Selena - K21
von
Bone1979
1
2
Der Überraschungsmoment verhalf den Rebellen zu Blitzerfolgen bei der Übernahme von Kontrollpunkten und strategischer Schlüsselpositionen innerhalb der Stadt. Dabei konzentrierten die Rebellen ihre Angriffe in von Orks kontrollierten Bezirken von Ono. Ihnen wurde Anfangs kein ernsthafter Widerstand entgegengesetzt. Sie kamen schneller voran als erwartet. Doch irgendwann geriet jeder Vormarsch, ob nun bei einem Landfeldzug oder in der Stadt, zwangsläufig ins Stocken und zum Stillstand. So folgten die ersten ernsten Widerstände, unblutige Scharmützel. Hauptsächlich mit Orks geführten Truppen.
Um einen Übergriff auf andere Bezirke zu verhindern, befahl Militärgouverneur Cris einen Gegenangriff um den Aufstand im Keim zu ersticken. Dafür schickte er Zwei Truppenkontingente aus der Fürstenfestung, die eigentlich zur Absicherung dienten, hinaus. Der Gegenangriff folgte über einen Bezirk, der von Urikais gesichert wurde. So wollte er in die Flanke der Aufständigen stoßen.
„Sir.“ Ein Boote stürmte zu ihm. So früh hatte er keine Nachrichten erwartet. „Wir wurden angegriffen…“, sprudelte es hastig aus dem Urikai. Natürlich wurdet ihr angegriffen, raunte Cris in Gedanken. So was kam in einer Auseinandersetzung schon mal vor. Der Boote schnappte nach Luft. Schweißperlen waren auf seiner Haut zu sehen.
„Ist die Lage unter Kontrolle?“, wollte Cris abfällig wissen.
Der junge Urikai sah ihn verständnislos an. „Äh…Nein…Sir!“
„Seit ihr unfähig einen Angriff von Orks abzuwehren!“, brüllte sein Befehlshaber.
Er zuckte zusammen. „Sir…Wir wurden nicht von Orks angegriffen.“ Cris sah ihn verständnislos an. Die Truppenkontingente wurden angegriffen. Diese Unfähigkeit brachte ihn in Rage. „Sondern von den Truppführern Grekson und Jedek.“ Für einen kurzen Moment konnte er nicht begreifen, was ihm der Boote mitteilte. Dann schlug die Nachricht wie eine Bombe ein.
Ein Gefreiter eilte herbei. „Gouverneur. Der Bezirk von Truppführer Sarc wird angegriffen.“
Die Ereignisse überschlugen sich in seinem Kopf. Alles schwirrte wie ein Schwarm umher. „Von wem?“ Seine Stimme bebte.
„Truppführer Berak.“
***
Fieberhaft überlegte sich der Ork eine Lösung. Er wollte Selena nicht alleine gegen die Krone antreten lassen. Sie wurde ständig von Reitern bewacht. Von, wie vielen wusste, er nicht. Mal sah er Zwei, dann wieder keinen. Die Reiter waren wie Geister, verschmolzen mit den Schatten und der Dunkelheit. K`reuk verlangsamte seine Schritte.
Ab der nächsten Biegung waren es nur noch wenige Meter, zur Treppe, die nach oben führte. Seine Absicht war eine andere. Sie mussten alles in ihrer Macht stehende tun, um der Erbin zum Sieg über die Krone zu verhelfen. Selbst wenn sie ihre eigenen Leben dabei verloren. Es ging um viel mehr als um den Einzelnen.
Verstohlen schaute K`reuk zu seinen Begleitern. Ein weiteres Mal verlangsamte er seine Schritte. Sie folgten seinem Beispiel. Er fokussierte sich. Atmete gleichmäßig. Aus Ruhe entstand Kraft. Die Schritte der Reiter kamen näher. Jetzt!
Ohne zu zögern, wirbelte K`reuk herum, winkelte seinen Arm an und zielte den Schlag blind. Sein gerüsteter Ellbogen hämmerte auf den Schädel des Reiter hinter ihm. Man hörte das knirschen von Metall. Der Reiter taumelte kurzzeitig. Er griff zu seinem Schwert. Ein Fehler, den K`reuk umgehend ausnutzte.
Seine Begleiter hatten ihre Attacken nur den Bruchteil einer Sekunde später ausgeführt. Was keine negativen Folgen hatte. Zumindest anfangs. Die Kreaturen reagierten auf die blitzschnellen Attacken überhaupt nicht. Aus der Armschiene, des Ork, fuhr eine rasiermesserscharfe Klinge. Er rammte sie dem Biest durch den Unterkiefer gerade hoch in den Schädel. Stumm starb der Reiter.
Sein Gefährte schlug mit voller Furcht gegen den Schädel seines Bewachers. Einmal. Zweimal. Dreimal. Jedes Mal mit mehr Kraft. Das Metall knirschte, riss. Immer wieder hämmerte er mit seinen Pranken auf den Reiter ein. Er schwankte, wehrte sich aber nicht. Was den Ork nicht weiter kümmerte. All seine Wut, der Hass, der Zorn entlud sich in seinen Fäusten. Der Reiter war chancenlos.
K`reuk packte den Arm, verdrehte ihn und schlug mit der Faust aufs Gelenk. Man hörte das Brechen des Knochens. Kein stöhnen oder ein Schrei. Als wären die Reiter seelenlos. Tote Kreaturen. Geschaffen zum Dienen. Er packte den Kopf, wirbelte herum und brach dem Reiter mit einem kräftigen Ruck das Genick. Klaglos sackte er zusammen.
Beim Anblick der toten Reiter kam ihm eine Idee.
***
Sie verließen die Katakomben über eine Treppe, gelangten in die Westhalle, stiegen die Stufen der Granittreppe hinauf in den 1. Stock. Dort ging die Gruppe um Selena an breiten Flur mit geflecktem Marmor ausgelegt entlang. Vorbei an großen Fenstern, durch die man über die Festungsmauern hinweg, auf Ono schauen konnte.
Der Alb blieb stehen, wandte sich den Fenstern zu und sah hinaus. Infolge des Aufstands war es zu kleinen Feuern gekommen, die sich inzwischen zu Bränden ausgeweitet hatten. Der Schein der Feuer war deutlich zu erkennen.
„Bringt Sie zur Krone.“ Er schaute Selena kalt an, machte kehrt und eilte davon. Ihm fiel das flüchtige Lächeln der Albin nicht auf.
Zusammen mit den Reitern passierten sie einen abgehenden Flur, der in tiefer Dunkelheit lag. Man sah nichts außer Schwärze. Ohne zu stoppen, ging sie daran vorbei. Ein schmuckloser Vorraum kam am Ende des Flurs. Über der großen Doppeltür befand sich das Wappen der Krone. Dahinter lagen die wahren Räumlichkeiten ihrer Tante. Selena konnte nichts sagen, was es war, aber etwas stimmte nicht. Es war ein Gefühl. Eine Ahnung.
Plötzlich blieben ihre Begleiter mitten im Raum stehen, als hätten sie ihre Gedanken gelesen. War das möglich?, schoss es ihr unmittelbar durch den Kopf. Gedankenverschmelzung. Darum sprachen die Kreaturen nicht miteinander oder überhaupt. Willenlose Hüllen. Mehr waren die Reiter nicht.
Die Dunkelheit schien sich zu bewegen. Da war etwas oder jemand, aber Selena spürte keine Bedrohung. Konturen zeichneten sich in der Dunkelheit ab, nahmen Formen an und traten hinaus. Reiter. Ihre Bewegungen waren anders. Mit einem kurzen Ziehen lösten sich die Fesseln. Etwas rutschte zu beiden Seiten aus der Dunkelheit auf sie zu. Selena ging in die Hocke, griff blindlings zu, drehte sich herum, sprang aus der Hocke und zog ihre Arme nach. In ihren Händen hielt sie 2 Kurzschwerter. Die Klingen durchschlugen das dünne Blech am Hals der Reiter, schnitten sich tief ins Fleisch. Sie zog die Klingen hinter sich her, landete leichtfüßig auf dem gesprenkelten Marmor. Aus der Wunde ergoss das Blut der Kreaturen, bildeten innerhalb weniger Sekunden einen See. Ihre Wachen gingen in die Knie, blieben teilnahmslos und kippten vornüber.
Selena kümmerte sich darum nicht, sondern fixierte die 3 Reiter. Da schob einer das Visier hoch. Statt das Gesicht einer Kreatur, tauchte dahinter ein zufrieden dreinblickender Ork auf. „Ihr habt euch Zeit gelassen, Hauptmann.“
K`reuk entblößte seine Hauer.
***
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen