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Kategorien > Anekdoten > Erfunden oder erlebt?

So ein ht tut fühlbar gut

von Stift

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So ein Hut tut fühlbar gut

Fremde Stimmen, Gemurmel, eine Kakophonie aus diversen Musiken, sphärischen Klängen und hallendem Gelächter dringt in mein Ohr. Ich schwebe durch eine dicke, hohe, reich verzierte Holztür in einen skurril verzogenen Ballsaal. Verschiedenfarbige, sowohl grell bunte als auch pastellene Nebel wabern im Raum umher.
Eine edle Gesellschaft ist dort beisammen. Ein grotesker Anblick. Dicht neben der Tür hocken an einem Bistrotisch Pan Tau und Fred Astaire, sie prosten sich zu und stoßen mit Schampus an auf das Wohl von Red Adair. Nur unweit entfernt reimen Drafi Deutscher und Al Capone unsinnige Verse auf blaue Bohne. Von der hohen Decke hängen, Fledermäusen gleich, kopfüber die Blues Brothers herab in dies unwirkliche Reich. Ihre Arme sind vor der Brust verschränkt, sie gucken grimmig. Keinen stört es. John Wayne und Winston Churchill durchschreiten, zu allem entschlossen, den Saal. Ihrem Gangbild nach zu urteilen, leiden beide an Hämorriden. Abraham Lincoln entdeckt mich. Er zeigt, genauso wie auf dem historischen Plakat, mit seinem Zeigefinger auf mich. Er will mich für seine Armee anwerben. Ich fühle mich arg verfolgt. Senkrecht zur Wand hocken Che Guevara und Fidel Castro an einer hölzernen Munitionskiste. Sie spielen „Mensch ärgere dich nicht“ gegen Prinz Heinrich und den Marlboro-Mann. Prinz Heinrich schummelt. Che und Fidel planen daraufhin eine Revolution. In einer kreisrunden, spitzen Ecke macht Julius Caesar in seiner schneeweißen Toga erstaunlich gut Joga. Josef Boys versenkt in einem schräg stehenden Zimmerbrunnen einen Einbaum und Helmut Schön schimpft deshalb mit ihm. Josef erklärt, das sei Kunst. Die Königinnen Elisabeth und Juliana tanzen wie kleine Mädchen, von allen Verpflichtungen befreit und lose zum Kinderlied „Ringel, Ringel Rose“. Verdammt nah bei ihnen feixt, lauthals stumm, der freche Charlie Chaplin rum und lüftet mit seinem kleinen Stöckchen der Königinnen edle Röckchen. Auf einer großen Treppe, die ins Nichts führt, heben Laurel und Hardy immer wieder das selbe alte Klavier an. Sie lassen es laut polternd fallen, es zerbirst. Sie heben das völlig unversehrte Klavier wieder auf und lassen es erneut fallen. Keiner lacht. Tief unten, im jetzt steil abfallenden, spiralnebelförmigen, unendlich hoch aufragenden Teil des Saales entdecke ich noch Humphrey Bogard, Mutter Theresa und den Papst. Das Trio hockt, eng umschlungen, in Ricks Café auf einer hölzernen Kirchenbank. Ein Joint, so groß wie ein Ofenrohr, macht die Dreier-Runde. Wir vier lauschen andächtig dem virtuosen Spiel von Udo Lindenberg am Klavier-------
….................... PiP,,,PiP...PiP-PiP-PiP-PiP-
Filmriss: Flatter, flatter, flatter. Dämmerung,
……................ PiP...PiP...PiP-Pip-PiP-PiP-.
Da liegt etwas auf meinem Gesicht. Ein Buch, „Charles Bukowski: 439 Gedichte“. Ich lege es zur Seite auf mein Kopfkissen. Meine Nachttischlampe leuchtet noch. Hinter einer nicht mehr ganz so vollen Burbonflasche randaliert mein Wecker. Ich hasse Wecker um diese Uhhhhhr-Zeit und ich hasse noch viel mehr Sandmännchen mit einem Alkoholproblem, beschließe, das versoffene nachtaktive Kerlchen von nun an besser zu kontrollieren.
Das Bett neben mir ist leer, viel zu leer! In diesem großen dreidimensionalen Suchbild fehlt etwas sehr Wesentliches. Jetzt habe ich es, ist doch ganz einfach. Das kleine, zarte, stets schnarchende und leise murmelnde Knäuel Mensch mit dem Namen Gabriele Adele ist nicht an ihrem für diese Uhrzeit üblichen angestammten Platz. Meine Synapsen schreien, laut und eindringlich, wie eine voll belegte Säuglingsstation bei Vollmond, nach frischem, starken Kaffee und einem kleinen, feinem Zigarillo. Ich bemühe mich deshalb deren Verlangen schnellstens zu stillen. Der starke Kaffee tut gut. Zusammen mit dem gierig aufgesogenen Nikotin bringen sie wieder Ordnung in die breiige, graue Masse zwischen meinen Ohren. Der zwei Tage alte Toast mit der an den Rändern gebogenen, noch älteren Scheibe Käse bringt mich endlich wieder aufs Pferd.
Was ist passiert? Eigentlich nichts Dramatisches. Gabriele, mein Lieblings-Eheweib und die Kinder Patricia und Jonas sind für eine Woche hoch an die Ostsee nach Heiligenhafen gefahren, dort machen sie, wie jedes Jahr in den Osterferien, Station bei Oma Christa. Für mich heißt das, endlich mal eine Woche sturmfreie Bude. In dieser Woche spiele ich dann so eine Art von monogamem Junggesellen. In der Woche Freiheit liegen schon mal meine benutzen Socken fein verteilt in der gesamten Wohnung herum, Revierpflege eben.
-- Liebe Leserinnen, jetzt seien sie an dieser Stelle nur ja nicht entsetzt und schelten mich zu sehr. Glauben Sie mir, auch Ihr Mann würde so etwas tun, wenn Sie ihm nur ein einziges Mal im Jahr eine Woche Pseudojunggesellen-Urlaub zu Hause schenken würden. Aber ich ahne schon, dass Ihr stubenreiner, abgerichteter Ehemann, der womöglich noch, auf ihr Geheiß hin, im Sitzen pinkeln muss, jetzt, nachdem Sie nun die Einleitung meiner Geschichte gelesen haben, wohl Zeit seines erbärmlichen Ehesklavenlebens nie diesen unglaublichen Genuss von Freiheit und Abenteuer erleben darf und wird. --
Mein T-Shirt weist kunterbunte Gebrauchsspuren auf, in der Küche türmt sich ein kleiner Berg stark verschmutzen und verkrusteten Geschirrs auf. Hübsch in der Wohnung verteilt erzeugen übervolle Aschenbecher ein rustikales Flair. Entsixte leere Dosen mehrerer Sixpacks und Hochglanzbroschüren, die Frauen zeigen, die so arm sind, dass sie überhaupt nichts mehr zum Anziehen anhaben, helfen mir dabei, das ständige Leid, den Durst und die Armut auf dieser Erde nicht zu vergessen.

Mitten in diese Idylle prallen, männlichen Lebens klingelte das Telefon. Ich nahm den Hörer ab in der Hoffnung, von meinen Kindern den täglichen Strandzustandsbericht zu erhalten und meldete mich mit den Worten „Ökumenische Dackelrennbahn Köln Weidenpesch, sie sprechen mit Greyhound Cat.“ „Freut mich, dass du so gut drauf bist“ trällerte Heinz Jörg, ein äußerst lieber und lästiger Redakteur von dem großen Blatt einer Kölner Zeitung, durch die Hörmuschel in mein schmutziges Ohr. Es waren also nicht meine Kinder, um noch mehr Licht und Freude in meine Superwoche zu gießen. „Was willst du von mir“ bellte ich ins Sprechgerät. „ Du weißt doch, dass ich in meinem Schönheitsurlaub nicht gestört werden will!“ Heinz Jörg ist zum einen zwar lästig wie eine Schmeißfliege auf Scheißeentzug, besitzt zum anderen aber genügend Sensibilität um zu wissen, wann er sich kurz zu fassen hat. „ Ruhig Stift, ruhig“, er redete sanft und leise mit mir, „keiner will dir in deiner heiligen Woche zu nahe kommen, aber wenn die Woche um ist möchte ich für die Herbstausgaben eine Story über Hutträger von dir, das ist schon alles. Genieße noch die schöne Zeit, bis bald.“ Aufgelegt.
Wie sie wissen, bin ich ein Schreiberling. Alle nennen mich nur Stift und als Solcher liebe ich es, in meinem Urlaub neben Couching im Wohnzimmer und dabei Tour de Doping-France zu schauen, vor

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