Sonnenstrahlen des Glücks
von
Rommee
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Wie eine Eidechse. Da lag ich in der warmen Maisonne und blinzelte dem hellen Licht entgegen. Ein sachter Wind zog manchmal durch meine langen, baumstammfarbenen Haare, und es war angenehm. Es roch nach Sommer, nach Wasser, nach Gras und nach Liebe. Und obwohl die Wolldecke, auf der ich es mir gemütlich gemacht hatte, kratzte, war ich glücklich. Richtig glücklich. Der Schlumpfen-Eis-blaue Himmel, die beinahe schon zu warmen Sonnenstrahlen auf meinem ihnen zugerichteten Gesicht, die mit Seewassertropfen gespickte klare Luft um mich herum, die Decke und er. Simon. Wir beide waren nun hier, auf diesem kleinen Steg an diesem kleinen See, meilenweit entfernt von all der Zivilisation da draußen. Die Stadt und die Gesellschaft hatten uns bedrängt. Und das spürte ich. Er auch. Es war anders zwischen uns. Jedes Wort hätte die Schönheit, die vertraute und doch geheimnisvolle Atmosphäre erlöscht. Wir brauchten nichts mehr sagen. Es war alles klar. Er lag da und sonnte sich mit geschlossenen Augen. Ich wartete reglos wie die Eidechse, wärmte meine von der grauen und kalten Stadt eingefrorenen Glieder, sah über das Wasser und war einfach nur glücklich. War glücklich Simon die ganze Zeit ansehen zu können; wie er da lag, mit seinem seichten Lachen, den geschlossenen Augen und den Haaren, die man jedes Mal wenn man sie sieht am liebsten durchwuscheln würde. Ich weiß das er auch glücklich ist. Jetzt und hier; mit mir. Ich beobachtete ihn, 2 Sekunden, 2 Minuten, 2 Stunden, 2 Jahre?! Ich konnte nicht sagen wie lange ich da reglos auf ihn hinuntersah. Und er , grinste mich an, hob seine Lider und schloss sie wieder. Er wusste ich passte auf ihn auf. Obwohl nichts passieren konnte. Niemand war da. Ich hatte es nicht erwartet, noch nicht mal glauben können als wir ankamen. Aber niemand war da. Ich weiß ich wiederhole mich, aber es erstaunt mich einfach immer wieder wenn es mir in den Sinn kommt. Niemand?! Wie halten es diese Stadtleute, diese kalten, grauen Stadtleute, eine Masse, einheitliche Masse nur aus? In der kalten, grauen Stadt? Die das Herz und die Seele in einen Tiefkühler warf, einfach so, mit ihre Hektik und ihrer Fülle an Neuen, an Fremden. Wollten sie nicht auch einmal glücklich sein? Die Wärme und Liebe fühlen, die einen hier wie selbstverständlich überkam? Simon und ich; wir sind doch nicht viel anders als all die tausenden Menschen dort! Oder doch? Ich kann es nicht glauben; vielleicht will ich es einfach nicht glauben. Genauso wenig wie die Tatsache das keiner von ihnen hier ist. Und doch ist es wahr. Für eine Nanosekunde wurde ich skeptisch, melancholisch. Aber nur für eine winzige Nanosekunde. Dann kam eine neue Windboe auf und ich sah eine kleine Spinne meinen gebräunten, beinahe geröteten Arm hinaufkrabbeln. Wäre in der Stadt ein Spinnchen an mir heraufgeklettert, hätte ich wohl geschrieen. Laut geschrieen. Und Simon hätte mich retten müssen. Aber hier war ich glücklich und ließ sie passieren. Ich ließ sie kaum aus den Augen als sie immer höher lief. Und strahlte dabei, und grinste. Und wie auf Kommando zerrte Simon seine Mundwinkel weiter nach oben, er spürte mein Glück. Wir fühlten wie eine Person. Ich dachte daran wie ich ihn kennen gelernt hatte. Dieser Tag erschien mir so weit entfernt und doch wurde mein ganzer Körper von einem wärmendem Leuchten durchflutet, als ich die Geschehnisse noch einmal im Kopf herumspuken ließ. Statt einer Sonne waren garantiert 2 weitere in meinen Gedanken aufgetaucht, während ich alles das durchging was ich so an ihm mochte. Auf Anhieb mochte. Er war von Anfang an, von allerersten Begegnung, so lieb gewesen, so normal. Und doch unnormal. Unnormal schlau, witzig, charmant und optimistisch. Und seine Stimme, als er mir den Flyer für die Fete in die Hand drückte; diese tiefe, harmonische und dennoch leicht raue Stimme, sie berührte mich. Er könnte mich 24 Stunden am Tag zureden, mit irgendwelchen sinnlosen Sätzen oder Lügen. Ich würde dennoch einfach entspannen und nur zuhören. Solange er spricht war mir alles egal. Es hätte neben mir ein Tiger die Zähne fletschen können, es wäre mir egal. Ich hätte nie gedacht das es einen Zeitpunkt geben würde in dem die völlige Stille zwischen uns mich genauso glücklich und beruhigt machen könnte wie ein Gespräch mit ihm. Und jetzt saß ich mit ihm an diesem kleinen Steg eines winzigen Sees, mitten in der unbekannten Welt, die ich noch nie vorher so erlebt hatte, und ich platzte vor Glück und Ruhe. Ich war einfach reglos und in Gedanken, erforschte jedes Fleckchen um mich herum mit den Augen und träumte mich dennoch fort. Fort von all dem Stress und der Kälte, welche uns beiden tagtäglich begegnete. Jetzt verstand ich warum Simon alles liebte was ihm begegnete. Solang man weiß das es auf dieser Welt noch ein Platz des ungebändigten Glücklichseins und der Ruhe gab, auf den man sich zurückbewegen konnte, wenn es einem schlecht ging, kann einem das Böse der Welt, auf das man immer wieder trifft, einfach nur egal werden. Er hatte Recht. Er war so genial. Er hatte mir den Steg gezeigt, es war ihm zuviel gewesen; das ganze Drumherum und Trara der Stadt. Warum war ich nie selbst darauf gekommen, nach was ich mich wirklich sehnte. Keine Gesellschaft, keine Unterhaltung war mehr wert, wie dieser Moment des unendlichen Vertrauens, der Wärme. Mein Herz taute auf. Die dicke Eisschicht um es schmolz im Sekundentakt. Je länger ich auf ihn sah und auf das Wasser, auf dem kleine Wellen fröhlich schipperten, desto mehr Sonnen erleuchteten mein Gemüt. Und ich wurde immer glücklicher.
Wir waren hier. Fernab von allen anderen, Menschen, Vorstellungen, Welten. Ich war froh das kein anderer Stadtbewohner hier war, er hätte schweigen können wie ein zertrampeltes Grab, er hätte uns nicht so weit kommen lassen; er hätte gestört. Wir waren wir. Und glücklich, ohne jedes höhere Bestreben. Wie eine Eidechse.
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