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Kategorien > Krimi > Thriller

Späte Rache

von roxane

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aber dieses Mal barsch. Zögernd meldete sich eine zitternde Stimme. „Lea?“ Sie erschrak. Es war Michelle! „Lea, bist du am Telefon?“ „Ja. Michelle, was ist los? Was ist mit dir?“ Wieder Stille. Dann flüsterte die Stimme am Telefon: „Ich weiß nicht, wo ich bin. Es ist so dunkel hier. Mein Handy hatte ich in meiner Tasche. Lea, ich habe solche Angst…“ Michelle fing an zu weinen. Lea musste ruhig klingen, wenn auch sie in Panik verfiel, hätte es nichts gebracht. „Michelle, ganz ruhig. Wo warst du zu letzt?“ Zögernd antwortete sie: „Ich kam bei einer Familie unter. Vater, Mutter, Hund. Dann bin ich schlafen gegangen. Und als ich aufgewacht bin, lag ich hier.“ Lea versuchte zu folgen. „Da, wo du jetzt bist, wie groß ist es da?“ Stille. Dann wimmerte eine Stimme: „Es geht. Ich kann mich bewegen, aber ich traue mich nicht, aufzustehen. Bitte zwinge mich nicht, aufzustehen! Bitte, Lea!“ Arme Michelle. Sie weinte. Sie weinte die ganze Zeit. „Liegst du mitten im Raum, oder an einer Wand?“ „An einer Wand. Sie ist nass. Und fühlt sich ekelig an. Und von oben dringt ein schmaler Lichtschein durch. Aber es ist so still. Ich habe Angst. Bitte helfe mir, Lea.“ Lea erschrak. Es piepte. „Michelle. Ich glaube, dein Akku ist gleich leer.“ Michelle wurde panisch. „Nein! Das darf nicht sein! Außer dir habe ich doch niemanden.“ „Keine Sorge, Michelle. Ich hole dich da raus!“ Stille. „Versprochen?“ fragte Michelle. „Versprochen!“ Wieder Stille. Eine unheimliche Stille. Der Akku war leer. Genauso wie Lea. Sollte sie jetzt Michelle auch ganz verlieren? Arme Michelle. Sie musste sie retten. Aber wie? Lea dachte nach. Wohl ein Schuppen. Ohne Fenster. Und ohne Lärm. Michelle erzählte etwas von nassen Wänden. Und einem schmalen Lichteinlass. Sie grübelte. Doch alles Überlegen hatte keinen Sinn. Doch dann, plötzlich, kam es ihr: Das Bootshaus! Es hatte einige kleine Kammern, die neben dem See standen. Sie wollte sich sofort auf den Weg machen. Unüberlegt. Es war kurz vor zehn. Ihre Eltern würden sie nie im Leben nachts noch raus lassen. Also musste sie selbst Initiative ergreifen.
Lea lief zum Schrank und suchte ihre schwarze Sporthose und ein schwarzen Shirt heraus. Nachdem sie sich umgezogen hatte, packte sie eine Taschenlampe und ihr Handy in ihre Jackentasche. Schnell packte sie noch eine Flasche Wasser ein. Wer weiß, wie lange Michelle nichts mehr zu Trinken bekam? Sie schmunzelte. Wie praktisch es doch war, dass alle Bettlaken bei ihr im Zimmer waren. Im Nu stand sie in dem Vorgarten. Das Seil aus Bettlaken wog im Wind hin und her. Behutsam schlich sie an der Hauswand entlang, duckte sich bei dem Wohnzimmerfenster und lief die Einfahrt hinunter. Wie still es nachts doch auf den Straßen war. Aber zum Wundern war keine Zeit. Sie musste ihre Freundin befreien!
Schnell rannte sie die Straße entlang bis zum Krankenhaus. Die Hauptstraße. Dämliche Ampelschaltung. Deshalb lief sie über die Straßen, ohne auf Ampeln oder Autos zu achten. Die Hupereien und Bremsgeräusche ignorierte sie, sowohl wie schimpfende Autofahrer. Wenn die eine Ahnung hätten! Andere beklagen sich über eine rote Ampel, und sie war gerade dabei, ihrer Freundin das Leben zu retten! Die Schule. Soweit war sie schon gekommen. Nachts fand sie sie fiel besser. Ohne Lehrer. Einfach nur ein großes Gebäude. Geschwind lief sie an den dicken Schulgemäuern vorbei und bog in die Seitenstraße ein, die zum See führte. Und zum Bootshaus. Lea schlich sich an die hölzerne Hütte heran. War sie noch am Leben? Ging es Michelle gut? Sie hatte Angst. Große Angst. Was, wenn sie Michelle entdecken würde, blass am Boden, leblos? Doch für Furcht war keine Zeit! Lea lief zur Tür. Abgeschlossen. Typisch. Sicherheit. Doch diese verschlossene Tür blockierte gerade Sicherheit! Sie ging einige Schritte zurück. Sie nahm Anlauf. Die Tür blockierte nun nicht mehr die Sicherheit. Dunkel. Nass. Unheimlich. Das Bootshaus wirkte wie ein riesiges Schloss, obwohl es bloß eine kleine Hütte am See war. Sie rief. „Michelle! Michelle! Wo bist du?“ Sie rief immer wieder. So viele Türen! Wie sollte sie da Michelle finden? Da vernahm sie ein leises Murmeln. Kaum zu hören. Aber Lea war sich sicher, dass das nur Michelle sein konnte! „Michelle!“ Sie klopfte an jede Tür. An einer kam dieses Murmeln wieder. „Michelle! Ich bin sofort bei dir!“ Voller Energie trat sie gegen die Tür. Solange, bis das Schloss auseinander brach. Schnell zückte Lea ihre Taschenlampe. In der Ecke des Raumes fand sie ihre Freundin. Blass. Aber noch am Leben. „Lea…?“ flüsterte Michelle. „Ja, Michelle! Ich bin da!“ Sie umarmte ihre Freundin so fest sie konnte. Sie erschrak; Blut! An ihren Händen war Blut. „Michelle!“ schrie sie auf und drehte die Freundin ganz zu sich. Lea riss ihre Augen weit auf. Sie konnte nicht glauben, was sie sah: Michelle blutete im Bauchbereich und ihre Arme waren aufgeschlitzt! „Lea, du bist da…“ lächelte Michelle schwach. Sie schloss ihre Augen. Lea fing an zu weinen. „Michelle!“ rief sie. Doch ihre Freundin wachte nicht auf. „Ich bringe dich ins Krankenhaus!“ „Nein.“ Eine tiefe Stimme erklang im Hintergrund. „Das wirst du nicht machen!“ Lea richtete ihre Taschenlampe in die Richtung, aus der die Stimme kam. Sie hielt den Atem an. Der Reporter! „A-Aber…“ stotterte sie. „Aber, wieso? Warum? Sie kannten Michelle doch gar nicht.“ Der Mann schritt genüsslich auf sie zu. „Oh, doch! Ich kannte dieses Miststück! Sie lief Jane an jenem Tag nach und sah genau, wie ich Jane ermordet habe! Alles hat sie gesehen! Und es natürlich sofort ihrer Mami erzählt. Doch die Polizei wollte ihnen nicht glauben. Tja, wer glaubt auch schon bitte einem 12-jährigen naiven kleinen Mädchen? Pech für sie, gut für mich.“ Lea konnte es nicht fassen. „Darum haben Sie Michelle entführt? Aber warum musste Jane sterben?“ Der Mann lachte hämisch. In dem Taschenlampenlicht funkelten seine Augen boshaft. „Das kann ich dir sagen. Aus Rache!“ Er verzog seine Miene und trat noch näher an sie heran. „Rache? Was hat Jane ihnen denn getan?“ „Das ist ganz einfach“, begann er. „Sie lebte. Das war Grund genug. Vor fünfzehn Jahren war ich noch glücklich mit ihrer Mutter verheiratet und diese hatte noch keine Kinder. Dann kam eines Tages die Nachricht, sie sei schwanger. Ich ließ mich von ihr scheiden. Dieses Mädchen hat uns auseinander gebracht. Ich hasse Kinder!“ Lea sah den Mann unverständlich an. „Jane traf ja wohl am Wenigsten Schuld, dass die lebte! Das war ganz allein Ihre Schuld und die von ihrer Mutter…Aber eines verstehe ich nicht. Weshalb hat Michelle mir nichts erzählt?“ Ihre Freundin keuchte. Lea lächelte. „Durchhalten, ich bringe uns hier raus…“ flüsterte sie und wandte sich schnell wieder dem Mann zu. „Was weiß ich, warum sie kein Wort zu dir gesagt hat. Vielleicht wollte sie dir keine Last aufbinden oder so. Typisch Frau!“ Missbilligend betrachtete er die beiden Mädchen. „Immer tun sie so stark und sind doch so schwach. In diesem Augenblick ein Engel, wenige Sekunden später der Teufel! Ich hasse sie!

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