Sally (7. Kapitel)
von
*soulmate*
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7. FAMILIE GREEN
Am nächsten Tag wurde Sally schon sehr früh von dem Wärter, der sie gestern auch zum Speisesaal gebracht hatte, geweckt und er erklärte ihr, dass sie in zehn Minuten aufbrechen würden.
Sie hatte auf dem Boden geschlafen, genau an der Stelle, an der sie zusammengesackt war und geweint hatte. Später hatte sie nicht mehr die Kraft aufbringen können, bis in ihr Bett zu kriechen. Sie hatte den Boden für gut genug zum Schlafen befunden.
Der Wärter war erst etwas verwirrt gewesen, doch letztendlich schien es ihm gleichgültig zu sein, was Sally in ihrer Zelle trieb. Hauptsache sie stand jetzt auf und folgte ihm zum Wagen.
Sally rieb sich die Augen und spürte, dass ihr Rücken von der Nacht auf dem harten Boden schmerzte, aber es war ihr egal. Langsam stand sie auf und ging zu dem kleinen Waschbecken an der Wand. Sie wusch sich kurz ihr Gesicht und fuhr sich einmal mit den Fingern durch die Haare. Instinktiv wusste sie, dass der Wärter ihr keine Zeit mehr lassen würde, um sich noch besser herzurichten. Ihr war nur wichtig, dass sie ihr Gesicht von den Tränen der letzten Nacht befreite.
„Komm jetzt.“, befahl er dann auch schon und Sally konnte den Schlüssel hören, der sich im Schloss drehte.
Sie atmete noch einmal tief durch, drehte sich um und schlürfte schließlich auf die offene Tür zu. Ohne ein Wort zu verlieren stellte sie sich neben den Wärter und wartete geduldig, bis er die Tür wieder verschlossen hatte.
Dabei achtete sie auf den Schlüsselbund, den er in Händen hielt. Viele Schlüssel, aber kein einziger Anhänger. Wie trostlos...
Sally atmete noch einmal tief durch und folgte dann dem Wärter, der sich in Richtung Ausgang bewegte. Während des ganzen Weges starrte sie nur auf den Boden. Sie wollte nicht noch einmal etwas zu Gesicht bekommen, was sie auch nur im Entferntesten an Matt erinnern könnte.
Das schmerzte zu sehr.
Nach kurzer Zeit schon hatten sie die Eingangstür des Gebäudes erreicht und ebenso wie am vorherigen Tag warteten wieder ein paar bewaffnete Polizisten und einer mit Handschellen auf sie. Heute waren es aber insgesamt nur drei.
Widerstandslos ließ Sally sich wieder die Handschellen anlegen und stapfte dann hinter den drei Männern her, die sofort in Richtung Polizeiwagen aufbrachen.
Die beiden bewaffneten Polizeibeamten stiegen auf die Vordersitze des Wagens und derjenige, der ihre Hände gefesselt hatte, hielt ihr eine der Hintertüren auf. Vorsichtig, um sich nicht den Kopf zu stoßen, stieg Sally ein und schon wurde die Wagentür wieder zugeschlagen. Durch das Fenster konnte sie beobachten, dass der Polizist wieder in Richtung Gebäude ging.
Anscheinend galt sie heute nicht mehr als so gefährlich wie gestern, denn da hatte man sie noch mit zwei Polizeiautos begleitet und heute genügte eines.
Sally schmunzelte. Was die Worte eines Richters doch ausmachen konnten.
Dann ging die Fahrt los.
Die beiden Männer schwiegen zuerst genau wie Sally, doch nach einer Weile begannen sie ein Gespräch über irgendwelche Belanglosigkeiten. Sally hörte gar nicht zu.
Sie betrachtete die Häuser, die an ihnen vorbeizogen, und war dabei in Gedanken versunken.
Wie diese Familie wohl war?
Ob sie Kinder hatten?
Wahrscheinlich keine allzu kleinen, denn sie konnte ja schließlich eine Gefahr für sie darstellen.
Bei diesem Gedanken verdrehte sie die Augen. Als ob sie jemals einem unschul-digen Kind etwas antun würde. Kinder waren für Sally das Wunderbarste, das sie sich auf der Welt vorstellen konnte.
Langsam änderte sich die Gegend, durch die sie fuhren. Nachdem sie das Ende der Stadt erreicht hatten, kamen sie an immer weniger Häusern vorbei. Stattdessen wurde die Landschaft durch saftige Wiesen, große Bäume und manch kleine Bäche ausgefüllt, die man in dem sonst heißen und trockenen Land eigentlich selten fand. Hier war es anders.
Gott sei Dank, dachte sich Sally. Sie hätte nur ungern in einer Umgebung gelebt, die man schon fast als Wüste bezeichnen konnte. Ständig Sandstürme, was Sand in Schuhen und Kleidung und Haaren bedeutete. Einfach ekelhaft.
Hier im Grünen war es doch viel schöner. Perfekt für ein kleines Picknick oder um sich einfach nur in die Wiese zu legen und sich an einem sonnigen Tag die vorbeiziehenden Wolken anzusehen.
Das hatte Anni immer gerne gemacht, als sie noch ganz klein gewesen war...
„Komm Sally, Wolken gucken.“, hatte sie dann immer gerufen, war aufgeregt auf und ab gehüpft und hatte mir dem Finger aus dem Fenster gedeutet. Sally hatte sie dann an der Hand genommen und sich draußen mit ihr in die Wiese gelegt. Wenn ihre Mum dann nachmittags von der Arbeit nach Hause gekommen war, hatte sie sich meistens auch noch ein paar Minuten dazugesellt und von ihrem anstrengenden Tag erzählt. Ihre beiden Töchter hatten ihr gespannt zugehört und ihre Mum dann zum Trost fest in die Arme genommen.
Da war noch alles so selbstverständlich gewesen. Sie waren eine Familie gewesen und Liebe und Zuneigung waren das Natürlichste der Welt. Sally hatte sich gewünscht, dass es für immer so bleiben würde und hatte in keiner einzigen Minute daran gedacht, dass alles so schnell vorbei sein könnte.
Damals war sie glücklich gewesen, und Anni auch.
Bei diesen Erinnerungen stach ihr Herz in ihrer Brust, als ob es sich wehren würde, an so fröhliche Zeiten zurückzudenken. Als ob es ihr sagen wollte „hör auf in Erinnerungen zu schwelgen. Es lässt sich jetzt an deiner Situation sowieso nichts ändern“ und damit hätte es Recht gehabt.
Darum versuchte Sally ihre Gedanken wieder auf das ihr bevorstehende Leben zu konzentrieren.
Eine Familie in ländlicher Umgebung hatte Richter Hayden gesagt, aber er hatte auch gesagt, dass ihr Arbeiten aufgetragen wurden. Sie hätte nur zu gerne ge-wusst, worum es sich dabei handelte.
So etwas lapidares wie Wäschewaschen und Staubwischen?
Oder vielleicht eher Schwerstarbeit draußen in der heißen Sonne?
Sie würde es ja früh genug erfahren.
Hoffentlich war diese Familie nicht allzu streng. Vielleicht ließ es sich ja sogar angenehm mit ihnen leben.
In diesem Moment kam der Wagen auf unebenen Boden und die Insassen wur-den ordentlich durchgerüttelt. Das riss Sally aus ihren Überlegungen und sie schaute nach vorne durch die Windschutzscheibe.
Die Straße war nicht mehr da. Vor ihnen lag nur ein Weg aus Erde und Steinen, umgeben von Wiesen und Feldern.
„Wir sind gleich da.“, berichtete dann der Beifahrer des Wagens und seine Stimme zitterte aufgrund der unebenen Fahrbahn.
Sally sagte nichts.
Er hatte ja auch schließlich keine Frage gestellt.
Wie lange waren sie wohl gefahren?
Ein paar Stunden waren es schon gewesen.
Man tat wirklich viel, um Sally von den Bürgern der Großstadt Westlake fernzuhalten.
Nach einer weiteren Minute holpriger Fahrt kam durch die Frontscheibe ein großes Haus zum Vorschein, das zuvor von einer Reihe hoher Bäume verdeckt worden war. Es war in ländlichem Stil gebaut und weiß gestrichen. An den Ecken der Wände umrahmten zusätzlich braune Linien das ganze und gaben dem Haus einen gewissen
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Kommentare
Mary schrieb am 2010-03-20 14:51:30:
Bin voll gespannt wie's weiter geht. Außerdem frage ich mich schon die ganze Zeit warum du die Story in "Fantasy" reingestopft hast. ;) Freue mich schon auf den nächsten Tei!
Nella schrieb am 2010-03-18 18:03:41:
Oh Gott, du kannst so fantastisch schreiben (:
Ich freu mich schon total auf die Fortsetzung (:
Und bin gespannt wie es weiter kommt, ich hoffe sie kommt bald (:
Lieben Gruß, Nella.
Moon Dancer schrieb am 2010-03-16 15:03:56:
ich finde die story so schön=) mach weiter so!!
lg
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