Schatzi-Mausi & Ich: Oben ohne
von
RHAZARD
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„Du kannst mir nicht verbieten, meine Titten raus zu holen!“, schrie Schatzi-Mausi. Mal wieder außer sich vor Zorn. Dann warf sie ihr Bikini-Oberteil weit von sich. Ein paar notgeile Zaungäste klatschten aus dem Hintergrund verhalten Applaus. Die Schamesröte stieg mir ins Gesicht. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Oder gestorben. Oder Single ...
Aber vielleicht sollte ich zwecks allgemeinen Verständnisses diese Tragödie von vorne beginnen lassen:
Es war der höchste Hochsommer seit Jahren. Dank der erhöhten Schadstoffausstöße von Industrie und unzähligen Kraftfahrzeugen hatte das Ozonloch schon wieder eine neue Rekordgröße erreicht. Folge? Globale Erwärmung. Also: Brütende Hitze. 37° im Schatten, falls es denn einen gegeben hätte. Was kann man(n)/frau da tun, außer zu Schwitzen? Wahlweise für die Umwelt demonstrieren, oder ab ins Freibad an der Ecke. Schatzi-Mausi und ich entschieden uns für letzteres. Dort fanden wir auch glücklicherweise recht schnell ein angenehmes Fleckchen Erde, wie geschaffen für eine Ausbreitung unserer zwei Badetücher. Leider war es schon von ein paar rotznäsigen Zwergen besetzt. Doch das sollte eigentlich kein Problem darstellen. Nachdem wir sie eine Weile übelst beschimpft und ihnen Prügel angedroht hatten und sie dann genauso flennend, wie hysterisch schreiend zu ihren Mamis gerannt waren, haben wir letzten Endes das bekommen, was wir wollten: Einen Platz an der Sonne.
Und kaum hatten wir uns auf unsere Badetücher niedergelassen, war Schatzi-Mausi auch schon emsig damit beschäftigt, sich frei zu machen. Auch oben herum. Denn: Sie will keine lästigen Bikinistreifen. Entweder nathlose Bräune, oder gar keine. So ihre Devise. Vom ästhetischem Standpunkt her ist gegen so ein Verhalten auch nichts einzuwenden. Allerdings stürzte mich das in einen Zwiespalt. Einen Zwiespalt der Gefühle. Ich dachte intensiv darüber nach, während ich sie von oben bis unten mit Sonnencreme Lichtschutzfaktor 1000 beschmierte.
Einerseits: Nichts dagegen, wenn man eine freizügige Freundin hat. Wer wünscht sich so etwas nicht? Das ist doch meilenweit besser, als ein frigides Frauchen zu Hause zu haben. Ich meine so eine, die in manchen Situationen einfach nicht die Beine auseinander kriegt und mit der bestimmte Dinge, wenn überhaupt, ausschließlich im heiligen Stand der Ehe bei tiefster Nacht im stillen Kämmerlein hinter vorgezogenen Gardinen getan werden dürfen. Und auch nur in der einen Stellung, wie sie von braven Missionaren einst wärmstens empfohlen worden war.
Ganz abgesehen davon. Ich bin liberal, tolerant und weltoffen. Kein konservativ verklemmter Philister, dem die up-to-datesten Knigge-Bestimmungen der Politischen Korrektheit die Arsch-Rosette zugeschnürt haben. Kein devoter Bückling, der von den moralischen Anforderungen der ach so anständigen Gesellschaft das Rückgrat durchgeweicht bekommen hat.
Andererseits: Die anderen Kerle, die Spanner, das ist auch nicht sonderlich angenehm. Am Anfang ja. Da ist es schon geil ... Ich grinse ihnen dann immer ins Gesicht. Jedem einzelnen von ihnen. Sende ihnen auf telepathischem Wege die Botschaft: 'Das da ist mein Schatzi-Mausi. Und da darf nur ich ran, rein und rauf. Du ganz sicherlich nicht!' Und, es wäre eine infame Lüge, wenn ich behaupten würde, dass mir das nicht gefallen hat. Der Neid und die (G)Eifersucht, die mir von allen Seiten entgegen schlug: Köstlich, geradezu deliziös! Aber ab einem bestimmten Moment ist Schluss mit lustig. Da hat der Spaß dann auch wieder ein Ende, oder sollte es zumindest haben. Da hätten sie ruhig wieder aufhören können, zu gaffen und zu geifern. Ich weiß, was sie sich denken. Ich weiß, was sie in ihren Vorstellungen mit meiner Süßen gerade anstellen. Auch in welchen Stellungen. Mir ist das so genau bewußt, weil ich auch mal so einer war. Einer von ihnen. Lange Zeit ist´s her. Und es passt mir nicht, dass mein Schatzi-Mausi die Hauptrolle in ihren beschissenen Privat-Porno-Phantasien spielt. Meine Süße sollte in keinem Kopfkino eine Widerliderliche Wichs-Vorlage sein. Vor allem nicht bei der Hackfresse da drüben. Der Wixer, der es immer noch nicht geschafft hatte, seine Akne zu überwinden und dessen Visage unbestreitbare Ähnlichkeiten mit meinem Schambereich hat, als ich mir dereinst einen Tripper eingefangen hatte. Geifer tropfte ihm vom Kinn. Wie kann man(n) nur so widerlich sein?
Da kam ein Bademeister des Weges. Der hieß garantiert Paule, so wie der aussah. Er fordert Schatzi-Mausi auf, ihre Titten wieder einzupacken. Warum? Es soll angeblich unzüchtig und anstößig sein! Doch mit solcherlei Behauptungen kam er meiner Süßen gerade recht. Sie setzte sich auf. Schob die Sonnenbrille ins Haar. Musterte Paul, den Bademeister. Von oben bis unten. Zog dann die Augenbrauen nach hoch. Und wollte wissen:
„Warum haben Kerle dann das Recht, hier oben ohne rum zulaufen?“ Sie ist nun mal sehr emanzipatorisch veranlagt, mein Schatzi-Mausi. Gleiches Recht für alle. So ihre Devise. Und im Normalfall wäre auch dagegen nichts einzuwenden. Allerdings lagen hier die Dinge ein wenig anders.
Der Bademeister hatte überhaupt keine Lust, sich auf eine Diskussion einzulassen. Er wiederholte sein Ansinnen. Verschränkte dann die Arme und wartete darauf, dass sich Schatzi-Mausi sittlich und züchtig bedecken würde. Da konnte er allerdings lange warten. Schatzi-Mausi sah sich um. Zeigte dann auf einen fetten, schwabbligen Kerl. Bleich wie eine Qualle, noch dazu nicht wenig behaart und unweit von uns entfernt. Bei seiner Leibesfülle bräuchte er eigentlich einen BH. Seine Brüste hingen weit herab, hatten den Kampf gegen die Schwerkraft schon vor langer Zeit verloren. Mit einem Wort: Geschmacklos.
„Und so wie der da rumliegt, ist das nicht anstößig und unzüchtig?“ Schatzi-Mausi kniff die Augen zusammen und sendete mit ihrem Bösen Blick Todesstrahlen aus. Paul nahm seine verspiegelte Sonnenbrille ab. Es ging ihm nicht darum ästhetische Gesichtspunkte zu diskutieren. Im Grunde wollte er ja nur seinen Job machen. Er warf einen Blick auf mich.
„Sag´ du deiner Schnalle, dass sie ihre Titten einpacken soll! Auf mich hört sie ja nicht.“
„Hey“, wehrte ich mich und hob beide Hände. „Erstens ist das nicht meine Schnalle und zweitens hört sie auf mich noch weniger!“ Paul schloss gequält die Augen. Ich bekam Mitleid mit dem Bademeister. Der wusste jetzt echt nicht mehr, was er machen sollte. Wusste noch nicht mal mehr, wo er denn hinschauen sollte. Ins Gesicht von Schatzi-Mausi? Wie sollte das denn bitteschön gehen? Wir erinnern uns: Der Bösen Blick. Aber: Wenn er demutsvoll die Augen senken würde, sähe es von außen so aus, als ob er ihr unverhohlen auf die Titten starren würde. Das machte ihn natürlich nervös und verlegen. Schließlich sah er zum Drei-Meter-Sprung-Brett hinüber. Dort wurde gerade eine hysterisch kreischende Dewotschka von ein paar Halbstarken ins Wasser geschmissen. Schließlich kam wieder Leben in ihn und er drohte ihr - und leider auch mir - mit Sanktionen.
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Kommentare
samir93@live.se schrieb am 2010-05-07 18:39:45:
schön geschichte so wie mein schatzi auch hat so geschichte
idu_123germany@hotmail.de schrieb am 2010-05-07 18:38:00:
schön geschichte von mein schatzi auch so
walter schrieb am 2010-04-30 11:57:53:
Schade - am Schluss siegt wieder einmal die prüde und kleinkarierte Spießer-Ideologie!
Chrisi schrieb am 2008-02-29 21:19:05:
Ja das is doch echt mal ne gelungene Geschichte! Realitätsnahe, witzig, fesselnd, humorvoll, nicht anstößig! Also alles in allem gut geschrieben! Kompliment an den Autor!
Liebe Grüße Chrisi!
Ps.: Mehr davon! Wie wäre es mit einem Buch?
RHAZARD schrieb am 2008-01-26 00:27:05:
Merkt man das, dass ich Ärzte-Fan bin?
;-)
Danke für die positive Kritik!!!
Alf Schauder schrieb am 2008-01-25 20:03:58:
Ärzte-Fan? Schöne Geschichte mit sehr humorvollen Einschüben. Weiter so!
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