Schwarze Tränen Teil 4 Abhays Geschichte II
von
Julie
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Nachts war das Schiff ruhig, die Leute schliefen und man hörte höchstens dann und wann ein kleines Kind wimmern. Auch Abhays Mutter schlief, ihren Kopf auf seiner Schulter ruhend. Vorsichtig lehnte er ihren Kopf gegen eine Holzsäule und kroch zu der verschlossenen Tür. Er würde sie alle hier raus holen.
Irgendjemand hatte eine alte Eisenstange hinter ein paar Kisten liegen gelassen. Vermutlich wurden früher damit ebendiese aufgebrochen. Bisher war er der einzige, der diese Stange entdeckt hatte, Nachts konnte er oft nicht schlafen und untersuchte den Raum nach Fluchtmöglichkeiten.
Um diese Zeit waren außer zwei Nachtwachen niemand mehr wach, die Matrosen schliefen in ihren Kajütten, der Kapitän würde bei so einem Wetter vermutlich am Steuer sein. Würde Abhays Vorhaben missglücken, konnte er nur noch beten, dass seine Mutter und seine Brüder die Fahrt überlebten.
Eingeweiht war nur eine andere Person, sein treuester und bester Freund, Chike.
Als er mitbekam, dass Abhay bereits an der Tür rumhantierte, krabbelte er beinahe lautlos zu ihm, allein sein Flüstern verriet ihn. „hast du noch jemanden eingeweiht?“, wisperte er und tastete eifrig den Türverschluss ab. „nein, du etwa?“ „wie hast du gedacht, die Menschen hier alle unauffällig rauszubekommen, wenn sie nichtmal wissen, wo sie hingehen?“
“sie werden uns halt vertrauen müssen. DU vertraust mir doch auch, nicht wahr?“ „Werden fremde Menschen dir einfach so vertrauen?“ „sie müssen. Es ist ihre einzige Chance, hier rauszukommen. Ich wecke die Männer und du machst die Tür auf, hinter den Kisten liegt ein Brecheisen“, leise kroch Abhay zurück zu den schlafenden Menschen und weckte einige der Männer, um ihnen von seinem Vorhaben zu erzählen.
Nur wenige waren bereit, dieses Risiko einzugehen, ein Scheitern wäre einem Todesurteil gleichzusetzen gewesen.
Insgesamt waren sie acht Männer, zwei von ihnen schlugen die Nachtwachen nieder, drei kümmerten sich um die Ruderboote und Abhay, Chike und ein Greis weckten die anderen, um sie zu den Booten zu bringen.
Alles klappte problemlos, sogar die Männer, die sich vorhin noch weigerten, folgten ihnen nun in die Freiheit.
Leise schlichen sie an Deck, sorgsam darauf bedacht, die schlafenden Matrosen nicht zu wecken.
Viele der Kinder schliefen noch auf den Armen ihrer Mütter, nur ein kleines Mädchen ließ seinen Blick unverwandt an Abhay haften.
Als sie lächelte, lächelte auch er. Er hatte sie alle befreit. Er rettete eine ganze Schiffsladung Sklaven. Er schenkte seiner Mutter die Freiheit.
Erneut lächelte er das Kind an. Diesesmal lächelte sie nicht. Ihre kleinen Augen weiteten sich vor Angst, als eine gigantische Welle über sie hereinbrach.
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