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Kategorien > Aus dem Leben > Nachdenkliches

Sing your life Kapitel Eins

von angel

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Kapitel 1


Es war dämmerig als ich die Augen aufschlug. Die Luft stand im Raum, stickig und heiß. Ich seufzte. Sah neben mich. Das Bett war zerwühlt, die dreckigen Laken durcheinander. Ich seufzte erneut. Schwang die Beine von der Matratze. Meine Haare hingen mir strähnig ins Gesicht. Ich hasste es. Meine Klamotten lagen auf dem Boden verstreut, ich griff nach einem Rock und streifte ihn über. Dann eine Bluse. Ich ging zur Tür, schob sie auf und ging raus. Im hellen Licht kniff ich die Augen zusammen. Die Küche starrte vor Dreck. Ich zog eine Grimasse.
<<Mum? >>
Keine Antwort. Ich ging zum Schrank. Nahm eine Packung Cornflakes und goss sie in eine halbwegs saubere Schale, die ich aus der Spüle gegriffen hatte. Verschlafen setzte ich mich an den schmierigen, klapperigen Tisch in der Ecke. Ich aß, ging zurück in mein Zimmer, zog die Vorhänge zur Seite und stieß das Fenster auf. Frische Luft flutete herein. Ich sah an mir hinunter. Lange Beine unter einem schmuddeligen Minirock, eine blaue Bluse, die an der Naht aufgerissen war und meine langen Finger, die gedankenverloren mit einem Knopf am Rock spielten. Mein Blick fiel auf den Spiegel in der Ecke. Er war ziemlich blind, aber mit etwas gutem Willen konnte ich mein Spiegelbild erkennen. Ich ließ die Schultern hängen. Rieb an dem Dreckfleck in meinem Gesicht herum. Vor meinen Füßen lag die Tasche mit den Schulsachen. Ich griff danach und durchquerte die Küche. Bevor ich die Haustür öffnete, blieb ich noch mal stehen.
<<Mum? Bist du nicht da? >>
<<Adria? >>, rief meine Mutter aus dem Schlafzimmer am anderen Ende der Küche. Ich wusste was es hieß, wenn sie mit dieser Stimme rief.
<<Ich geh zur Schule, Mum. Wo ist Phoebe? >>
<<Adria…Adria! >>
Ich seufzte schwer. Als ich ins Schlafzimmer trat, sah ich meine Mutter auf dem Bett liegen und an die Decke starren.
<<Mum? >>, fragte ich vorsichtig. Sie wandte ihren Blick auf mich.
<<Adria…du musst Phoebe mitnehmen…ich kann sie nicht hinbringen…nimm Phoebe mit zur Schule, Adria…>>
<<Mach ich Mum. Keine Sorge. Aber du musst aufstehen. Du musst zur Arbeit gehen. Wir haben nichts mehr zum Essen im Haus, Mum. Steh auf, Mum! >>
Sie sah mich mit verständnislosen Augen an.
<<Adria…ich bin krank, Adria…ich kann nicht arbeiten heute…>>
<<Du hast die letzten drei Wochen nicht gearbeitet, Mum, was heißt du kannst nicht arbeiten? Steh jetzt endlich auf und zieh dich an! Wir brauchen das verdammte Geld! >>
Hinter mir schwang die Tür auf und meine Schwester Phoebe kam herein. Sie schob ihre kleine, schmutzige Hand in meine und sah mit großen Augen zu Mum rauf. Ich kniete mich zu ihr runter. Mit ihren fünf Jahren und den verwuschelten blonden Haaren sah sie so verloren aus, dass mir Tränen in die Augen stiegen. Rasch umarmte ich sie und flüsterte:
<<Phoebs, Schätzchen, ich komm gleich raus zu dir…geh mal in die Küche und warte da auf mich, ja? Ich muss mal ganz schnell mit Mummy reden. >>
<<Was ist mit Mummy? Tut ihr was weh? Ist das so wie letzte Woche, als ich von der Treppe gefallen bin und mir das Knie aufgeschlagen habe? >>
Ich schluckte.
<<Nein, Schatz. Das ist was anderes. Geh jetzt. Ich bin gleich da. >>
Meine Mutter hatte während des Gesprächs abwesend an die Wand gestarrt. Als die Tür hinter Phoebe zuging, starrte sie die Tür an.
<<Mum! Verdammte Scheiße, Mum! Steh auf! Deine eigene Tochter hat Angst vor dir! >>
Sie antwortete nicht, also nahm ich meine Tasche und schmiss die Tür hinter mir zu. Was für ein toller Morgen dachte ich, während ich meiner Schwester die Jacke anzog und dann mit ihr an der Hand aus dem Haus ging. Auf der Straße fuhren ein paar vereinzelte Schrottkarren vorbei. Ich entdeckte unseren Nachbarn James aus seinem Haus gehen, mit einer Hand grüßte ich. Phoebe hüpfte an meiner anderen den Fußweg entlang. Wie immer machte ich mir Sorgen darüber, wie ein kleines Mädchen in so einer scheiß Umgebung aufwachsen sollte. Links und rechts standen runtergekommene Häuser, die alle so schlimm aussahen wie unseres und an einer Straßenecke hing diese Gruppe von seltsamen Typen rum. Phoebe zappelte rum. Ich hob sie hoch und auf den Arm. Wir kamen an der Bushaltestelle vorbei. Der Bus hielt und schicke Leute schauten aus dem Fenstern in unsere Abschaumgegend. Ein paar Mädchen stiegen aus. Ich grüßte zwei oder drei, die ich von der Schule aus flüchtig kannte, dann stieg ich ein. Die Fahrt war teurer geworden. Schon wieder. Mein letztes Geld ging drauf. Phoebe lachte und zeigte mit ihrem kleinen Finger auf Häuser und Geschäfte, die an den Busfenstern vorbei flogen, während der Bus durch die Außenbezirke von New York rumpelte. Ich versuchte einen Fleck von ihrer Jacke wegzukriegen, aber es schien festzukleben. An der richtigen Haltestelle stiegen wir aus. Ein kleiner Plattenbau tauchte vor mir auf, Phoebes Tagesstätte. Ich schob sie auf die Tür zu und sah auf die Uhr, die über dem Eingang prangte.
<<Geh rein Phoebs, ich hab keine Zeit mehr. Bis nachher! >>
Phoebe winkte zum Abschied und lief durch den Eingang ins Gebäude. Ich seufzte und ging die Straße weiter, bis zu einer Telefonzelle. Ich wählte die R-Gesprächsnummer.
<<Tuck-Inn>>
<<Ähm…hi, hier ist Adria Brown…ich wollte nur sagen>>
<<Halt die Klappe, ich weiß was du sagen willst. Weißt du was? Du kannst deiner Mutter ausrichten, sie braucht sich hier nicht mehr blicken lassen! Sie ist gefeuert! >>
<<Aber…aber wir brauchen doch…>>
Es klickte in der Leitung. Entgeistert sah ich auf den Hörer, dann stürmte ich aus der Telefonzelle.
<<Scheiße! Scheiße, scheiße, scheiße!!! >>
Ich lehnte mich gegen das kalte Glas und nahm eine Zigarette aus der Tasche. Während ich sie anzündete, richtete sich mein Blick auf einen Jungen, der auf einer niedrigen Mauer saß und etwas auf einen Zettel kritzelte. Er hob den Kopf und sah mich an. Ich schnappte nach Luft. Seine Augen schienen mich zu durchbohren. Er lächelte und mit einer Stimme, die mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte, sagte er:
<<Probleme? >>
Ich nahm einen tiefen Zug und blies den Rauch aus.
<<Was geht’s dich an? >> Ich mochte keine Typen, die einem auf die Pelle rückten. Aber der war durchaus ein schönes Exemplar.
<<Du siehst aus als könntest du ein bisschen Spaß vertragen. >>
<<Nein danke, die Art von Spaß, die ihr Typen meint, bekommt ihr von mir nicht. >>
Er grinste und schob den Zettel und den Bleistiftstummel in die Tasche.
<<Hey, das habe ich nicht gemeint! Hast du mal ne Kippe für mich? >>
Ich zog das Päckchen Pall Mall aus der Tasche und warf es ihm zu. Er fing es, steckte sich eine Zigarette in den Mund und fragte mit zusammengepressten Lippen:
<<Feuer? >>
Ich musste grinsen. Breit. War mir lange nicht mehr passiert. Er war so seltsam vertraut. Ich kramte nach meinem Feuerzeug, ging zu ihm hin und hielt die Flamme in seine Nähe.
<<Da. >>
Er zog tief und lächelte mich dann an.
<<Danke! Setz dich doch. >>
Etwas skeptisch setze ich mich neben ihn. Ein bisschen weiter weg, nur für den Fall. Meine Pall Mall lagen auf seinem

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