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Kategorien > Fabeln & Märchen >

Sharka der Tiger

von Yza




Wie oft muss ich daran denken, wie schön es damals war, als Mutter noch
lebte. Solange sie für mich und meine Geschwister sorgte war alles sehr
einfach für uns. Wir Tigerkinder hatten alle Zeit der Welt und konnten
spielen, spielen und noch mal spielen. Vor allem konnte Mutter uns viele
Geschichten aus dem Dschungel erzählen, so dass er uns noch wundervoller
erschien, als er ohnehin schon war.
Ja, wir hatten eine sehr schöne Zeit, doch wir haben damals noch nicht
verstanden, was um uns herum wirklich auf der Welt passiert.
Wir Tigerkinder brauchten uns um nichts zu kümmern, wir spielten Blumen
raten, buddeln, raufen, Schmetterlinge jagen und was weiß ich noch alles.
Mutter passte auf uns auf, aber eigentlich hatten wir sowieso nicht viel zu
fürchten. Es gab die gefährlichen Kobras oder die braunen großen Bären, die
noch vereinzelt durch den Dschungel streiften und uns Kindern gefährlich
werden konnten, und natürlich mussten wir uns vor den Krokodilen in Acht
nehmen, aber ansonsten waren wir ohne Feinde und sehr gut behütet. Die
Krokodile waren die unbestrittenen Herrscher der Flüsse und Seen, doch wir,
die Tiger, waren schon immer die Herrscher des Dschungels.
Allerdings änderten sich die Zeiten schneller, als wir alle glauben wollten.
Wir wurden größer und auch ein bisschen schlauer und Mutter begann nun
langsam auch andere Dinge über das Leben zu berichten, die leider immer
weniger mit den schönen Geschichten von früher zutun hatten.
Ich werde euch jetzt die Geschichte meines Lebens erzählen, ein bisschen ist
es eine traurige Geschichte, wenn ich auch sagen kann, dass es am Ende doch
noch alles gut für uns Tiger und für viele andere Tiere ausgeht. Doch was
wirklich traurig bleibt, ist, dass wir nie wieder dorthin zurückkehren
können, wo wir einst erschaffen wurden.




Als kleiner Tiger, man nennt mich Sharka, war ich immer schon an Abenteuern
interessiert. Das unterschied mich am deutlichsten von meinen beiden
Schwestern, Mia und Moa. Natürlich war ich auch sichtbar größer als sie,
aber das bemerkte man erst, als ich fast ein Jahr alt war.
Jedenfalls habe ich es kaum in der Nähe unseres Lagerplatzes ausgehalten.
Ich musste immer rumstreunen und den Wald untersuchen. Wenn Mutter jagen
ging, wie ihr wisst fressen wir Tiger ja Fleisch und müssen andere Tiere
jagen, dann habe ich nicht auf sie gehört und bin ihr hinterher geschlichen.
Ich beobachtete sie genau und dann habe ich versucht sie nachzuahmen. Ich
weiß noch genau, wie groß meine Freude war, als ich mein erstes Tier erlegt
hatte. Nun gut, es war nur eine kleine Eidechse, aber ich hatte sie selbst
gefangen und ich war gerade ein halbes Jahr alt. Meine Schwestern erblassten
vor Neid und meine Mutter war sehr stolz auf mich.
Ja meine Mutter, ihr Name war Nanu, sie war eine besondere Tigerin und ich
habe sie sehr geliebt.
Sie war sehr ruhig und schleckte uns Tigerkinder immer wieder mit ihrer
rauen Zunge ab, was für uns eine wahre Freude war. Wenn sie ein Tier erlegt
hatte, dann war sie nicht eine von den Tigermüttern, die ihren Kindern nur
die Reste übrig ließ. Nein, sie gab uns die besten Stücke und wartete bis
wir uns satt gefressen hatten. Sie war sehr geduldig mit uns.
Meine Schwestern liebten sie so wie ich und wenn ich auch sagen muss, dass
Mia und Moa ihr das Leben nicht immer leicht machten, so waren sie doch
unserer Mutter gegenüber sehr aufmerksam und folgten ihr aufs Wort. Nicht
selten haben sie mich bei ihr verpetzt, wenn ich wieder Dummheiten machte
oder einfach weggeschlichen bin, ohne ihr Bescheid zu sagen.
Doch Mutter hat mir immer alles verziehen, sie schimpfte zwar, doch im
nächsten Augenblick erhielt ich von ihr einen Knuff mit ihrer weichen Tatze
und ich wusste, dass alles wieder in Ordnung war. Dann schnurrte sie mich an
und lächelte, denn sie liebte meinen Mut und meine Neugierde.
Meine Schwestern beobachteten mich mit gewissem Neid. Denn sie sahen wie
schnell ich lernte alleine zurecht zu kommen. Ich war kaum ein Jahr alt, da
durchstreifte ich den Dschungel schon so weitläufig, dass ich mehrere Tage
nicht mehr nach Hause kam. Und wenn ich dann wieder an unserem Lager war,
dann hatte ich natürlich jede Menge abenteuerliche Geschichten zu erzählen.
Mia und Moa waren meine begeistertsten Zuhörer und ich glaube es hat ihnen
später sehr geholfen sich alleine Zurecht zu finden.
Meine Mutter war sehr besorgt um die Beiden und wenn ich auch jede Menge
Dummheiten gemacht habe, aber sowie meine Mutter mir befahl auf meine
Schwestern aufzupassen, dann habe ich keine meiner Tatzen vom Lager
weggestreckt; denn wenn Mutter mir dies befahl, dann lauerte auch irgendeine
Gefahr in unmittelbarer Nähe.
Ihr müsst wissen, dass Mia und Moa sehr lieb, aber auch sehr verträumt
waren. Sie spielten lieber mit den Blumen, als hinter Hasen, Eidechsen oder
vielleicht sogar größeren Tieren hinterher zu jagen. So war es auch, dass
sie so manche Gefahren völlig unterschätzten.
Ich weiß noch genau, wie wir an einen uns unbekannten Fluss kamen und Mutter
sagte: "Sharka, ich muss sofort den Lagerplatz verlassen, denn in der Nähe
sind einige Hirsche. Sie werden sich bestimmt nicht lange hier aufhalten,
wenn sie unseren Geruch gewittert haben. Ich hoffe, dass ich einen erlegen
kann. Ich kenne diesen Fluss nicht so gut und vermutlich gibt es hier
Krokodile. Deine Schwestern sind sehr durstig und du weißt wie verträumt sie
sind. Du wirst dich an das Ufer setzen und auf Krokodile aufpassen wenn Mia
und Moa Wasser trinken wollen."
Ich hörte aufs Wort und meine Augen beobachteten ständig die
Wasseroberfläche. Krokodile konnten sehr gefährlich sein. Niemand wusste
genau zu sagen, wie groß sie werden konnten. Es gab kleine Krokodile, die es
nie wagen würden einen Tiger anzugreifen, nicht einmal einen jungen. Aber es
gab auch die Riesen unter ihnen, die gut zweimal so groß waren, wie ein
ausgewachsener Tiger. Sie waren alt und sehr schlau und wer beim Trinken am
Fluss nicht aufpasste, konnte von ihnen mit einem Biss gepackt werden und
dann zogen sie einen unter Wasser, so dass man ertrinken musste.
Ich war sehr wachsam, doch meine Schwestern machten es mir nicht immer
leicht. Manchmal wollten sie mich ärgern und sie hörten nicht auf mich. Ich
setzte mich irgendwo in ihre Nähe, in den Schatten einer der riesigen
Dschungelpflanzen, doch sie machten sich ein Spiel daraus und gingen immer
etwas weiter weg. Ich legte mich wieder in ihre Nähe und wieder zogen sie
ein Stück weiter und kicherten. Sie riefen: "Du sollst uns nicht immer
hinterher rennen."
Ich schüttelte nur den Kopf. Ich habe ihre Art von Humor und Spiel nie
richtig verstanden.



Wie gesagt, an diesem Tag hatten wir vorübergehend unser Lager am Flussufer.
Mia und Moa waren zwar nicht so wasserfest wie ich, aber Heute waren auch
sie sehr froh, dass wir uns am Fluss aufhielten, denn wir hatten einen
langen Marsch durch den Dschungel hinter uns, sie waren sehr durstig. Sie
plätscherten mit ihren Pfoten im flachen Wasser am Flussufer. Mutter war
schon wieder im Wald verschwunden und natürlich wollten die Beiden mich
ärgern und versteckten sich laufend. Wenn ich nach ihnen brüllte, meldeten
sie sich nicht. Ich kannte ihre Spiele ja und ich ließ mich nicht aus der
Ruhe bringen. Ich lag unter einem Baum einige Meter vom Wasser weg und mit
einem Auge bewachte ich die Wasseroberfläche und schlummerte trotzdem ein
bisschen. Als sie merkten, dass sie mich nicht ärgern konnten, blieben sie
am Flussufer. Sie guckten nach den Fischen und sie wagten sich sogar mit den
ganzen Beinen ins Wasser, selbst ihr Bauchfell war schon nass. Ich staunte,
so wasserfreudig waren sie sonst nicht. Ich brüllte ihnen zu, dass sie in
meiner Nähe bleiben sollten, aber natürlich liefen sie immer etwas weiter
weg. Der Dschungel war bis auf einige Vogelrufe und entferntes
Affengekreische auffallend ruhig. Das war aber meistens so, wenn wir Tiger
irgendwo auftauchten. Die anderen Tiere hatten Respekt vor uns und
verhielten sich still.
Jedenfalls, als ich so vor mich hindöste und mit einem Auge meine Schwestern
und das Gewässer beobachtete, fielen mir in der Mitte des Flusses ein paar
kleine Wellen auf und ich brüllte zu Mia und Moa, dass sie aus dem Wasser
kommen sollen. Natürlich ignorierten sie mich. Ich war nicht sicher, ob nur
ein Luftzug die Wasseroberfläche bewegt hatte oder ob tatsächlich ein
Krokodil im Wasser war. Meine Mutter hatte mir alles über Krokodile erklärt
und ich kannte ihr listiges Verhalten. Sie lauerten unter Wasser, total
starr, bis dann endlich ein anderes Tier in ihrer unmittelbaren Nähe
auftauchte und dann schnappten sie zu. Sie konnten gewaltige Sprünge machen,
was man einem so trägem Krokodil gar nicht zutraut.
Für einen Moment wollte ich die Wellen vergessen und drehte mich kurz um,
doch im nächsten Augenblick hörte ich Geplätscher, ich drehte mich um und
sah einen riesigen Krokodilskopf nur einige Meter von Mia und Moa entfernt
an der Wasseroberfläche auftauchen. Ich war doch ziemlich weit weg und
brüllte sofort los. Doch sie hörten nicht auf mich. Sie hatten das Krokodil
noch nicht gesehen. Ich rannte los und stürzte mich durchs Wasser. Doch noch
bevor ich Moa erreichte, sie war dem Krokodil am nächsten, schoss das
Krokodil aus dem Wasser und schnappte mit seinem riesigen Maul nach Moas
Pfote.
Ich war noch einige Sprünge von dem Riesen entfernt und Moa schrie voller
Schmerz auf, denn das Krokodil hatte ihre Pfote zu packen gekriegt. Ein
Krokodil hat mächtige Zähne, sie sind nicht sehr scharf aber sie können
einen sehr gut festhalten. Mia rannte entsetzt aus dem Wasser. Ich war
voller Wut auf die Beiden, aber natürlich war ich auch wütend auf dieses
Krokodil.
Noch ein Sprung, dann......Ich habe nicht mehr überlegt, sondern nur mein
Maul aufgerissen und wütend in den Kopf des Krokodils gebissen. Ich musste
meine Schwester retten. Damit hatte das Krokodil nicht gerechnet, erschreckt
ließ es Moa los. Moa war verletzt aber sie konnte noch mit einem riesigen
Satz ans Ufer springen, dann kippte sie entkräftet und erschrocken um.
Gegen dieses Krokodil hatte ich, als kaum ein Jahr alter Tiger, keine
Chance. Jetzt musste ich selbst aufpassen, dass es mich nicht erwischt. Es
war eines dieser alten riesigen Krokodile, die den gesamten Fluss
beherrschen. Mein Biss hatte das Krokodil zwar erschreckt aber nicht
merklich verletzt. Es schleuderte kurz seinen Kopf hin und her und ich flog
ein Stück durch die Luft. Zum Glück schleuderte mich das Krokodil in
Richtung des Ufers, so dass ich mit einem weiteren Sprung ans Ufer kam. Ich
stellte mich in Position und brüllte das Krokodil so laut ich nur konnte an.
Ich hatte Angst, dass es jetzt einfach aus dem Wasser kommen könnte und
meine verletzte Schwester noch einmal angreifen würde. Ihre Pfote blutete
und ich wünschte ihr, dass sie nicht gebrochen war, denn das könnte ihren
Tod bedeuten.
Ich glaube, ich hatte noch nie in meinem Leben so wütend gebrüllt und das
Krokodil schien beeindruckt, denn es tauchte kurz unter und verschwand
wieder im Fluss.
Sofort ging ich zu Moa und brüllte noch einmal: "Ihr beiden Verrückten,
warum hört ihr nicht auf mich." Eigentlich war es mir im Augenblick völlig
egal, aber ich musste sie ausschimpfen, doch die Hauptsache war, dass Moa
überlebt hatte. Ich ging zu ihr und sah mir ihre Verletzung an. Ihr Fell war
voller Blut und sie winselte ein wenig. Aber Moa war stark. Sie sah mich mit
unterwürfiger Miene an und sagte: "Sharka ich danke dir, du hast mein Leben
gerettet. Ich werde immer auf dich hören." Ich leckte ihr die Pfote ab, um
besser sehen zu können wie schlimm ihre Verletzungen waren. Mia saß in der
Nähe und ich glaube sie zitterte ein bisschen. Sie sagte kein Wort.
Als die Pfote sauber war, konnte ich erkennen, dass die Wunden nicht weiter
bluteten. Wir Tiger haben auch Stoffe in unserem Speichel, die solche Wunden
schneller heilen lassen. Ich hatte ja noch nicht allzu viel Erfahrungen mit
Wunden, doch so wie ich es sehen konnte, war ihre Pfote nicht gebrochen und
die Wunden waren zum Glück nur größere Kratzer. Ich sagte: "Moa, du musst
aufstehen, erst dann können wir sehen ob etwas gebrochen ist. Du musst
versuchen normal zu laufen, wenn es dann sehr schmerzt, dann bist du doch
schwerer verletzt."
Moa war noch geschockt, doch sie stand ohne einen Ton von sich zu geben auf
und sagte: "Ich glaube ich hatte Glück, nur die Wunden brennen ein
bisschen."
Nach einer guten Stunde konnten wir alle schon wieder Witze über diesen
Vorfall machen. Wir lachten über das riesige alte Krokodil, dass jetzt wohl
mit leerem Magen durch den Fluss schwimmen musste. Wir kicherten darüber, ob
es vielleicht gar keine richtigen Zähne mehr besaß, denn Moa war ja zum
Glück nicht viel passiert. Aber tief in unserem Inneren hatten wir alle ein
Erlebnis gemacht, dass uns gelehrt hatte, immer Respekt vor diesen Tieren zu
haben.
Als Mutter zurückkam erzählten wir ihr aufgeregt diese Geschichte und es war
das Erstemal, dass meine Schwestern sich nicht bei ihr über mich
beschwerten, sondern sie lobten mich in den höchsten Tönen. Ich hatte sie
beide gerettet, seitdem hörten sie eigentlich auf alles was ich ihnen sagte
und so konnte ich ihnen manche Geschichte erzählen, die ich einfach nur
erfunden hatte. Danach amüsierte ich mich meistens über ihre
Leichtgläubigkeit.
Dieser gefährliche Vorfall war natürlich nicht der Einzige in unserem
ansonsten sehr sorgenfreien Kinderleben. Doch um so älter wir wurden, um so
mehr erfuhren wir über die wirklichen Probleme unserer Art und nicht nur
das.
Meine Mutter verschonte meine Schwestern meist vor schlechten Nachrichten,
doch nachdem ich ein gewisses Alter erreicht hatte, erzählte sie mir immer
mehr über das Leben als erwachsener Tiger.



Vor allem begann sie mir von den Menschen zu erzählen. Ich hatte bis dahin
noch nie einen gesehen und konnte mir nur schwer vorstellen, wie sie
aussehen könnten. Was ich gehört hatte war, dass sie zwei Beine haben und
ohne Fell sind, also völlig nackt. Meine Mutter sagte: "Sie sehen ein
bisschen so aus wie Affen, aber eben anders."
Na ja, ich dachte mir, wenn ich mir einen Affen vorstelle, dann würde ich
einen Menschen sehen, bis ich dann irgendwann einen von ihnen zu sehen
bekam. Ich muss sagen, ich musste erst einmal lachen. Dieser Mensch war
wirklich sehr nackt und er hatte nur ein paar Haare auf dem Kopf. An ihm war
kaum Fleisch dran. Es hätte sich kaum gelohnt, einen von ihnen zu jagen. Es
sei denn, man wäre sehr hungrig und es gäbe kein anderes Wild.
An diesem Tag hatte meine Mutter mich extra in die Nähe der Menschen
gebracht. Sie war sehr aufgeregt. Bis jetzt hatte sie mir eher schlechte
Dinge über diese Tiere erzählt. Als ich sie nun zu Gesicht bekam, konnte ich
kaum glauben, dass von ihnen eine solche Gefahr ausgehen sollte, wie Nanu
mir erzählt hatte.
Wir schlichen uns in die Nähe eines ihrer Dörfer, denn diese Menschen leben
in Gemeinschaften, so wie andere Tiere in Rudeln oder Herden. Menschen
hatten ganz bestimmte Eigenschaften, die sie deutlich von allen anderen
Tieren unterscheiden. Sie bauten ihre Behausungen selber, entweder aus Holz
oder aus Steinen. Sie konnten Feuer machen und sehr viele andere Dinge
herstellen, die ein Tiger niemals gebrauchen würde. Sie hatten zwar nur zwei
Beine aber auch zwei Arme und Hände mit denen sie geschickt verschiedene
Sachen herstellen konnten.
Wie gesagt, ganz am Anfang hielt ich sie für völlig harmlose und wehrlose
kleine Geschöpfe. Doch Mutter hatte mir gesagt, dass sie einzig und allein
vor den Menschen auf der Hut ist. Sie hatte weder vor Krokodilen, noch vor
Bären oder Berglöwen Angst. Sie war sehr stark und ich würde noch einige
Jahre brauchen, um sie zu übertreffen, aber vor den Menschen hatte sie sehr
viel Respekt. Sie erzählte, dass man niemals einen von ihnen töten dürfte.
Denn wenn dies geschehen sollte, würden Hunderte von ihnen durch das Land
ziehen und eine riesige Treibjagd veranstalten. So harmlos sie auch aussehen
mögen, diese Wesen hatten gefährlich Waffen. Sie brauchten nur auf
Sichtweite herankommen, um ihr Opfer zu töten. Es gab dann immer einen
lauten Knall und schon war das gejagte Tier tot. Mutter erzählte, dass schon
Tausende von Tigern von ihnen getötet wurden. Diese Menschen waren kaum
einzuschätzen, denn sie kamen ganz plötzlich in großen Horden in das Land.
Sie konnten auf Elefanten reiten, die auch ein Tiger nicht angreift und sie
machten einen höllischen Lärm, der alle Tiere des Waldes aus der Ruhe
brachte.
Dann hörte man überall dieses laute Geknalle und danach waren meistens
einige Tiger tot.
Sie nannten das eine Treibjagd. Mutter hatte niemals einen von ihnen das
Fleisch der Tiger essen sehen. Sie verschleppten die toten Tiere und niemand
wusste genau was sie mit ihnen machen. Auf jeden Fall beschwor mich meine
Mutter einen riesigen Bogen um jede Menschensiedlung zu machen und wenn ich
im Wald ihre Stimmen hören sollte, dann sollte ich mich niemals bemerkbar
machen.
Ich habe meine Mutter geliebt und ihr sehr vertraut, deshalb hörte ich auf
sie, obwohl ich wie gesagt diese Menschen eher belächeln musste. Doch irgend
etwas war an ihnen, denn sonst hätte meine Mutter nicht so auf mich
eingeredet. Sie sagte, dass die Menschen immer weiter in den Dschungel
vordringen und alle Tiere vernichten, die ihnen in den Weg kommen. Sie hatte
bis Heute nicht verstanden, warum sie sich so eigenartig verhalten und
überall die Bäume fällten bis kein Wald mehr da war.
Ich sollte erst viel später dahinter kommen, was es mit diesen Menschen auf
sich hat. Alles in allem begegnete ich nur wenigen von ihnen in meinem
Leben. Die meisten von ihnen haben nicht einmal geahnt, dass ich in ihrer
Nähe war. Ich habe sie beobachtet, um sie besser zu verstehen, doch ich bin
lange Zeit nicht schlau aus ihnen geworden.



Ich will euch aber mein schlimmstes Erlebnis mit ihnen nicht vorenthalten.
Ich hoffe es erschreckt euch nicht. Aber ich bin nun mal ein Tiger und
deshalb mache ich viele Dinge anders als ihr.
Eines Tages bewegte ich mich durch den Dschungel. Wie immer war ich auch
irgendwie auf der Jagd, doch ich wusste auch, dass ich in einem Gebiet war,
dass eigentlich ein anderer Tiger beherrscht. Ich hatte ihn nie gesehen,
wusste aber von meiner Mutter, dass man ihn Oris nannte. Er war wesentlich
älter und erfahrener als ich. Mutter hat nie mit mir darüber gesprochen aber
ein bisschen hatte ich die Vermutung, dass er unser Vater sein könnte.
Bei uns Tigern ist das so, wir leben nicht in einer ganzen Familie, meistens
leben die Mütter mit ihren Kindern und die Väter leben alleine im Dschungel.
Sie treffen sich nur sehr selten mit ihren Frauen. Ein Tigermann beherrscht
ein ziemlich großes Gebiet und er lässt ab und zu einige Weibchen in seinem
Gebiet leben, doch was er auf gar keinen Fall macht, ist ein anderes
Männchen in seiner Nähe zu dulden. Ich war also in Gefahr Oris zu begegnen,
was unweigerlich zu einem Kampf führen würde. Nun, ich bin zwar nicht feige,
doch große Lust hatte ich nicht, mich mit ihm anzulegen. Er war sicherlich
ein ernst zu nehmender Gegner.
Ich schlich auf meinen leisesten Sohlen durch das Unterholz des Dschungels.
Ich war sehr stolz auf mich, denn ich konnte mich selbst nicht einmal mehr
hören. Ich schaute mich um, dann auf einmal....ein lauter Knall.
Ich dachte natürlich sofort an die Menschen, bis hierher hatte ich das
Geräusch noch nie gehört. Ich machte mich sofort auf den Weg in die
Richtung, woher das Geräusch kam. Allerdings blieb ich weiterhin
Mucksmäuschenstill.
Ich musste nicht sehr weit schleichen, bis ich etwas erkennen konnte. Ich
kroch so nah wie möglich heran. Zuerst sah ich nur vier Menschen, die
aufgeregt umher liefen, doch dann sah ich ihn liegen. Ich war nicht sicher,
aber ich vermutete, dass es sich um Oris handelte. Da lag er nun, die Zunge
hing weit aus seinem Maul, er war tot.
Wie soll ich es euch sagen, wir Tiger trauern natürlich um jeden unserer
Artgenossen wie ihr, doch wir haben eine besondere Einstellung zum Tod. Wir
selber müssen andere Tiere töten um zu überleben und glaubt mir, wir lieben
jedes dieser Tiere, doch wir sind nun einmal Jäger und so vertrauen wir
darauf, dass der Tod nicht das Ende eines jeden Lebens ist. Wir glauben
daran, dass danach ein anderes Leben beginnt.
Natürlich tat mir Oris sehr leid, aber so ist das Gesetz des Dschungels,
fressen und gefressen werden.
Ich beobachtete was da vor sich ging. Ich hoffte, dass ich das Erstemal
Menschen beim Fressen beobachten konnte, doch es war anders und es
erschreckte mich.
Zuerst sah es so aus, als würden sich alle vier über die Beute freuen, aber
im nächsten Augenblick begannen sie sich wie wild zu streiten. Sie schrieen
sich gegenseitig an. Einer von ihnen fuchtelte immer wieder mit so einem
Ding in seiner Hand rum. Die anderen drei redeten auf ihn ein. Ich wusste
nicht worum es ihnen ging, denn ich konnte ihre Sprache nicht verstehen.
Noch immer hatten sie nichts gefressen. Plötzlich zog einer von ihnen ein
Stück Eisen aus seiner Tasche und wollte den anderen damit stechen, doch der
hielt sein komisches Ding in seine Richtung, dann gab es wieder einen Knall
und der andere Mann sackte in sich zusammen und fiel tot um. Dann waren alle
sehr aufgeregt und die Beiden anderen rannten Hals über Kopf in den
Dschungel. Ich hätte mir jetzt leicht einen von ihnen holen können. Doch ich
wartete ab. Der Mann, der mit diesem Knallding geschossen hatte blieb bei
dem toten Oris und er kniete sich über ihn. Ich robbte etwas näher heran um
besser sehen zu können, denn ich dachte er würde anfangen zu fressen.
Aber nein, es war schrecklich. Innerhalb kürzester Zeit hatte er Oris das
Fell abgezogen. Er verschnürte es zu einem Bündel und steckte es in eine
Tasche. Er rührte nicht ein Stück von Oris Fleisch an. Er ließ alles liegen.
Er wollte nur sein Fell. Ich verstand nun gar nichts mehr. Was waren das für
eigenartige Tiere, die andere Tiere nur töten, um ihr Fell zu rauben.
Mutter hatte mir versucht zu erklären, dass Menschen viele Dinge tun, die
ein Tiger nicht mehr begreifen kann, das war auf jeden Fall so etwas. Ich
weiß auch nicht, mich machte es in diesem Moment sehr wütend. Es war
Schicksal, wenn ein Tiger sterben musste, sei es im Kampf mit einem anderen
Tiger, oder weil er sich bei der Jagd verletzt hatte. Irgendwie wäre es auch
nicht so schlimm gewesen, wenn diese Menschen auch nur jagen mussten, um
sich zu ernähren, doch sie hatten Oris getötet, nur um sein Fell zu
bekommen. Was immer sie damit auch wollten, es war ein feiger und unnutzer
Mord.
Ich überlegte nicht mehr, sondern sprang mit zwei Sätzen durch das Gestrüpp
und stürzte mich auf den Menschen, der Oris Fell in seiner Tasche hatte. Ich
brauchte nur einen Hieb mit meiner Tatze auszuteilen und der Mensch flog
kurz durch die Luft und blieb dann liegen. Er hatte es nicht mehr geschafft
seine knallende Waffe zu benutzen.
Ich weiß nicht, als ich ihn da so liegen sah, tat er mir leid, er schien mir
so wehrlos wie ein Faultier, doch in mir war auch Wut gegen diesen Menschen.
Jedenfalls rührte ich ihn nicht an, ich würde keinen Bissen von diesem Vieh
runterkriegen.
Oris lag nackt am Boden und er tat mir sehr leid. Er hatte ein jämmerliches
Ende gefunden. An einer seiner Vorderpfoten hing noch eine Drahtschlinge,
die ihn tief ins Fleisch geschnitten hatte. Die Menschen hatten diese
Drahtschlingen ausgelegt und wenn ein Tier sich darin verfangen hat, dann
zog sie sich zusammen. Damit hatten sie auch Oris eingefangen und er konnte
sich tagelang nicht davon befreien. Immer wenn er weg wollte, dann schnitt
der Draht mehr in sein Fleisch. Sie hatten sich an den wehrlosen und
entkräfteten Oris angeschlichen und ihn aus der Ferne erschossen, ohne jede
Chance.
Als ich Mutter die Geschichte erzählte, sah ich zwei Tränen in ihren Augen,
jetzt wusste ich, dass Oris unser Vater war. Mutter war aber auch sehr
besorgt. Sie sagte, dass es sehr unvorsichtig von mir gewesen ist, sie
befürchtete, dass jetzt sehr viele Menschen kommen würden, um den Mörder des
Menschen zu rächen.
Tatsächlich geschah aber nichts. Vielleicht hatte eines der vielen Krokodile
den Menschen und auch Oris verspeist oder ins Wasser gezogen, so dass man
sie niemals wiederfinden würde.



Doch wenn auch die Menschen nicht wegen dem Toten in den Dschungel kamen, so
kamen sie doch aus anderen Gründen und mit jedem Tag mit dem ich älter
wurde, bemerkte ich mehr Menschen, die in dem einst menschenleeren Dschungel
herumwanderten. Wir Tiger konnten uns nur immer weiter in die kärger
werdenden Gebiete in Richtung der Berge zurückziehen.
Wie ich euch erzählt habe, war meine Kindheit eine Zeit lang sehr ungetrübt.
Doch jetzt war ich schon fast Erwachsen und die Probleme wurden größer.
Meine Mutter lebte nicht mehr bei mir. Wir begegneten uns nur noch selten.
Ich muss zugeben, ich suchte immer wieder ihre Nähe. Irgendwie wollte ich
auf sie aufpassen. Natürlich sah ich auch hin und wieder nach meinen
Schwestern, die nun bald eigene Jungen haben sollten.
Mia und Moa litten sehr unter den Veränderungen, viele der Gebiete in denen
wir als Kinder umherstreiften, mussten von uns verlassen werden, weil immer
mehr Menschen dort zu finden waren. Immer wieder hörte man von getöteten
Tigern, anscheinend jagten die Menschen sie, da sie Angst vor ihnen hatten
und weil sie sich die Gebiete nicht mit ihnen teilen wollten. Doch nicht nur
das. Dadurch dass immer mehr Menschen in den Wald kamen, wurden von ihnen
auch immer mehr andere Tiere getötet. An manchen Stellen hörte man nicht
einmal mehr die gewöhnlichen Vogelschreie und das sonst so störende
Gekreische der Affen hoch oben in den Baumwipfeln. Wir Tiger konnten kaum
noch etwas zu fressen finden. Ich war ein guter Jäger geworden, doch meine
Schwestern hatten große Mühe sich zu ernähren. Sie sahen sehr mager aus.
Der Dschungel schien langsam auszusterben. Die Hirsche waren verschwunden
und selbst die wilden Schweine waren kaum noch zu finden. Irgendwie hatte
ich das alles noch nicht verstanden. Ich besuchte wieder einmal meine Mutter
und redete mit ihr darüber. Sie sagte: "Weißt du Sharka, ich glaube unsere
Zeit ist abgelaufen. Bald wird es keine Tiger mehr in diesem Wald geben. Das
Gebiet wird von Jahr zu Jahr kleiner und diese Menschen bauen immer mehr
Straßen und Häuser, die sie auch gut bewachen. Um ehrlich zu sein, ich weiß
nicht wann es uns selbst erwischen wird..."
Mutter war sehr traurig, sie hatte alles getan um uns groß zu ziehen und uns
zu beschützen, doch gegen den Vormarsch der Menschen war sie machtlos. Auch
sie konnte nicht verstehen, warum es so viele von ihnen gab und warum sie
sich so rücksichtslos verhielten. Eigentlich war in der Natur alles in einem
Gleichgewicht. Es gibt Sonne und es gibt Regen, es gibt Hirsche und es gibt
Tiger, doch wir Tiger hätten niemals alle Hirsche getötet. Es war wichtig,
dass dieses natürliche Gleichgewicht nie durcheinander kommt. Doch die
Menschen waren anders, sie töteten alles was ihnen vor ihre Knallwaffen kam.
Und sie zerstörten die Wälder und die Flüsse.
Alles in allem war es eine sehr traurige Zeit und uns blieb nichts anderes
übrig als abzuwarten, ob die Menschen nicht doch noch aufhören unseren
Lebensraum zu zerstören.
Ich machte mich auf den Weg in die Berge, denn ich wollte sehen, ob wir
Tiger vielleicht dort überleben könnten. Ich hoffte, dass ich dort ein
Gebiet finden könnte, wo noch genug Wild war. Dann wollte ich zurückkehren
und meine Mutter und meine Schwestern in dieses Gebiet bringen. Mit jedem
Tag hatte ich Angst, dass ich sie nicht wiedersehen würde, weil sie von den
Menschen abgeschossen werden.



Als ich endlich nach einem tagelangen Marsch in die höher liegenden Gebiete
der Gebirge kam, freute ich mich, denn hier gab es tatsächlich nicht so
viele Menschen. Doch der Dschungel war bei weitem nicht mehr so dicht wie im
Tiefland. Dennoch gab es hier noch andere Tiere und ich freute mich sie zu
sehen. Wenn es auch kein richtiges Tigergebiet war, so hätten wir doch hier
die Chance ungestört zu leben.
Als ich eine Nacht durch den lichten Wald streifte, passierte etwas
Eigenartiges. Ich wollte jagen, denn am nächsten Morgen wollte ich mich auf
den Weg machen, um meine Schwestern und meine Mutter hierher zu holen.
Ihr wisst, ich bin Sharka, ein Tiger ohne Furcht und Tadel....aber was mir
in dieser Nacht passierte erschreckte auch mich. Ich pirschte durch das
Unterholz und war auf der Lauer. Im richtigen Dschungel kann man nicht sehr
viel sehen, denn überall sind Blätter und Pflanzen, die Bäume sind riesig
und haben große dichte Kronen, so dass man nicht einmal den Himmel sehen
kann. Hier war das anders. Wenn ich hoch guckte, dann konnte ich zwischen
den Baumwipfeln hindurch in den Himmel sehen.
Ich beobachtete gerne die Sterne. Sie sind einfach wunderbar, wenn sie da so
vor sich hin funkeln. Sie verleiten einen zum Träumen. In dieser Nacht gab
es keine Wolke am Himmel und ich ließ mich etwas von dem Sterngefunkel
ablenken. Einer war schöner und heller als der andere.
Da war wieder einer. Er funkelte in verschiedenen Farben und er war sehr
hell. Er war mir vorher gar nicht aufgefallen. Plötzlich als ich wieder
hinsah.... ja, tatsächlich dieser Stern bewegte sich. Erst nach links dann
nach rechts und irgendwie schien er näher zu kommen. Ich wunderte mich. Doch
ehe ich es richtig verstand, kam das Licht auf mich zugerast. Ich muss
sagen, ich bekam Angst.
Sollte dieser Stern tatsächlich vom Himmel fallen. Es sah ganz so aus. Er
kam der Erde immer näher. Ich versteckte mich hinter einer großen Baumwurzel
und wartete. Das Licht kam näher und näher und auf einmal war der Wald um
mich herum hell erleuchtet. Erst wurde ich geblendet und musste meine Augen
schließen, doch dann erlosch das helle Licht und ich konnte etwas erkennen.
Ich hatte noch nie einen Stern gesehen, ich wusste auch nichts darüber, dass
Sterne fliegen konnten. Ich dachte sie wären am Himmel festgemacht und
konnten nicht herunterfallen. Doch jetzt hatte ich einen Stern vor meinen
Augen. Er schwebte über dem Wald und er war ganz schön groß. Während er so
schwebte, machte er kaum Geräusche, nur ein leises Surren.
Er schwebte über den Baum, unter dem ich mich versteckt hatte, hinweg. Als
er vorbei war, rannte ich hinterher. Ich wollte genau wissen was er nun
macht. Ich war sehr aufgeregt. Der Stern schwebte bis zu einer großen
Lichtung auf einem Plateau des Gebirges und dann schwebte er bis auf einige
Meter über den Boden herab. Er sah aus wie ein flacher riesiger, runder
Stein. Ein paar kleine Lichter funkelten an seinen Seiten, doch ansonsten
war er dunkel.
Jetzt schwebte er nur noch wenige Meter über dem Erdboden, es war alles sehr
spannend. Ich wartete.
Auf einmal tauchte ein funkelndes Licht am Erdboden auf, genau unter dem
Stern und im nächsten Augenblick stand dort ein Mensch.....
Ein Mensch ? War es tatsächlich ein Mensch ?
Ich habe sehr gute Augen, mit denen ich auch im Dunkeln gut sehen kann, aber
ich war mir trotzdem nicht ganz sicher, was ich da sah. Auf jeden Fall stand
da etwas und es schien zu leben, denn es bewegte sich langsam in meine
Richtung. Es war etwa so groß wie ein Mensch und seine Silhouette sah aus
der Ferne auch so aus. Es hatte zwei Beine und auch zwei Arme. Es kam genau
auf mich zu. Ich verhielt mich ruhig. Dieser Mensch konnte mich noch nicht
entdeckt haben. Ich wollte ihm nichts tun, aber ich wollte ihn beobachten.
Langsam kam er näher und ich musste mich schon wundern. Er sah doch deutlich
anders aus, als die Menschen, die ich bisher gesehen hatte. Er hatte zwar,
wie gesagt auch Arme und Beine, wie ein Mensch und er lief auch so wie sie,
doch er war etwas größer, seine Haut war blau und er hatte einen völlig
anderen Kopf, mit völlig anderen Augen als ein Mensch. Auf seinem Rücken
hatte er einen kleinen runden Kasten und an seinen Armen blinkten bunte
kleine Lichter.
Ich atmete ganz leise und ich achtete darauf, ob er eine Knallwaffe hat. Es
sah nicht so aus. Er kam immer näher und ob ihr es mir glaubt oder nicht, er
hatte mich schon entdeckt.
Als er nur wenige Schritte von mir entfernt war, sprach er mich an. Ich
hatte noch nie einen Menschen gesehen, der sich mit einem Tiger verständigen
konnte, doch dieser Mensch, obwohl ich mir nicht mehr sicher war, ob es sich
wirklich um einen normalen Menschen handelte, konnte die Tigersprache. Er
sagte: "Du brauchst dich nicht zu verstecken, ich habe dich längst
gesehen..."
Er musste sehr gute Augen haben. Ich war erschreckt, für einen Augenblick
spielte ich mit dem Gedanken ihn anzugreifen, doch dann beruhigte ich mich
wieder und wartete. Er schien sehr mutig zu sein, denn er kam immer näher,
was Menschen normalerweise nicht machen, wenn sie einen Tiger entdecken.
Er redete zu mir: "Wer bist du ?" Ich war völlig überrascht und fauchte ihn
an: "Ich bin Sharka der Tiger, du solltest mir nicht zu Nahe kommen." Es sah
so aus, als würde dieser eigenartige Mensch lächeln, er sagte: "Du bist
Sharka der Tiger. Ich spüre deine Angst, doch du solltest dich beruhigen,
ich werde dir nichts tun und ich bin bestimmt keine Nahrung für dich, du
würdest dir an mir die Zähne ausbeißen. Bist du alleine hier in diesem
Wald?"
Ich nickte verlegen mit dem Kopf. Was sollte ich schon machen, dieser
komische Mensch redete mit mir und ich verstand die Welt nicht mehr. Er kam
bis auf wenige Schritte an mich heran. Ich hätte nur einen Sprung machen
brauchen, um ihn zu erwischen. Doch ich blieb ruhig. Was wollte er von mir ?
Ich sagte: "Du bist ein sehr eigenartiger Mensch, du siehst anders aus als
alle, die ich vorher gesehen habe und ich wusste auch nicht, dass ihr mit
Sternen fliegen könnt."
Er antwortete: "Ich bin kein Mensch Sharka, sehe mich genau an, findest du,
dass ich wirklich wie ein Mensch aussehe. "
Ich sagte sofort: "Nein." Er war größer als die Menschen, die ich gesehen
hatte. Er hatte sehr große tiefliegende Augen und seine Haare wuchsen ihm
weit über die Schultern. Er schien so etwas wie ein Fell zu haben, dass
blau-silbrig glänzte. Sein Schädel war auffallend knöchern und wesentlich
ausgeprägter. Er hatte tiefe Augenhöhlen, sowie dicke Wülste an der Stirn.
Wenn man ihn von weitem sah, konnte man ihn gut mit einem Menschen
verwechseln, aber aus der Nähe sah er doch völlig anders aus. Ich fragte:
"Was bist du dann, wenn du kein Mensch bist ?"
Er: "Wir nennen uns Orioiten, unser Volk kommt nicht von diesem Planeten.
Siehst du dort...." Er zeigte nach oben in den Sternenhimmel, in eine
bestimmte Richtung.., "...dort sind wir Zuhause. Wir leben auf einem
Planeten, der ähnlich wie eurer ist. Unser Sternsystem heißt Orion"
Ich war sehr erstaunt, davon hatte ich noch nichts gehört, auch Mutter hatte
mir nie etwas davon erzählt. Für uns waren die Sterne immer nur funkelnde
Lichter, dass dort fremde Tiere leben sollten, hatte niemand geahnt. Ich war
mir nicht ganz sicher, ob er mich nicht verkohlen will und ich lachte
abfällig: "Ha ha ha, du scheinst dir mit mir einen Spaß machen zu wollen.
Doch, wenn ich auch ein Tiger bin, so bin ich doch nicht so dumm, dass ich
dir diese Geschichte glaube. Auf den Sternen kann niemand leben. Sie hängen
nur am Himmel und leuchten.."
Er fragte: "Das glaubst du ?"
"Ich weiß es !" sagte ich überzeugt.
Er schien wieder zu lächeln und sagte: "Du bist ein Tiger, du kannst es
nicht wissen, aber glaube mir ich belüge dich nicht, wir kommen von einem
anderen Planeten aus einem anderen Sonnensystem. Vielleicht wirst du es
einmal verstehen."
Ich war zwar nicht überzeugt, doch ich fragte sofort: "Und was wollt ihr
hier ?" Nicht nur, dass die Menschen hier auf der Erde immer mehr in unsere
Gebiete eindrangen und die Tiere vertrieben, jetzt kamen auch noch solche
blauen Geschöpfe aus dem Weltall und wollten vielleicht auch hier bleiben.
Er sagte: "Wir beobachten euren Planeten schon viele Jahrtausende und wir
haben festgestellt, dass es nicht sehr gut um ihn steht. Wir wissen welche
Probleme ihr Tiger habt und das auch die anderen Tiere bedroht sind."
Das war ja interessant, diese Wesen beobachteten also angeblich von den
Sternen aus unseren Planeten, den wir alle Erde nennen.



Irgendwie glaubte ich ihm immer noch nicht. Doch ich hatte mich an seine
Anwesenheit gewöhnt. Er war angenehmer als ein Mensch und er roch auch
wesentlich besser. Ich ließ ihn erzählen.
Er sagte, als hätte er meine Gedanken gelesen: "Du kannst mir glauben, wir
sind keine Menschen. Doch wir kennen sie und wir wissen, dass sie gefährlich
sind. Nicht für uns, aber für euch, für die anderen Tiere und für euren
gesamten Planeten. Sharka, ich glaube, du weißt nicht genug über die
Menschen, weil du nur wenige von ihnen gesehen hast. Ich will dir einiges
über sie erzählen...."
Ja, dieses Treffen mit diesem blauen Orioiten war sehr merkwürdig, doch es
sollte noch merkwürdiger werden. Ich hörte ihm zu und er erzählte.
Angeblich lebten die Menschen über die ganze Erde verteilt und beanspruchten
immer mehr Lebensraum für sich. Sie bauten seiner Meinung nach nicht nur
Dörfer, sondern riesige Städte, die jedes freie Stück Land verschlangen. Er
sagte, dass sie sich gegenseitig töten, was sie dann einen Krieg nannten.
Überall, wo man sie finden konnte, bauten sie riesige Gebäude oder
verunstalteten die Erdoberfläche.
Alles was er mir erzählte, ließ die Menschen in einem sehr schlechten Licht
erscheinen. Angeblich zerstörten sie Stück für Stück die Erde, die aber auch
ihr Zuhause war. Er sagte, dass die Orioiten Forschungen betrieben, um
dahinter zu kommen, was mit den Menschen eigentlich los war. Sie vermieden
es, wie wir Tiger, ihnen zu begegnen. Sie hatten zwar keine Angst vor ihnen,
doch er meinte, dass die Menschen verrückt werden könnten, wenn sie wüssten,
dass es auf den Sternen andere Lebewesen gibt und dann konnte keiner sagen
wie sie reagieren würden. Vielleicht würden sie versuchen dorthin zu kommen,
vielleicht würden sie aber auch die blauen Wesen töten wollen, um ihnen wie
den Tigern das Fell abzuziehen.
Alles was er mir über die Menschen erzählte, war mehr, als ich jemals in
einem Tigerleben über sie erfahren konnte. Er wusste sehr viel und um so
länger ich ihm zuhörte, um so glaubhafter erschien mir seine Geschichte.
Wenn ich ihn auch eine Zeit lang für einen Menschen gehalten hatte, so
wusste ich mit der Zeit, dass er ganz anders war. Er war tatsächlich kein
Mensch und so unglaublich es sich auch anhört, ich fand gefallen an ihm und
glaubte ihm.
Aber was wollten sie nun wirklich hier auf der Erde ?



Ich unterbrach ihn und sagte: "Du willst mir Angst machen ? Doch wofür ? Was
könnte ich, Sharka der Tiger, dagegen tun. Ich muss versuchen zu überleben
und kann nichts an den Handlungen der Menschen ändern."
Er nickte betroffen: "Ich weiß, doch deshalb sind wir hier. Wir wissen, dass
es nur noch einige Jahre dauern wird, bis die meisten der Tiere von eurem
Planeten verschwunden sind. Die Menschen werden bald sehr alleine auf diesem
Planeten sein. Wir denken anders als sie. Wir ehren die Natur, die ihre
eigenen Gesetze hat. Unser Planet ist mindestens genauso so schön wie eure
Erde einst war und wir wollen euch Tieren helfen."
Ich staunte nicht schlecht, als er das sagte, doch wie sollten sie uns
helfen können, wo sie doch soweit weg wohnten ?
Ich sagte: "Wer immer du auch bist...." Er unterbrach mich kurz und sagte:
"Habe ich dir meinen Namen noch nicht gesagt ? Man nennt mich Triid."
Ich redete weiter: "....ich glaube nicht, dass ihr etwas ändern könnt. Das
ist auch ein Gesetz der Natur, man kann die Dinge nicht aufhalten, die
geschehen sollen."
Triid erwiderte: "Ich wundere mich nicht, dass du als Tiger so etwas sagst,
denn du bist anders als wir. Wir denken ähnlich wie die Menschen über
gewisse Dinge und das Schicksal hat auch für uns eine andere Bedeutung. Wir
glauben an den Lauf der Dinge, doch wir wissen auch, dass es in unserer
Macht steht, Einfluss auf das Schicksal zu nehmen. Welche Ziele die Natur
auch verfolgte, als sie Menschen, Tiger, Orioiten und viele andere Lebewesen
erschaffen hat, sie war doch immer bemüht die guten Dinge zusammen zu
führen. Eigentlich sind auch wir beide Feinde. Du bist ein Jäger und ich
könnte deine Beute sein. Andersherum jagen auch wir Orioiten Tiere auf
unserem Planeten. Doch wir jagen nur Wenige und achten darauf, dass wir
ihnen nicht den Raum zum Leben stehlen. Wir ehren die Tiere unserer Welt. Du
würdest dich wundern, wie ähnlich unsere Tiere, den Tieren auf der Erde
sind. Natürlicher Weise sind wir Feinde, Fressfeinde, doch deshalb hasse ich
dich nicht und ich und mein Volk töten nicht einfach nur aus Gier und Lust,
wie es viele Menschen tun. Was ich dir damit sagen will ist, dass wir ein
Interesse daran haben die Tiere der Erde zu retten."
Ich musste mich am Kopf kratzen und überlegte, ob ich wirklich alles glauben
sollte. Doch Triid hinterließ großen Eindruck bei mir. Er schien mir sehr
weise und schlau.
Ich: "Dann sag mir wie ? Wie wollt ihr, wo ihr so fern von uns wohnt, uns
Tieren helfen ? Wollt ihr mit den Menschen, um die Vorherrschaft auf diesem
Planeten kämpfen ? Wollt ihr sie vertreiben ? Was könnt ihr schon tun ?"
Er: "In deinen Worten höre ich heraus, dass du mir glaubst und das du
verstanden hast, was ich meine. Ich will dir einen Beweis liefern. Komm mit
mir mit, ich werde dir eure Erde zeigen, wie du sie noch nie gesehen hast."
Ohne genau auf meine Frage zu antworten, drehte sich Triid um und ging
wieder unter den fliegenden Stern, der die ganze Zeit leise surrend, hinter
ihm über dem Erdboden schwebte. Ich war nicht sicher, ob ich ihm folgen
sollte. Zögernd kroch ich hinter der Baumwurzel hervor. Ich trabte langsam
hinter ihm her und beobachtete aufmerksam die Umgebung. Vielleicht war ja
alles nur ein Trick um mich zu fangen oder zu töten. Wer konnte es genau
wissen ?
Triid blieb unter dem Raumschiff stehen und sagte: "Komm in meine Nähe."
Wie immer siegte meine Neugierde und mein Mut über die Angst und über die
Vorsicht. Ich ging bis auf einen Meter an ihn heran und im nächsten
Augenblick lösten wir uns in einem Spiel von bunten Lichtern regelrecht auf.
Doch es war ein schönes Gefühl. Nicht einmal eine Sekunde später waren wir
wieder zu Fleisch und Blut geworden und wir befanden uns plötzlich in einem
großem Raum. Ich war misstrauisch und knurrte. Vielleicht war dies ja ein
Käfig für mich.



Triid war noch immer in meiner Nähe und um mich herum standen auf einmal
noch mehr Orioiten. Jeder hatte ein anderes Gesicht und eine andere
Körperstatur. Sie schienen mindestens genauso erstaunt wie ich.
Ich fragte aufgeregt: "Wo sind wir ? Was hat du mit mir gemacht ?"
Triid: "Wir sind im inneren unseres Raumschiffes."
Ich: "Was ? In dem Stern ? Wir sind in dem Stern ?"
Triid: "Ja."
Ich sah mich um. Noch nie hatte ich etwas ähnliches gesehen. Hier gab es
verschieden Dinge, die mich in Staunen versetzten. Überall an den Wänden
waren blinkende Lichter und es gab hier ein großes, eigenartiges Fenster, in
dem man Bilder von der Sonne sehen konnte. Der Boden war sehr glatt und
fühlte sich unter meinen Pfoten sehr hart an. Eigentlich verstand ich gar
nichts mehr, doch ich war neugierig. Ich fragte: "Was ist das, wohnt ihr
hier ? Wie könnt ihr in einem Stern leben und vor allem, wie habt ihr ihm
das Fliegen beigebracht.
Triid lachte: "Ich weiß, du hast bestimmt viele Fragen, doch eins nach dem
anderen. Ich will dir jetzt zuerst unsere Mission erklären und dazu möchte
ich dir noch mehr über die Menschen erzählen."
Triid wendete sich kurz von mir ab und redete zu seinen Artgenossen. Sie
sprachen eine Sprache, die ich nicht verstehen konnte. Doch nachdem er etwas
gesagt hatte, schienen die Anderen seine Befehle auszuführen. Plötzlich
wechselte das Bild in dem großem Fenster, was wohl nur ein Bildschirm war,
wie man mir später erklärte. Es war, als würde ich durch dieses Fenster nach
draußen schauen. Ich erkannte den Baum, wo wir noch vor Minuten gestanden
hatten, doch dann konnte ich plötzlich von oben auf den Wald blicken. Wir
flogen.
Der Stern hatte sich bewegt, doch hier drinnen merkte man nichts davon.
Durch das Fenster konnte ich jedoch erkennen wie wir davonflogen. Höher,
immer höher und ich konnte das Erstemal über unser riesiges Land blicken,
was die Menschen Indien nennen. Es war wunderbar, ich hätte nie gedacht,
dass unsere Erde eine Kugel ist. Man kann es sich von unten nur schwer
vorstellen. Doch von hier oben sah man es genau. Ich weiß nicht, wie hoch
wir geflogen sind, doch die Erde erschien mir nicht mehr größer als ein
Elefantenkopf. Triid stellte sich vor das Fenster und zeigte mit einem
Lichtstrahl auf das Bild der Erde, er sagte: " Siehst du dort unten waren
wir, das ist dein Planet. Hier erkennst du die Gebiete wo Wald auf eurem
Planeten ist...." Einige Flecken auf dem Bild leuchteten grün auf. "...Hier
das blaue, das ist alles Wasser, die Ozeane, Meere, Seen und Flüsse." Ich
war erstaunt, ich hätte nie gedacht, dass es so viel Wasser gibt, wo man es
im Dschungel doch so oft suchen muss.
Er zeigte mit seinem Lichtstrahl über verschiedene Gebiete der Erde und er
erzählte mir, wo überall Menschen leben und wo sie schon sämtliche Tiere
vertrieben hatten. Dann zeigte er in dem Fenster ein anderes Bild der Erde.
Er sagte, dass man diese Bildaufnahme vor gut zweitausend Jahren gemacht
hatte. Selbst ein weniger intelligenter Tiger oder sogar ein Faultier hätte
verstehen und erkennen können, dass es auf der Erde einmal vielmehr Wald
gegeben hatte. Triid erklärte mir, wie stark sich die Menschen vermehrt
hatten und sagte, dass auch die riesigen Gewässer schon schwer beschädigt
worden sind. Sie waren verdreckt und auch die Fische waren vom Aussterben
bedroht.
Wieder wechselte das Bild in dem Fenster. Anscheinend waren wir der Erde
wieder etwas näher. Jetzt konnte man genauer Berge und auch Flüsse und Seen
erkennen. Ich sah auch hell erleuchtete Stellen. Triid ließ den Stern in der
Luft anhalten und erklärte mir, dass die beleuchteten Stellen Städte sind.
Dort leben Millionen von Menschen. Er zeigte mir ihre Straßen, die kreuz und
quer durch alle Länder verliefen und er zeigte mir komisch aussehende
Gebäude, die die Menschen gebaut hatten und er erklärte mir dazu, dass diese
Gebäude für alle Lebewesen gefährlich sind. Die Menschen nannten sie
Atomkraftwerke.
Dann flogen wir in einem Augenblick auf die andere Seite der Erde, wo sich
um diese Zeit auch die Sonne befand. Hier war Tag.



Triid hatte mir mit wenigen Worten verständlich gemacht, dass die Erde eine
Kugel ist und dass sie sich dreht, was mir neu war, aber ich hatte mich auch
noch nie danach gefragt. Er erklärte mir, dass die Sonne immer an der
gleichen Stelle steht und unsere Erde sich um sich selbst und um die Sonne
dreht, dadurch liegt immer eine Hälfte im eigenen Schatten, dort ist dann
Nacht. Ich habe es nach etwas Nachdenken kapiert und erklärte es später Mia
und Moa mit einer Zitrone und einer Nuss. Endlich wusste ich, warum es den
Tag und die Nacht gibt.
In der kurzen Zeit mit Triid hatte ich sehr viel gelernt. Doch was sollte
das alles ? Vielleicht träumte ich das auch nur. Ich habe mir kurz in die
Unterlippe gebissen, um festzustellen, ob ich wirklich wach bin. Ja, ich war
wach.
Ich fragte ihn: "Triid was willst du, wie kann ich euch helfen ? Mich bringt
das alles Durcheinander. Menschen, Orioiten, Kriege, Umweltverschmutzung,
was soll ich mit all diesen Begriffen anfangen. Ich bin doch nur ein Tiger
und möchte nichts anderes, als in Ruhe in meinem Land leben."
Triid: "Ich kann dich gut verstehen. Doch glaube mir, es ist allerhöchste
Zeit. Wenn ihr überleben wollt, dann muss ein Wunder geschehen. Und nur
deshalb hat sich mein Volk dazu entschlossen in euer Schicksal einzugreifen.
Unsere Mission sieht vor, so viele Tiere wie möglich einzufangen, um sie
dann mit zu unserem Planeten zu nehmen. Auf ihm werden die Tiere wesentlich
bessere Lebensbedingungen vorfinden. Wir Orioiten und auch die Tiere unseres
Planeten, sind euch eigentlich sehr ähnlich. Die Atmosphäre ist wie bei euch
mit Sauerstoff gefüllt, es gibt Wasser und eine üppige Vegetation, die die
der Erde noch um einiges übertrifft. Natürlich werdet ihr auch dort Gefahren
begegnen, denn auch bei uns herrschen die Naturgesetze. Wir Orioiten leben
auch in Städten und in sehr großen Gemeinschaften, wie die Menschen, doch
wir haben es gelernt mit sehr wenig auszukommen und wir schwören darauf, die
Natur so wenig wie möglich zu belasten. Mein Volk hat es trotz seiner
natürlichen Einfachheit geschafft sich technologisch weiterzuentwickeln und
wir wissen, dass die Menschen uns in dieser Hinsicht weit unterlegen sind.
Wir fürchten sie nicht. Noch nicht !
Aber keiner kann genau vorhersagen, wo es mit ihnen hingehen wird.
Vielleicht werden sie sich selbst vernichten, gegenseitig."
Mich traf der Schlag. Triid hatte wirklich vor, Tiere mit zu den Sternen zu
nehmen. Er war verrückt, aber es war sowieso alles sehr komisch. Wer hätte
schon geahnt, dass man dort oben auf den Sternen leben kann ? .....Ehrlich
gesagt ist es nicht ganz richtig, wenn man oben sagt, denn im Universum gibt
es kein oben und unten..... Ich fragte mich sofort, ob ich selbst freiwillig
mitgehen würde. Ja, nein, ja, nein, ja,...aber nicht ohne meine Schwestern
und meine Mutter, so viel war klar.
Ich sagte: "Glaubst du wirklich, dass die Tiere euch folgen wollen ?"
Triid: "Wie du schon gemerkt hast, kann ich mich mit dir verständigen. Ich
kann mich aber auch mit anderen Tieren verständigen, jede Art hat ihre
eigene Sprache und es gibt Intelligente und weniger Intelligente..." Ich
dachte sofort an die dummen Faultiere, von denen auch nur noch wenige
existieren, "....doch alle Arten können sich irgendwie ausdrücken. Wir
werden es auf jeden Fall versuchen. Dabei kannst du uns helfen."
Ich fragte sofort: "Denkst du ich könnte mit ihnen reden ? Sie würden alle
Hals über Kopf flüchten, denn ich bin ein Tiger. Außerdem glaube ich, kann
ich sie nicht richtig verstehen. Sie reden komisches Zeug, über Blätter,
Gräser und was weiß ich noch."
Triid: "Es reicht wenn du mit den Tigern redest. Die Nachricht wird sich
schnell verbreiten. Wir werden sehen wie viele sich am Treffpunkt einfinden
werden. Mein Volk hat mehrere Raumschiffe, die die Erde umkreisen und sie
werden in den verschiedenen Ländern der Erde landen und dort auch Tiere
aufnehmen."
Ich fragte erstaunt: "Wie viele Tiere gibt es denn auf der Erde ?" Ich hatte
nie daran gedacht, dass diese Kugel größer ist, als das Gebiet was ich
bisher im Dschungel durchstreift hatte.
Triid: "Es sind einige Millionen. Alle werden wir nicht transportieren
können, aber ich denke auch, dass es einige gibt, die lieber hier bleiben
wollen, egal ob sie uns glauben, was wir über die Menschen wissen oder
nicht. Wie sieht es mit dir aus Sharka, wirst du uns folgen und zu unserem
Planeten mitkommen ?"
Ich konnte noch keine endgültige Antwort geben, ich sagte: "Ich weiß es
nicht. Ich kann mir das Eine wie das Andere vorstellen, allerdings muss ich
zugeben, es reizt mich mit zu den Sternen zu fliegen, doch ich werde niemals
meine Schwestern und meine Mutter allein zurücklassen. Ehrlich gesagt, ich
glaube, dass es schwer sein wird, die anderen Tiere von der Notwendigkeit zu
überzeugen, die Erde zu verlassen. Ihr könnt ihnen nicht allen erklären, was
du mir über die Menschen und unsere Erde erklärt hast. Ich glaube, sie
lieben die Erde und werden sich nur schwer von ihr trennen können."
Triid sagte nachdenklich: "Weißt du Sharka, ich hoffe darauf, dass sie
darauf vertrauen, wie ihr Tiger euch entscheiden werdet. Wenn du es den
Tigern erklären kannst und sie kommen mit uns, dann werden auch andere Tiere
folgen. Und ich muss dir gleich dazu sagen, an Bord unseres Raumschiffes
werden keine Tiere gejagt und auch ihr Tiger habt euch ruhig zu verhalten.
Keine Streitereien !"
Ich musste lächeln, er kannte uns Tiger sehr genau.



Während die Bilder auf dem großen Fenster ständig wechselten und
verschiedene Aufnahmen der Erdoberfläche zeigten, flogen wir jetzt etwas
langsamer als vorhin, zurück in die Region wo ich hergekommen war. Triid
verabschiedete mich und sagte mir den Termin, wann die Orioiten wieder
auftauchen würden. Dann sollten sich dort die Tiere, die mit zu den Sternen
kommen wollen, einfinden.
Noch hatte ich gar nicht richtig verstanden, wie viel Verantwortung nun auf
mir lastete. Denn ich musste nun erst einmal meine Mutter, meine Schwestern,
ja und dann noch andere Tiger von der Geschichte überzeugen.
Triid verabschiedete mich und es war komisch, ich hatte das Erstemal das
Gefühl einen Freund zu verabschieden. Wir Tiger sind Einzelgänger und haben
selten richtige Freunde. Wir haben aber auch wenig Zeit für Freunde, denn
wir sind ständig im Dschungel unterwegs.
Als sie mich wieder auf die Erde brachten, (die Orioiten nennen das beamen.
Für einen kurzen Augenblick spürt man seinen Körper gar nicht mehr, als wäre
man eine Wolke), wusste ich sofort, wo ich war. Ich kannte das Gebiet genau.
Jetzt musste ich schnell meine Mutter finden. Ob sie mir diese Geschichte
wohl glauben würde ?
Ich brauchte die ganze Nacht, um in ihre Nähe zu kommen, dann hatte ich ihre
Witterung aufgenommen. Ich musste vorsichtig sein, denn es konnte auch ein
anderer Tiger in diesem Gebiet sein. Mutter hatte kein eigenes Revier. Sie
war überall Zuhause. Ich war aufgeregt und überlegte hin und her, wie ich
wohl am besten anfangen könnte. Dann fragte ich mich wieder, ob ich denn
selbst wirklich mitfliegen will. Wie ich auch überlegte, im nächsten Moment
dachte ich wieder anders darüber.
Plötzlich sprang mir ein Tiger in den Weg. Ich hatte ihn noch nie gesehen,
aber was noch schlimmer war, ich hatte ihn gar nicht bemerkt, weil ich
soviel nachgedacht habe. Er schien sehr wütend zu sein. Denn er stand sofort
in Angriffsstellung und fauchte mir wild entgegen. Das Beste ist in diesem
Fall erst einmal mitzufauchen um Eindruck zu schinden. Also brüllte ich auch
laut los und stellte mich in eine typische Tigerangriffsposition. Ganz
sicher war ich ja nicht, ob er mich nicht sofort angreifen würde.
Wir Tiger sind beim Angriff meist sehr entschlossen und fackeln nicht lange,
doch er blieb stehen und fauchte nur weiter. Seine Ohren waren angelegt.
Ich setzte mich und hob drohend eine meiner Tatzen. Das war nun typisch
Tigersprache. Damit habe ich ihm gezeigt, dass ich nicht unbedingt kämpfen
will, aber auch keine Angst habe, denn ich fauchte und sträubte meine
Nackenhaare. Ich legte aber keineswegs meine Ohren an. Das würde bedeuten,
dass ich ihn gleich angreifen will.
Mein Gegner hörte kurz auf zu brüllen und sagte laut: "Was willst du hier ?
Das ist mein Revier, ich bin Farid. Mach dich besser schnell weg aus diesem
Gebiet hier, sonst wirst du meine Krallen zu spüren kriegen."
Ich sagte selbstsicher: "Ich bin Sharka, geh mir aus dem Weg, ich will dein
Gebiet nur durchqueren, dann wirst du mich nie wieder sehen."
Farid: "Was du halbe Portion, du willst, dass ich den Weg für dich
freimache. .....Hahahahaha." Er lachte angeberisch und setzte sich einfach
provozierend in den Weg.
Wenn ich jetzt nicht aufpasste, würde ich allen Respekt verlieren. Jetzt
müsste ich ihn energisch angreifen, damit er wieder aufsteht. Eigentlich
hatte ich viel zu wenig Erfahrung für so einen Kampf mit dem älteren Farid
und außerdem hatte ich wirklich andere Probleme in meinem Kopf. Also musste
ich es auf eine andere Tour versuchen, ich sagte: "Farid, du bist viel
stärker als ich, nun lass mich doch einfach durchlaufen, ich suche meine
Mutter, ich habe sie seit Wochen nicht gesehen."
Farids Stimme wurde sehr freundlich, er schien zu lächeln: "Na dann ist gut.
Komm her, du kannst an mir vorbeilaufen."
Das war Klasse, ich wurde nicht weiter aufgehalten. Ich trabte los und
schlängelte mich dicht an ihm vorbei, aber ich achtete darauf, dass ich ihn
nicht einmal mit einem Fellhaar von mir berühre. Tigermänner waren in dieser
Sache sehr komisch. Er blieb still sitzen.
Ich war kaum an ihm vorbei, da bekam ich von hinten einen verdammt harten
Tatzenschlag auf meinen Hinterkopf. Diesmal konnte ich auch am Tag die
Sterne sehen und ich wäre beinahe zusammengebrochen. Farid war stark und
anscheinend sehr hinterlistig, er hätte mich jetzt sofort ins Genick beißen
können.
Doch im nächsten Augenblick kam meine Mutter aus dem Gebüsch gesprungen und
brüllte Farid an. Und nicht nur das, als aller erstes bekam er gleich einen
kurzen Prankenhieb auf seine Nase. Ich glaube ihm sind gleich die Tränen in
die Augen gestiegen. Mutter brüllte: "Ich habe euch genau beobachtet, du
hast Sharka angelogen, du hinterlistiger Kerl."
Farid stammelte: "Das war doch nur Spaß."
Mutter: "Deine Späße kenne ich. Das ist mein Sohn, du hättest ihn beinahe
totgeschlagen."
Farid: "Was hat er hier auch zu suchen ?"
Nanu: "Er sucht seine Mutter. Wie geht es dir Sharka ?"
Ich sagte benommen: "Es geht noch. Ist das dein neuer Freund ? Dann brauchst
du ja keine Angst zu haben, er hat einen kräftigen Prankenhieb."
Sie lächelte. Ich rappelte mich auf und begann ihr meine unglaubliche
Geschichte zu erzählen.



Meine Mutter hörte mir geduldig zu und stellte keine Fragen. Als ich am Ende
war, sagte sie kurz entschlossen: "Wir sollten mitfliegen."
Ich war sehr überrascht, damit hatte ich am wenigsten gerechnet. Doch Mutter
wusste auch ohne die Orioiten genug über den Zustand der Erde und dem
unseres Volkes. Sie brauchte keine Bilder, um zu verstehen, wie die Menschen
die Erde verändert hatten.
Ich flüsterte ihr herüber: "Und was ist mit ihm ?" Ich nickte kurz mit dem
Kopf in Farids Richtung, der sich gemütlich unter einen Strauch gelegt hatte
und seine Pranke leckte, die er mir gerade über den Kopf gezogen hatte.
Mutter sagte spontan: "Den nehmen wir mit."
Das konnte ja heiter werden. Doch meine Mission begann erfolgreich. Die
ersten Gespräche und schon hatte ich die ersten Mitreisenden. Zum Glück
hatte ich nicht die Aufgabe Farid die Geschichte zu unterbreiten das musste
schon Mutter übernehmen. So wie sie Farid zurecht gerückt hatte, würde sie
bestimmt keine Probleme damit haben, ihn zu überzeugen. Ich fragte sie nach
Mia und Moa und sie erzählte mir, dass Mia sehr krank war. Moa hatte sie
schon mehrere Wochen nicht mehr gesehen. Sie war immer noch allein, obwohl
sie schon längst einen Tigermann haben müsste. Doch weiter südlich gab es
kaum noch männliche Tiger.
Aber wo waren die Beiden im Augenblick. Sie wusste es nicht. Es konnte sehr
lange dauern, bis ich meine Schwestern finden würde. Mia war vielleicht in
der Nähe, denn sie besuchte Mutter hin und wieder, um sich in den gewissen
Tigerfrauenfragen beraten zu lassen. Aber sie war krank, dass hörte sich
nicht gut an.
Ich hatte Mutter gesagt, wann denn die Orioiten am Berg landen würden und
sie gebeten möglichst vielen Tigern davon zu erzählen. Sie würde ihr Bestes
tun. Ich brach sofort wieder auf. Ich blickte noch kurz zu Farid rüber und
sagte provozierend: "Auf wiedersehen." Er wusste noch nichts von seinem
Glück. Er sah nur mit einem nichtssagendem Blick zu mir rüber.
Ich hetzte durch den Dschungel, denn ich musste mich entspannen und wenn ich
renne, dann kann ich mich sehr gut entspannen. Ein kleiner Fluss, ein Sprung
hinein, ....schwimmen, ....raus und weiter. Mit ein bisschen Glück könnte
ich Mia schnell gefunden haben.
Als ich mich etwas verschnaufte und über einen umgestürzten Baumstamm
kletterte, hörte ich von irgendwoher ein leises Röcheln. Es war nicht so
einfach dieses Geräusch in dem Geschrei einiger aufgeregter Vögel
herauszuhören. Wo kam das her ? Ich blieb stehen, dann sprang ich vom
Baumstamm und unter ihm in einer Erdhöhle lag Mia, meine Schwester. Bis
dahin hatte ich noch nie so einen kranken Tiger gesehen. Sie war schlank wie
ein Reh, man sah ihre Knochen unter dem struppigen Fell hervorstehen und
ihre Augen waren sehr tief. Sie konnte wohl schlecht atmen.
Ich sagte: "Mia, was ist los mit dir?" Sie hatte mich nicht einmal bemerkt.
Sie hob langsam ihren Kopf und flüsterte: "Sharka bist du das. Ich kann
nicht mehr richtig sehen. Ich weiß nicht, wie ich so krank geworden bin. Ich
wurde auf einmal immer schwächer. Mein Bauch schmerzt."
Ich: "Wie lange hast du schon nichts mehr gegessen."
Mia: "Ich weiß nicht."
Sie konnte in diesem Zustand auch nicht jagen und wenn man als Tiger nicht
jagen kann, dann kann man auch nicht fressen, man wird also bald verhungern.
Ich redete jetzt nicht mehr, sondern verschwand sofort im Wald um etwas zu
jagen. Mia musste fressen, nur dann hatte sie eine Chance. Bei allem was ich
bei den Orioiten gesehen hatte, vielleicht waren sie in der Lage Mia zu
helfen, doch bis es soweit war, würden noch viele Tage vergehen.
Heute hatte ich sehr viel Glück, ich konnte einen alten Hirsch erlegen. Er
hatte mich weder gehört, noch gesehen. Ich erwischte ihn mit einem
Tatzenschlag. Er fiel um und war tot, dann schleppte ich ihn zu Mia, die
unter dem Baumstamm lag. Normalerweise helfen wir uns Tiger nicht
gegenseitig bei der Jagd, doch ich musste Mia helfen.
Ich brauchte mehrere Tage, bis sie etwas zu sich kam und ich mich wieder mit
ihr unterhalten konnte. Dann erzählte ich ihr alles und wir redeten darüber,
wie wir als Kinder von den Sternen träumten. Mia blieb aber weiterhin krank
und zu schwach, um von hier zu verschwinden. Ich habe sie in dieser
Situation nur ungern verlassen. Ich musste aber weiter, noch hatte ich nicht
viel erreicht. Mia sagte mir in welchem Gebiet sich noch einige andere Tiger
aufhielten. Das war die schwierigste Aufgabe, die auf mich zukam, denn mit
fremden Tigern hat man es nicht so einfach.
Ich machte mich auf den Weg.



Nach zwei Tagen kam ich an einen See, den ich noch von früher kannte. Von
weitem sah ich schon einen Tiger, der still und starr im flachen Wasser
stand und die Wasseroberfläche beobachtete. Vielleicht wollte er Fische
fangen. Was heißt, er, es war eine Sie. Sie war nicht viel älter als ich.
Als ich näher kam beobachtete sie mich aufmerksam. Ich sagte: "Hallo, willst
du Fische fangen ?"
Sie antwortete frech: "Kennst du einen Tiger, der je einen Fisch gefangen
hätte ?"
Darauf konnte ich erst mal nichts mehr sagen. Ich ging zu ihr herüber, aber
ich achtete darauf meinen Kopf tief zu halten, was ihr meine Unterwürfigkeit
zeigen sollte. Ich ging auch ins flache Wasser, wartete einen Augenblick und
dann schlug ich zu. Es spritzte bis zu ihr herüber und sie schüttelte sich.
Als das Wasser sich wieder beruhigt hatte, brauchte ich nur noch den im
Wasser treibenden Fisch mit meinem Maul rausholen. Er war von meinem
Tatzenschlag völlig benommen und konnte sich nicht mehr bewegen. Ich sagte:
"Siehst du, es geht." Ich war stolz, dass das so gut geklappt hat. Ja, ich
bin Sharka ! Ein guter Jäger und ein guter Fischer.
Sie sagte abwertend: "Du Angeber, das war Glück, hier gibt es ja auch genug
Fische, man kann sie ja kaum verfehlen, wenn man so große Tatzen hat, wie
du."
Das schmeichelte mir, ich sagte: "Wie heißt du ? Ich bin Sharka, ich würde
dir gerne wichtige Dinge erzählen, wenn du Zeit hast mir zuzuhören."
Sie sagte: "Man nennt mich Sira, was willst du mir erzählen, was mein Leben
verändern könnte. Sei doch ehrlich, du willst mich nur kennen lernen. Ihr
Brüder habt doch immer neue Tricks, um euch an uns Tigerinnen ranzumachen."
Ich entgegnete: "Nein, glaub mir, das was ich dir zu erzählen habe, könnte
dein Leben völlig verändern. Du kannst mir auch helfen, andere Tiger davon
zu unterrichten." Sira gefiel mir sehr gut, am liebsten hätte ich mich mal
an ihr Fell angeschmiegt, aber ich musste mich zurückhalten.
Sira: "Na ja, du bist ja eigentlich sehr nett, ich habe schon andere kennen
gelernt. Also erzähl mir was du willst."
Ich fing an zu berichten. Komischer Weise hatte sie die gleiche Neigung wie
Mutter, nicht eine einzige Zwischenfrage zu stellen. Sie hörte geduldig zu
und in ihren Augen sah ich das blanke Erstaunen. Anscheinend wirkte meine
Geschichte. Ich achtete darauf, dass ich nicht allzu viel dazu dichtete, was
mir nicht immer leicht fiel. Aber eigentlich war die wahre Geschichte schon
spannend und wunderlich genug.
Jetzt kam ich zum Ende und ich war gespannt, wie sie reagieren würde. Sira
sagte: "Du bist ja ein verrückter Spinner, aber deine Geschichte ist gut.
Sie gefällt mir. Komm lass uns noch Fische jagen. Du kannst es mir
beibringen."
Sie hatte anscheinend nichts verstanden und sie glaubte mir nicht. Ich war
enttäuscht, wo es doch so aussah, als ob sie mich verstanden hätte. Ich
sagte: "Sira, glaub mir, dass ist wichtig, denn das stimmt alles."
Sira dachte anders darüber und sagte: "Ja, ja. Wie sollen Sterne fliegen?
Erkläre mir das. Warum sehen die Orioiten nicht aus wie wir, wenn sie unsere
Sprache sprechen. Ich glaube du hast Angstträume, du träumst von den
Menschen, sie erscheinen dir als Geister. Du solltest dich etwas entspannen.
Vielleicht will ich deine Freundin werden, dann geht es dir bestimmt etwas
besser. Du warst wahrscheinlich zu lange allein."



Sira hatte mich falsch verstanden, aber andererseits, ich hätte nicht
vermutet, dass ich so schnell eine Freundin finden würde, noch dazu eine,
die mir so gut gefiel. Ja, ich war schon jetzt verliebt, aber anscheinend
war sie das auch.
Ich erzählte jetzt nicht weiter über meine Begegnung mit den Orioiten. Erst
am nächsten Tag fing ich noch einmal an. Wir hatten uns schon gut kennen
gelernt und die ganze Nacht über unsere Jugend geredet. Eigentlich müsste
sie gemerkt haben, dass ich kein Lügner bin.
Als ich ihr nun noch einmal alles erzählte, sagte sie zu mir, dass sie auch
darüber nachgedacht hatte. Es gab kaum noch Platz für Tiger und andere
Tiere. Ihre Mutter wurde abgeschossen und ihre Brüder hatten schon die
Jugend nicht überlebt. Sira sagte, dass selbst, wenn meine Geschichte nicht
zutreffen würde, sie mir verzeihen könnte, weil ich sie so besonders gut
erzählt hatte. Sira glaubte mir, obwohl sie sagte, diese Geschichte sei
unglaublich.
Alles in allem war sie die Vierte, die ich überzeugen konnte und sie
versprach mich mit zwei Tigermännchen bekannt zu machen, die nicht so
streitlustig waren und mit denen ich reden könnte.
Was soll ich euch sagen, nach tagelangen Wanderungen hatte sich die
Nachricht über die Orioiten und ihre eigenartige Mission überall im
Dschungel herumgesprochen. Nicht nur die Tiger wussten Bescheid, sondern
alle Tiere des Waldes. Überall diskutierte man das für und wieder einer
solchen Reise zu einem fremden Planeten.
Jedes Tier liebte unsere Erde, doch was konnte es nützen, wenn die Menschen
keine Rücksicht darauf nahmen. Alles was der Orioit mir erzählt hatte, hörte
sich danach an, dass die Tiere eine Chance hätten, auf einer anderen Erde,
ein neues Zuhause zu finden. Doch die Entscheidung fiel schwer.
Vielleicht lag es daran, dass ich persönlich den anderen Tigern die
Geschichte aus erster Hand erzählt hatte, ohne zu lügen und alles
wahrheitsgetreu. Ich hatte tatsächlich viele beeindruckt. Als die anderen
Tiere von den Auswanderungsplänen der Tiger hörten, freuten sich einige,
doch als sie besser hinhörten, bemerkten sie worum es eigentlich ging.
Um so mehr sie alle darüber nachdachten, um so mehr stimmten viele
verschiedene Tierarten den Berichten der Orioiten zu. Gerade die Vögel, die
sehr viele Verwandte auf der ganzen Welt haben, konnten ihre Angaben über
den Zustand der Erde nur bestätigen. Sie stimmten den Beschreibungen über
die veränderten Landschaften zu, denn sie hatten die Welt von oben
betrachten können.
Sharka konnte stolz sein. Er hatte den ganzen indischen Dschungel
unterrichtet. Er fragte sich, ob alles reibungslos verlaufen würde ?
Wie viele Tiere würden sich nun dort wirklich einfinden, um die Erde zu
verlassen ?



Zwischen Sharka und Sira war eine gute Freundschaft entstanden. Sie war
unterwegs zu Mia und wollte ihr helfen, während Sharka noch durch das Land
streifte und nach Moa suchte.
Seit Tagen redeten alle Tiere des Waldes nur noch über die Außerirdischen.
Jede Tierart hatte ihre eigenen besonderen Argumente für und wider diese
Reise ohne Wiederkehr. Außerdem hatte jedes einzelne Tier noch seine private
Meinung darüber, warum man die Erde verlassen sollte oder warum nicht. Jeder
versuchte seine Standpunkte zu vertreten und die meisten Tiere hatten eine
gewisse Angst die Erde zu verlassen. Jede Tierart hatte die Handlungsweisen
der Menschen schon einmal zu spüren bekommen, denn das Waldsterben und das
unkontrollierbare Jagen der Menschen betraf alle Tiere. Aber sie konnten
sich kaum vorstellen, wie es bei den Orioiten aussehen sollte.
Die Vögel hatten die Aussagen Sharkas bestätigt, denn sie waren weltweit
unterwegs und konnten aus den Lüften gut beobachten, wie die Menschen sich
über die Erde verteilten, wo sie überall ihre Bauwerke hingesetzt hatten.
Doch nicht alle Tiere des Erdbodens glaubten ihnen. Erst, als man die
Familie der Adler in diese Geschichte einbezogen hatte, die nun wirklich die
Herren der Lüfte waren und die schwer um ihre Existenz zu kämpfen hatten,
begann eine Völkerwanderung zum verabredeten Treffpunkt.
Die Tiger waren die Ersten die zum Treffpunkt aufbrachen. Nicht alle
verließen den Dschungel. Doch viele kamen auch weit aus dem Süden Indiens
und aus anderen Ländern Asiens.
Es war sehr wichtig, dass alles reibungslos verlief und die Raubtiere
hielten sich strikt an die Abmachung, keines der wandernden Tiere
anzugreifen. Von oben überwachten die Adler die Wanderung der Tiere und
spielten so etwas wie die Polizei, denn sie achteten darauf, dass es keinen
Streit gab und niemand den Treffpunkt verfehlte.
Kein Mensch war in der Lage zu verstehen, was im Wald vor sich ging.
Nur noch einige Tage, dann würden die Orioiten wiederkommen. Sharka wurde
immer aufgeregter. Was wäre wenn sie nicht kommen würden ? Manchmal fragte
er sich, ob es nicht doch alles nur ein Traum gewesen war. Man würde ihn
auslachen oder...vielleicht würden die anderen Tiere ihn aus dem Dschungel
vertreiben.
Nein, ....alles war Wirklichkeit.
Sharka hatte es mit Siras Hilfe geschafft, seine Schwester Mia wieder soweit
aufzupäppeln, dass sie bis in die Nähe des Treffpunkts laufen konnte. Doch
er war auf die Hilfe der Orioiten angewiesen, sie mussten für Mia eine
Extrakurve fliegen. Sharka vertraute darauf, dass Triid und die Orioiten Mia
helfen könnten.
Hirsche, Rehe, Springböcke, Wildschweine, Stachelschweine, Berglöwen, Affen,
Vögel, Schlangen, Eidechsen, Insekten und viele andere
Tierarten.........trafen am Treffpunkt aufeinander. Es war ein sehr
besonderes Erlebnis. Normalerweise misstrauten die verschiedenen Tiere sich,
doch hier lagerten sie zusammen auf engstem Raum.
Sharkas Mutter hatte Farid ohne Probleme überreden können, doch er war ein
echter Brubbelkopf und hatte alle möglichen Argumente gegen diese Reise. Er
sagte, dass diese Orioiten nur verkleidete Menschen seien, die alle Tiere
des Waldes auf einmal fangen wollen.
Doch er war mutig und hatte sich selber zum Aufpasser der Schwachen
gemacht. Vor allem überwachte er die Krokodile, dass sie nicht ein einziges
Tier angriffen. Gerade die Krokodile hatten eine Diskussion ausgelöst. Denn
viele Tiere, die an den Gewässern lebten, konnten sich nicht vorstellen, mit
ihnen zusammen zu treffen. Sie hatten Angst und Farid liebte sie auch nicht
besonders. Auch er war als Kind von einem Krokodil angefallen worden und war
nur knapp dem Tod entronnen.
Die meisten Krokodile standen der ganzen Sache ziemlich gleichgültig
gegenüber. Sie lebten schon Millionen von Jahren auf der Erde und sie sahen
kein Grund den Planeten zu verlassen. Die Adler berichteten ihnen von den
Krokodilen, die auf anderen Erdteilen lebten, wie in Afrika, Australien oder
Amerika. Sie würden alle auf dem Planeten der Orioiten zusammentreffen. Nur
wenige Krokodile verlockte die Aussicht, so ferne Verwandte zu treffen. Aber
die alten riesigen Krokodile, die die meiste Erfahrung hatten, sahen jedoch
etwas sehr gutes in der Möglichkeit, die Erde zu verlassen. Sie glaubten
auch der Erzählung Sharkas und wussten, dass die Menschen Jahr für Jahr die
Welt veränderten. Sie rieten den jüngeren Krokodilen mitzufliegen und in
eine neue Welt aufzubrechen.
Bemerkenswert war auch das Verhalten der Elefanten. Nachdem man sie
eingeweiht hatte, ging die Nachricht noch schneller als ein Feuer durchs
Land. Sie trompeteten alles durch die Welt. In Indien gab es nicht mehr
viele frei lebende Elefanten. Die meisten waren schon über Generationen zu
Arbeitstieren für die Menschen geworden. Sie wohnten bei den Menschen und
waren angekettet.
Doch auch sie liebten ihre Freiheit und es gab eine Elefantenrevolte. Die
Menschen waren erstaunt und wunderten sich über die Elefanten, die sich von
ihren Ketten losrissen und in den Dschungel flüchteten.
Ihr könnt euch ja vorstellen, dass es nicht so einfach für einen Elefanten
ist, sich in einem immer kleiner werdenden Dschungel zu verstecken. Die
Menschen machten auch Jagd auf sie. Die Elefanten waren sehr gläubige Tiere
und sie dachten viel über das Leben nach. Deshalb glaubten sie auch, dass es
Leben auf den Sternen geben könnte. Fast alle frei lebenden Elefanten waren
bereit die Erde zu verlassen.



Dann kam endlich die Nacht an dessen Abend die Orioiten landen wollten. Am
Treffpunkt hatten sich Tausende Tiere eingefunden. Sie blieben in Gruppen
beieinander und jedes wurde immer aufgeregter. Noch immer diskutierte man
darüber, ob es wirklich klug war, die Erde zu verlassen.
In den Lüften schwebten die Adler und überwachten alles. Sie beobachteten
auch die naheliegenden Menschensiedlungen. Doch bis jetzt sah es so aus, als
ob die Menschen es noch nicht verstanden hatten, was hier los war.
Sharka redete mit seiner Mutter über Mia. Sie war sehr besorgt, doch Sharka
machte ihr Mut und sagte ihr, dass Triid Mia helfen wird. Die anderen Tiger
verhielten sich ruhig. Der Einzige, der aufgeregt umherlief war Mamas Freund
Farid. Er erzählte allen anderen Tigern viele Dinge über die Orioiten, die
er gar nicht wissen konnte. Farids Phantasie war mit ihm durchgegangen, er
erzählte über den Planeten der Orioiten, als wäre er schon einmal dort
gewesen. Er beschrieb ihren Planeten in den höchsten Tönen und alle Tiger
hörten ihm gespannt zu. Sharka musste über ihn lachen, aber er konnte ihn
gut leiden und Farid war so was wie ein Freund geworden. Sie redeten viel
miteinander, was bei Tigern nicht sehr üblich ist.
Wenn er auch ein Raufbold war, so hatte er doch ein freundliches Wesen. Mit
jedem Tag, mit dem die Landung näher kam, steigerten sich Farids
Vorstellungen von dem neuen Planeten. Er war ein Abenteurer und er war mit
Sicherheit von allen Tigern Indiens am weitesten durch das Land gestreift.
Farid war neugierig und hatte sich von Sharka über jede Sekunde des
Zusammentreffens mit Triid berichten lassen.
Alles in allem herrschte am Treffpunkt eine aufgeregte aber friedliche
Stimmung unter den Tieren. Dann ging endlich die Sonne unter. Es wurde
dunkel und mit dem Verschwinden des Tageslichts, sah man die Köpfe der Tiere
immer häufiger in den Himmel gucken. Jeder versuchte einen kleinen Stern zu
finden, der sich schnell dahinbewegt. Wann würden die Orioiten auftauchen.
Jetzt war es überall sehr ruhig und andächtig. Sharkas Freundin Sira war
nicht am Treffpunkt, sie war bei Mia geblieben, die immer noch nicht laufen
konnte. Auch Moa war bei ihr, denn Sharka hatte sie noch gefunden und auch
sie wollte mitfliegen.
Sharka und Farid hatten sich genau dort hingelegt, wo Triid das letzte Mal
in das Raumschiff eingestiegen war.
Jetzt hieß es geduldig sein und warten.
Irgendwann entstand ein leichtes Gemurmel unter den Tieren, es war wie eine
kleine Welle, die immer größer werden wollte. Erst war es nur Geflüster von
einigen wenigen Tieren, dann wurde es lauter und lauter. Dann konnte auch
Sharka schon einige Worte verstehen..."Seht ihr da hinten der kleine
Punkt...Ich glaube sie kommen"
Irgend jemand glaubte etwas entdeckt zu haben. Alle Tiere richteten ihre
Blicke zum Himmel und betrachteten die Sterne. Plötzlich kamen einige Adler
zum Boden geflogen. Sie schrieen: "Wir haben sie entdeckt, ihr werdet sie
gleich sehen. Sie sind sehr schnell."
Und tatsächlich konnten auch Sharka und Farid, sowie viele andere Tiere,
einen kleinen weißen funkelnden Punkt erkennen, der von rechts oben, der
Erde näher kam. Tiere haben sehr gute Augen und ich denke Menschen hätten
diesen Punkt noch nicht erkennen können.
Dann ging alles sehr schnell. Eben noch klein und fern am klaren
Sternenhimmel, gab es plötzlich einen kleinen Feuerschweif und im nächsten
Moment schwebte das jetzt nur schwach beleuchtete Raumschiff über dem
Dschungel.
Die Tiere waren beeindruckt. Es kam selbst den Elefanten riesig vor. Auch
Sharka war verblüfft, denn es war nicht das Gleiche Raumschiff, was ihm
zuerst begegnet war. Der gesamte Himmel war plötzlich verdeckt.
Die Unterseite war dunkel und absolut glatt wie ein stilles Gewässer, bis
dann einige Lichter aufblinkten.
Kurz danach löste sich ein großes viereckiges Stück aus dem Boden des
Raumschiffes und schwebte wie von Geisterhand gelenkt zu Boden. Aus dem
inneren des Raumschiffes kam schwaches blaues Licht. Auf dem
herunterschwebenden Teil stand Triid. Als es auf dem Boden aufsetzte, kamen
an zwei Seiten Rampen rausgefahren. Triid kam von dort herunter gelaufen.
Sharka hatte ihn sofort erkannt und ging auf ihn zu.
Also hatte alles gestimmt !
Sharka hatte sich während der letzten Wochen nicht selten gefragt, ob nicht
doch seine Phantasie mit ihm durchgegangen war. Jetzt waren sie aber wieder
da und Sharka freute sich.
Triid kam näher und seine Blicke schweiften umher, er sagte sofort: "Ich
weiß nicht, wie du es geschafft hast so viele Tiere zusammen zu bringen, es
ist wundervoll, ich bin sehr froh dich wiederzusehen."
Triid ging sehr nah an Sharka heran, so dass er ihn berühren konnte. Das
hatte er beim ersten Mal noch nicht gewagt. Aber er war anscheinend so froh,
dass er seine Vorsicht einen Augenblick vergaß. Er streichelte Sharka durchs
Fell. Noch nie hatte jemand durch Sharka sein Fell gestreichelt, schon gar
kein Orioit, doch es fühlte sich sehr gut an. Triid war offensichtlich sehr
froh.
Sharka sagte: "Ich freue mich dich wiederzusehen Triid. Das Raumschiff
scheint mir größer zu sein als das Letzte, ich hatte mich schon gefragt, wie
wir alle darin Platzt haben könnten. Jetzt verstehe ich es."
Triid: "Das ist unser Mutterschiff, das letzte Mal hatten wir nur eine Fähre
im Einsatz."
Sharka fragte: "Wie wollt ihr die Tiere einladen ?"
Triid antwortete: "Ihr werdet die Plattform betreten, sie wird euch ins
Raumschiff hinauffahren. Am besten wäre es, wir machen es in mehreren
Gruppen. Doch es muss alles schnell gehen. Die Menschen haben viele
Möglichkeiten uns zu entdecken. Bis jetzt sind wir ihnen nur selten und
durch Zufall begegnet. Sie wissen nicht, dass wir existieren, aber sie
vermuten es. Wir haben wenig Zeit."
Sharka redete mit den Adlern, die jetzt schnell in den umliegenden Dschungel
flogen und allen anderen Tieren Bescheid sagten. Dann ging es auch schon
los.
Zuerst sammelten sich alle Vegetarier auf der Plattform. Die Vögel machten
sich einen Jux daraus, von unten direkt in die offene Luke im Boden des
Raumschiffes hineinzufliegen. Die ziemlich große Plattform, die aus dem
Boden des Raumschiffes herabgeschwebt war, konnte sehr viele Tiere
aufnehmen.
Beim zweiten Mal fuhren die Tiger, Dachse, Berglöwen und auch die Krokodile
hinauf ins Raumschiff. Farid war aufgeregt und beeindruckt.
Dann kamen nur noch die kleinen Tiere, Insekten, Mäuse, Schnecken und was
weiß ich noch für Tiere. Dann war das Raumschiff wieder geschlossen und in
wenigen Sekunden hatten sie die Erde verlassen. Die Tiere waren erstaunt. Im
Raumschiff hatten die Orioiten eine riesige Halle eingerichtet. Es war fast
wie im Dschungel, überall waren Pflanzen. Sie wanderten dort hinein und
jedes Tier wunderte sich über den blumigen Duft. Es roch anders als im
Dschungel der Erde. Nicht wesentlich, aber eben anders. Die Pflanzen waren
genauso grün und trugen verschiedene Blätter und Blüten. Wenn man genau
hinsah, erkannte man, dass sie andere Formen und auch andere Farben hatten,
als die der Erde.
Trotzdem war es hier völlig heimisch.
Triid redete mit Sharka, er sagte: " Nach eurer Zeitrechnung, werden wir
mehrere Wochen unterwegs sein, um zu unseren Planeten zu kommen. Ich hoffe
ihr werdet euch alle vertragen und es in diesem Frachtraum aushalten. Wir
werden dafür sorgen, dass alle genug zu fressen haben. Sharka du hast mich
überrascht, du hast wirklich sehr viele Tiere überzeugt."
Sharka lächelte verlegen, er konnte stolz sein, er sagte: "Ich weiß auch
nicht, wie ich es geschafft habe und mir haben auch sehr viele Tiere dabei
geholfen. Ich bin sehr gespannt wie eure Welt aussieht und ob es wirklich
ein guter Entschluss war, euch zu folgen ?"
Triid: "Glaube mir, du wirst sehen, dass unser Planet, genau wie eure Erde,
ein Planet voller wundervollem Leben ist."



Die Tage vergingen wie im Flug, was ja auch stimmte. Das Raumschiff
durchflog mit einer höheren Geschwindigkeit als das Licht das Weltall und
die Tiere wurden von Tag zu Tag entspannter. Laufend entstanden neue
Freundschaften. Vor allem verständigten sich plötzlich Tiere miteinander,
die normalerweise nicht miteinander redeten. Jedes Tier machte sich seine
eigenen Gedanken darüber, wie es wohl auf dem neuen Planeten aussehen wird.
Die Orioiten waren sehr interessiert an den Tieren und suchten den Kontakt.
Da sie die Sprachen der Tiere verstehen konnten, war es kein Problem für
sie. Irgendwie waren sie den Tieren sehr ähnlich. Ihr Verhalten war sehr
natürlich. Sie erzählten nur in den besten Tönen von ihrem Heimatplaneten
und alle wurden immer gespannter.
Zwischen Triid, Sharka, Sira und Farid entstand eine richtig gute
Freundschaft. Sharka hatte für sich in Anspruch genommen, der neugierigste
Tiger zu sein, aber Farid war noch viel neugieriger als er. Er wollte alles
ganz genau wissen. Ihn interessierte jedes blinkende Licht im Raumschiff und
Triid erklärte ihnen alles.
Tiger kennen sich in technischen Dingen überhaupt nicht aus. Wie ihr wisst
fahren sie weder Fahrrad, noch Auto, sie bauen keine Häuser und sie kennen
keine Computer, dennoch verstanden die Drei recht schnell was Triid ihnen
erklärte. Gerade Sira hatte ein gutes Verständnis. Sie kapierte alles
besonders schnell.
Das Raumschiff wurde von einer künstlichen Sonne angetrieben. Die Orioiten
hatten es geschafft die Energie ihrer Sonne nachzubilden und als Kraftwerk
in die Raumschiffe zu bauen. Mit diesem Antrieb konnten sie sehr weit
fliegen. Die Menschen von der Erde waren noch lange nicht in der Lage solche
Raumschiffe zu bauen.
Sira und Sharka waren sehr verliebt ineinander und dadurch dass sie hier im
Raumschiff so eng miteinander lebten, lernten sie sich besonders gut kennen.
Mia ging es nach der Behandlung durch die Ärzte der Orioiten wieder sehr
gut. Man hatte sie aus dem Dschungel direkt ins Raumschiff gebeamt.
Sharkas Familie hatte jetzt sehr großes Ansehen bei den anderen Tigern und
auch bei den anderen Tieren. Er war nun einmal der Erste, der mit den
Orioiten gesprochen hatte. Vor allem hatten die anderen Tiere kaum noch
Angst vor den Tigern. Alle verstanden sich hervorragend miteinander. Selbst
die besten Jäger unter den Tigern, wozu auch Farid gehörte, mussten sagen,
dass es ihnen schwer fallen wird, auf dem neuen Planeten, die Tiere von der
Erde wieder zu jagen. Irgendwie waren sie durch die Reise schon zu Freunden
geworden.
Alle waren sich aber einig, dass das Jagen der Tiger eine ganz natürliche
Sache ist und das sie trotz neuer Freundschaften, nicht darauf verzichten
sollten Tiere zu jagen. "So ist das Leben", sagte einer der Hirsche, "...wir
sind so geboren wie wir sind, die einen fressen Pflanzen, die anderen
Fleisch. Man kann es keinem Übel nehmen. Und wenn ich nicht zu Tigerfutter
werden will, dann muss ich eben aufpassen. Wir sollten uns alle einig sein,
dass wir den Tigern keine Vorwürfe machen, dass sie uns jagen."
Alle Tiere stimmten ihm zu, wenn sie auch ein bisschen Angst hatten.
Triid hatte den Tigern schon erzählt, dass es auch sehr viele andere Tiere
auf ihrem Planeten gibt, die sie jagen konnten. Es gab aber auch anders als
auf der Erde, noch größere Landraubtiere auf dem Planeten der Orioiten. Es
gab dort einige fleischfressende Saurierarten und vor denen mussten sich nun
auch die Tiger vorsehen.



Dann kam der Tag wo Triid ankündigte, dass sie Heute noch auf dem Planeten
der Orioiten landen werden. Im Raumschiff herrschte eine heiden Aufregung.
Alle packten ihre Sachen zusammen und von so manchem Tier hörte man: "Das
ist aber schade, es war sehr schön hier, ich könnte mir vorstellen noch
länger hier im Raumschiff zu bleiben und weiter zu fliegen..."
Man muss auch sagen, dass der bewaldete Innenraum des Raumschiffes wirklich
sehr schön war. Es gab einen kleinen Fluss und wie erwähnt war es sonst fast
wie im Dschungel, mit ein paar Wiesen dazwischen. Das einzige was fehlte war
der Himmel. Die Halle war aber gut 40 Meter hoch und von oben kam hellblaues
Licht, wie an einem Sommertag. Die Halle war auch sehr groß, denn dieses
Raumschiff war einfach riesig.
Sharka, Sira und natürlich auch Farid waren beim Anflug auf den Planeten der
Orioiten, den sie selbst KORAT nannten, in der großen Kommandokanzel. Sie
standen alle vor einen großem Bildschirm und sahen wie der Planet schnell
näher kam.
Dann flogen sie zwischen den Wolken, die genau wie auf der Erde aussahen.
Von hier oben konnte man schon erkennen, dass der Planet Korat größer als
die Erde war und das sich auf ihm genauso viel Wasser befand. Man erkannte
die Gebirge und ausgedehnte Wälder. Die Drei waren überwältigt, Triid hatte
nicht übertrieben und obwohl Farid Geschichten über diesen Planeten erzählt
hatte, den er noch gar nicht kannte, hatten diese Geschichten einen gewissen
Wahrheitsgehalt.
Das Raumschiff überflog auch eine riesige Stadt, die anders als die der
Menschen aussah. Die Gebäude, die die Orioiten bauten, waren grundsätzlich
runder Gestalt und übertrafen die Gebäude der Menschen, um ein vielfaches an
ihrer Größe.
Das Raumschiff und auch die anderen Raumschiffe, die ebenso angekommen waren
und andere Tiere, aus anderen Ländern eingesammelt hatten, flogen aber nicht
zu den Städten der Orioiten. Sie landeten mitten in den Waldgebieten.
Das Raumschiff schwebte wieder über dem Erdboden und lies die Plattform mit
den Tieren herab. Alle verabschiedeten sich voneinander. Ab jetzt waren sie
alle wieder auf sich selbst gestellt, in einer neuen Welt.
Triid hatte allen versprochen, dass die Orioiten sie beobachten werden und
ihnen nötigenfalls gewisse Hilfe zukommen lasen, wenn es Probleme geben
sollte, die man nicht vorhersehen konnte.
Vor allem versprach Triid, dass er sich mit Sharka treffen will. Er wollte
ihn hier im Dschungel besuchen.
Als alle Tiere das Raumschiff verlassen hatten, flog es davon.
Im ersten Moment waren alle noch etwas unruhig, noch einmal beratschlagten
sie sich miteinander. Die Adler und auch andere Vögel flogen hoch durch die
Lüfte, um die umliegenden Gebiete zu erkunden. Dann erzählten sie den
anderen Tieren, in welche Richtung sie aufbrechen konnten.
Nach zwei Tagen, waren alle Tiere im Dschungel und der Landeplatz war
verlassen. Jetzt ging es für alle wieder um das normale Leben.
Dieser Planet war der Erde wirklich sehr ähnlich. Es gab Tausende
verschiedener Pflanzenarten. Die Vegetarier waren sehr glücklich, denn sie
schmeckten genauso gut wie die der Erde. Die Raubtiere waren etwas verwirrt,
denn hier gab es tatsächlich noch andere Tiere, die doch alle sehr komisch
aussahen, völlig anders als die auf der Erde. Es brauchte einige Zeit, bis
die Raubtiere lernten sie zu jagen.
Doch trotz der neuen Umgebung wurde das Leben schnell wieder normal und alle
waren glücklich. Der Planet Korat im Sternzeichen Orion war ein Paradies und
es war der erste Planet, der von Lebewesen der Erde besiedelt wurde. Niemals
hätte ein Mensch angenommen, dass die Tiere zuerst den Weltraum erobern
würden. Doch das blieb auch ein ewiges Geheimnis der Tierfamilie.
Sharka und Sira gründeten hier eine neue Tigerfamilie. Triid kam sie
tatsächlich besuchen und das Erstemal in der Geschichte der Tiger, ging ein
Tiger mit einem Orioiten auf die Jagd. Triid jagte mit einem Rohr in das er
kleine Pfeile steckte. Er pustete in das Rohr und wenn er ein Tier mit einem
Pfeil getroffen hatte, fiel es kurz danach benommen um und schlief ein.
Triid war ein guter Jäger und beide hatten viel Freude an ihren Ausflügen.
Einmal begegneten sie auch einem der riesigen Raubsauriern, die hier durch
das Gelände streiften und vor denen nicht einmal Elefanten sicher sein
konnten. Sharka hatte keine Angst vor ihnen, wenn sie auch mächtig groß
waren. Beinahe hätte einer von ihnen Triid erwischt, doch Sharka hatte ihm
dermaßen in den Fuß gebissen, dass er schreiend umfiel. Dann sind beide in
den Dschungel geflüchtet.
Ja, das neue Leben bedeutete auch neue Gefahren, aber in erster Linie war es
wundervoll, denn hier lebten alle Tiere in ihrer natürlichen Umgebung, unter
natürlichen Bedingungen.
Nanu und Farid hatten auch eine Familie gegründet und obwohl sich
normalerweise Tigermännchen und Weibchen immer wieder voneinander trennen
und alleine leben, blieben immer mehr Tigerpärchen ihr Leben lang zusammen.
Das war tatsächlich eine Veränderung im Verhalten der Tiger, die nur durch
die Reise ausgelöst wurde. Man hatte sich daran gewöhnt miteinander
auszukommen.
Irgendwann später lebten dann die Tiger sogar in Rudeln, wie die Wölfe oder
Löwen.
Das Leben auf dem Planeten Korat war in jeder Hinsicht ein Erlebnis, denn
dieser Planet war voller Überraschungen. Die Tiere, die von der Erde hierher
gekommen waren lernten jeden Tag etwas dazu und erlebten viele neue
Abenteuer.
So manches ihrer Abenteuer wurde von den Orioiten aufgeschrieben......Na ja,
das sind aber andere Geschichten, ganz neue Geschichten und die werdet ihr
bestimmt auch einmal erfahren.

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