Seefahrt
von
Troubleshooter
Der wind strich durch ihr blondes, gewelltes Haar als ob er sich darin spielen und für immer in diesem Augenblick gefangen sein wollte. Die kräftige Brise, die vom grünlich schimmernden Meer her das Passagierschiff streifte, hatte diesen extrem salzigen Geschmack, den man nur auf offener See, niemals aber an Land oder an der Küste, wahrnahm. Man merkte der jungen Frau an wie sehr sie es genoss ihren mit einem schwarzen Hauch von nichts bedeckten Körper in der Mittagssonne zu braten. Zahlreiche Schweißperlen glitten scheinbar in Zeitlupe an ihrem Körper hinab. Die Äugen versteckten sich hinter dicken getönten gläsern.
In einem lauten wehen, ohne wirklich Geräusche zu machen, traf der wind aus allen vier Himmelsrichtungen, vor allem aber längsseits, die endlos anmutende, steil ins Meer mündende haut des Ozeanriesen, um sich an ihr zu brechen. Tapfer trotzte der Bug dem ständigen bemühen des Meeres, ihm das leben schwer zu machen, ihn vom gewählten Kurs abzudrängen. Die Passagiere bekamen davon natürlich nichts mit. Wenn sie erst an Bord waren, wurde vom personal ein reibungsloser Ablauf der Kreuzfahrt garantiert. Keiner der Gäste hätte schließlich so viel für eine fahrt erster klasse bezahlt, um das wehklagen der Stuarts über mangelnde Freizeit, oder des Küchenpersonals darüber das ein Teil der beim letzten Landgang gelieferten Schweinehälften verdorben waren, und sie nun nur hoffen konnten das nicht zu viele Passagiere lust auf Schnitzel und Steak hatten, sich mitanzuhören. Sicherlich hätte es auch nur eingefleischte Seefahrer unter den Besuchern an Bord nicht gelangweilt mit welchen Schwierigkeiten die raue See jeden Tag auf´s neue den Kapitän und seine Offiziere malträtierte. auch den wenigen Menschen auf dem Oberdeck, die um diese zeit dem süßen Nichtstun frönten, stand der Sinn nicht nach den sorgen und Nöten der Mannschaft. Jeder hatte seinen ganz persönlichen weg sich von privaten, alltäglichen Ballast, der einem an Land stetig belastete, zu befreien.
Die Horden von Kindern, die dem Tross ihrer Familien folgten fand man nicht auf diesem Deck. Die „Touristenklasse“ war auf dem unteren Geschoss in viel zu engen kleinen Kabinen angesiedelt. Hier oben blieb man lieber unter sich, bereit einen höheren preis für die himmlische ruhe zu bezahlen.
Marina badete gerne in der sonne. Vielleicht würde sie auch einschlafen, wenigstens wegnicken bevor der nächste Imbiss anstand. Die würzige Seeluft machte hungrig. Bis jetzt hatte sie noch kein überschüssiges fett angesetzt, aber es waren auch erst drei tage vergangen seit sie das schiff bestiegen hatte. Essen war mit ihre Lieblingsbeschäftigung an Bord. Essen und sonnen, mehr brauchte sie nicht zum Glücklichsein.
Das zahlreich an jedem tag offerierte Angebot der ebenso zahlreich anwesenden animateure schlug sie gerne aus. Sie musste nicht professionell betreut werden, und wenn dann schon lieber vom Stuart an der bar.
„Ein drink, wäre jetzt angebracht“, dachte sie. Der letzte lag schon eine ganze stunde zurück und von der süßen, die Beine erschwerenden Wirkung war nichts geblieben. Ein drink würde helfen etwas mehr zu entspannen. die reise würde nicht mehr allzu lange dauern. Außerdem hatte sie lust auf Gesellschaft.
Sie schlang ein Handtuch um ihre braungebrannten hüften und machte sich auf den weg an die bar.
Der Ober kam ihrer bitte um einen mai-tai gerne nach. das meist aufgesetzt wirkende dauer lächeln, verwandelte sich in ein strahlen, welches sie blendete. Der Mann lotete mit einigen
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eingeübten und sicherlich zahlreich erpropten Sätzen seine chancen auf eine Eroberung bei ihr aus. Marina lies ihn abblitzen. Mit wenigen Worten, kühl serviert, vernichtete die junge Frau jegliche hoffnungen des Gigolos, während sie vorsichtig an ihrem glas nippte.
Nur eine handvoll gäste saßen an der bar. Einige unterhielten sich, wieder andere versuchten mit ihren getränken die zeit totzuschlagen.
„entschuldigen sie bitte...“ unterbrach eine stimme ihre neu gewonnene einsamkeit. Rechts von ihr setzte sich ein älterer Herr, scheinbar ein rentner, von denen es viele an Bord gab. „erlauben sie mir ihnen Gesellschaft zu leisten?“ das lächeln der jungen Frau als Zustimmung deutend, nahm er endgültig neben ihr an der bar platz. Sie hatte schon bei mehreren gelegenheiten, seit sie an Bord gekommen war, mit rentnern wie ihm zu tun. Die waren alle harmlos. alte geile böcke, die keinen mehr hochkriegten und meinten sie müssten sich an einer jungen attraktiven frau messen. Bemitleidenswert, aber charmant waren sie alle.
„diese Hitze bringt mich noch mal um auf meine alten tage. Ihnen scheint die sonne aber gut zu bekommen.“ bemerkte der alte. ein leises „danke“ begleitete ein schüchternes lächeln als antwort. Er bestellte den selben Cocktail den sie schlürfte, nicht ohne seine giftige färbung zu erwähnen. Das lächeln des Barkeepers hatte einen gequälten Ausdruck als er den drink servierte und die junge Dame und den alten Mann argwöhnisch aus den augenwinkeln beobachtete.
Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt, mein Name ist Henry. Henry Vermeer.“ Ein lächeln zeichnete sich an seinen Mundwinkeln ab. “Marina Gerlach, ich komme aus Hamburg.”
Was für eine schöne Stadt Hamburg doch sei, erwiderte ihre neue bekanntschaft. Einmal schon sei er da gewesen, während des Krieges. Er wurde von Hamburg aus verschifft um in Afrika unter Rommel zu dienen. Eine schrekliche zeit. „Überall tote soweit das Auge reicht. Nur zwölf Mann aus meinem Regiment haben überlebt und ich hatte das glück einer von ihnen zu sein.“
Eine träne begleitete seine erinnerung.
„ich hoffe es ist nicht indiskret, wenn ich sie direkt danach frage...“ der alte wartete auf die erlaubnis der schönen Frau, die verträumt mit dem glas in ihrer hand spielte so dass ein beobachter den eindruck hätte gewinnen können sie wäre in gedanken an einen viel zu weit entfernten ort.
„fragen sie nur. Was es auch ist, keine falsche scheu.“ Die Ankündigung hatte Marina in die Gegenwart zurück an die bar katapultiert.
„woran sind sie gestorben?“
„Autounfall, mit hundertzwanzig gegen einen Baum auf regennasser fahrbahn, und sie?“
„Herzinfarkt. nicht die schlechteste art die große reise anzutreten.“
Die hübsche junge Frau und der alte Mann prosteten sich mit ihren Drinks zu, bevor sie sich einen guten schluck genehmigten.
„ich hoffe nur meine Frau kommt bald nach. Sie ist um einiges jünger als ich, wissen sie.“
Die Hitze hatte unerträglich zugenommen. an ein weiteres bad in der sonne war nicht mehr zu denken. Am Horizont wurde von einigen mitreisenden land gesichtet.
Der Barkeeper brachte zwei neue mai-tais.
- ende -
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