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Kategorien > Fantasy > Humor & Spannung

Söldnerklinge Teil 1

von Marc O

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Kapitel 1 – Wer die Sterne zählt

Der Mond tauchte das Schlachtfeld in eine unwirkliche, grausame Szenerie. Am Rande des Waldes stand Alarich, nachdenklich auf die Verwüstung blickend. Seine Augen suchten nach Bewegungen zwischen den Nach einiger Zeit stahl er sich vorwärts mitten zwischen die Toten. In der rechten Hand hielt er die Lederscheide seiner Saxe, einem Stoßdolch mit auffallend breiter Klinge, damit sie nicht bei einer Flucht hin und her pendelte. Der Söldner bewegte sich wie ein Dieb in einer Villa; stets zur Flucht bereit, falls jemand auftauchte. Um die Reise durchs Kriegsgebiet heil zu überstehen, durfte man sich nicht von anderen Trupps sehen lassen. Alarich hatte weder Zeit noch Lust, auf den Triumphator dieses Schlachtfeldes zu stoßen, während dessen Soldaten noch durch die Reihen der Toten schleichen mochten und die Leichen fledderten. Auf Soldaten zu treffen, würde eine Gefangennahme bedeuten, dann ein Verhör und damit Fragen.
Alarich hatte weder Zeit noch Lust für Fragen, doch zum Plündern blieb immer Zeit: Als er Gold im Mondlicht aufschimmern sah, ging er neben einem der Toten in die Knie. Der vergoldete Griff eines Dolches hatte seine Aufmerksamkeit erregt; sie steckte im Hals des Mannes. Der Dolch wanderte an Alarichs Gürtel, dann schlich der Söldner weiter.
Der Boden war matschig und von Pferdehufen aufgerissen, an einigen Stellen ragten Weizenhalme in die Höhe.
Dies war ein Getreidefeld.
Kurz darauf fand er, was er suchte: Vor ihm lag ein toter Reiter unter seinem Pferd, dem Tier war eine Lanze in die Brust gefahren. Alarich drehte den Ritter auf den Rücken und ignorierte die fürchterliche Halswunde, das Todesurteil des Mannes.
Dann lass uns doch einmal sehen, zu wem du gehörst.
Auf den Wams war das Zeichen des Hauses Bonwinn eingearbeitet: Eine Krähe mit Smaragden als Augen, die Alarich beiläufig in seinen Beutel fallen ließ. Als Söldner kämpfte man nicht fürs Vaterland, und wenn er zur Zeit keinen Sold ausgezahlt bekam, musste er selbst für Ersatz sorgen. Außerdem: Welcher Tote trauerte schon weltlichem Reichtum nach?
Im nächsten Moment eilte er davon, strebte gebückt wie ein Flüchtender dem Wald zu und verschwand in den Schatten.

Alarich schob die letzten Äste zur Seite und betrat die kleine Lichtung, auf der ihn bereits zwei Gestalten im Halbdunkel erwarteten. Das Licht des Mondes reichte mitten im Wald nicht einmal für die Nachtsicht des Söldners, doch Alarich wusste auch so, wer vor ihm stand, und wandte sich an den breitschultrigen Krieger, dessen linke Gesichtshälfte fürchterlich entstellt war: Eine Fackel, als Keule benutzt, hatte es in eine grässliche Totenmaske verwandelt, die linke Augenhöhle war gänzlich verwüstet.
„Rupert“, begrüßte er ihn. „Du bist schon zurück? Wie sah es bei dir aus?“
Rupert grinste, was sein Gesicht noch fratzenhafter und verzerrter erscheinen ließ. „Ich habe die Sterne gezählt.“
„Was?“ Wenn Rupert lächelte, gab es selten eine gute Nachricht, doch die Sache verschlimmerte sich, wenn der Narbengesichtige Witze riss.
„Hast du schon einmal versucht, die Sterne zu zählen?“, fragte Rupert.
„Was willst du, Narbe?“ Alarich nannte Rupert nur selten bei seinem Spitznamen. Der Krieger deutete hinter sich, dann schlug er sich in die Büsche. Alarich folgte ihm, nachdem er dem dritten Mann einen Wink gegeben hatte. Der Dritte im Bunde war zierlicher als seine Kameraden; der Umhang schlotterte um seine Schultern und den schlanken Körper, der eher einem Jungen als einem Mann gehören mochte.
Der Junge trabte wortlos hinterdrein.
Rupert war ein vierschrötiger Hüne und ebenso geräuschvoll arbeitete er sich durch das Dickicht, ganz im Gegensatz zu dem drahtigen Alarich, der sich anscheinend bemühte, den Geräuschpegel seines Kumpanen durch seine eigene Heimlichkeit zu drücken.
„Du trampelst wie ein vom Blitz geblendeter Bär“, zischte er nach vorn. Rupert bog einen Ast mitten im Lauf nach vorn und ließ ihn zur Antwort zurückschnellen; Alarich zuckte zurück, als der Zweig knapp vor seiner Nase wieder an seinen ursprünglichen Platz peitschte.
Kurz darauf brachen sie aus dem Wald heraus und erreichten eine Hügelkuppe, von der man eine gute Sicht auf die umliegenden Landschaften hatte: Wogende Hügelketten und saftige Wiesen, vom Mondlicht in Silber gegossen.
Und Sterne. Sterne, die in der Ferne auf dem Erdboden herumlagen. Zu Dutzenden, zu Hunderten.
Alarich trat neben Rupert, der mit verschränkten Armen dastand und tückisch fragte:
„Schon mal versucht, Sterne zu zählen, Aye?“
„Lagerfeuer.“ Das Wort kam tonlos über die Lippen des Söldners. „Über zehntausend Mann, mindestens. Und wenn sie von Süden kommen, sind das sicherlich nicht die braven Verteidiger dieses schönen Landes.“
Rupert grunzte. „Und nun? Der Standart-Plan „In die Zange nehmen und zwischen uns zermalmen“ klingt irgendwie... übermütig.“
„Da könntest du Recht haben, Narbe, für den Standart-Plan fehlen uns die Zwanzigtausend Gepanzerten.“ Alarich musterte seinen Kumpan, der sein Breitschwert auf den Rücken geschnallt hatte. Rupert hatte noch andere Möglichkeiten, seine Gegner zu erledigen, doch selbst als Kettenkämpfer... „Mein Plan ist: Beine in die Hand und los!“
Rupert nickte mit stoischer Gelassenheit. „Könnte ich mich mit anfreunden. Wie schauts denn bei dir aus?“
„Auf einem Feld im Norden sind Krähen gefallen.“ Alarich nahm den Dolch mit dem vergoldeten Griff vom Gürtel und wandte sich an den Jungen, dessen Gesicht von einer Kapuze verborgen war. „Den hier werdet ihr vermutlich brauchen. Werft ihn nicht weg wie das Schwert, das ich euch vor drei Tagen in die Hand drückte.“
Der Junge fing den Dolch auf und starrte den Söldner über die Waffe hinweg zornig an. Als er seine Kapuze abstreifte, kam kurz geschnittenes braunes Haar zum Vorschein und ein fein geschnittenes, ziemlich unmännliches Gesicht, das von Schmutz und Ruß versteckt wurde.
„Ich kann ihn nicht gebrauchen!“ Die hohe Stimme allein machte die Verkleidung zunichte, unter der sich das junge Mädchen verbarg. „Und ich will es auch nicht lernen!“
Rupert schnaubte, Alarich zuckte mit den Achseln. „Trotzdem werdet ihr ihn tragen, Mylady! Wenn ich euch unversehrt – und jungfräulich – durch dieses Land bringen soll, werdet ihr ebenso bewaffnet sein müssen wie wir auch.“
„Räuber sind in jedem Kriegsgebiet reichlich an Vorrat“, setzte Rupert hinzu. „Der Dolch kann euch Sicherheit garantieren, wenn wir einmal nicht zur Stelle sind.“
Joana warf dem Krieger einen eisigen Blick zu. „Ich kann ihn nicht benutzen!“
„Das bringen wir euch schon noch bei. Der Weg ist lang, seid versichert.“ Alarich setzte sich mit einem Male in Bewegung, stieg zum Füße des Hügels hinunter und in den Wald hinein. „Vorwärts! Wenn wir uns länger als unbedingt nötig im Wald aufhalten, wird uns die Vorhut dieses Heeres bald finden. Und als Deserteure sind Rupert und ich nicht sonderlich beliebt, ganz gleich, unter welchem Banner diese Gesellschaft zieht.“ Er warf Joana einen Blick zu, der dem ihren an Kälte

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Kommentare

Freya schrieb am 2009-04-06 20:43:44:
Echt Klasse! Du hast ganz viel Talent. Meiner Meinung nach hast du einen Schreibstil, der einen mit jedem Wort fesselt ... ganz ernst gemeint!
liebe Grüße
Freya
Marc O schrieb am 2007-08-18 20:02:44:
Danke dafür. ai. Finds gut, dass du die Cahraktere gut findest, auf die sollte man immer die größte Zeit verwenden, meine ich.
Danke für das Feedback.
ai schrieb am 2007-08-17 18:47:02:
hört sich wirklich gut an... ich mag deinen schreibstil und deine charaktere...
grüße
ai

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