Schwarz-Weiß
von
Annabell Sommermeyer
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Hitze. Schweißnasse, kalte Hände. Nichts als weißes Licht vor meinen Augen.
Gespannt, voller Erwartung sind zweihundert Augenpaare auf mich gerichtet. Sie quälen mich.
Vaters Stimme hämmert in meinem Kopf. Ununterbrochen wiederholt er das Gleiche - seit ich fünf Jahre alt bin. Die Stimme wird lauter, die Gedanken überschlagen sich. Er redet davon, dass ich mehr üben sollte. Täglich verbringe ich drei Stunden vor weißen und schwaren Tasten. Er verlangt vor jedem Auftritt, dass ich mich konzentriere und kein Lampenfieber haben soll. Seit nunmehr acht Jahren spiele ich vor Publikum, doch Furcht lässt sich nicht unterdrücken.
Auch nachts raubt mir Vaters Stimme den Schlaf. Ich soll mich mit der Musik befassen und mich nicht mit „diesen Leuten“ treffen, die keine Ahnung davon haben. So nennt er meine Freunde. Ich vergeude meine Jugend mit Musik, die mir schon lange nicht mehr gefällt. In Träumen werde ich von Noten verfolgt und stürze in Räume mit schwarz-weißen Wänden. Das Klavierspielen jagd mich wie ein Fluch.
Nun stehe ich wieder auf einer Bühne, doch der Druck und die Anforderungen meines Vaters bleiben an mir haften. Ich bin wie gefesselt. Plötzlich höre ich Geflüster, doch die Gesichter dazu erkenne ich nicht. Mir tippt jemand auf die Schulter, doch ich kann mich nicht rühren. Aufeinmal setzen sich meine bleiernen Füße in Bewegung, tragen mich von der Bühne. Mein Körper läuft dem Ausgang entgegen und die unzähligen Augenpaare des Publikums durchbohren mich förmlich. Meine Gedanken überschlagen sich erneut.
Die kalte Nachtluft verpasst mir einen Schlag ins Gesicht. Im Licht einer Straßenlaterne verharre ich und mir wird klar, dass ich nicht zurück in den großen Saal kann, in dem alle Zuschauer warten - und mein Vater.
Diesmal bewege ich meine Beine bewusst und laufe Straßen entlang, deren Namen ich nicht kenne.
An einer Brücke bleibe ich stehen. Tränen in meinen Augen lassen die Lichter am Ufer verschwimmen. Langsam gehe ich auf dem Bürgersteig entlang. Während ich in die dunkle Tiefe starre, umfasse ich das Geländer mit beiden Händen.
Diese sind noch immer feucht und kalt.
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