Sally (6. Kapitel)
von
*soulmate*
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6. DAS LETZTE MAL
Sally wurde wieder in genau die gleiche Zelle gebracht, in der sie schon zuvor eingesperrt gewesen war. Sie hatte keinerlei persönliche Gegenstände darin, also hätten sie ihr auch jede andere geben können, aber es schien, als ob sie genau diese für sie freigehalten hätten.
Zu ihrer Erleichterung wurde ihr gestattet, ihre eigenen Klamotten anzubehalten. Sie wollte auf keinen Fall noch einmal so einen grässlichen Overall anziehen, aber nicht aus dem Grund, dass er abgrundtief hässlich war, sondern weil er für sie ein Zeichen für Gefängnis und Gefangensein darstellte.
Sie war noch nicht lange in ihrer Zelle, da kam schon wieder ein Wärter, der sie zum Mittagessen abholte. Natürlich war es nicht Matt, aber damit hatte sie auch nicht gerechnet. Wäre er schon wieder im Gefängnis tätig, hätte er auch bei der Verhandlung erscheinen können. In diesem Moment merkte Sally erst, dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte und fast am Verhungern war.
Brav folgte sie dem Wärter auf dem Weg zur Kantine.
Keiner von beiden sagte ein Wort.
Da kam Sally plötzlich der Gedanke in den Sinn, den Wärter zu fragen, ob er wisse, was mit ihrem vorherigen Wärter war. Viel Zeit blieb ihr nicht mehr, denn sie hatten den Speisesaal fast erreicht.
Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und räusperte sich dann.
Der Wärter machte keine Anstalten sich umzudrehen geschweige denn stehen zu bleiben.
„Ähm...Sir?“, fragte sie dann vorsichtig.
Jetzt wurden die Schritte des Wärters langsamer und schließlich blieb er stehen. Er schien zu überlegen, ob er überhaupt etwas antworten sollte, drehte sich dann aber doch zögerlich um: „Ja?“
„Wissen Sie vielleicht...ähm...können Sie mir vielleicht sagen...“
Sie fand einfach nicht die richtigen Worte.
„Ja?“, wiederholte der Herr noch einmal.
Sally errötete.
„Der Wärter, der mich vorher betreut hat...wissen Sie vielleicht, wie es ihm geht?“, fragte sie dann und ihre Stimme wurde dabei immer leiser.
„Äh...welcher...? Ach so, du meinst sicherlich Matt. Ja, der wird glaub ich heute Abend wieder aus dem Krankenhaus entlassen. In ein paar Tagen wird er dann wieder zur Arbeit kommen.“
Das erste Gefühl, dass sich in Sally breit machte, war pure Erleichterung. Die Verletzung war also doch nicht so schlimm. Doch dann kam noch ein anderes Gefühl hinzu: Enttäuschung.
Matt würde erst in ein paar Tagen wiederkommen und das hieß, dass Sally ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen würde. Das versetzte ihr einen Stich in der Brust.
Fünf Jahre...bis dahin hatte er sie sicherlich schon lange vergessen.
„Vielen Dank.“, sagte sie dann zu dem Wärter und ließ den Kopf hängen.
Dieser nickte ihr nur zu und setzte dann seinen Weg Richtung Kantine fort.
Sally trottete ihm hinterher.
Wenigstens geht es ihm bald wieder gut, versuchte sie sich aufzumuntern.
Der Speisesaal war nicht gerade voll. Die Zahl der Insassen hatte sich, seit sie gestern Abend das letzte Mal hier gewesen war, bestimmt halbiert.
Waren so viele ausgebrochen?
Sally holte sich ihr Essen und setzte sich dann an den gewohnten Tisch, doch dort saßen weder Rachel noch Lu. Sie waren tatsächlich fort.
Wenigstens saßen noch zwei andere Inhaftierte am anderen Ende des Tisches, so dass Sally sich nicht ganz so verloren vorkam.
Da sie so großen Hunger hatte, nahm sie sogar ein paar Bissen mehr als sonst von dem ekelhaft schmeckenden Gericht auf ihrem Teller.
Aufgrund der herrschenden Stille ließ es sich nicht verhindern, dass sie dabei das Gespräch der beiden Damen an ihrem Tisch mithörte.
„Hast du auch gehört, dass sie einige erschossen haben sollen?“, flüsterte die eine der anderen zu. Sie hatte hellblondes, kurzes Haar und war noch relativ jung.
„Ja, hab ich auch gehört, aber das geschieht ihnen auch Recht, wenn sie uns schon nicht mitgenommen haben.“, antwortete die andere, die ein ausgewaschenes Kopftuch trug, das den Großteil ihrer grauen Haare verbarg.
„Aber Ashton, das kannst du doch nicht sagen. Sie haben so viele mit eingeplant, wie nur möglich war. Es können ja nicht alle auf einmal aus einem Gefängnis ausbrechen, ohne dass es jemand bemerkt.“, ermahnte sie die jüngere Frau.
Sally hielt die Luft an. Sie wollte ja keine zu lauten Geräusche machen, um auch keinen Teil des Gesprächs zu verpassen. Vielleicht wussten die Frauen ja sogar etwas über Rachel und Lu. Sally hätte so gerne gewusst, ob es den beiden gut ging.
„Vielleicht haben sie ja auch gar niemanden erschossen. Vielleicht erzählen sich das die Wärter nur, damit sie uns abschrecken und damit wir nicht dasselbe noch einmal versuchen.“, fuhr die blonde Frau dann fort.
„Kann auch sein.“, motzte die ältere nur zurück und stocherte in ihrem Essen herum.
„Zurückgebracht haben sie bisher niemanden, oder?“, fragte die andere fast schon beiläufig.
„Hab noch nichts mitgekriegt.“ Die mit dem Kopftuch schob sich eine Gabel voll Essen in den Mund.
Mehr Informationen hatten sie also auch nicht.
Die Wärter würden auch nichts erzählen, was einen Lichtblick auf Hoffnung für die Insassinnen gewähren würde, wie es sich anhörte, also würden sie Sally auch kaum Auskunft über Rachel oder Lu geben.
Sie musste sich wohl damit abfinden, dass ihr Glauben an eine erfolgreiche Flucht ausreichen musste.
Man begegnet sich im Leben immer zweimal, dachte Sally und grinste dabei. Irgendetwas gab ihr das Gefühl, dass sie Lu und Rachel wiedersehen würde, irgendwann.
Sie hatten es bestimmt geschafft, und auch sie selbst würde bald hier weg kommen, wenn auch nicht in die Freiheit.
Froh über diesen Gedanken stand sie von dem Tisch auf, brachte ihr Tablett zum dreckigen Geschirr und schlenderte dann auf den Wärter zu, der sie hergebracht hatte. Er stand an die Wand neben der Eingangstür gelehnt und sah sie verwirrt an.
„Willst du schon gehen?“, fragte er, als sie vor ihm stand.
„Ja, bitte. Ich will mich ein wenig hinlegen.“, schmunzelte Sally und sah dem Wärter in die Augen. Sie waren braun und nicht mit den himmelblauen von Matt zu vergleichen.
Ach Matt.
Welch ein Jammer, dass sie ihn nicht mehr sehen würde.
Das schmerzte und ihr Lächeln verflog schlagartig.
„Ok, wie du meinst.“, sagte der Wärter und machte sich auf den Weg Richtung Zelle.
Sally folgte ihm ohne ein weiteres Wort.
Brav ließ sie sich einsperren, wartete, bis der Wärter außer Sicht war und warf sich dann auf das harte Bett.
Sie war wirklich müde. Die Gerichtsverhandlung war sehr anstrengend für ihre Nerven gewesen.
Sally spürte, wie schwer ihre Gliedmaßen wurden und ehe sie noch einen klaren Gedanken fassen konnte, war sie schon eingeschlafen und in einen Traum ver-sunken, den ihr Unterbewusstsein wohl schon für sie vorbereitet hatte.
Im Traum war sie wieder im Gerichtssaal. Außer ihr und dem Richter war aber niemand dort. Sally saß alleine auf ihrer Anklagebank und lauschte den Worten des Richters. Er predigte ihr, was sie für ein schlechter Mensch war und wie sie nur so verantwortungslos und dumm sein konnte.
Sally fiel darauf keine Antwort ein und darum nickte sie
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Kommentare
!! schrieb am 2010-11-28 03:05:10:
Du hast so gut angefangen.Aber dann dieses Kapitel -.-
zuviel Romantik und zu unglaubwürdig!!
Mary schrieb am 2010-03-11 21:10:06:
Och, das ist so süß! BIn voll gespannt was sie angestellt hat! Bitte schnell weiter! ;)
Moon Dancer schrieb am 2010-03-11 14:39:40:
ich finde die story so schön!! schnell weiter schreiben=)
lg
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