Sieben Stunden Angst (Teil 1)
von
David 72
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"Ich glaube nicht, dass es in der Literatur möglich ist,
echte Angst zu erzeugen.”
- Stephen King.
Es war wirklich ein verflucht heißer Sommer.
Die kalte Dusche tat gut. Alex stöhnte wohlig auf, als das eiskalte Wasser über seinen erhitzten, braungebrannten Körper lief.
Heute hatte er keine Hausaufgaben auf und würde mit Sabrina ins Freibad gehen. Er freute sich tierisch auf diese Verabredung. Auch wenn sich viele seiner Mitschüler und Freunde darüber lustig machten.
Er galt als der angesagteste Junge der Schule und in den Augen vieler Mitschüler war es ein Sakrileg, wenn er sich mit “Unkraut” wie Sabrina einließ, anstatt mit Naima, der gerade beliebtesten Schulschönheit. Besonders, weil Sabrina als Außenseiterin galt, die mit ihrem punkigen Outfit so gar nicht den gängigen Schönheits - und Kleidungsidealen entsprach.
Doch gerade das mochte Alex an ihr.
Sie war keine hochgestylte, selbstverliebte Barbiezicke, für die es nicht wichtigeres gab als Shoppen und die heimliche Wichsvorlage aller Jungs zu sein.
Sabrina war ungekünstelt, sagte was sie dachte und besaß viel Humor. Manchmal konnte sie so richtig mit dem Lachen herausplatzen.
Alex lächelte bei dem Gedanken an ihr Temperament, ihre Lebendigkeit. Scheiß auf die Meinung der Anderen! Sabrina war cool.
Außerdem kotzte es ihn an, dass sich alles nur um Äußerlichkeiten drehte. Besonders zuhause. Seine Mutter tat alles für ihn und Alex zweifelte keinen Moment daran, dass sie stets im besten Sinne handelte. Trotzdem war es ihr Ehrgeiz gewesen, der ihn um einen Großteil seiner Kindheit gebracht hatte.
Seit seinem fünften Lebensjahr zerrte sie ihn vor die Kamera: Fotoshootings, Fernsehwerbung und Kinoreklame - überall war er vertreten. Durch Ma´ s Einsatz stieg er schon mit acht zu eines der gefragtesten Pre-Male-Kindermodels Deutschlands auf. Mit zehn war er bereits in jedem großen Modekatalog vertreten und sein blitzendes Lächeln mit den Grübchen in den Wangen strahlte von so mancher Plakatwand.
Für eine normale Kindheit war da kaum Zeit geblieben.
Und für Freunde erst recht nicht.
Nur einer hatte ihm über die Jahre die Treue gehalten: David, der dreizehnjährige Nachbarjunge aus dem Haus nebenan. Und das, obwohl Alex kaum Zeit für ihn hatte und ihn oft wegen kurzfristiger Termine versetzen musste.
Er hatte David gegenüber oft ein schlechtes Gewissen.
Im Moment war es besonders schlimm. Jetzt mit vierzehn zählte Alex nämlich nicht nur zu den meistgebuchtesten Teenmodels Europas, inzwischen stand er auch für diverse Kurzauftritte und Nebenrollen in Fernsehfilmen vor der Kamera. Ein weiterer Verdienst seiner geschäftstüchtigen Mutter. Zugegeben, die kurzen Filmrollen machten ihm Spaß. Auch wenn sie nur sein Äußeres herausstellten und nicht sein Talent, das ihm von mehreren Regisseuren bescheinigt wurde. Dabei liebte er es, in Figuren zu schlüpfen, einen fremden Charakter darzustellen. Filmschauspieler - das war sein großer Traum...
Das Telefon schrillte.
Alex seufzte und stellte die Dusche ab. Große Lust hatte er nicht, dranzugehen. Aber was, wenn es Sabrina war?
Er trocknete sich flüchtig ab, band sich ein weißes Badetuch um die Hüften und lief tropfend ins Wohnzimmer. Seine nackten Füße hinterließen auf dem hellen Teppichboden nasse, dunkle Abdrücke.
Hastig nahm er den Hörer ab. „Schroers?” fragte er und wischte sich das Wasser von der Stirn.
„Telefonstreich!”
„Timo, du kleiner Penner! Und deswegen komme ich unter der Dusche raus?”
Das Lachen eines kleinen Jungen schallte durch den Hörer. Alex legte wütend auf, drehte sich um und wollte gerade in die Dusche zurück, als das Telefon erneut schrillte. „Timo, wenn du das jetzt wieder bist, ich schwör´ dir, ich...”
„Schalt das Internet ein und sieh im Postfach nach!”
„Was? Wer ist da? Timo?”
„Hängst du an deinem Bruder?”
Alex stutzte. Die Stimme klang nicht nach einem Jungen. Sie klang männlich und rau. „Wer sind Sie?”, wurde Alex laut. „Und was wollen Sie?“
„Dass du im Postfach nachschaust, du kleiner Pisser!”
„Warum sollte ich?”
„Weil es dein Leben verändern wird.”
Ein verflucht ungutes Gefühl überkam Alex. Das klang nicht nach einem Scherz. Etwas Kaltes, Mitleidloses lag in der Stimme des Anrufers und ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte. Mit zunehmender Nervosität setzte sich der Junge an den Computer, ging online und öffnete sein Postfach.
„1 neue Nachricht“ stand dort. Alex klickte sie an und auf dem Bildschirm öffnete sich ein Video: Auf dem Monitor waren plötzlich seine Eltern und seinen jüngerer Bruder Kevin zu sehen: Gefesselt und geknebelt saßen sie auf einer Couch und starrten verängstigt in die Kamera. Alex Augen weiteten sich entsetzt. Er war unfähig zu atmen, seine Muskeln verkrampften sich.
„Du wirst jetzt genau das tun, was wir sagen, klar?”, ertönte die Stimme wieder. „Wenn du die Bullen rufst, sind sie tot. Versuchst du uns zu verarschen, sind sie tot. Verstanden? Du siehst uns nicht. Aber wir sind immer in deiner Nähe. Wir sehen und hören dich. Und damit du auch weißt, das wir es ernst meinen...”
Die Kamera zoomte auf seine Mutter. Dann ertönten Schüsse, Kugeln durchsiebten ihren Brustkorb. Ihr Blut spritzte über seinen Vater, seinen Bruder. Alex schrie entsetzt auf, ließ den Hörer fallen und fuhr vom Stuhl hoch, der polternd zu Boden fiel.
„HEB DEN HÖRER AUF!”, brüllte die Stimme aus dem Telefon. Doch Alex war unfähig sich zu bewegen. Seine Mutter - ermordet! Er atmete immer schneller. Sein Herz flatterte. „Das ist nicht wahr”, murmelte er abgehackt und schüttelte mit tränenüberschwemmten Augen den Kopf. „Das passiert nicht wirklich.”
„WENN DU NICHT WILLST, DASS DEIN VATER DER NÄCHSTE IST, HEBST DU JETZT VERDAMMT NOCH MAL DEN SCHEISS HÖRER AUF!”
Alex beugte sich zitternd runter und hob ihn auf. „Sie verdammtes Schwein!“, Warum haben Sie das getan?”
„Ich sagte doch: Damit du uns ernst nimmst. Nimmst du uns jetzt ernst?”
Der Jugendliche schluckte. Tränen liefen über sein Gesicht. „Ja.”
„Du würdest mich jetzt gerne töten, oder?”
Alex presste die Lippen zusammen. Seine Gesichtsmuskeln zuckten.
„Du brauchst nicht zu antworten. Ich weiß, du würdest es gerne.”
„Was wollen Sie von mir?” Der Vierzehnjährige hatte das Gefühl, sein Herz würde gleich aus seiner Brust hinausimplodieren.
„Wir haben dir ein kleines Geschenk dagelassen. Schau auf dem Küchentisch nach.”
Alex holte tief Luft und ging zögernd in die Küche. Auf dem Tisch lag eine kleine schwarze Schachtel. Er stutzte. Wie war sie hier reingekommen? Er hätte schwören können, dass sie eben noch nicht da war, als er von der Schule nach Hause kam. Jemand musste sie dort hinterlassen haben... während er unter der Dusche stand!
Die Erkenntnis traf Alex wie ein Faustschlag in den Magen: Jemand hatte Zugang zum Haus. Natürlich! Wer auch immer seinen Pa festhielt, hatte auch dessen Haustürschlüssel. Ein unheimliches Gefühl stieg in ihm hoch. Ängstlich blickte er sich um. War vielleicht sogar noch jemand im Haus? Jetzt, in diesem
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