte sie nicht einmal jemand gehört, wenn sie aus voller Kehle geschrien hätte.
Doch sie wollte leise sein, egal ob jemand hier war oder nicht. Sogar ihr Summen ließ sie sein.
Sie setzte sich einfach auf ihr Bett und wartete.
Irgendwann kam dann auch jemand, der die Tür wieder verschloss und ihr dabei einen mitleidigen Blick zuwarf.
Sally runzelte die Stirn.
War sie vielleicht eine von sehr wenigen, die jetzt noch hier waren? Waren sehr viele in die Freiheit geflohen?
Sie wusste es nicht, und die Person sagte es ihr auch nicht.
Eigentlich war es ihr auch egal, denn an der Tatsache, dass sie noch hier war, konnte man nichts mehr ändern. Sie wollte auch gar nichts daran ändern, denn sie hatte endlich einmal das Richtige getan, da war sie sich sicher.
Und mehr noch.
Sie wusste jetzt, dass der Wärter, Matt, zu ihr stand.
Das gab ihr ein gutes Gefühl.
Mit diesem Wissen und dem guten Gefühl, kam ihr die Einsamkeit gar nicht mehr so schlimm vor.
Vielleicht würde man es ihr vor Gericht sogar anrechnen, dass sie nicht geflohen war, sondern geholfen hatte. Vielleicht bekam sie dadurch ein milderes Urteil.
Diese Gedanken zauberten ein Lächeln auf ihr Gesicht.
Zufrieden legte sie sich in ihr Bett, deckte sich zu und schloss die Augen.
Heute konnte sie endlich einmal ohne lange Grübeleien friedlich einschlafen.

Am nächsten Morgen wurde Sally nicht von Matt geweckt, sondern von einem Mann mittleren Alters in grauem Anzug.
Er sagte ihr, dass er ihr Anwalt sei und sich vor der Gerichtsverhandlung noch mit ihr unterhalten wolle.
„Ja...natürlich.“, sagte Sally und erhob sich von ihrem Bett, um ihm in einen der Verhörräume zu folgen.
Schnell fuhr sie sich noch mit den Fingern durch die Haare und hoffte, wenigstens einigermaßen akzeptabel auszusehen.
Hoffentlich hatte sie vor der Verhandlung noch Zeit, sich zu waschen und ihr Aussehen in Ordnung zu bringen.
Es war ihr unangenehm so ungepflegt hinter dem Mann im Anzug herzugehen, doch was konnte sie schon machen.
Im Verhörraum angekommen setzte sie sich dem Anwalt gegenüber auf einen Stuhl und wartete, bis er etwas sagte.
„Also, Ms. Baldwin, Sie sind 16 Jahre alt und wohnen in Westlake, Louisiana, ist das korrekt?“, begann er dann.
Sally nickte.
„Und wie stehen Sie zu ihrer Tat?“, fragte er und sah dabei ganz professionell über seinen Brillenrand direkt in ihre blauen Augen.
„Wie ich...?“ Sally runzelte verwirrt die Stirn, „naja, ich streite nichts ab. Ich gebe zu, dass ich es war, ich ganz allein. Wollten Sie das wissen?“
„Mhm.“, machte er nur und sah nicht mehr in ihre Augen, sondern in seine Akte, die er vor ihm auf dem Tisch abgelegt hatte.
Sally legte ihre Hände in ihren Schoß und richtete die Augen zu Boden.
Sie fühlte sich unwohl bei diesem Gespräch.
Erstens wusste sie nicht, wie sie aussah, und zweitens kannte sie diesen Mann nicht einmal, und jetzt sollte sie ihm all ihre Motive und Gründe darlegen, die sie zu ihrer Tat veranlasst hatten.
„Dann ist da noch die Sache mit der Geisel.“, setzte der Anwalt wieder an.
Er sagte es, als wäre es reine Nebensache.
Er sah nicht mal aus seiner Akte auf.
„Sie war nicht meine Geisel.“, murmelte Sally, verärgert darüber, dass das jeder behauptete.
„Mhm.“, gab er wieder von sich, ganz in seine Akte vertieft, „jedenfalls hat man sie gefunden.“
Dieser Satz war für Sally wie eine Ohrfeige.
Es war der Satz, den sie niemals hatte hören wollen, der Satz, der ihr sagte, dass sie versagt hatte.
Dieser Schock saß tief.
In ihr zog sich Alles zusammen und ihr Bauch begann wehzutun. Er gab komische Geräusche von sich und Sally wurde übel. Schon kam ihr etwas die Speiseröhre hoch und sie konnte es nur mit Mühe wieder hinunterschlucken. „Kann ich vielleicht kurz zur Toilette?“, fragte sie schnell und hielt sich dann eine Hand auf den Bauch und die andere vor den Mund.
Der Anwalt sah von seiner Akte auf und starrte sie dann an. Ihr Gesicht war wohl kein schöner Anblick. Vermutlich hatte es eine leicht grünliche Färbung.
„Äh...ja, natürlich.“, antwortete er.
Hastig stand Sally auf und eilte zur Tür. Mit der Hand, die auf ihrem Bauch gelegen war, klopfte sie dagegen und die Polizistin, die draußen Wache stand, öffnete. Nach einem Blick auf Sallys Gesicht stellte sie auch keine Fragen, sondern ließ sie einfach durch.
Sally sah sich kurz um, entdeckte das WC-Schild und stürzte dann den Gang entlang. Dreimal musste sie laut den Schildern abbiegen und dann stand sie endlich vor zwei Türen, die eine mit der Aufschrift „Herren“ und die andere mit „Damen“. Schnell rannte sie durch die rechte und sofort in die erste Toilettenkabine hinein, wo sie sich übergab.
Nicht nur ihr Magen schien sich zu übergeben, sondern auch ihre Tränendrüsen waren auf einmal zum Bersten voll und auch ihr Herz schmerzte in ihrer Brust, als wäre die Last, die es zu tragen hatte, viel zu groß.
Sie hatten sie gefunden.
Sie hatten sie wirklich gefunden.
Alles war umsonst gewesen.
Sally ließ sich auf die Knie fallen und weinte.
Ihr Schluchzen ließ ihren ganzen Körper erzittern.
Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und spürte, wie nass es schon war.
Ihr Herz fühlte sich so schwer an. Seine festen Schläge waren wie ein Protestieren gegen die Trauer, die es soeben zu spüren bekommen hatte.
Es war einfach zu viel.
„Nein.“, schluchzte Sally und dieses eine Wort kam aus der Tiefe ihres Herzen, „nein, das darf nicht sein.“
Wieso war denn nur alles so schief gelaufen?
Es schien doch zu funktionieren.
Die Erinnerung war so deutlich in ihr Gedächtnis eingebrannt, dass sie fast dach-te, diese furchtbare Nacht wiederhole sich noch einmal...

„Sally, ich kann nicht mehr.“, jammerte das kleine, schwarzhaarige Mädchen, das Sally an der Hand hatte.
„Ich weiß Anni, wir haben es gleich geschafft.“, sagte Sally schon zum zehnten Mal und sah sich hektisch um.
Folgten sie ihnen schon?
Sally wusste, wie müde ihre kleine Schwester schon war, doch sie konnte ihren Laufschritt nicht verlangsamen, noch nicht.
Wenn erst jemand die Polizei verständigte, würden sie sie bald einholen, doch das durfte nicht geschehen.
Vorher mussten sie am Versteck angelangt sein.
Das Versteck, dass Sally sorgfältig ausgewählt hatte, war ein schmaler Zugang zu einem Keller eines baufälligen Hauses. So schmal, dass nur ein Kind hineinpassen konnte...
Der Gedanke, dass sie Anni bald alleinlassen musste, bis sie ein besseres Versteck gefunden hatte, trieb ihr Tränen in die Augen.
Sie war doch noch so klein.
Aber so war es auf jeden Fall besser, als wenn sie geblieben wären.
Es konnte nur besser sein.
Nichts war so unvergleichlich schlimm für Sallys Herz, als wenn jemand ihrer kleinen Schwester wehtat.
Das war jetzt vorbei.
Jetzt würde sie für sie sorgen.
Zusammen würden sie es schaffen,

1 2 3 4

Kommentare

Mary schrieb am 2010-02-22 16:03:08:
Ohh, es ist so spannend und toll geschrieben! >-< Ich liebe es! Bitte schreib schnell weiter!

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Google
Pagerank Tools Pagerank Tools