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Schatten

von Gulliver Assi

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Sein Weg von der Uni nach Hause führte Jörg durch einen kleinen Tunnel. Dieser Tunnel trennte einen an das Uni-Gelände angrenzenden Park von seiner Wohngegend, in der er nun schon seit 3 Jahren lebte.
Jörg war ein typischer BWL - Student: Etwas schlaksig, zurückhalten im Auftreten, immer gepflegt und nie ohne seine geliebte Aktentasche anzutreffen. Er plante seinen Tag stets ganz genau voraus, bis ins kleinste Detail. Das kleinste Abweichen von diesem Plan konnte ihn in eine mittelgroße Krise stürzen. Geschah einmal etwas unvorhergesehenes, was von seinem Tagesplan abwich, und diesen gefährden konnte, so konnte dies zu einer schweren Panikattacken führen. Noch nie hatte er in seinem Leben etwas gewagt, noch nie war er irgendein Risiko eingegangen. Alles musste immer seinen geregelten Gang gehen, sonst fand er sich nicht mehr zurecht.
An diesem Tag war es düster und neblig. Ein typisches Herbstwetter also. Kurz zuvor hatte es geregnet, wodurch der Boden noch feucht war. Die Laternen, die sporadisch in diesem Park aufgestellt waren, brannten, und das wenige Licht, welches sie spendeten, hatte, durch den Nebel gesehen, einen ganz leichten, matten Schimmer. Irgendwie erinnerte ihn diese ganze Atmosphäre an einen alten schwarz-weiß Film, den er irgendwann einmal gesehen hatte, und der im London des 19. Jahrhunderts spielte.
Eine Gänsehaut kroch langsam seinen Rücken hinauf. Sein Körper wurde von einem seltsamen Gefühl durchströmt. Ganz kurz schien es ihm so, als wollte ihn sein Körper vor irgendeiner Gefahr warnen. Vor irgendetwas schrecklichem, das bis jetzt noch nicht abzusehen war.
Plötzlich vernahm er links von sich ein Rascheln. Er drehte instinktiv seinen Kopf in die Richtung, aus der das Geräusche gekommen war, und sah dabei aus den Augenwinkeln einen Schatten vorbeihuschen. Als er aber vollends in diese Richtung sah, war der Schatten verschwunden.
Seine Gänsehaut verstärkte sich. Er zog automatisch seine Schultern ein wenig nach oben, so als könnte ihn diese Haltung von diesem unangenehmen Gefühl befreien.
Er hatte das seltsame, intuitive Gefühl, als lauere irgendetwas auf ihn. Er konnte dieses Unbekannte nicht mit Namen benennen, was das erschreckende Gefühl, das diese seltsame Situation in ihm hervorrief, noch zusätzlich verstärkte.
Er überlegte kurz, ob er seinen Weg durch den Tunnel fortsetzen sollte. Normalerweise war er nicht der Typ, der sich über irgendwelche irrationalen, intuitiven Gefühle viele Gedanken machte. Für ihn gab es für alles eine rationale Erklärung.
Dennoch war da dieses Gefühl, diese seltsame Vorahnung. Hätte er vielleicht Übung darin gehabt, auf seine innere Stimme zu hören, so hätte er in diesem Moment mit ziemlicher Sicherheit den riesigen Umweg auf sich genommen, den das Umgehen dieses Tunnels für ihn bedeutet hätte. Aber Jörg hatte keinerlei Übung darin. Er vertraute auf seine Vernunft, und sagte sich, dies Alles sei ein Produkt seines überangestrengten Geistes. Schließlich hatte er so eben eine seiner schwierigsten Klausuren seines Lebens geschrieben. Wahrscheinlich spielte ihm sein Geist einen kleinen Streich.
Als er den Tunnel betrat, wurden seine Schritte von den Tunnelwänden reflektiert. Der Schall hallte bei jedem Geräusch, das er verursachte, ein wenig nach.
Die Wände des Tunnels waren mit wilden Graffitibildern überzogen. Anscheinend hatten die örtlichen, illegalen Künstler an diesen Wänden ihre angestaute Kreativität ausgetobt. Er schüttelte beim Anblick der Bilder lediglich bemitleidenswert den Kopf. Er konnte nicht nachvollziehen, weshalb jemand das Bedürfnis verspüren sollte, diese öffentlichen Gemäuer mit seiner infantilen Fantasie zu beschmutzen. Aus einer alten Angewohnheit heraus rechnete er für sich die Kosten für die Reinigung dieser Tunnelwände aus, und schüttelte, als er das ungefähre Ergebnis ausgerechnet hatte, verständnislos den Kopf. Manche Menschen schienen einfach unbelehrbar zu sein. Die Reinigung würde den Steuerzahler ein kleines Vermögen kosten.
Als er an einem besonders auffälligen Graffitibild vorbeikam, blieb er kurz stehen, und betrachtete es mit einer, für ihn eigentlich untypischen, Neugierde. Es zeigte eine bildhübsche Frau, die anscheinend von einem wolfähnlichen Tier angefallen, und dabei in den Hals gebissen wurde. Ihr Blut befleckte ihr weißes Hochzeitskleid, das sie bei dieser dargestellten Szene anzuhaben schien. Die Frau sah irgendwie unschuldig, jungfräulich aus. Zwar konnte er mit Kunst nicht wirklich etwas anfangen, aber dieses Bild löste in ihm in gewisser Weise eine erschütternde Emotion aus, welche Besitz von seinem Herzen einnahm, und ihn völlig umhüllte. So etwas hatte er vorher noch nie erlebt. Es verunsicherte ihn zutiefst. Wie konnte ihn ein Bild, das er einfach nur ansah, in derartiger Weise beeinflussen ? Er hatte dafür keine Erklärung. Und das gefiel ihm überhaupt nicht.
Plötzlich stutzte er. Dieses Bild hatte ihn abgelenkt. Erst jetzt viel ihm auf, dass, als er stehen geblieben war, seine Schritte unverändert in dem Tunnel weiter zu hallen schienen.
Erschrocken drehte er sich nach allen Seiten um. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Er war scheinbar ganz alleine in diesem Tunnel. Es gelang ihm noch nicht einmal, die Richtung, aus der die fremden Schritte kommen mussten, zu lokalisieren. Sie schienen von überall her zu kommen. Von allen Seiten. Es schienen viele zu sein. Unzählbar viele.
Adrenalin wurde in seine Adern gepumpt. Alle Sinne seines Körpers waren vom einen auf den anderen Moment bis zum Zerreißen gespannt. Die Pupillen seiner Augen weiteten sich und seine Muskeln spannten sich an. Zusätzlich stieg sein Blutdruck in ungeahnte Höhen, und gleichzeitig beschleunigte sich seine Atmung. Sein ganzer Körper bereitete sich auf einen Kampf gegen einen unbekannten Gegner vor.
Er spürte den übermächtigen Impuls, einfach loszurennen. Er war nicht fähig, diesem Impuls etwas entgegen zu setzten. Sein Körper aktivierte alle Energiereserven, und pumpte diese in seine Muskeln.
Er rannte los. Rannte so schnell er konnte in Richtung des Tunnelausganges. Vor was er floh, konnte er gar nicht sagen. Aber irgendetwas hatte seinen Selbsterhaltungstrieb aktiviert.
Während er rannte, drehte er seinen Kopf in wilder Panik kurz nach hinten, um zu sehen, ob er verfolgt wurde. Er sah nichts, hörte aber weiter das hallen der fremden Schritte.
Die scheinbar irrationale Furcht vor dem Unbekannten trieb ihn weiter an.
Als Jörg nach vorne blickte, da sah es so aus, als käme der Ausgang des Tunnels keinen Deut näher. Er rannte und rannte, zog an verschiedenen Graffitibildern vorbei, jedoch blieb der Ausgang des Tunnels anscheinend so fern wie er war.
Er nahm aus den Augenwinkeln einen Schatten direkt neben sich wahr. Er drehte seinen Kopf in diese Richtung, jedoch verschwand der Schatten auf der Stelle wieder. Sah er wieder nach vorne, war er wieder da.
Plötzlich tauchte auch auf der anderen Seite einer dieser Schatten auf. Er wurde bei der Wahrnehmung dieses

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Kommentare

Jenanan schrieb am 2007-02-27 15:37:19:
Sag mal ist das Ungeheuer ein Werwolf?Nach den Aussagen sieht es danach aus.Aber ist wirklich eine tolle
Geschichte!
Hexe schrieb am 2007-01-13 23:36:47:
himmel herr gott!
das is wirklich ne sehr düstere geschichte!!!!
ich mein der arme student! bääää, is aba lustig wie man auf so ne
idee kommt! hast du, bevor du die geschichte geschrieben hast, irgend einen
horrofilm gesehen???? *grins*
oda gibs an deiner uni einen BWL-student den du gar net ausstehen kannst???
is aba ansonsten gut geschreiben, auch wenn ich net weiß was des für a
wesen sein soll! ^^
lg hexe

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