Schatten der Ewigkeit
von
Asacryel
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Schatten der Ewigkeit
Teil I
Suchst du eine Seele, die nicht gefunden werden will, ist deine Suche aussichtslos.
Sucht dich allerdings diese Seele, wird sie dich finden.
Früher oder später findet sie uns alle.
Wir können nichts tun, außer uns zu fragen wann?
Wir können nichts tun, außer unsere Seele zu verbergen, von der Außenwelt abschirmen
und zu warten.
Wir können versuchen, uns zu verkriechen,
versuchen, unserem Schicksal zu entgehen indem wir unsere jetzige Identität,
unsere Gedanken löschen,
von vorne anfangen.
Dann wird unsere Seele diejenige sein, die nicht gefunden werden kann.
I.I
Der Anfang
Unsterblichkeit... für manche ein Segen und für andere ein Fluch. Für ihn war es ein Segen. Sein ganzes Erdenleben wurde von anderen bestimmt und von anderen beendet. Nun konnte er tun, was er wollte. Er konnte über die Seelen anderer herrschen, über sie bestimmen...
Er kannte das Gerücht, welches von Generation zu Generation weitergegeben wurde über einen Schatten, der sich über die Menschen legte. Er wusste, dass dies stimmte.
Je mehr Seelen er absorbierte, desto größer wurde seine Macht. Schon bald konnte er die Schattengestalt ablegen und suchte die Menschen nun in ihren Träumen heim.
Das Gerücht verschwand.
*
Er lebte dort, wo der Himmel anfing und gleichzeitig auch aufhörte. Er lebte dort, wo Himmel und Hölle verschmelzen, wo ihr gemeinsamer Ursprung liegt, wo nur das ewige Nichts sie trennte aber auch gleichzeitig verband.
*
Sie beobachtete, wie ihre Seele langsam ihren Körper verließ und sich aus ihr etwas manifestierte, das sie zugleich hinreißend und abstoßend fand. Sie sprang auf die Kreatur zu, doch bevor sie diese berühren konnte, breitete sich von ihr ein Schleier aus undurchdringbarem schwarzem Nebel aus, der sie berührte, sich anfühlte wie angenehm warmes Wasser, welches sie langsam umschloss.
Zitternd wachte sie aus einem Traum auf, der ihr so real aber auch gleichzeitig so surreal vorgekommen war, dass sie sich nicht sicher war, ob es wirklich ein Traum gewesen war. Sie war sich einer seltsamen Anwesenheit bewusst...
Immer noch zitternd tastete sie nach einem Streichholz, mit welchem sie die Kerze neben ihrem Bett anzündete. Plötzlich stieß sie einen spitzen Schrei aus. Sie blickte nun auf ihre Bettdecke, die von einer pechschwarzen Farbe war, wie sie es schon immer gewesen war. Sie fasste sich wieder und versuchte, nochmals einzuschlafen, aber vergebens.
Sie stand auf, hüllte sich in ein weißes Wolltuch, denn der Herbst wich langsam dem Winter und trat ans Fenster, welches sie mit einem Klicken der mit Raureif überzogenen Scharniere öffnete.
Der kühle, frühmorgendliche Wind blies ihr kalt entgegen und sie fühlte sich, als könne sie das erste seit Mal seit sehr, sehr langer Zeit frei Atmen.
I.II
Rette mich
„Ich fand ihre Memoiren. Hätten sie danach gesehen, was ich sah, hätten sie danach gefühlt, was ich fühlte, würden sie mir nun Glauben schenken. Ich erwarte nicht, dass sie das, was ich jetzt sagen werde ernst nehmen, aber ich bitte sie, es sich später noch einmal in ihr Gedächtnis zu rufen und darüber nachzudenken, denn es ist allemal einen Gedanken wert.
Wenn sie an Gott und die Schöpfungsgeschichte glauben müssen sie sich fragen, ob es nicht auch einen Gegenpol zum Guten gibt, denn wie wir alle wissen, hat dies jeder uns bekannte Gegenstand, nein, besser gesagt alles. Schwarz und weiß, Minus und Plus, böse und gut. Ich sage ihnen nun, dass das Böse unter uns weilt. Wir sind uns dessen nur vage bewusst, wir können es nicht erkennen. Es ist in uns, ohne es könnten wir nicht leben.
Die junge Frau, deren Schicksal ich eben andeutete, ist dies widerfahren. Sie hat es gesehen, genau wie ich. Wissen sie, was ich in ihren Memoiren fand? Die Wörter: Liberate me, rette mich. Geschrieben in reinstem Latein, der Sprache der Schriftgelehrten. Direkt darunter fand ich eine Skizze, mit schwarzer Tusche auf samtweißes Tuch gemalt. Eine Frau, deren Seele durch ihren Mund davonfliegt. Ist die Seele ermächtigt, dies ohne Fremde Hilfe zu tun? Und ich antworte mir selbst. Nein, dazu ist sie nicht fähig.
Ich kam durch die Nachforschungen, die ich anstellte zu dem Schluss, dass sie weder Latein beherrschte noch römischer Abstammung war. Woher also wusste sie, was dies alles bedeutete? Als ich ihre Memoiren weiterlas stellte ich fest, dass noch mehr Wörter, besser gesagt ganze Sätze in Latein geschrieben waren. Seltsam. Ich betrieb Ahnenforschung und stieß auf folgende Fakten:
Das Geschlecht der di Mares ist begründet in einer Frau, deren Geburt genau 100 Jahre zurückliegt, im Jahre 1789. Bevor diese Frau starb, gebar sie einen Sohn. Dieser starb mit 30 Jahren, genau wie alle seine Nachfahren. Nur Raphaela, die Begründerin, denn dies kann ich mit Gewissheit sagen, überlebte ihr dreißigstes Lebensjahr. Wie alt sie jedoch genau wurde, weiß ich nicht.
Es erstaunte, ja beunruhigte mich fast, dass ich in allen ihren Memoiren, auch denen von Raphaela, die Andeutung eines schwarzen Schattens fand, welchen sie gesehen, oder geglaubt zu sehen haben. Danach ist er wohl aus ihren Gedanken... verschwunden, oder wie auch immer sie es nennen möchten, und fortan schrieben die Memoristen nur noch positives über ihr weiteres Leben.“
Im Hörsaal war es nun totenstill.
„Entschuldigen sie -“, es erhob sich einer der Zuhörer „- aus dem, was sie eben sagten schließe ich, dass sie behaupten, dieser schwarze Schatten hätte die Menschen, von denen sie sprachen, ab einem gewissen Stadium kontrolliert?“, er setzte sich wieder.
„Genau das möchte ich sagen. Aber lassen sie mich nun die Geschichte der jungen Frau, der Begründerin weitererzählen.“
I.III
Himmel und Hölle
Sie sah einen Mann in einer schwarzen Mönchskutte, der die Kapuze tief ins Gesicht gezogen trug und gebeugt über einem Buch saß. Etwas an ihm erweckte ihre Aufmerksamkeit, aber was konnte sie nicht sagen. Sie sah ihn lange an. „Sie sollten ihn nicht stören. Er sitzt so schon seit ein paar Stunden, auf meine Frage, was er hier suche, antwortet er nicht“, wandte sich eine Frau an sie. „Nein, das hatte ich auch nicht vor“, aus einem ihr unerklärlichen Grund sah sie ihn weiter an.
Plötzlich sah der Mönch auf, er sah ihr direkt in die Augen. Sie wandte den Blick von ihm ab. Er schloss das Buch und sah sie weiter durchdringend an. Sie sah ihn noch einmal flüchtig an und erkannte sein Gesicht. Für sie passte dieses Gesicht nicht zu einem Mönch. Er lächelte sie an, dann faltete er die Hände und verharrte in dieser Position, wie zum stillen Gebet. Sie sah sich hektisch um, ob jemand der anderen sie beobachtet hatte. Dies war allerdings nicht der Fall, also blieb sie sitzen. Sie beobachtete den Mann in der Mönchskutte, aber er sah nicht mehr zu ihr herüber und verharrte in seiner Position.
Sie spürte ihren Herzschlag, war sich vollends bewusst, dass das Herz Blut durch ihre Adern pumpte, wie schnell man ihr Leben aushauchen könnte. Panik begann, in ihr aufzukochen,
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