Selbstbefriedigung
von
Eva
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Sich selbst zu befriedigen, das doch eigentlich etwas durch und durch Positives, oder nicht? Es bringt zum Ausdruck, dass wir eine Art inneres Gleichgewicht gefunden haben, dass wir im Einklang sind mit uns selbst.
Befriedigung: Da steckt das Wort Frieden drin. Ein Zustand der Ruhe, des Ausgeglichenseins, des sich Begnügens mit dem, was der Augenblick uns bietet. Friedrich Engels, glaube ich war es, der den Frieden als die Pausen zwischen den Kriegen definierte. Von der hochpolitischen Begriffsauslegung auf unser kleines, persönliches Dasein heruntergebrochen könnte das heißen: Wenn wir selbst befriedigt sind, machen wir eine Pause auf unserer Jagd nach dem nächsten Objekt unserer Begierde. Für ein paar Augenblicke brauchen wir nichts anderes, nichts neues. Es ist einfach gut so wie es ist.
Und wenn es uns gelingt, wie lange dauert dieser Zustand an, ehe wir aus unserer Ruhe aufgescheucht werden? Es ist ein unendlicher Kreißlauf, in dem wir gefangen sind, denn unsere Bedürfnisse sind mächtig. Und am mächtigsten sind die Bedürfnisse, die wir von Natur aus gar nicht haben, die uns aber von außen eingeredet werden. Wir haben also gar keine Chance, eine bleibende, dauerhafte Befriedigung zu erlangen. Wir sollten sie darum um so mehr genießen, diese kurzen Augenblicke, die uns geschenkt werden.
Trotzdem beschert uns das Wort Selbstbefriedigung immer einen unangenehmen Beigeschmack, denn es ist unweigerlich an unsere Sexualität gebunden. “Sexualis” kommt aus dem Spätlateinischen und heißt: einem Geschlecht zugehörig. Wir befriedigen also den Trieb in uns, den unsere Zugehörigkeit zu einem Geschlecht mit sich bringt, und das ist irgendwie immer anstößig.
Geschlechtliche Selbstbefriedigung heißt auch Onanie oder Masturbation. Dabei hat Onanie gar nichts mit dem Onan aus der Bibel zu tun. Der Ärmste wurde von GOTT mit dem Tode bestraft, weil er sich geweigert hatte, der Frau seines verstorbenen Bruders zu Nachkommen zu verhelfen, wie es damals durchaus üblich war. (Genesis 38; 4-10)
Das Wort Masturbation kommt aus dem Lateinischen, eigentlich “manustuprare” und heißt “mit der Hand schänden”. Meine Güte, was für ein grauenvolles Wort, was für eine grauenvolle Tat! Also hatte meine Mutter doch recht! Selbstbefriedigung ist etwas Schändliches, es verunreinigt unseren Körper und macht ihn krank. Es gibt sie immer noch, die alten Vorurteile. Wir sollen unseren Körper sorgsam behandeln, ihn gesund und sauber halten. Aber ihn schön zu finden, ihn vielleicht gar aus reinem Lustempfinden zu berühren, davon hat niemand was gesagt. Dabei ist Selbstbefriedigung ein ganz natürlicher Vorgang: Frauen tun es genau wie Männer es tun, freilich auf unterschiedliche Art und Weise. Es gehört zum Prozess der Menschwerdung, zum Erwachsenwerden dazu. Schon Kleinkinder befriedigen sich selbst, wenn sie auf spielerische Art und Weise die Geschlechtsteile ihres Körpers erkunden. Bei dieser Selbsterforschung entdecken sie eher zufällig, dass sie sich durch Berührung und Reibung ein angenehmes Gefühl von Wärme und Lust bereiten können, auf deren Höhepunkt eine zutiefst befriedigende Erschöpfung entsteht, die wir gemeinhin Orgasmus nennen. Es ist zurückzuführen auf das griechische Wort “orgasmos” und heißt: schwellen, strotzen, vor Eifer glühen, leidenschaftlich sein, heftig verlangen.
Erwünscht ist das Empfinden körperlicher Lust nur beim geschlechtlichen Kontakt zwischen Mann und Frau. Denn diese Verbindung ist gottgewollt und dient der Erhaltung unserer Art. Auch hier ist es eine gute Voraussetzung, wenn beide sich selbst in ihrer Körperlichkeit akzeptieren. Wer sich selbst liebt, kann sich auch im Liebesakt mit seinem geliebten Gegenüber viel intensiver hingeben und es wird ihm/ihr eine reine Lust sein, seine/n Partner/in zu befriedigen.
Selbstbefriedigung ist im Gegensatz zur körperlichen Liebe zwischen Mann und Frau ein egoistisches, völlig unproduktives Vergnügen. Es nützt niemandem, nur uns selbst. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, eine Art angenehme Erschöpfung. Und so, wie die Erschöpfung schwindet, verlässt uns auch das gute, angenehme Gefühl. Viel schneller als uns lieb ist, kehren wir zurück in die Realität und stellen fest, dass es tausend Dinge an uns selbst und an der Welt um uns herum gibt, mit denen wir unzufrieden sind. Und so erheben wir uns, spannen den für Augenblicke in Vergessenheit geratenen Bogen, und richten den Pfeil aus auf das nächste Objekt unserer unstillbaren Begierde ...
21. August 2007
Anke Krautschick
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Kommentare
Lotte40 schrieb am 2009-04-12 12:06:47:
was für ein wunderschönes Text, der so viel Sinn macht.Und wie wahr !!!!!
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