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Sonnebrille, Sternenhimmel und das Gefühl zu kotze

von SteckiDerZerstoerer

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Freitag 21.02.10 in der Disco:

<<Schau dir die mal an, die ist doch was Feines!>> Thomas steht neben mir und kann seinen Blick von dem flotten Feger auf der Tanzfläche nicht abwenden.
So ist das eben mit Männern, obwohl man die meisten, unter Berücksichtigung ihrer geistlichen Eigenschaften, eher als Jungen oder als ein Zwischenstadium zwischen Menschenaffen und Kleinkindern darstellen sollte.
Sobald ein kurzer Rock in Sichtweite ist, unter dem eine wohl geformte Hüfte lasziv ihre Kreise passend zu den vibrierenden Bässen und rhythmischen Beats der Musik dreht, fängt das Blut eines jeden Mannes an zu kochen.
Der erhitzte Lebenssaft beginnt auf mysteriöse Weise seinen Kreislauf auf die unteren Gebiete des betroffenen Körpers zu verlegen. Gewisse motorische Fähigkeiten oder die Gabe sich intellektuell Auszudrücken und somit seine Chancen auf die Gunst des begehrten Objekts zu erhöhen wird durch die mangelhaft auftretende Sauerstoffversorgung des Gehirns stark beeinträchtigt.
Während meine Gedanken die genauen Vorgänge im Körper meines Bekannten nüchtern analysieren bewegte sich dieser zielsicher auf seinen flotten Feger zu.
Der Discjockey schien genau diesen Zeitpunkt abgewartet zu haben und schaltete von einem Rocksong der Band Billy Talent auf einen Schmusesong, welcher es ohne Probleme auf jede Cd der Kuschelrockreihe gebracht hätte.
Das Licht der umherschweifenden Scheinwerfer erstrahlte in einem, wie wohl ein Romantiker zu sagen pflegen würde, warmen Rot.
Die aufgehängten Discokugeln reflektieren das Licht und projizieren somit tausende kleine Lichtpunkte auf den dunklen Steinwänden der Halle, ein Verfechter des romantischen Gedankens würde das Schauspiel eher als einen auf die Erde gesunkenen Sternenhimmel bezeichnen.
<<Ich glaub ich muss gleich kotzen>> der typische Gedanke, welcher in solchen Momenten durch mein Gehirn schießt. Neben mir steht ein, anscheinend frischt verliebtes, Pärchen. Er nimmt souverän seine Sonnenbrille, mit den extra großen Gläsern ab, und umschlingt Sie mit seinen Armen, die Frage wieso er auf die äußerst intelligente Idee kommt in einer dunklen und dazu auch noch überdachten Halle eine Sonnenbrille zu tragen verkneife ich mir krampfhaft und begnüge mich mit dem Gedanken, dass er schon seine Gründe haben wird.
Mein Blick schweift zu Thomas, der es anscheinend geschafft hat die junge Dame von sich zu überzeugen.
Sein Mund ruht auf ihrer Ohrmuschel und seine sich bewegenden Lippen zeigten mir, dass er mit ihr kommuniziert. Das entstehende Lächeln auf ihren Mund lässt mich zu dem Entschluss kommen das seine freundlichen Worte fruchten und ihm diese Nacht vermutlich nicht allzu viel Schlaf vergönnt sein wird.
Wie ich ihn kenne hat er wieder einen seiner unverschämten Anmachsprüche losgelassen und anscheinend auch noch eine gefunden die auf so was anspringt.
Ich werde nie verstehen wie manche weibliche Individuen auf die Sprühe <<Fick mich wenn ich falsch liege, aber wollten wir nicht rumknutschen?!>> oder <<Sorry, ficken?>> reinfallen können, aber dies lässt Hoffnung in mir keine.
Die Hoffnung besteht darin, dass das männliche Geschlecht, zu welchem ich auch dazu zähle, und das weibliche Geschlecht im Bezug auf den Geschlechtsverkehr, oder wie andere sagen würden << poppen, ficken, vögeln, Sex >>, zumindest im Niveau eine gleichwertige Flexibilität verzeichnen.
Die Welt mit solch einem nüchternen Blick betrachten zu können kostet viel Anstrengung, welche ich für den heutigen Abend nicht mehr auf mich nehmen möchte.
Bevor ich zu weit in meine Gedankenwelt gleite und somit den Sinn für meine Umgebung verliere beschließe ich meinen Kopf mit meinem persönlichen Allheilmittel zu betäuben.
Ein gesunder Cocktail aus zwei Aspirin, einem Wodka mit Eis und einer Flasche Bier lässt mich meine verwirrenden Gedankengänge vergessen.
Zwei Cocktails später fällt mir ein Typ mit hängendem Kopf am Rande der Tanzfläche auf.
Ich schnappe mir zwei Flaschen Bier und bewege mich auf direktem Wege auf ihn zu, soweit man meine Zickzacklinien als gerade durchgehen lassen könnte, aber immerhin wäre jeder Hase neidisch auf die Haken die ich in meinem leicht vernebelten Zustand zu schlagen vermag.
<<Was ist denn mit dir los?>> ich möchte eine Flasche an meine Lippe ansetzten, verfehle zu meinem Leidwesen diese und hinlasse eine rötliche Schramme neben meinem linken Augen.
Ein paar Flüche und Verwünschungen später beschließe ich meine Flaschen auf ein, an der Wand befestigtes, Brett zu stellen und mein Gegenüber erzählt mir seine persönliche Tragödie des heutigen Abends.
Ich bekomme jedoch nur die Hälfte mit, weil ich auf die großartige Idee kam die kleinen Lichtpunkte auf den Wänden zu Nikolaushäusern zu verbinden.
Nachdem mein Versuch die Punkte mithilfe des Prinzips des <<malen nach Zahlen>> zu verbinden und somit ungeahnte neue Kunstwerke zu erschaffen, aufgrund des fehlen von Zahlen, fehlschlug. Beschloss ich mir an der Theke zwei neue Biere zu organisieren und somit auch den letzten Rest von Logik aus meinem Körper zu verbannen.
Auf dem Weg zur Theke fielen mir einige Geschichtsfetzen der soeben gehörten Tragödie ein, eigentlich nur der Anfang weil das Ende noch nicht eingetroffen ist.
Er hatte das typische, männliche Problem. Er begehrte, wie von der Natur uns vorgegeben, eine Frau, jedoch traute er sich nicht mit dieser in Kontakt zu treten.
Um seine Ängste zu vertreiben beschloss er sich Mut anzutrinken und sieben Jägermeister später traute er sich nun endlich, aber leider konnte er nicht mehr sprechen.
Solche Vorfälle passieren in Discotheken fast jeden Abend und während meine Gedanken noch immer bei dem armen Kerl sind trifft mich auf einmal ein <<Hey du! Ich kann dir alles besorgen!>> eiskalt in den Rücken.
Erst jetzt bemerke ich, dass ich an der Theke angekommen bin und drehe mich langsam zu dem Erzeuger dieser Aussage um. Vor mir steht eine Blondine, welche wenn sie gerade stehen würde bestimmt ihre Schuhe nicht mehr sehen könnte, und lächelt mich freundlich an. <<Könnten Sie das wohl bitte noch mal wiederholen? Ich befürchte ich habe sie nicht richtig verstanden!>> zu meinem Erschrecken klingt meine Stimme zittrig und erinnert mich an einen kleinen Jungen der zum ersten mal mit meinem Mädchen redet.
Ein Lächeln huscht ihr übers Gesicht und mein Blick wandert automatisch von ihren Augen, über ihren Mund, an ihrem Hals herunter und bleibt an ihrem Ausschnitt haften, ja auch ich bin zu meinem Leidwesen zu einem gewissen Teil primitiv und von natürlichen Trieben gesteuert.
<<Ich kann dir alles besorgen! Wasser, Cola, Bier…>> ihr Lächeln verstärkt sich.
<<Ein Bier bitte!>> natürlich habe ich ihr Angebot mit meinem versoffenen Kopf falsch interpretiert und zu meinem Bedauern muss ich auch noch feststellen das ich anfange zu erröten, zum Glück besteht das Scheinwerferlicht immer noch aus einem satten rot.
Ich nehme mein Bier von ihr entgegen und hoffe nur, dass ich noch genug Blut in den Beinen habe um mich

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