Selena - K18
von
Bone1979
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Alles war wie immer. Jedenfalls konnte Selena keinen Unterschied feststellen. Ob Erleuchtung die richtige Umschreibung für das war, was ihr widerfahren ist, konnte sie nicht sagen. Manch einer mochte es so nennen. Andere wiederum nicht. Für die Spitzohren war sie die Erlöserin. Im Falle der Biester die Erbin. Keins von beiden traf auf sie zu, fand die Albin.
Ja, sie war die Tochter einer Orin. Ihre Tante war eine Orin. Demzufolge floss das Blut der Orin in ihr. Machte sie das Automatisch zu einer von ihnen? Technisch gesehen ja. Praktisch nein. Sie kannte nur das Leben als Albin. So wurde sie gesehen.
Im Moment spielte nichts davon eine Rolle. Die Krone, ihre Tante, würde nicht Ruhen, bis Sie sie wieder in den Fingern hatte. Der Grund hatte sich ihr offenbart. Selena war von Eurasien nach Rawa gelangt. Ihre Tante wollte den umgekehrten Weg nehmen. Dazu brauchte sie ihre Nichte.
Noch etwas hatte sich ihr offenbart. Nicht nur die Krone von Rawa war eine Bedrohung, sondern auch Leena in Basra. Ihre Schwester war mit Sicherheit genauso auf Rache aus. Schließlich hatten ihre Mutter und Mjra sie besiegt. Besiegte neigten dazu abzuwarten und sich zur gegebener Zeit zu rächen. Meistens waren sie dann noch stärker als zuvor. Was wenn die Krone zu demselben Schluss gekommen war?
Unter einem Banner vereint! Sie wollte sich mit den Völkern Eurasiens gegen ihre Schwester stellen. Verständlich. Sie verfügte ja nicht gerade über eine kampfstarke Armee. Lediglich die Reiterschaft und das eine oder andere Heer aus Orks und Urikais standen ihr zur Verfügung. Nicht besonders schlagkräftig.
Da die Gehzeiten das Meer zwischen Rawa und Basra zu einem begehbarem Eispanzer machten, war es nur eine Frage der Zeit bis Leena mit ihren Truppen einfiel. Bei dem was Selena gesehen hatte stand der Angriff kurz bevor.
Daher war es ihre einzige Chance gemeinsam mit den Völkern Eurasien sich Leena entgegenzustellen. Sobald Rawa gefallen war, würde sie ihre Aufmerksamkeit auf Eurasien richten. Wenn sie es nicht schon längst getan hatte.
Eine Entschlossenheit festigte sich in ihr. Die Krone war ebenso eine Bedrohung für Rawa und Eurasien wie ihre Schwester aus Basra. Eins nach dem Anderem, hörte sie Michael sagen. Er hatte recht. Michael! Sie verdrängte das Bild von ihm in der Ruinenfestung.
Was zählte war das hier und jetzt. Zu mal Selena ihm wieso nicht helfen konnte. Sie ignorierte den Stich in ihrer Brust.
***
„Erhebt euch, Hauptmann K’reuk. Ihr seit nicht meine Diener.“, sprach die Albin zu den Biestern. Unschlüssig schaute der Ork auf. Langsam kam er auf die Beine. Seine Gefährten taten es ihm gleich.
Für den Bruchteil einer Sekunde schaute K’reuk weg, dann sah er wieder zur Erbin der Krone. Selena hatte es gesehen, schien sich aber nicht weiter drum zu kümmern. Sie wusste schon, wem der Blick galt. Demjenigen, der die Siedlung vom Untergrund verraten hatte. Schon bei der ersten Begegnung war ihr ein ungutes Gefühl gekommen.
„Majestät.“, sagte die Orkfrau ehrfürchtig.
„Majestät!“, spie Jerome angewidert aus. Sein Schwert hielt er weiterhin in der Hand. In seinen Augen loderte der Hass, die Wut, der Zorn.
Der Blick der Orkfrau hätte selbst Lava zu Stein erkalten lassen. Bei dem Elb prallte er ab. Zum Glück gab es keine Magie mehr, andernfalls wäre er erstarrt oder von einem Blitz getroffen worden.
„Wir stehen euch zu diensten. Bis in den Tod.“
Es war nun mal ihre Bestimmung. Dagegen war Selena machtlos. Ihre Aufgabe war keine Leichte. Nicht das Sie ein Problem damit hatte ihre Tante zu töten. Das Problem waren ihre Leibwächter; Die Reiterschaft.
Nava trat vor. „Wer hat die Siedlung verraten?“, wollte sie von den Biestern wissen. Vor ihr standen keine gewöhnlichen Soldaten der Krone. Sie unterstanden dem Kommando der Zwillinge. Welche einzig und allein der Krone dienten. Wenn also jemand wusste, wer den Standort der Siedlung verraten, hatte dann Sie.
„Wollt ihr es ihr nicht sagen?“, fragte Selena den Verräter. Sie hatte sich zu ihm begeben, stand vor ihm und schaute dem Verräter direkt in die Augen. Sie waren es, was sie von Anfang an gestört hatte; die Augen. Was Sie darin sah, war ganz und gar nicht elbisch, sondern albisch. Es waren keine Zwillinge. Drillinge!
Nava schaute zu ihr. Sie konnte nicht glauben, wen sie angesprochen hatte. Der Verräter war direkt unter ihnen. Ihr Verdacht war zwar das es einen Verräter im Untergrund gab, aber das er sich unter ihrem Trupp befand hielt sie für ausgeschlossen.
„Jerome!“
Er schaute sie an. Der Ausdruck in seinen Augen erschreckte sie. Eine solche Boshaft hatte sie nie zuvor gesehen. Er, ein Freund, verzog seine Miene zu einer Grimasse abgrundtiefer Verachtung. „Ja. Ich diene der Krone. Wie meine Brüder.“ Er schaute zu Celin. „Ich hätte gerne das Gesicht deines Vaters gesehen, wenn ich ihm mein Schwert in den Leib gerammt hätte.“
„Nein...“, schluchzte sie und schlug die Hände vors Gesicht.
„Er war ein Nichts. Genau wie der Imam. Niemand kann die Krone aufhalten.“ Jerome sah zu Selena. „Auch du nicht. Erlöserin.“, höhnte er inbrünstig und spuckte ihr voller Verachtung vor die Füße.
Die Orks griffen zu den Waffen.
„Ich werde schon mit ihm fertig. Er ist kein Gegner für mich.“, richtete Selena an die Wächter der Erbin. Sie brauchte niemand der für sie kämpfte. Jerome reichte ihr nicht mal annähernd das Wasser. So wie seine Brüder.
„Mag sein.“, erwiderte er freudig. „Sie schon.“
Ihre Nackenhärchen richteten sich auf. Gefahr!
***
Aus dem Schatten der Kammer traten Kreaturen der Reiterschaft hervor. Ein Waldwächter, er stand ihnen am nächsten, konnte nicht mehr reagieren. Entsetzt sah er ein blutverschmiertes Landschwert aus seinem Brustkorb ragen. Einem Ork erging es nicht viel anders. Der Hieb der Kreatur schlitzte seinen gesamten Torso auf. Ein Schwall Blut spritzte umher.
Selena überlegte keine Sekunde, sondern handelte instinktiv. Sie wirbelte herum, zog Celin beiseite und rettete der jungen Elbin das Leben. Eine Klinge stach aus dem Schatten und hätte sich in ihren Leib gebohrt, wenn Selena nicht reagiert hätte.
Der Reiter setzte sofort nach. Ihre Klinge schnellte hervor, wehrte die Folgeattacke ab, vollführte über der Langschwertklinge einen Flickflack, hämmerte der Kreatur ihre geschiente Ferse gegen den Helm und schlug ihm ihr Schwert in den Hals. Gurgelnd sackte es zu Boden.
Orks und Elben kämpften gemeinsam gegen die Soldaten der Reiterschaft. Ihrem gemeinsamen Feind. Der Feind meines Feindes, ist mein Freund; lautete ein Sprichwort der Menschen. Der Elbwächter vor ihr starb. Die Kreatur stieg über seine Leiche und widmete sich Selena.
Jerome würgte Celin. Er hatte immer vorgehabt sich die Elbin als Gespielin zu halten. Sobald die Krone den Untergrund vernichtete. Sie würde einzig und allein ihm dienen. Alles tun, was er wollte. Die Gedanken daran, was er mit ihr in seiner Fantasie anstellte, erregten ihn eins ums andere Mal. Ein abscheuliches Grinsen erschien, als
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