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Kategorien > Geheimnis > alles Mögliche

Schweigende Münder

von Linda Rottler

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Was für ein herrlicher Tag! Das musste ich immer wieder denken, wenn ich im Herbst die schöne Alee entlanglief. Ich kam von der Schule und freute mich über meine zwei im Mathetest, so wie eigentlich der Rest der Klasse, da alle eine Note um die zwei hatten. Doch so richtig gefreut hatte sich keiner. Zumindest keiner von den Mädchen. Alle saßen da, den Test in der Hand, sagten kurz "toll" oder "aha" und legten den Test in die Schulmappe. Mich beschäftigte es schon den ganzen Tag lang. Was war mit den Mädels aus unserer Klasse los? Am Morgen saß ich an der Bushaltestelle. Es war neblig und kalt, das war ja auch gut so. Schließlich war November. Aber seltsamerweise saß ich allein. Keine Menschenseele war da. Normalerweise saßen die Mädels schon da und schnatterten laut, wenn ich gerade kam. Aber heute, da kamen sie erst zehn Minuten nach mir. Und dann total empfindlich und nervös. Auf meine Frage, was denn los sei, bekam ich von Karina nur ein nervöses: "Was soll los sein? Mir gehts gut! Wirklich, alles super! Es ist nichts los! Und wenn was los wäre würde ich es dir sowieso nicht verraten!" Woraufhin ich sie irritiert ansah. Sie konnte den Blickkontakt allerdings nicht lange halten und sah zur Seite. Schon ab da wusste ich es: Sie wollten etwas vor mir verbergen. Etwas, was vielleicht nichts mit mir zu tun hatten, ich aber nie herausfinden durfte. Und auch sonst niemand. Das wollte ich allerdings, denn meine Neugier war geweckt. Ich kam also gerade von der Schule und setzte mich in mein Zimmer, um einen Plan zu entwerfen, wie ich ihr Geheimnis am besten herausfinden konnte. In der Schule hatte ich mir schon mal notiert, wer denn alles auffällig erschien. Karina, Johanna, Lisa-Marie, Annkatrin und Fernanda. Die fünf Freundinnen aus der Klasse. Da fiel mir ein: Schon letztes Jahr am selben Tag waren sie so seltsam. Ich wusste das so genau, denn an dem Tag hatte meine Großmutter Geburtstag und ich hatte ihr davon berichtet. Auch das notierte ich mir. 03.11.2007. Es musste etwas mit diesem Datum zu tun haben. Ich überlegte woher ich noch mehr Hinweise herbringen konnte. Vielleicht wusste Annkatrins kleiner Bruder etwas. Nein, der würde ihr nur alles sagen. Dann fiel mir etwas ein. Die fünf verabredeten sich jeden Mittwoch vor dem "Kaufbillig - center", um ein wenig zu bummeln. Sie würden sicher irgendein Wort über dieses Geheimnis verlieren. Gut, dass heute Dienstag war und ich am nächsten Tag nichts vor hatte. So konnte ich ihnen folgen. Gesagt, getan. Die fünf trafen sich wie jeden Mittwoch vorm Einkaufscenter. Aber sie gingen nicht hinein, sondern liefen von dort aus in Richtung "grüner See". Ein kleiner See, der von uns so genannt wurde, weil er immer so ekelig grün war. Ich lief ihnen unauffällig hinterher. Sie liefen am See vorbie und steuerten auf den Hügel dahinter zu, hinterdem sich ein kleiner Wald befand. Es war sicher irgendetwas im Wald und ich wurde immer neugieriger. Aber kurz vor dem Hügel verlor ich das Gleichgewicht und fiel in den See. "Aaah!", schrie ich noch, dann landete ich in der ekligen Brühe. Igitt, dachte ich nur, als ich wieder auftauchte. Vor mir standen die fünf Mädchen und sahen mich sauer an. "Bist du uns etwa gefolgt?!", schrie Fernanda. "Ich... ich... wollte nur, a-also ich...", stotterte ich, weil ich erstens in Erklärungsnot geraten war und zweitens das Wasser einfach nur eisig war. Nur Johanna war so nett und half mir aus dem See. Dann meinte sie: "Mal echt Leute, wir müssen das jetzt mal erzählen!" Die anderen bekamen große Augen, schüttelten mit dem Kopf und kauten an den Fingernägel. "Dann tu ich es. Also, es war vor einem Jahr, dem zweiten November und wir waren im Wald. Da war ein armer Mann, den wir schon kannten und der uns leidtat, weil er kein zu Hause hatte. Wir kamen öfters her und brachten ihm Decken mit und was zu Essen. Doch an diesem Tag lag er nur da. Er war blass und hatte blaue Lippen. Wir wussten sofort, er war erfroren." Johanna begann zu weinen. Da ergriff Lisa-Marie das Wort: "Wir wussten nicht was wir tun sollten und so holten wir eine Schaufel und vergruben ihn. Wir haben es nie jemandem erzählt." Alle fünf waren nun den Tränen nahe. Nur Annkatrin sagte dann noch: "Er war immer nett zu uns und sagte ,Gott segne euch' wenn wir ihm etwas mitbrachten."
Einen Tag später erzählten die Mädchen allen davon. Kurz darauf wurde sein - wenn ich das mal so ausdrücken darf - Kadaver ausgegraben und ordnungsgemäß beerdigt. Viele Leute kannten den Mann und kamen zu der kleinen Beerdigung und eine ältere Dame war bereit, sich um sein Grab zu kümmern. Die Mädchen kamen nun jeden Mittwoch auf den Friedhof. Und natürlich auch jeden 02.11. Dann schauten sie den leicht kaputten Grabstein an und lächelten. Und waren froh, diese Sache vom Herzen zu haben.

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Kommentare

Celebration schrieb am 2009-03-03 20:20:43:
also ich fand die geschichte gut...
ein bisschen traurig
JazzMina schrieb am 2007-10-12 23:32:18:
hmm...ich muss auch gestehen, ist irgendwie lustlos zu lesen....
Linda schrieb am 2007-09-17 13:23:15:
Johanna hat natürlich ein schlechtes Gewissen deswegen. Das hättest du doch sicher auch, oder? Und der Grabstein ist leicht kaputt weil es niemand finanziert hat einen anderen zu kaufen, da der Obdachlose ja keine Angehörigen und kein Geld hatte.
c´est moi schrieb am 2007-09-16 19:41:26:
wie dumm wieso sagt diese johanna das man das erzählen muss? die hääten das gar nich machen müssen find ich... und wieso is der grabstein leicht kaputt?
chris schrieb am 2007-09-15 19:33:08:
sehr gut:)
lisa schrieb am 2007-09-14 22:20:33:
irgendwie ganz okay,allerdings fehlt der offene anfung und schluss und die spannung
lg

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