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Kategorien > Romane > Schicksal

Schicksalhafte Wendung

von Teresa

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<br>Im Monat August anno 1889, um die späte Abendstunde, es war sternklare Nacht. Eine ängstlich um sich blickende Person mit einem Bündel im Arm war auf die Michaelskirche, die auf dem gleichnamigen Berg, etwas abgelegen von Bamberg, lag, zuge-laufen. Sie trug ihren Säugling, den sie in eine weiche Decke gehüllt hatte, sie blickte hastig um sich, bevor sie ihn auf die o-berste Treppe des Pfarrhauses legte. Unter Tränen strich sie ihm noch einmal über das Gesicht. Zusätzlich hatte sie noch schnell einen Zettel mit verschnörkelter Schrift unter die Decke ge-steckt, mit den Worten, ‚Bitte sorgt für meine Isabel. ‘ Sie konn-te gerade noch in den nahe gelegenen Wald entfliehen, bevor die Haushälterin des Pfarrers in der Türe stand, die dann nur noch einen Schatten in weitem Gewande erkennen konnte. Sie hob das wimmernde Bündel erschrocken auf und trug es ins Haus in die großräumige Küche.
<br>”Was ist, Kunigunde, wen haben Sie da?”
<br>”Das Baby lag vor unserer Türe, es wurde ausgesetzt, sehen sie, eine kurze Mitteilung”, sie gab Hochwürden die Nachricht, sie sagte:
<br>”Ich habe eine Gestalt mit wehendem Umhang gesehen, die in dem dichten Wald verschwand, ich konnte leider nicht erkennen, wer es war.”
<br>”Isabel heißt also unser Findelkind. Sehen sie mal nach, ob wir Milch haben, sicher hat unser Gast Hunger.”
<br>”Was machen wir nur, das arme Kind kann einem leid tun.”
<br>”Hier lassen können wir es nicht, Morgen müssen wir es ins Waisenhaus bringen. Kunigunde, würden Sie das bitte erledigen, ich werde ein Schreiben verfassen, das Sie mitnehmen.”
<br> Der Geistliche war hinausgegangen, Kunigunde wickelte das Baby und fütterte es, danach schlief es selig ein. Sie nahm Isabel mit in ihr Schlafgemach. Sie schlief nicht sofort ein, immer wie-der sah sie nach, ob der Säugling auch schlief und warm zuge-deckt war. Am Morgen machte sie erst sich und anschließend das Baby fertig. Um zehn Uhr, nach dem Frühstück, ließ sie sich von Fritz, dem Kutscher des Kirchenamtes, zum Kinderheim fahren. Eine Nonne nahm Isabel entgegen und brachte sie zu den anderen Säuglingen in den großen Schlafsaal. Kunigunde sah ihr mit Tränen in den Augen nach, sie liebte Kinder über alles.
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<br> Es war bereits weit nach Mitternacht, als die Komtess end-lich, mit letzter Kraft und voller Panik, nicht doch noch entdeckt zu werden, im Schloss ankam, nachdem sie ihr Baby ausgesetzt hatte und angstvoll quer durch den Wald in Richtung des Schlosses Geyerwörth gelaufen war. Sie war die Tochter, eine bildhübsche junge Frau von 25 Jahren, des Grafen Ungelo, der als gefürchteter Tyrann galt, dass selbst die Hofangestellten vor Angst untertänigste dienten, und ganz besonders ging ihm seine Tochter Angelique aus dem Weg, so oft sie nur konnte. Deshalb musste sie diesen Schritt tun, ihr Vater hätte sie entweder ver-bannt oder in den Kerker einsperren lassen, und das wahrschein-lich bis zum Ende ihrer Tage.
<br> Ganz abgehetzt kam sie ins Schloss, wo ihre Zofe Ricarda sie schon erwartete und ihr entgegen eilte. Sie brachte sie in ihr Gemach. Sie waren sich sicher, dass niemand ihr Fortgehen be-merkt hatte. Sobald die Türe geschlossen wurde, brach alle Last über Angelique hernieder, und das schreckliche Erwachen holte sie ein. Da erst konnte sie aufnehmen, was sie in den letzten Stunden getan hatte. Angelique bekam einen Nervenzusammen-bruch, sie begann furchtbar zu weinen und konnte sich nicht mehr beruhigen. Ricarda wollte nach dem Leibarzt des Grafen rufen, doch die Komtess hielt sie zurück. ”Der könnte doch so-fort feststellen, dass ich vor wenigen Stunden ein Kind geboren habe”. ”Aber Sie brauchen einen Arzt, ich werde versuchen den Dorfarzt hierher zu holen, ohne großes Aufsehen. Sie müssten sich allerdings wieder in den abgelegenen Stallungen begeben, da kommt um diese Zeit niemand hin”. Die Zofe half der Kom-tess auf, die sehr geschwächt und kreidebleich in ihren Armen hing.
<br> Der Graf selber war für ein paar Tage mit seinen Gesandten außer Landes, so dass er von all dem Leid nichts mitbekommen hatte. Die Zofe wickelte Angelique fest in eine Decke und rannte los. Ein Angestellter vom Schloss wunderte sich, wollte sie auf-halten, doch sie nahm ihn gar nicht wahr und eilte zum Tor hin-aus.
<br> Angelique zitterte am ganzen Körper. “Hoffentlich geht es meinem Baby gut”, dachte sie immer wieder. Leise vor sich hinweinend sagte sie: ”Ich vermisse dich, meine Kleine, bitte verzeihe mir”. Dann verlor sie ihr Bewusstsein.
<br> In der Zwischenzeit kam Ricarda bei dem Dorfarzt an, sie sah, dass noch Licht brannte. Sie klopfte ziemlich laut und auf-geregt, er öffnete die Tür: ”Herr Doktor, Sie müssen sofort mit-kommen, der Komtess geht es nicht gut”.
<br>“Aber Doktor Hein ist doch auf dem Schloss.” sagte der Arzt etwas überrascht. Doch als er die Zofe so zitternd vor sich ste-hen sah, fragte er nicht mehr weiter, holte seine Tasche und ging mit raschen Schritten in Richtung Schloss. Vor dem Tor bog Riccardo um die Ecke und zerrte ihn am Ärmel förmlich mit, und zwar zum Seiteneingang, der mit einer hohen Hecke be-wachsen war. So kamen sie ungesehen in den Schlosspark und zu den abgelegenen Stallungen. Der Arzt wunderte sich, warum er an diesen Ort geführt wurde, doch er fragte vorerst nicht nach. Die Komtess lag immer noch bewusstlos da. Der Arzt beugte sich über sie, sah ihr in die Augen und fühlte ihren Puls. ”Sie lebt,” sagte er: ”ihr Puls geht rasend schnell. Was ist denn pas-siert, Sie ist ja furchtbar geschwächt”. Er wandte sich an die Zo-fe und bat sie, frisches Wasser zu holen, er würde die Komtess einstweilen untersuchen.
<br> Ricarda ging nach draußen, sie überlegte, wie sie am besten unbeobachtet ins Schloss kommen würde. Die Angst, entdeckt zu werden, war groß. Und wieder sah sie der Diener, diesmal aber bemerkte sie ihn, und er fragte, was los wäre. ”Ach, nichts besonderes, Magdalena geht es nicht gut, ich hole ihr nur Wasser und Tücher”. Sie ließ ihn stehen, um in die Küche zu gehen. Sie konnte ungesehen wieder zu den Stallungen gelangen. Da kam ihr der Arzt schon entgegen und sah sie ernst an. ”Wussten Sie, dass die Komtess erst vor wenigen Stunden ein Kind zur Welt gebracht hat?” Ricarda sah zu Boden und nickte nur. Sie sah ihn bittend an: ”Ich bitte Sie, im Namen der Komtess, niemandem etwas zu sagen. Wenn ihr Vater davon erfährt, verbannt er sie vom Schloss oder sie begeht die gleiche schreckliche Tat wie ih-re Mutter. Sie kennen ja sicher die Geschichte, oder?” ”Was ist mit dem Kind?” Der Arzt sah sie sehr ernst an. ”Für das ist ge-sorgt, es ist gut untergebracht”.
<br> ”Habe ich Ihr Versprechen, Sie haben doch auch Schweige-pflicht den Patienten gegenüber, stimmt doch oder?”
<br>”Mir sind die Hände gebunden, es bleibt mir nichts anderes üb-rig, von mir erfährt niemand etwas, versprochen”. Er gab ihr die Hand als Schwur.
<br>“Ich habe der Komtess eine Beruhigungsspritze gegeben, und diese Tabletten geben Sie ihr alle drei Stunden”.

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Kommentare

isa schrieb am 2006-03-10 23:30:26:
ganz toll geschrieben, man versinkt direkt in die handlung. sehr bewegend
Stahl_D@web.de schrieb:
Wahnsinn! Toll!
Ich les zwar nicht gerne lange Geschichten, aber die haut mich um, sehr schön geschrieben!
.. schrieb:
Super!!! Kompliment!
(...) schrieb:
Etwas merkwüdig aber denoch gut!
Großes Lob.

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