Sommerkind (1. Teil)
von
Matthias Waldner
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Markus war ein fröhlicher, aufgeweckter Junge, der die erste Klasse besuchte. Mit seinen sieben Jahren wusste er oft schon recht genau, was er wollte. Aber es gab auch Situationen, in denen er froh war, seine Mama bei sich zu haben; etwa wenn er nachts schlecht geträumt hatte oder wenn ihm ein großer Hund zu nahe kam.
An einem Sonntagmorgen erwachte Markus und setzte sich im Bett auf. Irgendetwas war anders als sonst. Und auf einmal wurde ihm klar, dass es in seinem Zimmer viel heller und wärmer war als in den Tagen zuvor. Er verließ das Bett und ging zum Vorhang, den er zurückschob. Außerdem zog er den Rolladen auf. Da sah er, dass die Blüten des Apfelbaums vor seinem Fenster im strahlendsten Weiß leuchteten. Und als er den Kopf ein wenig in den Nacken legte, erblickte er den wolkenlosen blauen Himmel, von dem wunderbar die Sonne lachte.
Gedankenschnell zog Markus den Schlafanzug aus und schlüpfte in Unterhose, Shorts und ein T- Shirt. Dann trat er aus dem Kinderzimmer auf den Flur. Es war noch ganz still in der Wohnung. Offensichtlich schlief seine Mama noch. Leise und auf Zehenspitzen schlich er ins Wohnzimmer. Hier öffnete er die Terrassentür und trat ins Freie hinaus. Warmes Sonnenlicht strömte ihm entgegen. Nachdem er kurz stehengeblieben war, ging er die Stufen hinab, die von der Terrasse in den Garten führten. Herrlich fühlte sich der frisch gemähte Rasen unter seinen Füßen an. Markus setzte sich einfach ins Gras und streckte die Beine von sich. Neben ihm im Steingarten flogen einige Bienen und Hummeln summend und brummend von Blüte zu Blüte.
Ein wenig schaute er ihnen zu. Da spürte er plötzlich an seinem linken Fuß ein leichtes Kitzeln. Und als er hinsah, entdeckte er einen kleinen Marienkäfer, der sich langsam an seinem großen Zeh emporarbeitete.
Markus verhielt sich ganz still und versuchte, sich nicht zu bewegen. Als der Käfer ganz oben angekommen war, breitete er seine Flügel aus und flog leicht und locker davon. Markus schaute ihm nach, bis er seinen Augen entschwunden war. Als Nächstes ging er zur Sandkiste. Dort begann er, Kuchen zu backen und eine kleine Sandburg zu bauen.
Markus wusste nicht, wie lange er so zugebracht hatte, als er plötzlich leise Schritte hinter sich hörte. Er wandte sich um und sah seine Mama vor sich stehen. Sie trug ein leichtes weißes Sommerkleid und war so wie er barfuß. Als sie in die Hocke ging, strich sie sich eine blonde Locke aus dem Gesicht. "Guten Morgen mein Schatz!" sagte sie und gab Markus dabei einen Kuss auf die Wange. "Du scheinst ja schon eine ganze Weile auf zu sein. Und passende Kleider hast du dir auch rausgesucht. Das zeigt mir, dass du langsam ein richtig großer Junge wirst. Freust du dich auch so sehr über das Wetter?"
"Ja Mama!" antwortete Markus. "Ich wollte unbedingt gleich raus und habe es nicht mehr in der Wohnung ausgehalten."
"Das hast du vollkommen richtig gemacht. Du kannst heute den ganzen Tag draußen bleiben. Ich habe schon auf der Terrasse den Tisch gedeckt. Kommst du?"
Markus nickte und folgte seiner Mama die Stufen hinauf.
Zum Frühstück gab es Kaba und Nutellabrot, und Markus ließ es sich so richtig schmecken. Seine Mama trank wie jeden Morgen ihren Kaffee. Danach räumten sie den Tisch ab. Die Nahrungsmittel verstauten sie im Schrank und das schmutzige Geschirr in der Spülmaschine. Danach flitzte Markus sofort wieder nach draußen. Inzwischen war es nicht nur warm, sondern sogar geradezu heiß geworden.
Markus vertiefte sich wieder in sein Sandkastenspiel. Aber nach einer Weile hörte er seine Mama rufen: "Markus, am Sand hat es jetzt keinen Schatten mehr. Du kannst da später wieder spielen. Jetzt solltest du ein wenig aus der Sonne gehen."
"Och schade!" erwiderte er, gehorchte aber und kam auf die Decke, auf der sich seine Mama unter einem kleinen Apfelbaum ausgestreckt hatte. Eigentlich hatte sie in einem Buch lesen wollen. Aber da legte sich Markus neben sie und kuschelte sich an sie. Lächelnd legte sie das Buch weg und schlang die Arme um ihn. "Ich bin so froh, dass ich dich habe" sagte sie dabei und drückte ihn an sich. "Heute genießen wir gemeinsam den Tag. Möchtest du auch ein bisschen lesen? Dann könnte ich mit meinem Buch weitermachen."
"Ach nö, gerade habe ich kleine Lust" erwiderte Markus.
"Dann habe ich eine andere Idee, die dir sicher gefallen wird."
"Was für eine?"
"Das wirst du gleich sehen."
Sie verschwand im Haus. Gleich darauf hörte Markus, dass sie sich im Keller zu schaffen machte. Wenig später kam sie zurück und hatte etwas ziemlich Großes in der Hand."
"Das Planschbecken, hurra!" rief Markus begeistert aus. Er lief ins Haus und kam wenig später in der Badehose zurück. Er wartete, bis alles fertig war, dann stieg er ins Wasser. Das war in der Hitze eine herrliche und willkommene Abkühlung. Eine ganze Weile blieb er, bis seine Mama ihn rief: "Jetzt ist es fürs Erste genug. Du kannst nachher nochmals ein bisschen baden."
"Och schade!" erwiderte Markus. Aber er gehorchte. Nachdem er sich abgetrocknet und eine andere Badehose angezogen hatte, kam er wieder zu seiner Mama auf die Decke. Und nun las er doch ein wenig in seinem Buch. Zwischendurch gab es Mittagessen. Dann spielten sie zu zweit am Terrassentisch "Mensch ärgere dich nicht" und einige andere Spiele. Zwischendurch ging Markus nochmals ins Planschbecken.
Darüber war ein großer Teil des Nachmittags vergangen, und die Hitze begann ein wenig nachzulassen. "Weißt du was, wir gehen noch ein bisschen spazieren" sagte die Mama. Wir könnten zu unserer Lieblingsbank gehen und das Abendessen dorthin mitnehmen."
Wenig später waren sie abmarschbereit. Es ging zuerst ein Stückchen die Straße entlang. Dann folgte ein Asphaltweg, der bald darauf zu einem schmalen Wiesenweg wurde. "Barfußlaufen ist toll!" sagte Markus nach einer Weile."
Seine Mama, die ebenfalls keine Schuhe anhatte und vor ihm herging, erwiderte: "Ja, da hast du recht. Ich liebe das auch. Da spürt man richtig, dass Sommer ist. So, wir sind da."
Vor ihnen befand sich ein großer einzeln stehender Lindenbaum, in dessen Schatten eine Holzbank stand. Von hier hatte man einen weiten Blick bis hinüber zur anderen Talseite. Hier saßen sie oft miteinander, unterhielten sich oder schauten sich einfach die herrliche Natur an. So auch jetzt. Sie aßen ihre Brote und tranken Saftschorle aus kleinen Fläschchen. Erst nach einer ganzen Weile machten sie sich wieder auf den Rückweg.
Als sie zu Hause anlangten, war es immer noch warm. Aber für Markus war es nun so langsam Zeit, ins Bett zu gehen, denn am nächsten Tag musste er wíeder zur Schule. Bevor er ins Haus durfte, musste er sich erst einmal in einer Schüssel die Füße waschen. Aber er sah dies nicht als lästige Pflicht an, sondern empfand es als sehr erfrischend. Nachdem er "gute Nacht" gesagt hatte, ging er in sein Zimmer, wo er den Schlafanzug anzog und sich niederlegte. Da er den ganzen Tag an der frischen Luft gewesen war,
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