Sie lächelt
von
SuesyCue
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Sie lächelt
Hitze breitete sich in ihrem Kopf aus, als sie das Schlafzimmerfenster von der Einfahrt aus erblickte. Ihr gemeinsames Schlafzimmer. Dunkel. Plangemäß.
Kurz verharrte sie an der Tür, ließ sich Strähnen ihrer aschblonden Haare ins Gesicht wehen und betrachtete die immergrünen Tannen im Garten.
Nun richtete sie ihre Haare, positionierte alle Strähnen wieder an ihren richtigen Platz und ging ins Haus.
Leise betrat sie den Flur, in dem sie einen kritischen Blick in den großen schwarzen Spiegel an der Wand warf. Tief durchatmend fühlte sie, wie die zuvor verspürte Hitze aus ihrem Körper wich.
Wie befreiend es war, einen klaren kühlen Kopf zu bekommen!
Jetzt war alles perfekt. Ihre Haare fielen auf ihre Schultern und umrahmten sanft ihr Gesicht.
Sie strich ihre Bluse glatt und formte ihre Lippen, die sie oft mit einem Lippenstift der Farbe reifer roter Trauben hervorhob, zu einem Kussmund, den sie sich selbst zuwarf.
Oh ja, sie hatte wirklich alles brillant geplant.
Sie schlich die Wendeltreppe hinauf und achtete sorgsam darauf, keinen Laut erklingen zu lassen, der ihren Mann Jim gewiss geweckt hätte.
Heute musste sie es tun. Sonst war es zu spät. Samstag hatte er es ihr gesagt. Einfach so, am Abend.
Sie saßen zusammen im Wohnzimmer und sie freute sich darüber, dass ihre Tochter anstandslos zur Bett gegangen war und nun schlief. Wie ein Engel.
Sie schauten fern und saßen friedlich nebeneinander auf der Couch. Unerwartet verriet Jim ihr dann, er wolle sich von ihr trennen. Von ihr! War sie nicht die beste Ehefrau, die man sich nur wünschen konnte? Sie putzte und kochte jeden Tag, behandelte ihn wie einen König und er? Er brauchte Abstand, mehr Zeit für sich. Ihm wuchs alles über den Kopf, sagte er.
Doch dies durfte einfach nicht sein! Sie war verheiratet, hatte eine hübsche brave Tochter und liebte dieses virtuose Familienleben. Und ihr Mann wollte dies zerstören. Nun, was blieb ihr anderes übrig, als zu tun, was sie nun tun musste?
Jetzt stand sie wenige Meter vor dem Schlafzimmer, um alles zu richten.
So ein banaler Fehler, Jim frühzeitig aufzuwecken, durfte ihr jetzt nicht passieren.
Sie straffte ihre Schultern und spähte vorsichtig durch den Türspalt ins Schlafzimmer. Stille. Nur das gleichmäßige Atmen des Schlafenden durchbrach die Lautlosigkeit.
Wie eine Schlange glitt ihr Körper durch die Öffnung zwischen Tür und Rahmen.
Langsam schloss sie ihre Augen, ließ sich ein letztes mal in die Geborgenheit einhüllen, die sie stets erfüllte, wenn sie dem regelmäßigen Atmen ihres Mannes lauschte.
Völlig ruhig wandte sie den Kopf zum Fenster und blickte hinaus auf die einsame Straße. Die Laternen erhellten den Gehweg mit schummrigen Licht. Doch weit hinten flackerte eine Lampe bedrohlich, schien kurz vor dem Erlöschen zu sein. Sie war die letzte leuchtende Laterne. Alle darauf folgenden Lichter in der Straße waren schon ausgelöscht. Den dahinter liegenden grünen Wald verbarg die Finsternis.
Sie fasste in ihre Hosentasche und nahm den Inhalt in ihre Hand. Fest umklammerte sie das kleine Päckchen, voll mit Morphiumtabletten. Grinsend dachte sie daran, wie einfach es gewesen war, als Angestellte in der Apotheke, das Morphium mitzunehmen. Niemand hatte es bemerkt. Es verlief tadellos.
Leise stahl sie sich zu Jims Nachttisch. Wie jeden Abend stand darauf auch heute eine Tasse mit einem Löffel darin, denn ihr Mann pflegte jeden Abend vor dem Einschlafen eine Tasse Tee zu trinken.
Sie nahm beides in die Hand, huschte wieder zwischen Tür und Rahmen hindurch und ging ins Bad. So geräuschlos wie möglich zerstampfte sie alle Tabletten, die zuvor in der Packung gewesen waren. 20 Stück. Langsam ließ sie warmes Wasser zum sich nun in der Tasse befindenden pulverisierten Morphium laufen. Sachte verrührte sie beides, warf die leere Plastikpackung in den Müll und schlich zurück ins Schlafzimmer.
Mit wenigen Zügen schluckte sie das Gemisch und stellt die Tasse zurück auf Jims Nachttisch.
Bevor sie im Bett einschläft, blickt sie noch einmal zu Jim und lächelt.
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Kommentare
SuesyCue schrieb am 2007-04-19 18:23:21:
Hallo liebe Leserinnen + Leser!
Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen! Also, nur zu!
Liebe Grüße,
SuesyCue
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