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Kategorien > Horror > Verlorenes Leben

Schwarze Federn - Teil II

von Dante

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(Fortsetzung von Teil I)

Fluchend fuhr June aus dem Schlaf.
Er wusste nicht, wie spät es war, was jedoch normal war. In seiner neuen Heimat wusste man sowieso nie, wie spät es gerade war.
Seit dem Tag, an dem ihm sprichwörtlich Flügel gewachsen waren, schien wieder eine Ewigkeit vergangen zu sein.
Er hatte sich seitdem oft gefragt, was nun geschehen würde.
Ganz gleich, was er nun war – ob menschliches Wesen oder Abnormität – Flügel halfen ihm trotzdem nicht, aus der Zelle zu entkommen.
Missmutig schaute er sich in der dunklen Kammer um. Es war nicht lange her, da hatte man ihn in eine andere Zelle verfrachtet, wahrscheinlich, um seinen hochmodernen, früheren Kerker mit einem neuen Versuchskaninchen zu füllen. So saß er nun in einem dunklen Loch mit kalten Betonwänden, einer kleinen Holzbank und einer Toilette. Knast-Flair eben. Wenigstens wurde er nicht mehr rund um die Uhr von irgendwelchen Messinstrumenten überwacht, einzig eine kleine Kamera an der Decke beobachtete ihn Tag und Nacht, wahrscheinlich, um Selbstmordversuche im Keim zu ersticken.
Aber womit hätte June sich auch umbringen sollen? Nicht einmal seine eigene Kleidung hatte er noch an; seit der Injektion des Virus war er in einen weißen Kittel gehüllt, mit dem sich nichts anfangen ließ.
Was sollte er also versuchen? Bis zum Tod gegen eine Wand laufen? Sich im Klosett ersäufen? Erstens würde man ihn sicherlich rechtzeitig aufhalten, und zweitens hatte er so ein unansehnliches Ende nicht für sich vorgesehen.
June wollte ja auch gar nicht sterben.
Was er wollte, war Rache. Und Tote können sich bekanntlich allzu schwer rächen.
Dieser Gedanke brannte unauslöschlich in seiner Seele, trieb ihn an, durchzuhalten, ließ ihn über seine offensichtliche Mutation gar nicht nachdenken. Sie war nur ein Mittel zum Zweck, wenn überhaupt – mehr nicht.
Und so tolerierte er auch den pochenden Schmerz in seinem Schädel.
Eines hatte er gelernt: Dieses Gefühl bedeutete Veränderung.
June grinste.
Er mochte Mayers Spielball sein, doch trotzdem nach seinen Regeln gespielt wurde, hatte der Projektleiter eine Niederlage erlitten, ohne es zu merken.
Er hatte seine Geduld bei June zu früh verloren, war zu früh abgesprungen. Langsam entwickelte sich unbemerkt das, worauf Mayer so lange gewartet hatte, und es entzog sich vollkommen seiner Kontrolle.
Und wenn June erst einmal herausbekam, welche Fähigkeiten Mayer durch den Virus hatte hervorrufen wollen und wie man diese einsetzte – dann konnte er das Blatt wenden.
Bis jetzt waren seine Bemühungen, herauszufinden, was sich für Kräfte in ihm verbargen, leider erfolglos geblieben. Wie sollte er denn auch wissen, was er zu tun hatte? Er konnte sowieso nicht richtig experimentieren, solange er von der Kamera beobachtet wurde; das Risiko, dass Verdacht geschöpft werden würde war zu groß.
June seufzte und setze sich auf den Boden, den Rücken an die Wand und die Knie vor das Gesicht gepresst. Als er kurz den Kopf hob, blickte er direkt in die schwarze, tote Linse der Kamera.
Wie er wohl für den Menschen aussah, der ihn beobachtete? Vielleicht wie das Beobachten eines Tigers im Zoo, der immer wieder die Grenzen seines Gefängnisses abschritt, nur um festzustellen, dass er nicht hinaus konnte und ein anderer Herr über sein Schicksal war?
Wütend senkte June seinen Kopf und schloss die Augen. Er wurde wie ein Sklave behandelt, doch mit welchem Recht? Nur das Recht des Stärkeren, das primitivste von allen, galt hier in dieser ach so hochmodernen Forschungseinrichtung.
Nach und nach kehrte die Müdigkeit zurück, und er merkte, dass er, immer noch über die Kamera nachgrübelnd, langsam einschlief.
Wenigstens ein paar Stunden süßes Vergessen.
Doch irgendetwas in der Phase zwischen Schlafen und Wachen fühlte sich… falsch an.
Als wenn etwas, was zusammengehörte, plötzlich nicht mehr passte.
Zögernd öffnete June seine Augen – doch was er sah… konnte einfach nicht richtig sein.
Er sah eine Zelle, von oben, als würde er an der Decke kleben. Sie war dunkel, hatte Betonwände und war spärlich eingerichtet. An einer der Wände hockte eine zusammengekrümmte Gestalt, abgemagert, mit einem schmuddeligen Kittel bekleidet…
Langsam dämmerte es June.
Diese Gestalt… war sein eigener Körper!
June spürte einen kräftigen Ruck, dann umfing ihn plötzlich Schwärze. Etwas kribbelte in seinem Körper, genauer gesagt, in seinem Kopf.
Körper?
June öffnete seine Augen – diesmal die richtigen. Er lag wieder da, wo er zuerst eingeschlafen war. Die schwarze Linse der Kamera starrte auf ihn herab.
War er gerade mit seinem Geist aus seinem Körper geflogen?
Verwirrt rieb June sich den Kopf. Das Kribbeln war mittlerweile wieder weg.
Konnte es sein, dass er gerade seinen Geist auf die Position der Kamera projiziert hatte?
Die einzige Möglichkeit bestand darin, das ganze noch einmal zu versuchen, und so entschloss sich June, das ungewollte Experiment noch einmal zu wiederholen.
Also entspannte er sich wieder und versuchte, sich auf die Kamera zu konzentrieren. Doch die Müdigkeit kroch wie ein zäher Sirup über sein Bewusstsein, und seine Konzentration drohte zu kippen. Nicht schlafen, nicht schlafen, konzentriere dich…
Plötzlich fiel das Gefühl der Müdigkeit von ihm ab, und eine Leichtigkeit erfüllte ihn. Wieder öffnete er die Augen – und sah doch nicht mit den Körperlichen.
Es bot sich ihm wieder das Bild der Zelle, mit der zusammengekauerten Gestalt. Er spürte, wie es seinen Geist zurück zu seiner Hülle zog, als er seinen Körper betrachtete. Aber dafür war es noch zu früh.
Schnell versuchte er sich abzuwenden – doch wie?
In seinem Gesichtsfeld sah er die Zellentür. Ein hoffnungsvoller Gedanke durchzuckte ihn: Freiheit!
Näher an die Tür, dachte er, und schon schwebte er ihr entgegen, Richtung Freiheit…
Ein plötzlicher Ruck. Schwärze.
Er saß wieder an der Wand, spürte den kalten Beton an seinem Rücken. Fassungslos riss er die Augen auf. Er war so kurz davor gewesen…
Frustriert schlug er mit seiner Faust auf den Boden. Am liebsten wäre er aufgesprungen und hätte die ganze Zelle zerschlagen – doch die Müdigkeit, seine Verzweiflung und nicht zuletzt der Gedanke an die Überwachung hielten ihn zurück.
Was hätte es ihm denn gebracht, mit seinem Geist zu fliehen? Irgendwann wäre sein Körper gestorben, und was dann passierte, war undenkbar. Körper und Geist bildeten eine –wenn auch lose – Einheit.
Langsam beruhigte sich June wieder, und ihm kam ein neuer, interessanter Gedanke.
Vielleicht musste er einfach üben, die Verbindung zwischen Geist und Körper dehnen wie eine Sehne?
Auf einmal störte ein ungewöhnliches Geräusch seine Überlegungen. Waren das Schritte? Es klang, als ob viele Menschen auf dem Weg zu seinem Gefängnis wären.
June stutzte.
Waren seine Ohren schon immer so gut gewesen?
Die Schritte stoppten genau vor seiner Zellentür.
Ein Knirschen – und sie wurde aufgestoßen.
Vor June standen mehrere Männer, alle gekleidet wie das Wachpersonal und ausgerüstet mit den typischen

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Kommentare

möp schrieb am 2009-01-14 19:59:32:
wieso schreibt hier keiner was?
deine heimliche verehrerin schrieb am 2009-01-01 22:48:14:

„June, lass nicht zu, dass dein Hass dich überwältigt… ich liebe dich!“

ein bisschen kitschig... es wirkt nämlich so, als würden die beiden sich noch nicht so lange kennen...

aber der letzte satz gefällt mir sehr gut.

du solltest die geschichte an manchen stellen viellecht noch etwas ausarbeiten indem du ihr mehr tiefe gibst. versuch es xD

deine heimliche verehrerin schrieb am 2009-01-01 22:37:45:
"nahm die Evakuierung seinen Lauf"

DIE Evakuierung, femininum :)

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