Schatzi-Mausi & Ich: TaschenG€ld
von
Markus Kügle
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Schatzi-Mausi & Ich:
TaschenG€ld
„WAS?“, rief Schatzi-Mausi entgeistert aus und drehte sich um. Gerade eben war sie noch damit beschäftigt gewesen, Zwiebeln zu schneiden und das Abendessen zu machen. Jetzt schien das vorübergehend völlig unwichtig geworden zu sein. Sie stemmte die Hände in die Hüften und warf ihrem Lebensgefährten, der da vor ihr stand einen bösen Blick zu. Das Messer hielt sie auch noch in der Hand.
„Ich glaub´, ich hör´ nicht richtig!“ Es klang sehr empört.
Meiner-Einer senkte betreten den Kopf. Wenn Schatzi-Mausi solche Verhaltensweisen an den Tag legte, war es erfahrungsgemäß besser, überhaupt nichts mehr zu sagen. Allerdings, so wie die Sache aussah, bestand von nun an keine sehr große Wahrscheinlichkeit mehr, einem Streit aus dem Weg zu gehen. Es hing jetzt schon irgendwie drohend in der Luft und wartete förmlich auf den Moment des Ausbruchs. Die Situation ähnelte dem eines Gewitters. Bevor es so richtig los ging, mit Blitzen, Donnern, Stürmen und Regen, konnte man normalerweise vorher schon am Himmel sehen, dass ein Unwetter kommen würde. So ähnlich war es jetzt auch hier der Fall. Dunkle Wolken sind gewissermaßen schon aufgezogen ...
„WAS willst du?“ Um sicher zu sein, vorhin nichts falsch verstanden zu haben, wurde nochmal nachgefragt. Schatzi-Mausi wollte ja nur wissen, ob sie sich nicht vielleicht doch verhört hatte.
„Naja, ... ich wollte doch bloß ... also, ... Ähm, ... ob es vielleicht möglich ist, dass ich mehr Taschengeld kriegen könnte...?“ Ich sah Schatzi-Mausi vorsichtig mit meinen wunderschönen Augen an.
Zur allgemeinen Erklärung: Ich werde von ihr etwas knapp gehalten. Strenge Rationierung der Geld-Ressourcen. Seit der Anschaffung dieses geilen, neuen Fernsehers. Schatzi-Mausi meint, das wäre das Beste für mich. Und deswegen war es auch ihre Schuld, dass ich nun in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Alles nur ihre Schuld! Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meine Freundin. Mehr, als jede andere. Sie ist für mich das wichtigste, was ich habe. (Abgesehen von meiner DVD-Sammlung vielleicht ...) Aber manchmal kann es schon schwer mit ihr sein. Sehr schwer sogar.
„Bitte?“, fügte ich erwartungsvoll hinzu. Ein kleines bisschen Hoffnung, dass ich das, worum ich sie gebeten hatte, unter Umständen doch noch kriegen könnte, war schon noch vorhanden. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
„Schon wieder?“ Schatzi-Mausi legte das Messer geräuschvoll auf die Arbeitsplatte ihrer Küche. Wenn auf Anfragen mit Gegenfragen geantwortet wird, dann sieht es schlecht aus. Ganz schlecht.
„Also, Schnucki. So geht das wirklich nicht. Ich habe dir letzten Monat schon mehr gegeben, als sonst immer. Und letzte Woche hast du unbedingt und ganz dringend einen Vorschuss gebracht. Und den hast du auch gekriegt. Und jetzt? Jetzt willst du schon wieder Geld?“
„Ja.“, bestätigte ich wahrheitsgemäß und sah meinem Schatzi-Mausi angespannt ins Gesicht.
„Kannst du mir vielleicht mal verraten, wofür du soviel Geld brauchst?“
„Ich kann ja auch nichts dafür!“ Mehr wollte ich jetzt eigentlich gar nicht sagen. Darum zog ich es auch vor, zu schweigen. Die Wahrheit hätte nur einen Streit verursacht. Und: Wenn man den Vesuv am Ausbruch hindern kann, dann sollte man das meiner Meinung nach auch tun. (Schatzi-Mausi kann ab und zu sehr impulsiv sein! Darum ist hier Vorsicht geboten!!) Leider wollte sie eine Antwort. Ich erfand darum eine wüste Geschichte von einer illegalen Poker-Partie, bei der ich b.schissen worden bin und einem gewalttätigen Russen, bei dem ich nun in der Kreide stehen würde.
„Glaub´ mir, der schneidet mir die Finger ab, wenn ich nicht bezahle!“, erklärte ich verzweifelt und war insgeheim stolz auf meine schauspielerischen Fähigkeiten und das schier unglaubliche Improvisationstalent.
Allerdings muss ich Euch sagen: Sooo blöd ist mein Schatzi-Mausi nun auch wieder nicht. Nee! Sie ist sogar verdammt clever. Manchmal sogar viel zu clever für mich. Lange Rede, kurzer (Un)Sinn. Sie hat´s natürlich raus gefunden. Es musste ja soweit kommen. Schatzi-Mausi wartete einen Augenblick lang, runzelte die Stirn und:
„Das Handy! Oder?“ Ich bekam einen hochroten Kopf.
„Wie gesagt, ich kann ja auch nichts dafür! Aber mit diesen Prepaid-Karten ist das Telefonieren halt teurer. Und SMS schreiben auch. Und MMS erst recht!“ Durchatmen. „Wenn du mich fragst, mir wäre ja eigentlich einen Vertrag von Anfang an lieber gewesen!“
Schatzi-Mausi verschränkte die Arme.
„Wenn du einen Handy-Vertrag hast, brauchst du nur noch mehr Geld. Auch wenn die Gebühren dann billiger sind! Das Thema hatten wir schon.“
„Ja, aber...“
„Vergiss es! Es gibt für dich kein Handy mit Vertrag! Und es gibt auch nicht mehr Geld!“
„Das ist gemein und ungerecht!“, empörte ich mich. „Weil, ich hab´ jetzt überhaupt kein Guthaben mehr drauf.“
„Dein Pech, Schnucki!“ Schulterzucken. Wie kann (m)eine Frau nur so grausam sein? „Ende des Monats gibt’s wieder Taschengeld!“
Für Schatzi-Mausi war damit alles gesagt und das Thema erledigt. Sie drehte sich um und machte da weiter, wo sie vorhin aufgehört hatte. Das Abendessen musste schließlich auch noch gemacht werden. Für mich war damit aber noch nicht alles gesagt und das Thema erledigt. So einfach wollte ich es ihr dann nun doch nicht machen.
„Und was mach´ ich jetzt, wenn ich ganz dringend telefonieren muss? Mhm? Stell dir vor, es ist ein Notfall! Mitten in der Nacht. Und nirgends ist eine Telefonzelle! Dann bin ich komplett aufgeschmissen!“ Jawohl! Ich habe mich getraut, ihr das zu sagen. Aber: Es war taktisch unklug. Frei von jeder Art diplomatischen Geschicks ...
„Ich habe gesagt: Nein!“, sagte Schatzi-Mausi laut. Aber davon wollte ich mich nicht beeindrucken lassen. Todesmutig wagte ich es zu sagen:
„Ja, aber ...“
„Und NE!N heißt bei mir auch NE!N!!“ Das wurde so laut geschrien, dass ich mich nicht mehr traute, nochmal ‚Ja, aber ...‘ zu sagen. Damit war dann jegliche Art von Argumentation, oder Kommunikation radikal zusammengebrochen. Wenn die Chefin Schatzi-Mausi nicht mehr reden will, dann gibt es keine Unterhaltung mehr. Dann hat Ruhe zu herrschen. Dann hat der Lebensgefährte den Kopf zu senken und zu sagen: ‚Ja, Schatzi-Mausi!‘
„Du musst einfach lernen, mit deinem Geld auszukommen!“, schimpfte sie vor sich hin, während sie die Zwiebeln in Butter anschwitze. „Bei mir geht´s ja auch nicht anders.“
Also? Was tun?? Man(n) sagt Dinge, wie: „Ja, Schatzi-Mausi. Ich kann dich verstehen.“ Und außerdem noch: „Da hast du aber so was von recht!“ Und im Normalfall hätte mein Schatzi-Mausi mir nach so einer Ansprache auch Liebe und Verständnis entgegen bringen sollen ...
Tat sie aber nicht. Das fand ich wiederum scheiße!
„Find´ ich gut, dass wir uns da einig sind.“, sprach sie. Und sonst nichts mehr. Ich ärgerte mich. Denn: Schatzi-Mausi war jetzt ganz glücklich und zufrieden. Und ich? Ich nicht! Das war wieder so ein Moment, in dem ich mein Schatzi-Mausi eben nicht
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Kommentare
Martina schrieb am 2010-10-26 17:41:52:
Also ich habe mich kaputt gelacht. Schön, dass ein Mann in der Lage ist, auf solch humorvolle Art und Weise zu schreiben.
Weiter so Markus!
Cyclone schrieb am 2007-11-26 16:08:24:
Ganz amüsant, vor allem die Namensgebung. Schatzi-Mausi ist wohl nur ein Indiz für die Komik/Absurdität der geschilderten Szene.
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