So fern, so nah
von
Hermione
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Die rosafarbenen Blüten des Kirschbaumes wirbelten lautlos durch die Luft, bevor sie auf dem grünen Gras landeten. Die Sonne spendete helles, gelbes Licht; ihre Wärme durchdrang jedes Kleidungsstück, und ließ so manche kleine Schweißrinnsale zustande kommen.
Doch das Mädchen, das neben dem künstlichen Wasserfall mit angezogenen Knien saß, fühlte nichts. Nichts als unendlichen schneidenden Schmerz und Kummer. Die Vögel sangen und glitten über den wolkenlosen Himmel, doch sie registrierte ihre Umwelt kaum. Sie war in sich gekehrt, versuchte zu begreifen, was passiert war.
Neben dem Wasserlauf hatte sie ein paar schöne Blüten des Kirschbaums gelegt, um ihrer kleinen Schwester zu gedenken.
In ihrem Kopf spielten sich die Szenen immer und immer wieder ab, und obwohl sie die Hoffnung hegte, alles könnte nur ein furchtbarer Traum gewesen sein, wusste sie dennoch, dass SIE nicht mehr da war.
Sie hatte SIE in den Armen gehalten, als es Zeit für SIE war, diese Welt zu verlassen. Fühlte ihren Herzschlag, bis zum Schluss. Spürte, wie ihre Muskeln sich entspannten, nach so langen Qualen. Nach jahrelanger Krankheit die Schmerzen endlich ein Ende fanden. Die Gedanken taten so weh, als würden ihr tausend Klingen in den Körper fahren.
Das Mädchen, das mit ihren fast zwanzig Jahren doch gar keines mehr war, weinte ohne Halt. Ihre Seele war gebrochen, und das Kind in ihr war mit ihrer kleinen Schwester in den Armen in das Licht gegangen; Wut und Trauer über das Geschehene ließen sie am ganzen Körper zittern.
Immer wieder hört sie sich selbst, wie sie den tiefen, seelischen Schmerzensschrei los lässt, als sie spürt, dass das Leben aus dem kleinen Körper ihrer kleinen Schwester gewichen ist.
Sie küsst sie noch ein letztes Mal, bevor sie sie in ihr kleines Bett zurück legt. Trotz der großen Trauer weiß sie von Anfang an, dass es das Beste war. Sie spürte auch den Frieden, den ihr kleines geliebtes Wesen zum Schluss gespürt hatte. Von da an weiß sie, dass jene Seelenverwandtschaft immer da gewesen war und auch den Tod überwinden wird.
Ihr Körper existiert nicht mehr, doch ihre Seele ist überall spürbar. Im Wind, in den Sonnenstrahlen, in der Schönheit der Natur ... seit sie gegangen war, schlug das Herz der jungen Frau schneller und stärker als je zuvor, und da wusste sie - ihre Schwester würde immer in ihrem Herzen weiter wohnen und sie niemals verlassen.
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Anmerkung: Diese Geschichte hat vermutlich nicht viel Zusammenhang und Sinn für euch, doch für mich bedeutet sie sehr viel. Am 30. April dieses Jahres entschlief meine kleine Schwester und gleichsam beste Freundin nach mehr als 14 Jahren in meinen Armen. Nichts hat mich je so niedergeworfen wie jener Tag, an dem ich sie gehen lassen musste.
Sie zählte zur Gattung der Hunde, doch wenn man ein so großes Herz für Tiere hat wie ich es immer hatte, und so lange Zeit mit einem Tier aufwächst, wird jenes zu einem Mitglied der Familie. Ich habe sie immer mit meinem Leben beschützt, so wie sie es für mich getan hat.
Jene enge Bindung, so wie ich sie zu ihr hatte, wird es nie wieder geben. Liebt und schätzt eure Freunde, jeder Augenblick ist kostbar. Tut ihnen nicht weh, denn sie verdienen es nicht - und verstehen es auch nicht; sie lieben euch bedingungslos, das kann kein Mensch.
Zuletzt:
Beni, ich denke immerzu an dich. Selbst jetzt muss ich weinen. Du fehlst mir jede einzelne Sekunde - sehr bald schon wird dein Name in meine Brust, über meinem Herzen, gestochen. Ich danke dir für alles, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder bei dir sein zu können, wenn es auch Zeit für mich ist, diese Welt zu verlassen ...
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