Schatzi-Mausi & Ich: Wut im Blut
von
RHAZARD
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Und dann hat es sich eines Tages doch tatsächlich so zugetragen, dass mein Schatzi-Mausi total angesäuert von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Sie hat die Tür zugeknallt. Ihre Tasche in die Ecke geschmissen. Und geschrien! Geflucht übrigens auch.
„Ich mach´ das nicht mehr länger mit!“, hat sie lautstark von sich gegeben. Mit einer Wut im Blut, gegen die der legendäre Zorn des Achilles wie ein seliger Zustand des immerwährenden Friedens gewirkt hätte. Bei mir stellte sich fast sofort ein schlechtes Gewissen ein. Und ich begann fieberhaft zu überlegen, was ich denn nun schon wieder falsch gemacht hatte. Es konnte nur eines möglich sein: Sie hatte die viel zu hohe Telefonrechnung gesehen. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich daran nicht ganz unbeteiligt gewesen bin. Es ging da um eine gewisse Chantale, mit der ich mich die halbe Nacht lang bestens unterhalten habe. Bedauerlicherweise über eine 0190-Nummer.
„Ach, Schatzi-Mausi!“, versuchte ich sie zu beruhigen. Es blieb bei einem Versuch – einem schwachen Versuch. Ebensogut hätte ich versuchen können, den Vesuv am Ausbrechen zu hindern.
„Nix Schatzi-Mausi!!!“, traf mich eine volle Ladung ihres Zorns. „Schatzi-Mausi hat die Schnauze voll!“ Pulsschlag: 180. Mindestens. Wenn nicht noch mehr. Grenzen nach oben hin offen.
„Jetzt sei´ halt nicht so ...“, stotterte ich. Denn: Meine Person bekam echt langsam Angst.
„ICH BIN ABER SO!“ Mir wurde klar: Solange ich nicht genau wußte, was überhaupt passiert war, konnte ich gar nichts tun. Aber so wie Schatzi-Mausi jetzt momentan drauf war, würde sich dieser Zustand länger hinziehen. Tiefstwahrscheinlich die ganze Nacht – Wenn nicht noch länger ... Aber: Was blieb mir anderes übrig? Zitternd machte ich den Fernseher leiser.
„Was issn´ überhaupt los?“ Keine Antwort. Schatzi-Mausi zog es vor, in der Küche irgendwas zu machen. Ich hörte Geschirr klirren und Besteck klappern. Ich hoffte insbrünstig, dass sie jetzt nicht nach einem scharfen Gegenstand suchte, mit dem sie sich, oder – viel schl!mmer – mir etwas antun könnte. Wenn Schatzi-Mausi sich in so einem Zustand befand, sollte man(n) – Also: Ich – mit allem rechnen. Der Grad meiner Nervosität stieg. Wenn sie gar nichts sagt, ist es schlimmer, als wenn sie schreit. Dann kam Schatzi-Mausi zu mir ins Wohnzimmer. Glücklicherweise ohne Schlachtermesser in der Hand. Stattdessen mit einer Familienpackung Erdbeereis und einem Löffel. Ein klein wenig Beruhigung verschaffte mir dieser Anblick. Aber nur ein klein wenig. Denn: Ihre Augen waren nur noch schmale Schlitze. An dieser Stelle war ich wieder mal heilfroh, dass Blicke nicht töten können. Denn: Wenn sie es könnten, dann hätte dieser es zweifellos auch getan. Glücklicherweise geht das nicht. Andernfalls wäre ich nämlich schon tausend Tode gestorben. Andererseits geht das natürlich auch nicht, weil ich ja nach dem ersten Bösen Blick von ihr nicht mehr aufgestanden wäre.
„Liegt es an mir?“, erkundigte ich mich vorsichtig. „Hab´ ich was falsch gemacht??“
„NE!N!“, fauchte sie. „Zur Abwechslung mal nicht!!“ Ich atmete auf. Erleichterung! Egal, was es war. Warum sie auch immer so sauer war ... Mein Verschulden war es diesmal nicht. Das machte die Sache ein wenig einfacher. Schatzi-Mausi nahm neben mir auf der Couch Platz. Löffelte schmatzend ihr Eis. Zog es vor, in die stumme Mattscheibe zu starren. Dann:
„Die in der Arbeit nerven mich!!!“ Aha! Jetzt haben wir also einen ersten Anhaltspunkt. Und obwohl ich es eigentlich gar nicht hören wollte und es mich auch nur bedingt, wenn überhaupt, interessierte, bat ich sie um nähere Informationen. In gewisser Weise musste ich das einfach tun. Wer, wenn nicht ich? Schließlich bin ich ja hier ihr Lebensgefährte, ihr Schnucki. Und der soll sich auch gefälligst darum kümmern, wenn sein Schatzi-Mausi Kummer, Sorgen, oder Probleme hatte. Was tut man(n) nicht alles für eine intakte Beziehung??
„Die Maier!!“, begann Schatzi-Mausi sich schließlich auszukotzen. „Die tickt doch nicht mehr ganz richtig!!“ Zur allgemeinen Erklärung: Bei dieser „Maier“ handelte es sich um Schatzi-Mausis direkte Vorgesetze. Die, mit der sie mit schöner Regelmäßigeit im Clinch lag. Wenn die Sachlage so lag, dann wusste ich, was zu tun war.
„Ach, Schatzi-Mausi!“, begann ich. „Lass´ dich doch von der nicht so anpissen!! Die weiß doch gar nicht, was sie an dir hat!!!“ Schatzi-Mausi sah mich mit großen Augen an. Von ihrem Kinn tropfte Erdbeereis.
„Meinst du wirklich?“, wollte sie wissen. Mit einem Mal klang ihre Stimme ganz zart. Wenn Schatzi-Mausi in einer solchen Phase eines unbedingt brauchte, dann war es Zuspruch und Bestätigung. Und das bekam sie jetzt von mir. Reichlich. Ich erklärte ihr, wie gut sie in ihrem Job doch war. Das wollte meine Süße, genau wie ich, zwar anfangs nicht glauben, aber ich schaffte es trotzdem, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Und dann schoß ich ein wenig über das Ziel hinaus:
„Wenn dir da was nicht passt, dann kannst du ja gehen! Woanders wären sie heilfroh, wenn du bei ihnen anfangen würdest, zu arbeiten!“
„Meinst du wirklich, dass ich das tun sollte?“ Schatzi-Mausis Stimme war nur noch ein heiseres Flüstern. „Kündigen? Mir einen anderen Job suchen??“
„Auf jeden Fall!“, sagte ich. `Natürlich nicht sofort!!´, dachte ich. Denn: Rechnungen müssen bezahlt werden. Die Miete. Die viel zu hohe Telefonrechnung!
„Die Idee gefällt mir!“ Schatzi-Mausi legte ihr Erdbeereis weg. Stand auf. Ging hin. Und her. Begann, laut zu überlegen. Was denn für so eine Bewerbung notwendig ist: Ein Lebenslauf. Zeugnisse. Eine schicke Bewerbungsmappe. Seriöse Bewerbungsphotos ...
„Aber, ...“, fiel es ihr dann siedendheiß ein. „Das muss so schnell, wie möglich gemacht werden!“ Am besten heute noch! Morgen könnte es schon zu spät sein. Morgen könnte sich der ganze gute Vorsatz schon wieder in Luft aufgelöst haben. Schatzi-Mausi ging zum Schrank und begann in den Schubladen zu wühlen. Leider fand sie nicht auf Anhieb, was sie suchte. Das brachte ihren Pulsschlag wieder auf Touren. Manchmal war sie so. Nicht immer. Aber manchmal. Bei wirklich wichtigen Entscheidungen, die ihr Leben verändern könnten. Im Wechelsbad der Gefühle. Von einem Extrem ins nächste. Und nun: Voller Zweifel und Bedenken. Dann bestand die Gefahr, dass sie ihren nicht vorhandenen Schwanz einzog, bevor die Sache überhaupt erst so richtig losging. Versteht mich nicht falsch! Ich liebe meine Süße. Mehr, als jede andere. Sie ist für mich das wichtigste, was ich habe. (Abgesehen von meiner DVD-Sammlung vielleicht ...) Aber manchmal kann es schon schwer mit ihr sein. Sehr schwer sogar. Ihr Blick fiel auf mich. Es war klar, was nun gleich kommen würde. Es kam, wie es kommen musste. Meine Mithilfe wurde gefragt.
„Du! i schaff des alleine ned mit der Bewerbung und so ... bin ned ruhig genug dabei. Hilfst du mir bitte??“ Was blieb mir anderes übrig? Ich sicherte ihr also meine Hilfe zu. Was tut man(n) nicht alles für eine intakte Beziehung? Ungeklärt blieb nur
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Kommentare
markuskuegle@web.de schrieb am 2007-11-22 12:01:09:
Danke! ;-)
kaseopeia schrieb am 2007-11-20 10:43:08:
wieder mal gelungen witzig, mit einer rießen portion an wahrheit.
ich liebe deine schatzi mausi "geschichten"!!!
Hoffe bald mehr davon zu lesen...
gruß
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