Schlafender Engel
von
Kallador
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Prolog
Er erwachte mit einem bekannten Gefühl, kaum das sich die Sonne hinter dem Horizont zurückgezogen hatte. Noch steif vom Tage zog Philippe la Croix die dicken roten Samtvorhänge seines Bettes zurück. Die Jalousien versperrten den letzten Strahlen der Sonne den Weg in sein Atelier. In seinem Loft war es dunkel, doch trotzdem sah er hervorragend. Er Stand auf und wanderte durch sein Atelier zu seiner Ankleide. Seine Wohnung war geräumig und lag direkt unter dem Dach. Sie bestand nur aus seinem Atelier, einer winzigen Küche die bis auf den großen Kühlschrank nie benutzt wurde, ein Bad sowie einem gut verschlossen Raum. Die Tür zu diesem Raum ist auf den ersten Blick nicht zu sehen. Ein gewaltiger Schrank mit Büchern, dicke Wälzer, steht genau davor und verbirgt sie für das ungeübte Auge. Würde man diesen Raum betreten sähen man dass er völlig mit Folie behangen ist, man könnte denken es würden Streicherarbeiten dort stattfinden. Allerdings besteht der Zweck dieser Folien nicht darin die Wände vor Farbe zu schützen, sondern die Farbe der Wände vor äußeren Einflüssen. Dieser Raum war Phillips Raum der Recreation. Der Wiedererweckung und ein grausames Geheimnis. Etwas durcheinander darin lagen unzähligen Farbpaletten verstreut, unregelmäßig verteilt um eine Staffelage wo er die gestrige Nacht gearbeitet hatte, bis die Sonne aufging. Sein mangelndes Zeitgefühl war ihm schon oft zum Ärgernis geworden. Sobald die Sonne über den Horizont kriecht ist Philippe einem unmenschlichen Zwang ausgesetzt. Er muss schlafen. Es ist ein Traumloser schlaf in den er sich nicht umher wälzt, sich nicht bewegt. Wie ein Toter. Denn genau das war Phillipe: Tot. Ein untoter Vampir. Verdammt ewig zu leben und sich von dem Blut Sterblicher zu ernähren. Gestern Abend hatte Philippe gehofft endlich einen neuen Hinweis geschickt zu bekommen. Vielleicht eine Vision, eine Eingebung oder das leises Gefühl was zu tun ist. Er starrte auf den Grund warum er hier war. Direkt gegenüber seines Bettes hing ein Bild... oder vielmehr seine Vision. Es war sein Meisterwerk. Ein Stück seiner Seele befand sich in der Farbe die auf der Leinwand getrocknet war. Die Schwärze der Nacht, die wie der blauer Schleier eines Winterabends, die Gestalten verbarg die mit ihren dunkelroten animalischen Augen in ihr zuflucht gefunden hatten. Genau 12 Augenpaare starrten alle auf denselben Punkt. Einen Stein in der Mitte des Bildes auf dem eine zierliche Gestalt hockte. Kaum Platz zum sitzen bot der Stein auf dem die Frau saß. Die Szenerie ist bedrohlich, doch kann sie nicht fliehen. Schwere Ketten halten ihre Knöchel fest umschlossen, ein mächtiges Halsband ziert ihren Hals. Die Eisen schneiden in ihr Fleisch. Das Blut fließt an ihre Körper herab wie die Tränen eines Sommerregens. Ihre langen schwarzen Haare fallen ihr ins Gesicht und verbergen es ganz Ihre Kleidung ist in Fetzen und zeigt genügend helle Haut um sich schamvoll abzuwenden. Einziger Makel ihres elfenbeinernen Haut ist eine Stelle an ihrer Schulter: Ein Muttermal in Form eines Halbmondes. Weiße Federn liegen um sie verstreut. Eins mächtige Schwingen hatte sie, doch nun sind es nur noch blutige Stümpfe. Zusammengekauert, Hoffnungslos sitzt sie dort auf ihren Stein. Wie einen Schatz drückt sie etwas an ihren Busen. Versteckt von den stechenden Blicken der roten Augen und auch versteckt vor den Blicken Philippes. Wenn er doch nur wüsste was der einstige Engel in seinem selben Martyrium noch festhält.
„Was versteckst du Engel?“ sagt Philippe laut. „Oder beschützt du es? Wenn du mir endlich ein Zeichen schicken würdest damit ich dich finden kann…“.
Seid einem Jahr war er nun schon in Geldern. Am Anfang dachte Philippe noch er würde nicht lange verweilen und bald weiter ziehen. Aber anscheinend gab es hier etwas was er finden oder das er tun musste. Aber nach all den Jahrzehnten war Philippe ein geduldiger Mann geworden. Das frisch aussehende Blut des Bildes erinnerte ihn daran wie hungrig er war, obwohl er erst vor kurzem das Tier gestillt hatte. Heute würde er seinen Hunger stillen und er wusste auch schon einen Ort an dem er dies konnte. Seine Kleiderschränke waren riesig und hatten eine große Auswahl an Mode. Klassiker wie auch neue Schnitte, perfekt auf seine Maße angepasst. Er suchte sich schwarze Kleidung heraus, ein dunkel rotes Rüschenhemd an dem einige Erinnerungen hingen. Das dunkel der Kleidung betonte eine blasse makellose Haut. Sein langes blondes Haar viel ihm bis auf den Rücken war ein willkommener Kontrast zu seinen grünen klaren Augen. Philippe war groß und schlank. Sein Gesicht war hübsch und weich was ihn sehr sensibel und sympathisch wirken ließ. Er nahm sich seine Geldklammer und seinen Schlüssel und machte sich auf den Weg. Er hatte es nicht weit. Von dem Hafenbecken wo er wohnte zur Innenstadt war es nur ein Katzensprung. Nur Minuten später war er am Markplatz angekommen. Unzählige Bars, Clubs und Cafes hatten hier ihren Platz. Ein großes alter Springbrunnen verbreitete das nötige Ambiente für die unzähligen Leute die in dieser lauen Sommernacht draußen saßen. Dass Cupido war der örtliche Treffpunkt für alle Nachtschwärmer mit schwarzen Herzen und ebenso schwarzen Kleiderschrank. Es hatte bereits geöffnet und lockte die Menschen mit billigen Drinks und Gothic Musik. Phillippe stellte sich wie jeder andere an um kein Aufsehen zu erregen. Jedoch entging ihm nicht das der oder die ein oder andere bereits Notiz von ihm nahm. Drinnen gab es die üblichen Sitzgelegenheiten an der Bar in der nähe von den Tanzfläche und einen Sitzbereich der weitaus komfortabler war. Er braucht nicht lange um eine der Frauengruppe zu entdecken die ihm oben einen Blick zugeworfen hatte. Sie saßen dort und tranken, quatschten. Die Frau in der Mitte war etwas kräftiger als die anderen und legte einen Stile an den Tag, der nicht von der Stange kam. Ihr Outfit war selbst zusammengestellt. Selbst geschnitten und wie Philippe anerkennend bemerkte selbst genäht. Er beobachtet die drei noch kurz und studierte ihre Körpersprachen. Die linke war schüchtern und zurückhaltend. Außerdem schien sie nervös, wahrscheinlich war sie neu in der Szene was auch Grund für die Kleidung von der Stange sein könnte. Die rechte war eher das genaue Gegenteil. Sie plapperte wie ein Wasserfall und die extrovertierte Körpersprache und ihre Proxemik verriet sie als typische aufgespielte Anführerin mit arroganten Zügen. Sie wäre ein einfaches Opfer. Die Frau in der Mitte konnte fast als schüchtern durchgehen. Doch da war mehr. Philippes scharfe Sinne brauchte nur wenige Sekunden mehr als bei den anderen um sich ein Bild von ihr zu machen und einen Blick in ihre Seele zu werfen. Eine Fähigkeit die er mit dem Blut vererbt bekommen hatte. Die Schnitte an ihren Armen hatte sie sich selbst beigebracht. Alte und neue… sie versuchte also etwas abzutöten oder sich daran zu erinnern das sie noch lebt. Sie schaut selbst ihren Freundinnen nie lange in den Augen und ihre Körperhaltung zeigt das sie die
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