Schatten des Ouroboros Teil 1 Der Vergessene
von
Lucianus
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Dies soll erst der Auftakt zu einer längeren Reihe werden, die alle 1 bis 2 Wochen einen neuen Teil hinzuerhält.
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Hustend würgte ich den trockenen Sand hervor. Meine Kehle brannte und meine Zunge glitt über das entzün-dete Fleisch. Währende ich mich abmühte auch noch gleichzeitig irgendwie an Luft zu kommen, zogen sich meine Augenlider geblendet zusammen. Trotzdem hatte ich das Meer ausgemacht, das endlose Meer aus Sand. Wo zum Teufel noch mal war ich? Ich stand mit zittrigen Beinen auf und öffnete dieses Mal vorsichtiger die Li-der. In der Tat, endlos. Ich drehte mich in eine andere Richtung um. Das Gleiche.
Ein weiterer Hustenanfall riss mich fast von den Gliedern. Meine Lunge brannte wie Feuer und überall spürte ich diesen widerlichen, staubtrockenen Sand. Erst dann wurde mir klar, dass ich am Verdursten war. Ich brauch-te Wasser, und zwar schnell.
Wasser finden in einer Wüste. Na wenn es weiter nichts war…
Noch einmal schaute ich mich um, nur dieses Mal weit aus gründlicher. Wieder nichts- Halt! Oder doch? War dort hinten etwas? Es sah aus wie ein schmaler Schatten in einem wogenden Meer. Vorsichtig rieb ich mir die schmerzenden Augen. Nein, ich hatte mich nicht geirrt. Einen besseren Hinweis hatte ich nicht. Ich sollte mich auf den Weg machen und …
Erneut bahnte sich der Sand den Weg explosionsartig aus meinen Körper, zerriss mir fast die Lunge und ließ mich hinterher keuchend auf den Sand sacken. Kein allzu weiter Weg lag vor mir, aber ich begann mich zu fra-gen, ob der Durst und die gescholtene Lunge mich nicht vorher umbrachten. Egal, ich hatte keine andere Wahl.
Mühsam stand ich auf, wobei mich gleißende Schmerzesfäden fast erneut zurücksinken ließen. Langsam be-gann ich mich wie ein Wrack zu fühlen. Und da sah ich es. In den gleißenden Strahlen der unerbittlichen Sonne hatte sich meine Haut auf der Rückseite meiner Arme, und wie ich vermutete auch allen anderen ungeschützten Stellen, angefangen Blasen zu bilden und sich selbst abzupellen.
Ich schüttelte wütend den Kopf und wurde abermals mit einer weiteren Schmerzattacke belohnt. Es war keine Zeit sich jetzt selbst zu bemitleiden. Wenigstens wusste ich jetzt, dass meine Vermutung wohl ganz richtig ge-wesen war. Es waren nicht nur die Arme. Zumindest mein Nacken schloss sich ihrer Rebellion an.
Langsam erst, dann immer schneller stapfte ich durch die todbringende Hitze in Richtung Rettung. Obwohl, vielleicht war Rettung ein bisschen zu optimistisch ausgedrückt. Ich wusste ja noch nicht einmal zu was ich mich denn nun mit meinen letzten mühsamen Atemzügen schleppte. Verzweifele Hoffnung wäre wohl der bessere Begriff. In grimmiger Ironie versuchte ich an Lebensfunken in mir zu halten, was noch in mir war.
Wie weit war ich gekommen? Der Schatten schien sich nicht genähert zu haben. Wie lange war ich überhaupt gerannt? Sämtliches Zeitgefühl war mir abhanden gekommen. Ich wusste nur, dass die Sonne von ihrem himmli-schen Thron aus noch immer hämisch auf mich herabbrannte. Viel Zeit konnte nicht vergangen sein. Zumindest hoffte ich das. Sollte meine subjektive Ewigkeit tatsächlich der wirklichen Dauer entsprechen, so wäre ich ver-dammt. Es würde nämlich nichts anderes bedeuten als das mein letzter Ausweg zu weit entfernt wäre um diesen noch erreichen zu können. Meine eh schon angeschlagene Hoffnung würde sich in Staub verwandeln, gleich dem Land das mich umgab.
Warum befand ich mich überhaupt in solch einer auswegslosen Situation? Nichts. Wie kam ich dazu sterbend im Sand zu liegen? Ein leichtes Ziehen im Geiste. Und weshalb zum Teufel wusste ich keine Antwort auf solch banalen Fragen?! Das Ziehen in meinen Kopf wurde unvermittelt zu einem Ruck, der mich von meinem Gleich-gewicht und meinem Bewusstsein befreite.
Ich fiel.
Als ich wieder zu Bewusstsein kam, war mein erster Gedanke die Kälte. Und mein zweiter schloss daraus, dass ich wohl jetzt endgültig den Verstand verloren haben müsste. Ich öffnete die Augen. Dieses Mal wurde ich nicht von dem gleißenden Licht begrüßt. Im Gegenteil, es war alles finster. Mich traf die Erkenntnis wie ein Schlag. Nacht, es war tatsächlich Nacht! Wie konnte es sein, dass ich so lange bewusstlos gewesen war? Oder war es tat-sächlich schon so spät gewesen, als ich umgerissen wurde, von- Ja, wovon eigentlich?
Ich stemmte mich aus dem Sand. Sanft rieselte er in feinen Kaskaden von meiner Kleidung herab. Was war es, dass mich endgültig ins Aus geschmettert hatte? Erschöpfung? Der Schock? Oder gar… Plötzlich bäumte sich meine Lunge gequält auf und beendete somit jeden weiteren Gedankengang auf ihre eigene Art: sie ließ mich husten bis ich mich gepeinigt im Dreck wand und mir nichts weiter wünschte als Sterben zu können. Dann hörte es auf. Während ich mich nach Luft keuchend erneut erheben wollte, blieb mein Arm an etwas hängen. Es schien eine Art Schlaufe zu sein die hinunter in den Sand führte. Aber welchen Sinn sollte so etwas schon haben… Plötzlich durchdrang mich eisige Gewissheit, formulierte einen Gedanken dem ich mich nicht zu folgen wagte. Aber letztendlich tat ich es doch.
Ich zog weiter an der Schlaufe, mit mehr Kraft diesmal, und hervor kam ein Lederzylinder, mitsamt dem mich im Tode anlächelnden Besitzer. Die leeren Augenhöhlen blickten mich belustigt an. Ich schluckte trocken. Wahrscheinlich nur eine Leiche die im Laufe der Zeit vom Wind aufgedeckt wurde, versuchte ich mich mehr o-der weniger erfolgreich zu beruhigen. Es nichts weiter als ein trauriger Zufall, dass du auf sie stößt. Und als wollte irgendeine grausame Gottheit meine Vermutungen bestätigen, kam ein erneuter Windzug auf. Dieser schleuderte den Sand wild in den Himmel und legte eine Entdeckung offen, die mich schreien ließ. Vor mir. Da hinter. Um mich. Überall. Tot. Tot. TOT!
Den Rest nahm ich nur noch verschwommen war. Ich wusste noch, dass ich lief. Irgendwohin. Es war egal in welche Richtung genau, nur das Wegkommen zählte. Mein Geist schien sich regelrecht gegen die Eindrücke zu wehren. Nur weniges blieb mir in Erinnerung. Zwei Liebende. Wie sie sich im Leben wohl schützend hielten, umklammerten sie sich auch noch im Tode. Kinder, so viele Kinder. Zusehend aus toten Augen. Große Wagen verrottet und vergessen und halb begraben im Wüstensand. Einmal stürzte ich aus lauter Hast, direkt in die Arme einer grauenhaft grinsenden Fratze hinein. Seither war ich vorsichtiger. Nichtsdestotrotz rannte ich wie verrückt und hielt erst an als das Lager der Verlorenen schon weit hinter mir lag. Und dann erst wurde mir klar, dass ich ebenso verloren war, wie die Toten.
Ich ging danach weiter. Oder vielleicht sollte ich besser sagen, dass meine Beine mich weiter trugen, denn ich selber war zu nichts anderem mehr fähig als im beständigen Kopfschütteln das Grauen, wie auch die eigene Aus-weglosigkeit zu verleugnen. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich in diesem Zustand blieb, aber als ich mich
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Kommentare
Lucia schrieb am 2008-03-11 17:26:35:
Hallo Lucianus,
da wir namensverwandt sind, wollte ich mir deine Werke mal ansehen. ^^
Grundsätzlich ist deine Geschichte schön geschrieben, die Story ist spannend - eklig, eine Totenwüste *grusel* - und ich würde gern weiterlesen. Allerdings hätte ich mir in so einer extremen Situation mehr Gefühle von Seiten der Person gewünscht, die da halb wahnsinnig wird beim Herumlaufen ... da könnte man einiges ergänzen, die Seelenqual noch deutlicher machen. Das blaue "Strahlen" kann ich mir schlecht vorstellen ... vielleicht eher leuchten.
Ansonsten habe ich die Geschichte aber wirklich gern gelesen. :)
Lieben Gruß,
Lucia
Lurz schrieb am 2008-01-26 11:17:11:
Ich bin ein sehr kritischer Mensch.
Wer meine Geschichten kennt, wird zwar sagen, dass ich dazu kein Recht hätte, aber so bin ich nunmal.
Aber zuerst ein Lob: Ein sehr guter Schreibstill, eine spannende, seltsame Geschichte und wunderbare Wortwahl.
Ich fand einige Rechtschreibfehler, aber ich werd sie behalten. - Aber nicht die Wortwiederholungen. Wieder etwas, bei dem ich eigentlich den Mund halten sollte, aber egal. Außerdem ist es an einigen Stellen etwas langatmig, doch das fällt in einer so kurzen Geschichte kaum ins Gewicht.
Langer Rede kurzer Sinn: Toll
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