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Kategorien > Fantasy > Soll mal ein Buch werden

Sally (4. Kapitel)

von *soulmate*

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sehr schüchternes Mädchen. Sie brauchte jemanden, der sie knuddelte und ihr sagte, dass er sie lieb hätte. Sie würde in einem Heim niemals glücklich sein können.
Stark sein...für Anni.
Sally atmete noch einmal tief durch und stützte sich dann an der Kloschüssel ab, um aufzustehen. Ihre Beine zitterten noch und sie hatte Mühe, nicht wieder auf den Boden zu sinken. Die Übelkeit war noch nicht ganz vergangen und ihr Kopf dröhnte auch. Insgesamt fühlte sie sich, als müsste sie gerade die Folgen einer langen Nacht mit viel Alkohol ausbaden, nur dass der lustige Teil gefehlt hatte.
Mit vorsichtigen Schritten tapste sie aus der Klokabine hinaus und stützte sich dann an einem der Waschbecken ab. Vor ihr hing ein großer Spiegel, der die gesamte Wand säumte.
Es war das erste Mal seit Tagen, dass Sally ihr Spiegelbild sehen konnte.
Ihr Gesicht war tatsächlich leicht grün und es sah abgemagert aus. Kein Wunder, denn sie hatte, seit sie hier war, kaum etwas gegessen. Ihre blauen Augen blick-ten ihr müde entgegen, obwohl sie in den letzten Tagen relativ viel geschlafen hatte, und ihre Lippen sahen eigenartig verzerrt aus, fast so als hätten sie vergessen, wie man lächelt. Auch ihren Haaren fehlte augenscheinlich die säubernde Wirkung eines Shampoos und einen Kamm hatten sie schon lange nicht mehr zu spüren bekommen.
Doch Sally war weder schockiert noch traurig über ihre Erscheinung.
Sie nahm es einfach hin.
Das Einzige was sie tat, war den Wasserhahn aufzudrehen, mit ihren Händen eine Schale zu formen um damit das Wasser aufzufangen und es sich dann ins Gesicht zu spritzen, doch sie spürte nicht viel. Das Wasser war zwar nass und kalt, doch an Kälte war sie inzwischen gewöhnt.
Sie griff nach ein paar Papierhandtüchern auf der Seite des Waschbeckens und trocknete sich damit Gesicht und Hände ab.
Danach sah sie noch einmal in den Spiegel.
Es hatte sich nichts verändert.
Stark sein...für Anni.
Noch einmal atmete sie tief durch, stellte sich aufrecht hin und ging dann mit festen Schritten zur Tür.
Schließlich wartete ja noch jemand auf sie.

Das Gespräch mit dem Anwalt zog sich noch ewig hin. Er stellte ihr viele Fragen, die sie oft nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortete. Manchmal fügte sie noch ein „aber“ hinzu, doch daran war der Anwalt wenig interessiert.
Er wollte nur die Anklage mit ihr durchgehen und wissen, was sie gestand und was sie abstritt.
Sally gestand das Meiste.
Es hatte viele Augenzeugen gegeben, die sie vom Tatort hatten weglaufen sehen und dann war da ja noch die Aussage der kleinen Anni.
Obwohl diese eindeutig verlauten ließ, dass ihr ihre Schwester nie etwas Böses getan hatte, konnte man allerdings nicht abstreiten, dass das Mädchen an Unter-kühlung litt und mit blauen Lippen und blassem Gesicht auf der Straße gefunden worden war, was nicht dafür sprach, dass Sally auf es aufgepasst hatte.
Bei diesen Berichten des Anwalts schnaubte Sally nur verächtlich.
Wie hätte sie denn auch auf ihre Schwester aufpassen sollen, wenn sie hier im Gefängnis saß?
So was Albernes.
Anscheinend hatte auch ihr Wärter, Matt, noch seinen Senf dazu gegeben. Er hatte von sich aus bezeugt, dass Sally nicht die Absicht gehabt hatte, auszubre-chen, sondern ihm stattdessen geholfen hatte, was dafür sprach, dass sie im Grunde kein schlechter Mensch war.
Oder aber sehr gerissen, wie es der Anwalt ausdrückte.
Zum Schluss ihres Gesprächs teilte er ihr noch einmal mit, dass Richter Hayden den Vorsitz hatte, und dass das ein großes Glück für sie sei.
Sally nickte nur und versuchte, ihren Lippen das Lächeln wieder zu lernen.
Der Anwalt ging und eine Polizistin kam zu Sally herein, die einen Kleiderbügel mit Sallys alten Sachen in der Hand trug.
„Die darfst du zur Verhandlung anziehen.“, verkündete sie kaugummikauend und überreichte Sally den Kleiderbügel.
Sally strahlte.
Der erste Schritt in Richtung Freiheit.
Sie wartete, bis die Polizistin wieder hinausgegangen war und riss sich dann mit Freude den hässlichen Overall vom Leib. Sie schmiss ihn in eine Ecke und nahm dann fast schon ehrfürchtig ihre blaue Jeans von dem Kleiderbügel.
Sie hatte ein Loch am linken Knie. Das war wohl bei dem Sturz nach dem Sprung über den Zaun passiert, als Sally sich das Knie aufgeschlagen hatte. Doch weder dieses Loch, noch der Dreck, der die Jeans hi und da bedeckte, stör-ten Sally. Für sie waren es eher Trophäen, die ihren Mut bezeugten und ihre letzten Stunden auf freiem Fuß in Erinnerung riefen.
Mit Genuss schlüpfte sie hinein und knöpfte die Jeans zu. Sie war ihr ein wenig weiter als noch vor ein paar Tagen, doch es fühlte sich trotzdem großartig an, endlich wieder normale Kleidung zu tragen.
Danach nahm sie ihr langärmliches Shirt in die Hand, das früher einmal weiß gewesen war. Inzwischen war es so ausgewaschen, dass sich die Farbe in ein leichtes Grau gewandelt hatte, doch Sally mochte es trotzdem. Es war enganliegend, lang und hatte weite Ärmel. Ein paar schwarze Schnörkel säumten die rechte Seite und am Ausschnitt konnte man es schnüren.
Außerdem hatte es ihr ihre Mutter einmal von einer Geschäftsreise mitgebracht. Für sie war eine Geschäftsreise nie wirklich nur eine Reise für das Geschäft, sondern auch eine gute Gelegenheit in noch unentdeckten Modehäusern zu shoppen, gewesen.
Sally lächelte bei der Erinnerung an ihre shoppingverrückte Mutter.
Sie vermisste sie so sehr.
Mit einem Gefühl von Vertrautheit zog sie sich das geliebte Shirt über den Kopf und streifte es über ihren Oberkörper. Es saß noch immer perfekt, Gott sei Dank.
Ihre Turnschuhe hatte sie sowieso anbehalten und ihre Jacke brauchte sie jetzt nicht. Trotzdem hing sie sich die Jacke über den Arm und ging dann zur Tür.
Sally klopfte und die Polizistin von vorhin öffnete ihr.
„Es warten schon alle auf dich.“, sagte sie zu Sally und nickte in Richtung Ausgang.
Sally sah hinüber.
Dort standen fünf bewaffnete Polizisten und einer davon blickte in ihre Richtung. In den Händen hielt er Handschellen.
Reflexartig versteckte Sally ihre Hände hinter dem Rücken, doch sie wusste, dass das nichts helfen würde. Eigentlich hätte sie doch schon lange mit Hand-schellen rechnen müssen. Schließlich war sie im Gefängnis.
Zögerlich schritt sie auf den Hüter des Gesetztes zu und zwang auch ihre Hände, wieder hinter ihrem Rücken hervor zu kommen.
Der Polizist lächelte sie freundlich an, anscheinend froh darüber, dass sie sich nicht wehren wollte und legte ihr die Handschellen vorsichtig an.
Dann nahm er sie am Arm und führte sie, gefolgt von seinen vier Kollegen, zur Eingangstür hinaus.
Sally war von der Helligkeit des Sonnenscheins überwältigt und musste ein paar Mal blinzeln. Es war Sommer und deshalb ziemlich heiß und Sally genoss die Wärme auf ihrer Haut, doch kaum hatte sie die Schönheit der frischen Luft wahrgenommen, musste sie auch schon wieder in eines der Polizeiautos einsteigen. Ihr Führer hielt ihr die Tür auf und schloss sie auch hinter ihr wieder.
Wehmütig sah Sally aus dem Fenster.
Jetzt erst fielen ihr die

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Kommentare

Mary schrieb am 2010-02-22 16:03:08:
Ohh, es ist so spannend und toll geschrieben! >-< Ich liebe es! Bitte schreib schnell weiter!

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