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Kategorien > Humor > Humor

See-Not oder zwei Männer finden eine Lösung

von R. Rüdiger Ringelroth

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See - Not
oder Zwei Männer finden eine Lösung

In einer Zeit, als es noch Winter gab – und damit meine ich die richtigen Winter - die mit Eis und Schnee und Frost, gingen zwei Männer - ich nenne sie einfach Fiete und Jan - auf einem zugefrorenen See spazieren.

Sie unterhielten sich dabei über Gott und die Welt. Na, ja, ich sollte nicht übertreiben. Sie redeten über den Pastor und die Alltäglichkeiten in ihrem Dorf.
Seit fünf Minuten waren sie unterwegs und jeder der beiden hatte mal gerade zwei Sätze von sich gegeben. So ist das hier in dieser Gegend. Es braucht nicht vieler Worte um sich zu verstehen.
Die Temperaturen lagen weit unter dem Gefrierpunkt. Es war also mopsich kalt, wie Hinnerk Tönnissen, der Dorf-Clown zu sagen pflegte.
"Der Celsius fällt wie n reifer Appel", fügte er meist noch hinzu.

Fiete und Jan waren gute Freunde und ein bisschen spleenig. Während sich der Rest der männlichen Dorfbevölkerung an diesem Sonntag nach dem Kirchgang im Dorfkrug mit Hochprozentigem aufwärmte, beschlossen die beiden, "auf'm See" ihren Gedanken nach zu gehen. So waren sie eben.

Und weil es halt so "mopsig" war, begannen sie etwas schneller zu gehen, damit das Blut besser zirkulieren konnte.
Nach einer Zeit bemerkte Fiete, dass er vom schnellen Gehen unter seiner dicken Joppe zu schwitzen begann. Und es entwickelte sich folgender Dialog:
"Du, Jan".
"Wat is, Fiete?"
"Ich schwitz".
"Ich auch".

Nach einer Schweigeminute...
"Du, Jan".
"Wat is, Fiete?"
"Wär hier ne Bank, könnten wir uns setzen und `n büschen ausruh’n".
"Du machst Spaß, Fiete".
"Wieso?"
"Ne Bank - mitten aufn See ?!"
"Ach ja! Hatt ich ganz vergessn".

Nach einer weiteren Schweigeminute...
"Ich hab ne Idee, Jan!"
"Ne Idee?"
"Jo ! Wir bleiben einfach für ne Weile stehn".
"Unn dann?"
"Bis wir wieder friern. Dann gehn wir wieder weiter".
"Gute Idee! Unnern Arm bin ich schon ganz nass".

Gesagt getan. Beide blieben stehn, zogen fast synchron ihr Pfeifchen aus der Joppe und schauten auf den grauen, dickgefrorenen See. Dann in den grauen, eisigen Himmel. Das kleine Dorf war im Dunst schon fast nicht mehr zu erkennen, obwohl ein schneidender Wind seit Tagen über das schweigende Land blies.
"Du, Fiete".
"Wat ist, Jan?"
"Wieviel Wasser hat wohl unser Teich?"
"Unser Teich?"
"Jo".
"Meinst du Liter oder Kubikmeter?"
"Allgemein, mein ich".
"N Paar Badewannen voll sind schon drin, denk ich".
"Jo! Das wird sein, Fiete".

Es folgte wieder eine Schweigeminute.
"So, Jan. Ich glaub, jetzt frier ich wieder".
"Jo! Ich denk, ich auch".
"Der Celsius is wieder gefall’n".
"Wie’n reifer Appel".

Als Fiete zum Gehen ansetzt, passiert es. Er fällt wie Celsius und dazu mit einer lächerlichen Bewegung voll auf die Schnauze.
"Wasn los, Fiete? Bist besoffen?"
"Denk nich, Jan. Aber meine Füße kleben fest!"
"Das wird nich sein", bezweifelte Jan. Und mit der gleichen komischen Bewegung knallte er im selben Augenblick neben Fiete aufs Eis.
"Meine auch".

Fiete ging vorsichtig in die Hocke und versuchte mit den Fingerspitzen die Schuhsohlen unter den Zehen hochzuziehen. "Sitzt fest! Meine Füße sind doch warm", staunte er. "Wie können sie dann am Boden festfrieren?"
"Das liegt an den neuen Stiefeln aus der Stadt", stellte Jan fest. "Das Matrial taucht nix!"
"Das wird sein".

Beide hielten sich aneinander fest und rappelten sich mit schaukelnden Bewegungen wieder auf die festgefrorenen Füße.
"Unn nu?", fragte Fiete.
"Mhm", überlegte Jan und zog die Mundwinkel nach unten.
Fiete zog seine Handschuhe aus, griff in die Innentasche seiner Joppe und zog einen
Flachmann heraus. Dabei verlor er fast das Gleichgewicht. Mit rudernden Armbewegungen bekam er seinen Körper wieder unter Kontrolle.
"Lass bloß nich fall’n !", sorgte sich Jan.
Dann tranken beide in ruhigen Schlucken den gut und gerne 60Prozentigen.
"Wenn wir den Schnaps irgendwie unter die Sohlen bekämen...", sagte Fiete mehr zu sich selbst.
"Nee, kannst nich mach’n", protestierte Jan
"Nee, ne, is zu schade", nickte Fiete einsichtig.
"Viel zu schade", bestätigte Jan.

Nach einer Schweigeminute...
"Das Frühjahr soll dies Jahr zeitig sein", sinnierte Jan.
"Jo. Ich denk, is auch schon nich mehr ganz so mopsich".
"Denk ich auch. Mir is wieder ganz warm", sagte Jan, schob seine Mütze in den Nacken und wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn.
"Wenn’s bald kommen tät, könnten wir ja warten bis’s taut".
"Wenn wer bald kommt?"
"Na, das Frühjahr!"
"Mhm?!".

Sie wandten sich wieder dem Flachmann zu.
"Aahh", meinte Jan nach einem tiefen Schluck. Und nach einem feuchten Blick auf seine Heimat: "Schön hier, nich wahr?"
"Schöner als inne Stadt", bestätigte Fiete kopfnickend.
Nach einer Schweigeminute mit warmem Glücksgefühl, ob der stolzen Gewissheit in einem herrlichen Fleckchen Erde beheimatet zu sein:
"Du, Jan".
"Wat is, Fiete?"
"Ich kann nich bis Frühjahr warten".
"Wieso nich? Kommt doch zeitig."
"Ich kann nich schwimm’! ".
"Richtig. Kannst du nich".
"Nee".
"Düwel noch ma. Das’n Pech !"
"Jo!".

Jetzt zog Jan seinerseits die Handschuhe aus und zog ebenfalls einen Flachmann aus seiner Joppe.
"Dann muss ich nachdenk’n", sagte er und tat einen kräftigen Zug. Dabei bog er, in Anbetracht der angefrorenen Lage, seinen Oberkörper gefährlich weit nach hinten. Trotzdem überstand er die Übung ohne physischen Schaden.
"Jo. Denk ma nach", sagte Fiete und gab dem Flachmann den Rest.

Nach einer Schweigeminute...
"Unn wenn wir das "Flachstädter Tagblatt" verbrenn’?“, brach Fiete das Schweigen. "Mit breitem Grinsen schaute er zu Jan.
"Jo, die schreiben eh nur Mist. Aber is das nich strafbar?", zweifelte Jan.
"Nee, das mein ich nich... hier!", und damit zog er ein Exemplar der besagten Zeitung aus der Tasche. "Davon ein paar Blätter zwischen die Füße, anzünden und warten.
Müsste gehn."
Während Fiete sich bückte und ein paar zerknüllte Flachstädter Tagblätter zwischen seinen Stiefeln anzündete, hielt ihn Jan am Ellbogen fest.
Das trockene Papier loderte leise - ganz in orange. Verzückt schauten beide eine Weile in die wärmenden Flammen.

Nachdem Fiete mit letzter Anstrengung und heißen Fingern, das Feuer zwischen seinen angesengten Hosenbeinen ausgeklopft hatte, besah er sich den Schaden und meinte:
"Die Büx war eh nich mehr für gut".
Die Stiefel ließen sich immer noch nicht bewegen, und man schwieg wieder eine Weile...

„Wenn du nich schwimm’ kanns, bringt es nix, zu warten", stellte Jan schließlich fest.
"Nee, dat bringt mich nix".
Wieder verrann eine Schweigeminute. Dann tat der Selbstgebrannte seine Wirkung.
"Ich habs!", stieß Jan endlich hervor.
"Wat?"
"Die Lösung !"
"Nee ?!"
"Doch !"
"Das is jetz schade", meinte Fiete.
"Wat?"
"Na, dass die Flachmänner leer sind".
"Stimmt".
"Sonst hätten wir drauf trinken

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Kommentare

Raxba kevinstranzke@augustakom.net schrieb am 2007-01-10 18:44:25:
Schöne Geschichte, hatt spass gemacht zu lesen.
Witzig geschreiben...

Gruß
Rax

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