Shabbatruhe
von
shorsh
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„Do you speak englisch?“ „Jes!?“ „Please leave this Streat!“
Das Ultraorthodoxenviertel ist an diesem Samstag mal wieder voll von demonstrierenden Ultras, die die Sperrung des in der Nähe liegenden Parkhauses am Shabbat fordern. Ferner auch die Schaulustigen die sich hinter der Absperrung befinden und Polizisten, die darum bemüht sind die Situation zu entschärfen.
Christian wird gerade von einem jüdischen Polizist angesprochen. Seine Worte und die fortschickende Handbewegung lassen den Appel ohne zweifel im Lichte der Eindeutigkeit erscheinen.
„Ai ounli wont to gou to se Westanwol“. „Beßeder! (ok) But only this way!“
„Shaaaaaaaabbbbäääääässs!!!“ ist der ständige Ruf der Demonstrierenden.
So ein Lärm! Müssen die das jedesmal am Shabbat machen? Das ist doch ihr Ruhetag! Und warum hält denn der Rabbi seinen Hut vor die Kamera des Jornalisten? Warum kämpfen die Ultras so um die Einhaltung ihres Shabbats? Apropos Kämfen: Dürfen die eigentlich am Shabbat kämpfen? Eine Demo ist doch ein verbaler Kampf!?
„SHAAAABBBÄÄÄÄÄÄS! shaaaaaaaaaaabbbbäääääässs!“
„Please take a Kipa.“ „Sänkju.“
Heute ist nicht viel los bei der Klagemauer. An der Mauer stehen die jüdischen Männer in ihrer üppigen Tracht und nuscheln Worte vor sich her, die sie aus rabbinischen Büchern lesen. Vereinzelt sind auch Kinder anwesend, die eifrig das Verhalten ihrer Väter nachahmen. Das gleichzeitige Wackeln und lesen funktioniert bei ihnen schon recht gut.
10 Meter vor der Mauer entfernt positioniert Christian seinen weißen Plastikstuhl und verschnauft erstmal, bevor er seine Bibel herausholt um seinen heutigen Text – zur Abwechsung mal an der Klagemauer – zu lesen.
Laut Bibelleseplan ist Hebräer 4 dran.
„…4 denn er hat an einer Stelle vom siebten Tag so gsprochen: Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken“.“
Christian schaut sich um und lässt seinen Blick noch einmal über die Betenden schweifen die ununterbrochen durch das Lesen aus ihren Schriften, das Singen und das Wackeln versuchen in die Shabbatruhe zu finden.
Oder haben sie die Shabbatruhe bereits in ihrem Tun gefunden?
Bei einem der Rabbis ist Christian sich auf jeden Fall ganz sicher. Er sitzt von Christian aus gesehen auf 5 Uhr. Mit seinem grauen, großen Bart und den Falten im Gesicht scheint er ein sehr erfahrener Rabbi zu sein. Auch seine etwas besondere Tracht deutet darauf hin, dass er zu den erfahreneren Rabbis gehört. Seinen Kopf hat er tief in ein Buch gebeugt. Wie es ganz viele anwesende machen, hat auch er seien Lesetisch auf Kippelstellung ganz nah an seinen Körper gezogen.
In dem Augenblick wo Christian ihn erblickt, ertönt ein leises, tiefes schnarchen und der Kopf des Rabbi senkt sich noch tiefer in das Buch.
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