Schwarze Tränen Kapitel 2
von
Julie
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Leid, ein anderes Werkzeug habe ich nicht.“. Abhay sog scharf die Luft ein, als Helena seinen Schenkel betastete.
„Sie ist bereits entzündet“, stellte sie fest. „Ich weiß“ „Ich habe weder Wasser, noch Tücher um dein Bein zu verbinden. Wenn ich die Kugel jetzt raushole, verblutest du.“
„Ein paar Stunden mehr oder weniger werde ich sicher überleben“ „Ich weiß nur nicht, ob sie mich noch einmal zu dir lassen werden.“ „Willst du die Kugel jetzt rausholen?“ „ja“, mit einem festen Ruck riss sie den Saum ihres Kleides ab.
Vorsichtig steckte sie ihre Haarnadel in das Einschussloch. Blitzartig zog Abhay sein Bein zurück. „Halt still, ich weiß, dass es weh tut, aber die Kugel muss trotzdem raus. Wenn es dir hilft, dann beiss irgendwo drauf“ „auf was denn?“
Helena reichte ihm den Stoff. „na gut, bereit?“ Er nickte.
Vorsichtig stocherte sie in seinem Schenkel mit der Haarnadel nach der Kugel. Tränen liefen über Abhays Gesicht. Chike, der neben ihm saß, hielt ihm eine Hand vor den Mund, damit er nicht laut aufschrie.
Die Kugel saß verflucht tief. Helena wurde schwindlig von all dem Blut, dass ihr entgegenlief. Sie dachte lieber nicht daran, wie es sich wohl anfühlte, wenn man in ihrem Oberschenkel rumbohrte. Übelkeit machte sich in ihr Breit, an ihren Händen klebte Eiter und Blut.
Schmerzen. Unerträgliche Schmerzen. Das war schlimmer als alles, was er bisher gefühlt hatte. Eiter und Blut liefen über die Arme des Mädchens. In seinem Oberschenkel spürte er jede einzelne Bewegung der Nadel. Sie sah angestrengt aus, vermutlich gab sie sich wirklich Mühe, ihm nicht zu sehr weh zu tun.
Abhay fühlte, wie ihm Tränen übers Gesicht rannen. Chike hielt ihm den Mund zu. Am liebsten hätte er all seine Pein hinausgebrüllt. Ein zartes, junges Mädchen bereitete ihm mehr Schmerzen, als eine ganze Schiffsladung Sklaventreiber es vermocht hatte.
Endlich fühlte sie etwas Hartes in seinem Fleisch. Nun kam der schlimmste Teil. Sie musste das spitze Ende der Spange unter die Kugel schieben und sie rausholen.
Vorsichtig schob Helena die Nadel schräg durch seine Wunde unter die Kugel.
Abhays Muskeln verspannten sich und schlossen sich um Kugel und Spange. Mit einer einzigen, kräftigen Hebelbewegung entfernte sie die Kugel und drückte ihre Hände auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen. „Schnell, nimm den Stoff“, befahl sie Chike.
Er riss Abhay den Fetzen aus dem Mund und reichte ihn Helena. „,wenn ich loslasse, verliert er zu viel Blut“ „Was? Ich kann so was nicht“, erschrocken sah er sie an.
„Du musst. Los mach schon. Press den Stoff einfach auf die Wunde und ich verbinde ihn dann mit dem Rest von seinem Hosenbein“
Unsicher hockte er sich zu ihr und wartete auf ihr Zeichen. Chike und Helena sahen sich an, auf sein Kopfnicken hin ließ sie Abhays Schenkel los und Chike presste den Stoff auf das Loch. Geschickt wickelte Helena den restlichen Stoff drumrum und knotete ihn zu.
Erleichtert legte Helena sich neben Abhay, der auf dem Boden zusammengesackt war.
Als ihre Blicke sich trafen, las sie tiefste Dankbarkeit in seinen Augen.
Zuvor war ihr noch nicht aufgefallen, wie dunkel sie waren. Fast schwarz. Sanft strich er ihr Blut und Schweiß aus dem Gesicht. „Danke“, hauchte er.
Stolz überfiel sie, als sie neben Abhay auf dem Boden lag. Sie hatte ihn gerettet. Nur dank ihr würde er bald wieder laufen können. Als er sie berührte, bekam sie eine Gänsehaut.
Schweigend lagen sie den Rest der Fahrt auf dem Boden. Nach einer halben Ewigkeit, so schien es, erreichten sie endlich das Tabakfeld. In dem alten Schuppen wurden die Sklaven untergebracht. Wenige Meter von ihnen entfernt, wartete Carl bereits auf seine Schwester.
Mit einem flüchtigem Nicken verabschiedete Helena sich und eilte auf ihn zu.
Abhays Schmerzen ließen schnell nach, er spürte, dass sein Bein jetzt verheilen würde.
Die Arbeit auf dem Feld schien leicht zu sein, ein bisschen Tabak pflücken und darauf achten, niemanden zu verärgern.
In jedem Fall erträglicher als seine vorige Heimat. Und für sieben Mann war die Scheune durchaus geräumig, auch wenn es nach Viehmist roch.
„Hast du gesehen, wie dieses Mädchen dich angesehen hat?“, fragte Chike und setzte sich zu ihm.
Sie saßen an der Tür und beobachteten die Sonne am Horizont, wie sie das Tabakfeld in ein leuchtendes Rot tauchte. „ganz normal.“ „ja.“ „was ist daran so besonders?“ „wer schaut uns, dich, schon normal an?“
Chike war ein hübscher Mulatte, dem seine Herkunft kaum noch anzusehen war, Abhay war schwarz wie die Nacht. „Ich fände es eher beängstigend wenn sie mir die Kugel entfernt hätte und uns nicht normal angesehen hätte“ „natürlich, aber allein die Tatsache, dass sie dir geholfen hat. Das war ihr Wunsch, sie wollte es.“ „Ich weiß nicht, warum dich das so mitnimmt. Sie ist ein kleines Mädchen und zu naiv, um zu wissen, mit wem sie sich besser nicht abgeben sollte“
Mit geschlossenen Augen lauschte Helena den Vögeln, die ein Nest über ihrem Fenster erbaut hatten. Sie wusste nicht, warum alle so schlecht von den Sklaven redeten.
Die, die sie bisher getroffen hatte, waren ganz normale Menschen, mit ganz normalem Verhalten. Vermutlich waren die Sklaven so etwas wie die Sage der Bestie in ihrem Wald, vor irgendetwas mussten die Leute schließlich Angst haben, damit sie sich nicht damit einließen.
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Kommentare
!!! schrieb am 2008-06-10 19:09:15:
WOW!!!!! bin beeindruckt!!! man kann die story super nachempfinden!!!
lg
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