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Kategorien > Alltag > Menschliches, Allzumenschliches

Schatzi-Mausi & Ich: Hauswurf und Rausverbot – Bei

von RHAZARD

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Alkohol ist ein Lösungsmittel. Aber was löst es? Probleme auf jeden Fall nicht. Im Gegenteil! Es verursacht sie geradezu! Also? Was haben wir gelernt? Alkohol enthemmt. Weicht sukzessive das Hirn auf. Er ist das Dressing für deinen Kopfsalat, wie Grönemeyer einst so schön gesungen hat. Mein Schatzi-Mausi kann erstaunlicherweise sehr viel davon vertragen. Warum, weiß ich nicht. In ihrer dunklen Vergangenheit, der Zeit vor mir, muss sie in dieser Hinsicht nicht gerade abstinent gewesen sein. Kurzum: Sie kann saufen, wie ein Loch. Wie ein Schwarzes Loch. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meine Freundin. Mehr, als jede andere. Sie ist für mich das wichtigste, was ich habe. (Abgesehen von meiner DVD-Sammlung vielleicht ...) Aber manchmal kann es schon schwer mit ihr sein. Sehr schwer sogar.

Wie dem auch sei´ ... Irgendwann ist bei jeder/m Schicht im Schacht. Wir waren unterwegs gewesen. Einmal die Party-Meile der Stadt entlang. Und zurück. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen. Schatzi-Mausi hatte einen verruchten Schlafzimmerblick bekommen. Schwere Lider hingen ihr tief in die Augen. Die Stimme klang tief und rauchig. Richtig heiser vom vielen Schreien und Mitsingen in den Discotheken. Auch die Sache mit dem Halten des Gleichgewichts war für sie nunmehr mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Das kam davon, weil sie bei jedem Schritt die Schwerkraft aufs Neue sträflich unterschätzte. Ich trug sie letztendlich nach draußen. Hatte sie schräg über meiner Schulter liegen. Es war spät geworden. Um genauer zu sein: Es war schon später, als spät. So spät, dass es schon wieder früh war.

„Bring mich betrunken!“, kommandierte sie ihren braven Lebensgefährten, der ich war, lallend durch die Gegend. „Ich bin nach Hause!“ Dann ging es bei ihr mit dem Schluckauf los. Ich betete zu Gott, dass sie sich diesmal nicht wieder bestimmte Dinge durch den Kopf gehen lies. Ihren Mageninhalt zum Beispiel. Denn das hatten wir schon das letzte Mal und es war nicht gerade angenehm. Für mich. Für sie schon. Sie hat es nämlich überaus witzig gefunden und hat sich halb tot gelacht. Vor allem, weil es ein Hemd von mir getroffen hatte, das schwarzrot-karierte Flanell-Hemd, dass sie sowieso nicht leiden konnte ... „Mir is´ müde und ich will nach heim!“ Sie war schon Jenseits von Gut und Böse. Als wir am Königsplatz ankamen, dem Hauptumschlagsplatz des öffentlichen Nahverkehrs, fuhr der letzte Nachtbus gerade weg. Schatzi-Mausi und ich konnten ihm noch hinterher winken. Ich tat das nicht. Sie schon. Der nächste Bus, so konnte ich vom Fahrplan erfahren, ging erst in zwei Stunden. Da war guter Rat teuer. Wer wollte schon bei der Kälte so lange im Freien warten? Schatzi-Mausi nicht! Die Lösung unseres Problems?

Ein Frühstück bei McDonalds. Dort fiel ihr dann ein, eine Rauchen zu wollen. Und tat es auch. Raucherbereiche gab es da allerdings nicht. Ziemlich diskriminierend. Nix gegen das Nichtraucherschutzgesetz ... Aber: Ich meine, Raucher sind doch auch nur Menschen. Warum werden sie nach draußen vor die Tür geschickt? Das finde ich persönlich ja dann doch eher suboptimal. Für alle, die es noch nicht wussten: Suboptimal ist ein anderes Wort für: Scheiße! Der McManager kam an unseren Tisch. Bat uns höflich, das Rauchen einzustellen. Schatzi-Mausi wollte etwas zu ihm sagen, hat es aber dann nicht ganz geschafft. Ich glaube, mich noch zu erinnern, dass es etwas Beleidigendes war. Etwas, was man(n) mit seinen unteren Körperregionen anstellen kann, aber nicht unbedingt muss, wenn man(n) alleine ist. Aber egal. Worauf es ankommt: Der McManager hat sie akustisch nicht so richtig verstanden. Hat er zumindest behauptet. Allerdings in einem Tonfall, der möglicherweise darauf hindeuten lies, dass er es vielleicht doch akustisch richtig verstanden habe. Immerhin war Schatzi-Mausi danach allerdings so kooperativ und hat, abgesehen von ihrem Schluckauf, keinen Mucks mehr von sich gegeben. Stattdessen ihre Kippe auf dem Tablett ausgedrückt. D. h.: Sie hat es versucht. „Im Grunde ist es doch unwichtig, was gesagt wird.“, habe ich dem McManager versucht zu erklären, der ernsthaft erwogen hat, die Polizei zu rufen. „Wichtig ist nur, was getan wird!“ Das brachte ihn dazu, uns wieder in Ruhe zu lassen.

Und noch wichtiger, als das, „was man tut, ist“ - wenn man Robert Musil glauben darf - „immer erst das, was man danach tut!“ Ich muss gestehen, dass ich den wahren Sinn dieser Aussage bis zu diesem Zeitpunkt nie so richtig begriffen habe. Aber das hat sich ja dann glücklicherweise geändert. Wie schon gesagt, Schatzi-Mausi hat versucht, ihre Kippe auszudrücken. Geklappt hat es nicht. Nicht ganz. Der komplette Verpackungsmüll auf unserem Tablett fing nach und nach Feuer. Ich hab´s anfänglich gar nicht so richtig bemerkt. Der McManager glücklicherweise auch nicht. Der war da schon längst wieder weg.

„Schnucki!“ Fragt mich jetzt bitte nicht, warum ich von ihr so einen blöden Spitznamen gekriegt habe. Mir gefällt er überhaupt nicht, aber sie besitzt zumindest soviel Anstand, mich nicht in der Öffentlichkeit und vor anderen Leuten so zu nennen. Normalerweise. „Schau´ mal! Es brennt!“ Und richtig! Der Verpackungsmüll auf unserem Tablett brannte mittlerweile lichterloh. Mir war klar: Ich musste etwas tun. Sofort! In meiner unendlichen Weisheit lief ich vor zu den Kassen und kaufte mir einen Milchshake. Die Wahl der Qual bestand darin, eine Entscheidung zwischen „Schoko, Erdbeer, oder Vanille?“ zu fällen. Schatzi-Mausi war währenddessen damit beschäftigt, das lodernde Feuer mit seligem Grinsen zu betrachten. Unter nüchternen Umständen ist sie nicht so verantwortungs(bewusst)los. Die Flammen schlugen schon hoch, als ich mit meinem Schoko-Milchshake angelaufen kam. Glücklicherweise hatte ich den großen Becher gekauft. Der wurde mit dem Feuer spielend fertig, als sein Inhalt darüber gekippt wurde. Milchshake spritzte überall hin. Nicht nur Schatzi-Mausi ins Gesicht. Aber: Davon mal abgesehen, war meine Löschaktion ein voller Erfolg. Kein Feuer mehr. Stolz betrachtet ich mein Werk. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich, als ich klein war, eigentlich immer Feuerwehrmann werden wollte, so ähnlich, wie dieser kleine Drache da im Fernsehen? (Grissu??) Schließlich raffte sich Schatzi-Mausi doch noch dazu auf, mir Beifall zu klatschen. Ein wenig Anerkennung hatte ich mir durchaus verdient, fand ich.

Nach meinem todesmutigen Eingreifen zur Brandbekämpfung kam allerdings schon wieder der McManager an unseren Tisch. Bat uns unhöflich, das Lokal zu verlassen. Sofort! Das wollte Schatzi-Mausi allerdings nicht. Denn: Draußen war es kalt. Und unser Bus fuhr erst in einer Stunde. Darum sagte sie ihm auch, dass er sie nicht so einfach vor die Türe setzen konnte. Außerdem noch, dass sie unter gar keinen Umständen gehen würde ... „Vor allem dann nich´, wenn so´n FickerArsch glauben tut, mich schmeißen raus zu können!“

„Tja, ...“, sprach ich, als wir dann draußen standen. „Bei denen brauchen wir uns wohl nicht mehr blicken lassen.“

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