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Kategorien > Schmerz > Verzweiflung

Seelentausch

von Lyra

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Hallo ich heiße Eleara Kranz, bin 9 und dies ist meine Geschichte:

Schon wieder waren sie hinter mir her. Ich kam gerade aus dem Supermarkt und hatte ein Geburtstagsgeschenk für meine Mama besorgt. Schon standen sie alle um mich herum. Sie nahmen mir das Geschenk weg und warfen es sich zu, so hoch dass ich es nicht fangen konnte. Einer von Ihnen lachte – und ließ es dann fallen. Danach stießen sie mich weg und schrien mir nach ich solle nie wieder in die Nähe der Füßgängerzone kommen. Die schöne Porzellanente, die ich Mama schenken wollte; kaputt. Und ich hatte mein ganzes Geld dafür ausgegeben. Was sollte ich tun? Vor allem, was sollte ich ihr jetzt schenken? Mama würde sicher traurig sein, wenn ich am Samstag nichts habe. Aber ich wollte sie nicht mit solchen Problemen belasten besonders so kurz vor ihrem Geburtstag.
Ich brauchte einen zum Reden. Nur wen? Meine Brieffreundin Sandra Kelltran ist vor einem Jahr weggezogen und ich habe nie wieder einen Brief von ihr erhalten. Meine Brieffreundin war gleichzeitig auch meine einzige. Ich rannte nach Hause und schloss mich in meinem Zimmer ein. Wieso waren alle immer so gemein zu mir? Ich hatte nie jemandem etwas böses getan.
Es war schon spätabens als es an der Tür klingelte. Ich hörte einen kurzen Wortwechsel, dann rief Mama nach mir:"Schatz, da ist ein sehr freundliches Mädchen an der Tür. Sie hat etwas für dich!" Mit schlurfenden Schritten tappte ich zur Türe. Meine Mutter ermahnte mich:"Benimm dich vor deinem Besuch bitte etwas freundlicher!" Als ich alleine vor ihr stand traute ich meinen Augen nicht. Das Mädchen –sie war ungefähr in meinem Alter- packte in aller Ruhe eine Porzellanente aus und hielt sie mir hin. Ich sagte ihr, dass ich das nicht annehmen könnte, da diese Enten ziemlich teuer waren. Daraufhin stellte sie sie auf die Türschwelle und ging wortlos davon. Kaum hatte ich sie aus den Augen verloren, hörte ich meine Mutter aus der Küche wiederkommen. Schnell packte ich die kleine Ente flüchtig in das Papier und brachte sie in mein Zimmer. Meiner Mutter sagte ich, dass eine Klassenkameradin mir ein Buch gebracht hat, das wir in der Schule lesen wollten.

Am nächsten Morgen ging ich in den Park statt in die Schule. Hier war ich wenigstens sicher. Auf einer Bank sah ich dieses Mädchen wieder. Ich ging hin und wollte mit ihr sprechen. Nur heute sah sie so blass aus. Ob sie krank war? Ich fragte sie:"Was ist mit dir los? Geht es dir nicht gut?" "Doch. Mir ging es nie besser. Lass uns zum Spielplatz gehen." Dieser Morgen war der Schönste in meinem ganzen Leben. Sie machte alles mit was ich wollte, die Paarschaukel, die Wippe und den Kletterturm. Als ich sie fragte wozu sie Lust hat meinte sie auf alles wozu ich Lust hätte. Das war schon sehr merkwürdig. Um drei ging ich nach Hause. Mama erzählte ich ein paar erfundene Themen aus der Schule. Sie gab sich damit zufrieden. Dieses Mädchen war nun jeden Morgen im Park und wir trafen uns immer wieder. Doch nach einiger Zeit wurde Mama misstrauisch.
Also sagte ich beim nächsten mal dem Mädchen ab und machte mich auf den Weg ins Schulgebäude. Aber kaum stand ich im Schulflur kamen die Jungs wieder. "Na ist die Kleine mutig genug sich in die Schule zu wagen? Bildung ist doch viel zu gut für solche wie dich." Das war ein grauenvoller Morgen. Sie zerrten mich in eine entlegene Ecke und schlugen mich pausenlos. Als sie endlich abhauten floh ich aus der Schule. Ich wollte nicht mehr, nie mehr. So schnell ich konnte rannte ich durch die Stadt. Möglichst weit weg von der Schule. Irgendwann landete ich im Hochhausviertel. Bestimmt war es schon Mittag, da die Rathausglocken gerade zu läuten begannen. Langsam blickte ich von einem Hochhaus zum anderen. Richtig. Hier lag die Lösung meines Problemes. Ich ging in das Hotel "Rôyale". Der Aufzug stand offen und ich rannte hin. Den Gruß des Pagen erwiderte ich eiligst und stieg ein. Ich wählte den obersten Stock aus. Wie ich dachte, hier gab es eine Eisentür die auf das Dach führte. Ich drückte die Tür mit aller Kraft auf und ging hinaus. Auf dem Dach war es ein bisschen windig. Ich ging zur Westseite. Eine Kante beendete das Dach. Ich kletterte hinauf. Die Aussicht war schon aber das kümmerte mich nicht. Ich schloss die Augen und...
...spürte eine Hand an meinem Arm ziehen. Erschrocken drehte ich mich um und blickte dem Mädchen ins Gesicht. Sie sah so blass aus wie am ersten Tag wo ich sie im Park traf. "Woher wusstest du dass ich hier bin?", fragte ich sie irritiert. Sie zog mich von dem Sims herunter und führte mich zur anderen Seite des Daches. "Weil dies eine schöne Aussicht ist, oder?", sagte sie leise. Ich wusste nicht was sie meinte. "Ich wusste von Anfang an, dass du herkommen würdest." Ich blickte ihr in die Augen. Wie konnte sie so etwas wissen? Dieser Satz traf mich mit voller Wucht. "Wie meinst du das? Und wieso lässt du mich nicht einfach in Ruhe du Miststück!", raunte ich sie an. "Ganz einfach. Weil ich vor einem Jahr hier stand und dir nun dieses Schicksal ersparen will." Kaum hatte sie den Satz beendet flog die Eisentür auf und der Page kam mit einem Polizisten auf das Dach gestürmt. Als sie mich sahen schienen sie erleichtert.
Es wurde eine lange Nacht und ich musste alles erzählen. Allerdings ließ ich die Geschichte mit dem Mädchen weg. Ich sagte ich hätte die ganzen Wochen alleine verbracht.
Das Mädchen habe ich seitdem nie wieder gesehen, allerdings hat sie mir ein Andenken an sich gegeben. Seit ich auf dem Dach stand ist in meinem Poesiealbum neben Sandra ein weiterer Eintrag. Der Eintrag von dem Mädchen. Sie hieß Sandra Kelltran.



ENDE

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Kommentare

rafael schrieb am 2010-10-28 03:07:21:
finde die geschichte klasse geschrieben würde mich über ein ganzes buch von dir freuen aber das theme selbstmord finde ich schrecklich eine geschichte die weniger dramatisch is wer schöner
Laura schrieb am 2008-08-21 21:25:04:
so junges Alter Andrea?

Eleara bin nicht ich falls du das denkst, das ist die Geschichte die sie selber erzählt sozusagen ein Schwank aus ihrem Leben.
Andrea schrieb am 2008-08-15 19:33:28:
Also ich finde auch, dass diese Geschichte für ein so junges Alter wirklich sehr gut und einfühlsam geschrieben ist,wenn auch traurig...
Dragoneye schrieb am 2008-08-12 16:24:27:
Sehr schön geschrieben, obwohl es auch traurig ist... Der Text hat mir sehr gut gefallen.

Dragoneye
franke, sina schrieb am 2008-08-11 21:34:47:
sehr schoen und fluessig geschrieben. sehr traurig und einfuehlsam. man kann mit dem maedchen richtig mitfuehlen. es ist sehr realistisch geschrieben. gefaellt mir gut dein schreibstil. ich werde mehr von dir lesen.
lg

xxx sina xxx
Gimliy schrieb am 2008-08-10 22:13:32:
Sehr traurig. Ein furchtbares Erlebnis und gleichzeitig hast du noch mal Glück gehabt. Eine Sache ist mir etwas unklar: War es nun deine Brieffreundin Sandra oder eine andere Sandra?
gruß: gimliy
Laura schrieb am 2008-08-10 17:52:47:
entschuldigung ich habe nach dem einstellen einen Fehler in der Geschichte bemerkt.
Nach dem Überarbeiten habe ich etwas vergessen das Ende lautet so:

Es wurde eine lange Nacht und ich musste alles erzählen. Allerdings ließ ich die Geschichte mit dem Mädchen weg. Ich sagte ich hätte die ganzen Wochen alleine verbracht.
Das Mädchen habe ich seitdem nie wieder gesehen, allerdings hat sie mir ein Andenken an sich gegeben. Seit ich auf dem Dach stand ist in meinem Poesiealbum ein Eintrag. Der Eintrag von dem Mädchen. Sie hieß Sandra Kelltran.

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