Selena K04
von
Bone1979
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-Vier-
Er war kein Gelehrter aber als Soldat lernte man schnell die Unterschiede zwischen tödlichen und oberflächlichen Wunden. Trotz des verkohlten Zustands der Leichen konnte er die Art der Wunden ausmachen. Sie waren von tödlicher und gekonnter Präzision.
Die Erkenntnis ließ ihn frösteln. Wer auch immer seine Männer tötete, verstand sich in der Kampfkunst. Wie war das möglich? Den Bleichgesichtern war das Tragen von Waffen schon seit hunderten Dekaden verboten. Sicherlich konnten sie heimlich üben. Dann wären die Wunden keinesfalls mit einer solchen Präzision ausgeführt worden. Irgendetwas stimmte hier nicht! Die einzige Möglichkeit die ihm dazu einfiel war kaum vorstellbar.
Zurück in Toinio dachte er eine Weile über das weitere Vorgehen nach. Falls sich seine These bewahrheitete, brauchte es mehr als eine Wachmannschaft. Ob man in Ono der gleichen Ansicht war, bezweifelte der Hauptmann. Daher beschloss er die Sache nicht zu melden. Vermutlich war es ein einmaliger Vorfall. Warum also auf sich aufmerksam machen?
***
Unter den Bewohnern von Toinio verbreitete sich die Neuigkeit über die tote Reiterschaft wie ein Lauffeuer. Bereits am Vormittag waren die wildesten Gerüchte im Umlauf. Wirklich interessieren tat es niemanden. Den Leuten war es schlichtweg egal. Manche äußerten Ängste dass es Strafmaßnahmen geben würde, oder dass demnächst eine Abordnung aus Ono eintraf.
Anders als sonst hatte der Hauptmann die Maßnahmen am Tor verschärft. Jeder wurde durchsucht. Inwieweit es half, den Vorfall aufzuklären wusste niemand so recht.
Die Wachen ließen den älteren Herrn, der Toinio verlassen wollte, nach der Durchsuchung seiner Habseeligkeiten gehen. Auf seinen Stock gestützt durchquerte er das Tor. Als die Siedlung hinter ihm verschwand, bog er von der Straße ab und schien ziellos durch die Weiten der Provinz zuwandern. Wenn er beobachtet wurde, würden sich die Leute keinen deut drum scheren. Genau darin lag seine Absicht.
Ein mehr als zufriedenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
***
Die Nacht verbrachte Selena am liebsten unter freiem Himmel. Selbst der Winter hielt sie als Kind nicht davon ab das warme Heim zu verlassen um die Morgendämmerung, den Sonnenaufgang, die Abenddämmerung, den Mond und die Sterne zu betrachten. Sie fühlte sich einfach wohler, ja schon freier.
Lag das an dem Drang auf die andere Seite der Wächter zugehen? Sie kannte die Antwort nicht. Im Endeffekt spielte es auch keine Rolle mehr. Selena hatte ihr Ziel erreicht, auch wenn nicht so wie geplant. Was inzwischen bedeutungslos war. Kurz dachte sie an Michael, ihre Auseinandersetzungen und wie sich die Dinge in Eurasien wohl entwickelten. Nichts davon war mehr wichtig. Sie war da wo sie hingehörte. Hier lag ihre Zukunft.
Nun war es an ihr sich ins vorhandene Leben einzufügen. Eine Tatsache die nicht zu ihren Stärken zählte. Man muss improvisieren, hörte Selena Michael sagen. Wie wahr!
Jeder hat seinen Platz, kam es von ihrem Bruder abfällig hinterher. Womit er ebenfalls Recht hatte. Wie, Wo und Wann Selena ihn fand, stand in den Sternen. Wenn es soweit war, würde sie es wissen, da war sie sich absolut sicher.
So kehrte die Albin auf die Straße zurück, folgte dem Verlauf und ließ die Dinge die da kamen auf sich zukommen. Eine andere Wahl blieb ihr auch gar nicht.
***
Die Straße verschmolz im Verlauf ihrer Reise mit einer Straße aus dem Osten und dem Westen. Auf denen schien mehr Verkehr zu herrschen, als jener die von der Siedlung abführte. Erneut bemühte sich Selena unauffällig zu wirken.
Ein- und Zweiradtransportkutschen mit Säcken, unterschiedlichsten Gemüse, Eisenrohlingen, Kisten und Fässern auf ihren Ladeflächen begegneten ihr. Gezogen wurden Karren von Ochsen, Eseln oder Pferden. Lenken taten sie Albe und oder Elben, deren Kleidung vom Bauer bis zum Kaufmann reichte. Personen mit Reisegepäck. Kleine Gruppen, hauptsächlich junge Männer oder ältere Herren. Ihrem Eindruck nach handelte sich bei den Leuten um Saisonarbeiter wie in Eurasien. Eine Tatsache die Selena verstörte.
Sie musste sich daran gewöhnen das hier neben ihren entfernten Verwandten und denen der Orks und Urikais sonst keine anderen Volksgruppen lebten. Was nicht einfach war, wenn man zeit seines Lebens unter Orks, Zwergen, Menschen, Albe, Elben, Urikais und Gnomen verbrachte. Die alten Maßstäbe galten hier nicht.
Am Nachmittag führte die Straße sie zur ersten Stadt im fremden Land. Sie lag in einer flachen Talsohle. Umgeben von Befestigungsanlagen aus Stein, die auf der umliegenden Anhöhe erbaut worden waren. Soweit Selena erkennen konnte hielten sich lediglich Biester auf der Stadtmauer auf.
Wenn auf dieser kontinentalen Seite nur Albe/Elben und Orks/Urikais lebten, wozu eine solche starke Befestigungsanlage? Sicherlich waren selbst Dörfer und Siedlung im tiefen Süden von Eurasien mit Palisaden und Verteidigungsmauern umgeben, aber die dienten mehr zum Schutz vor Tieren statt vor Angriffen einer Volksgruppe. Einmal mehr erkannte Selena ihr bisheriges schematisches Denken abzulegen. Sie war nicht länger in Eurasien.
Am Tor wurden die Wagen und Karren von Wachen durchsucht. Einige der Biester besaßen große Ähnlichkeiten mit Orks. Vor allem die Rangniedrigen. Während die Offiziere sie unweigerlich an Urikais erinnerten. War das möglich?, schoss es ihr unvermittelt durch den Kopf.
Selena reihte sich ein, behielt die Biester im Auge, bemühte sich nicht weiter aufzufallen und war jederzeit bereit ihre Waffen sprechen zulassen, falls es unbedingt notwendig wurde. Sie verhielt sich wie all die anderen, richtete ihren Blick soweit zu Boden, ohne dabei die Näherende Umgebung aus dem Auge zu verlieren.
Während die Wachen die Karren und Wagen inspizierten, wurden die Personen nur lasch kontrolliert. Taschen und Rucksäcken wurden nicht geöffnet. Ein für Selena glücklicher Umstand. Andernfalls hätten die Biester bemerkt das sie bewaffnet war. Was dem Ehepaar zufolge unter Strafe stand. Sie käme nicht mal im Traum auf den Gedanken unbewaffnet umherzulaufen, ganz egal, als wie befriedet eine Gegend galt oder wie sicher sie sich fühlte.
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(Ende Kapitel 4)
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Kommentare
Bone1979 schrieb am 2008-11-13 15:26:15:
© by Alexander Döbber
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