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Kategorien > Alltag > Aus dem Leben

Schizophräne Murmeltiere

von Vincent Truchseß

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Schizophräne Murmeltiere

Wie bieginnt ein Tag im Leben eines schizophränen Murmeltiers? Es steht auf und ist hin und hergerissen, ob es Angst vor den Wanderern haben, oder so doch lieber vor den Felsen und den Wiesen.







Augenaufschlag,
Gähnen,
Lächeln,
abgefuckter 6 Uhr morgen Blick.

Mit der rechten Hand greift Heinz unter sein Kopfkissen und zieht eine imaginäre Beretta 9mm heraus um seinen Wecker zu erschießen. Zu seiner Enttäuschung stellte er fest, dass er vergessen hatte, imaginäre Munition zu kaufen und sah also keine andere Möglichkeit als aufzustehen und besagtes Weckinstrument manuell zu zerstören.
„Was würde ein schizophränes Murmeltier den Tag beginnen?“
Langsam strömte die Realität in Heinzens Gehirn und er erkannte, dass es an der Zeit war, wider an normale Dinge des Lebens und nicht an psychisch kranke Murmetiere oder magersüchtige Meerschweinchen zu denken. Dafür ist nach Sonnenuntergang Zeit.
Während er sich anzog fragte er sich noch kurz, warum er immer solch seltsames Zeug träumt; kurz darauf hatte er schon vergessen, dass er überhaupt etwas geträumt hatte.
Noch während er unter der Dusche stand klingelte es an der Tür. „Fuck, schon halb sieben.“ Schnell rein in die Schuhe und Tür öffnen. „Mann, du schaust aus, wie ich mich fühle“, so begrüßte ihn Peter und machte sich gleich wider auf den Weg zu seinem Auto, welches mit laufendem Motor vor der Tür stand und den Gehweg in eine nahezu blickdichte weiße Wolke einhüllte. Wortlos trottete Heinz hinterher.
„Wird Zeit, dass es wider Sommer wird, oder wenigstens Frühling. Mann, diese scheißkälte...“ stöhnte Peter und machte sich daran die Innenseiten der Scheiben seines Autos vom Eis zu befreien, welches sich während der Fahrt gebildet hatte. Als ein briefmarkengroßes Guckloch in der Windschutzscheibe zu sehen war gab er letztendlich auf. Inzwischen war Heinz nachgekommen. „Kaffee?“ Dies war eine obligatorische Frage und meist das erste Wort am Tag, dass Heinz von sich gab. „Kannst mich mal“ entgegnete ihm Peter mit einem Grinsen, „Auf der Rückbank. Und leg dir endlich ne eigene Thermoskanne zu. Und auch gleich ne Kaffeemaschine.“
Während sie losfuhren, rauchend und kaffeetrinkend, betete Peter im stillen, dass sein 25 Jahre alter Mercedes ihn auch heute zur Arbeit bringen möge, ohne unterwegs abzusterben.
„Sag mal, hast du keine Angst 'nen Strafzettel zu kriegen, wenn du im Dunkeln autofährst?“ fragte Heinz beiläufig. Peter entgegnete ihm grinsend: „Nö, meine Scheinwerfer sind seit zwei Monaten Kaputt, und ich wurde noch nicht angehalten. Warscheinlich sieht mich die Polizei im Dunkeln nicht“. Beide lachen kurz und schwiegen dann die nächsten 20 Kilometer.
Langsam wurde es hell und die Einfahrt der Fischfabrik „Meier und Söhne“ tauchte auf. Peter fuhr auf den Hof und sie betraten die Firma, wo der Vorarbeiter, Herr Jacobsen, bereits im Aufenthaltsraum auf sie wartete. „Herr Hoffmann, auf sie habe ich gewartet, folgen sie mir bitte in mein Büro. Und sie, herr Schmidt, an die Arbeit, die Fische köpfen sich nicht von alleine!“
Verdutzt trottete Heinz seinem Vorgesetzten hinterher und malte sich aus, was denn hinter dieser braunen Holztür auf ihn wartete. Naja, wenigstens ist das der einzige Ort im gesamten Betrieb, an dem es nicht bestialisch nach Fisch riecht.
„Sie können sich bestimmt denken, warum ich sie herbitte.“ „Ja, sie brauchen mal wider jemanden, dem sie den Arsch aufreißen können, weil ihre Frau sie letzte Nacht nicht rangelassen hat“ dachte sich Heinz, antwortete aber nur mit einem schlecht gestellten „Nein, Herr Jacobsen“.
„Naja, wie auch immer, setzen sie sich.“ Jetzt, wusste Heinz, geht’s ihm ans Leder. Normalerweise verbietet Jacobsen den Arbeitern seine mit braunem Stoff bezogenen Stühle zu benutzen. Offensichtlich fand er den Fischgestank auch zum erbrechen. „Sie wissen, das Fischgewerbe ist eine Hart umkämpfte Branche, und wir können uns keine Fehler erlauben. Fehler kosten Geld und schaden damit letztendlich der ganzen Firma, ihre Kollegen eingeschlossen.“ Er zündete sich eine Zigarette an, und machte eine „wenn sie wollen dürfen sie auch“-Geste. Heinz wurde offensichtlich nevös, da erschien ihm dieses Angebot wie ein Geschenk des Himmels. Er zündete sich eine an und versuchte nicht völlig die Nerven zu verlieren.
„Was denken sie sich, warum sie hier sind?“ Fragte Jacobsen und wurde langsam wütend. Sein kahlrasierter Kopf wurde langsam rot, und sein Hemdkragen schien immer mehr seinen Sitz zu verengen. „Tut mir leid, dieses Malheur vorgestern, ich hatte mich einfach verschätzt, wie schwer die Innereienwanne ist, und es war grad keiner in der Nähe, der mir hätte helfen können, da ist mir das teil runtergerutscht. Ich-ich h-hab die Sa-Sauerei ja auch n meiner M-M-Mittagspause entfernt“ stammelte Heinz. Jetzt hatte er Angst. Angst seinen Job zu verlieren und wider seinem Kumpel Peter zur last zu fallen, weil er seine Miete nicht zahlen kann. Wider war er an einem Punkt angelangt, an dem er merkte, wie sehr er in seinem Leben versagt hatte. Mit 26 noch keinen Job jänger als sechs Monate behalten, kein Wunder, dass ihm die Frauen nicht gerade die Türe einrannten.
„Das meine ich nicht, sie Pfeife!“ schrie Jacobsen. Sein Kopf war nun rot, wie ein Hummer und die Adern auf seiner Stirn wirkten bedrohlich, als würden sie gleich platzen. „Gestern Nachmitteg, ich hab sie genau gesehen, als sie Kaffee gekocht haben, versuchen sie bloß nicht, mich zu verarschen!“
Heinz wurde immer mehr bewusst, dass sein Kopf in der Schlinge steckt. Jetzt galt es diplomatisch zu sein und sich gegenargumente auszudenken. Er wurde ruhiger. „Der Betriebsrat hat doch letzte Woche durchgesetzt, dass jeder Arbeiter bei uns zwei mal zehn Minuten Kaffepause am Tag machen darf.“ Heinz stotterte nun nicht mehr, war aber immer noch sichtlich angespant. Auch Herr Jacobson beruhigte sich ein Wenig, wenn auch nicht allzuviel.
„Das meine ich nicht, sie können in ihren zehn Minuten von mir aus so viel Kaffee trinken wie sie wollen, das geht mir am Arsch vorbei, aber ich hab sie genau beobachtet. Was war das, als sie ihren Flachmann 'rausgeholt und damit ihren Kaffee verfeinert haben?“
Peng! - Heinz hatte gerade verloren. Nix mit einer Meinungsverschiedenheit, die sich mit einem bisschen Schreierei klären ließe. Jetzt ist er aufgeflogen, enttarnt, in der Falle. Schon wider.
„D-d-d-d-d-das w-w-w-war ja n-nur weil, ä-äh, na wegen meiner F-Frau, s-sie wissen doch wie das ist.“ stammelte Heinz. Mitlerweile war er so klein wie eine Erdnuss, während Jacobson immer größer und diabolischer wirkte. Mit Hörnern auf dem Kopf.
„Ihre Frau! Tun sie nicht so, als ob sie was mit frauen zu schaffen hätten, so wie sie nach Fisch und Schnaps riechen. Und es ist mir scheißegal, was sie sich noch ausdenken, so ein Verhalten ist ab-so-lut unverzeihlich.“
„Ja, herr Jacobson, es tut mir leid, ich...“ „Sie, sie, sie, sie können ihren Spind räumen gehen. Und lassen sie sich hier bloß nicht mehr blicken. Ihre

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