Salz in alten Wunden
von
Loki
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Die warme Sommersonne ließ das Getränk von Aaron wie pures Gold glänzen. Er nahm ihre Hand und lächelte Maria an. Sie schaute von ihrem Eis auf und erwiderte sein Lächeln.
“Es ist schade, dass wir uns nur so selten sehen können” sagte Aaron mit einer sehr bedrückten Stimme.
“Du hast Recht, es ist einfach unfair. Nur weil du ...” Maria stoppte und senkte wieder ihren Blick.
Ihr lief eine Träne über das Gesicht.
Aaron beugte sich zu ihr vor und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
Maria blickte verdutzt auf.
“Du meinst?”
Aaron legte seinen Finger auf ihre Lippen und nickte.
Darauf hin legte er einen Brief auf den Tisch und stand auf.
“Ich hab noch viel zu tun. Ich muss jetzt leider schon wieder gehen.”
Er ging zur Bedienung und bezahlte das Eis sowie das Getränk.
Er verschwand nach einigen Metern in einer der Seitengassen.
Maria war noch immer perplex von seinen Worten.
“Das kann er doch nicht ernst meinen?”
Sie schüttelte den Kopf. Nach einigen Augenblicken stand auch sie auf, nahm den Brief und ging nach Hause.
“Wo warst du schon wieder so lange?!?” schrie es ihr entgegen, als sie das Haus betrat.
“Nur bei einer Freundin!” antwortete Maria.
Maria ging sofort in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab.
Sie atmete tief durch und öffnete langsam den versiegelten Briefumschlag.
Sie zögerte noch kurz bevor sie den Brief aus dem Umschlag holte.
Maria las ihn sich durch, in dem Brief stand.
Liebe Maria
Das Treffen heute wird wahrscheinlich unser letztes gewesen sein.
Es tut mir echt leid dir das sagen zu müssen...
Heute Nacht wird noch die letzte Party im R.H. steigen und dann werde ich zusammen mit meinen Kumpels raus hier aus diesem Scheiß...
Es tut mir Leid, aber ich werde dich nicht mitnehmen können, es ist viel zu gefährlich.
Ich hoffe du führst ein gutes Leben auch ohne mich.
In Liebe
Aaron
Als Maria mit dem Lesen fertig war, brach sie sofort in Tränen aus.
Sie wusste nicht wie sie damit umgehen sollte.
Er wollte weg und das ohne sie.... Er wusste doch genau wie schlecht es auch ihr hier ging.
Immer dieses Leben in Zwang und der ewigen Angst, dass die schrecklichen Dinge, die in der Welt vor sich gehen, auch bis zu ihr vordringen würden.
Maria warf sich auf ihr Bett, sie war noch immer am Weinen.
Sie versuchte einen klaren Gedanken zu fassen und sie setzte sich das Ziel mit ihm mit abzuhauen.
Sie packte die wichtigsten Sachen ein, denn sie wollte Aaron und seinen Freunden nicht zur Last fallen.
Die Sirenen in den Straßen begannen die Ausgangssperre auszurufen.
Es war eine sternenklare Nacht.
Maria zweifelte plötzlich daran, dass sie das Ganze wirklich wagen sollte.
Sie öffnete leise ihr Fenster, die kalte klare Luft wehte ihr durch ihre langen blonden Haare.
“Das wird alles verändern.” sagte Maria zu sich, sie fasste sich ein Herz und stieg samt Gepäck aus dem Fenster.
“Jetzt nur nicht erwischen lassen.”
Sie war in Gedanken schon bei Aaron. Was würde er sagen wenn er sie sieht? Würde er sich freuen ? Würde er sie verstehen? Es kamen immer mehr Zweifel auf.
Maria nutzte die kleinen Seitengassen der Stadt, in der sie mit ihrer Familie lebte.
Noch ein letztes Mal vorbei an der großen Bäckerei, in der sie sich jeden Morgen ihr Essen geholt hatte.
Über den großen Schulhof des Lyzeums.
Durch eine weitere Gasse auf den großen Platz vor dem Rathaus.
Dort angekommen bekam sie einen großen Schock. Direkt neben dem Ratshauseingang standen, um vier kniende Jugendliche herum, sechs Bewaffnete der SS.
Sie hatten alle ihre Waffen auf die jungen Männer gerichtet.
Einer der Uniformierten steckte seine Waffe weg und zog eine Zigarette aus der Innentasche seiner Jacke.
Mit einem vergoldeten Feuerzeug zündete er sie sich an, nahm einen großen Zug und lächelte gehässig.
“Scheiß Jude!!” schrie er und trat einem der Jugendlichen mit seinem Stiefel ins Gesicht, dieser sackte sofort zusammen.
Beflügelt von diesem Tritt begann der Uniformierte laut zu lachen. Nach wenigen Sekunden verstummte er, nahm noch einen Zug der Zigarette, wendete sich einem der anderen Jugendlichen zu. Er drückte ihm die linke Hand auf den Mund. Seine Augen funkelten vor Wahnsinn, er zog ein drittes Mal an der Zigarette und drückte sie dem Jugendlichen auf der Stirn aus.
Nur ein gedämpfter Aufschrei war zu hören.
Maria konnte genau in das schmerzverzerrte Gesicht sehen.
Sie hielt sich geschockt die Hand vor den Mund um nicht zu schreien.
“Du Nazi-Arschloch!”, schrie der dritte der knienden Jugendlichen.
Der wahnsinnige Blick des SS-Mannes wandelte sich für einen kurzen Moment ins Spöttische.
“Was willst du denn tun?” fragte er amüsiert, als er seine Waffe zog.
Maria konnte die Ausstrahlung dieses Typen trotz der Entfernung spüren und ihr lief es eiskalt den Rücken herunter.
Er hielt dem, der ihn als “Nazi-Arschloch” betitelt hat, seine Waffe an den Kopf, grinste und sagt “Man tut eben was man kann.”
Im selben Moment fiel der erste Schuss und einer der Vier sackte zu Boden.
Maria biss sich auf die Zunge, Tränen schossen ihr in die Augen.
“Wie kann man nur so grausam sein?” flüsterte sie.
Kurz auf den ersten fielen auch schon die drei nächsten Schüsse.
Jetzt konnte es Maria nicht mehr zurückhalten.
“NEIN!!! Wieso macht ihr das!?!”
Die sechs SS-Leute drehten sich zu ihr um.
“Du bist die Nächste!” sagte der, der den ersten Schuss abgegeben hatte.
Maria war wie gelähmt. Was sollte sie machen? Jetzt würde sie selbst dran glauben müssen.
Ihr Puls raste, sie begann zu zittern.
Sie krümmte sich auf dem Boden zusammen.
Die Schritte der Sechs kamen auf sie zu, plötzlich hörte sie einen lauten Knall, der die Schreie der SS-Patrouille verschlang, Der Knall ging in ein Piepsen in ihren Ohren über. Die Schritte verstummten.
Maria spürte wie einzelne Steinsplitter sie trafen. Nach einigen Augenblicken schaute sie auf, das Rathaus war gesprengt worden und stand in Flammen.
“Das war also die Party?”
Sie rannte durch ein Trümmerfeld, suchte nach Aaron und den anderen.
Trotz des Feuers konnte sie nichts erkennen, was sie hätte identifizieren können, ihr liefen die Tränen übers Gesicht. Die Uniformierten waren verschwunden, wohl von Trümmern begraben.
Durch die Dunkelheit schimmerte nur noch ein wenig das Blut ihrer gefallenen Freunde.
“Was für ein Massaker.....”
Sie fiel auf die Knie.
Maria stöberte in ihrem Kopf nach einer Antwort.
Hinter ihr hörte sie Schritte auf sich zu kommen. Ihr lief es eiskalt den Rücken herunter.
Eine Hand packte sie an der Schulter und riss sie herum.
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Kommentare
Dieter Hildebrandt schrieb am 2012-02-17 07:54:49:
Voll cool mach weiter so coole sachen
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