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Kategorien > Krimi > Thriller

Späte Rache

von roxane

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Ich hasse alle! Jemals habe ich eine geliebt und die wurde mir weggenommen durch ein Kind!“ Er schrie. Er weinte. Er griff in seine Tasche. In seiner Hand lag locker eine Pistole. „Doch nun wird dieses kleine Miststück niemandem etwas von ihrer Beobachtung letztes Jahr erzählen können!“ Bestimmt richtete er die Pistole auf Michelle. Dann auf Lea. „Und du wirst mit deiner Freundin das Zeitliche segnen.“ Lea war starr vor Angst. Wieso? Wieso musste alles so kommen? „Deshalb“, fing Lea an. „Deshalb gaben Sie mir den Zettel letzte Woche. Sie planten kein Interview. Sie hatten Angst. Angst davor, dass Michelle mir alles erzählen und wir es dann erneut bei der Polizei versuchen könnten. Habe ich Recht?“ Der Mann schwieg. Noch immer war die Pistole auf sie gerichtet. Doch in ihr selbst kehrte eine seltsame Ruhe ein. Sie entspannte sich und hatte keine Furcht mehr. „Sie tun stark und sind in Wirklichkeit schwach! Starke Menschen müssen nicht morden. Nur Schwache können nicht vergeben.“ Lea blickte dem Mörder in die Augen. „Sie sind schwach!“ „Nein!“ schrie der Mann. „Ich bin stark! Aber du und deine kleine Freundin, ihr seid schwach! Los, versucht zu fliehen, ihr werdet sterben. So oder so.“ Er grinste. Hämisch. Fies. Brutal. Gleich würden sie und Michelle sterben. Das wusste sie. Sie hatte keine Chance. Oder doch? Hastig sah sie sich um. „Was ist? Bist du bereit für den Tod?“ zischte er. Erst in diesem Moment erkannte Lea die schmierige Flüssigkeit an der Wand: Benzin! Hinter dem Bootshaus, direkt am See, mussten Benzinkanister stehen! Das war ihre einzigste und letzte Chance. Es durfte nichts schief laufen. Doch wie sollte sie es anstellen? Die Frage von dem Mann kam da nur zu Recht: „Noch einen letzten Wunsch?!“ Das war ihr Stichwort! „Ja.“ antwortete sie selbstsicher. „Was ist, wenn Sie bloß bluffen und die Pistole gar nicht geladen ist?“ Er wurde ungeduldig. „Hey, da sind fünf Patronen drin! Die kannste ja gleich selbst spüren!“ „Warte! Mein letzter Wunsch ist folgender: Ich will, dass Sie zum Beweis in…“ sie tat so, als würde sie überlegen. „…in diese Wand schießen.“ Sie zeigte hinter sich. „Und damit Sie nicht doch auf Michelle oder mich schießen, können Sie uns ja festhalten und danach eiskalt umbringen.“ Der muss echt fertig sein. Wenn der so was abkauft. Aber er sagte doch selbst: Pech für jemand anders, gut für mich. Der Mann zögerte. Er atmete merklich tief aus. „Jaja, schon gut. Kommt her, ihr Biester!“ Grob packte er Lea und die Verletzte am Arm. „So, damit du mir glaubst, Kleine“, Er richtete die Pistole auf die Wand. Dass war’s. Jetzt oder nie. Er war entschlossen. Dann ein Knall. Lea konnte die Patrone förmlich sehen, wie sie der Wand immer näher kam. Plötzlich knallte es. Und in einer Sekunde auf die andere krachte es schrecklich laut. Ein Feuerwerk aus Flammen und Furcht. Sie brannte. Ihre Jacke fing Feuer. Vorsichtig zog sie an Michelle. Der Mann starrte noch in die Explosion, hielt schützend seine Hand vor sein Gesicht. Jetzt war es soweit. Mit aller Kraft biss sie in seinen Arm. Er schrie. Er ließ sie los. Michelle zerrend versuchte sie, den Ausgang zu finden. Sie rannte. Sie hatte Angst. Angst, dass Michelle oder ihr etwas zustoßen würde. Ihre Eltern wussten nichts von ihrer Rettungsaktion. Aber für solche Fragen hatte sie keine Zeit. Panisch tastete sie die Wände ab. Ein Spalt! Lea riss die Tür auf und lief aus dem Bootshaus. Friedlich la der See da und schlummerte. Wie schön er doch funkelte im Vollmondlicht und in der Explosion. Sie schliff Michelle hinter sich her. Sie rannte, wie sie noch nie gerannt war. Es kam ihr vor wie Stunden, doch dann sah sie es: Das Krankenhaus. Hastig schleuderte sie die Doppeltür und lief zur Anmeldung. „Hören Sie zu! Meine Freundin ist schwer verletzt! Sie muss so schnell wie möglich zu einem Arzt!“ Die Frau hinter der Anmeldung griff verwirrt zu einem Hörer, der auf dem Schreibtisch lag. „Sofort ein Arzt in den Eingang. Es ist ein Notfall…“ murmelte die Frau in das Telefon. Michelle keuchte. Das letzte, was Lea hörte, war ein leises „Danke, Lea…“, bevor alles schwarz wurde…

Licht. Wo war sie? Verwirrt setzte sie sich auf. Diese Kopfschmerzen. Ihr Blick wurde klarer. Sie lag in einem Krankenzimmer. Neben dem Bett, in dem sie lag, stand eine Ärztin. „Guten Morgen, kleine Lea!“ begrüßte sie Lea und lächelte. „Was-Was ist passiert?“ verwirrt sah sie zur Krankenschwester. „Du bist letzte Nacht zusammen gebrochen…“ Die Schwester blickte traurig. Sofort fiel Lea die Entführung von Michelle ein- Michelle! „Was ist mit Michelle? Wie geht es ihr?“ Die Krankenschwester setzte sich auf die Bettkante. „Ihr Zustand ist zwar einigermaßen labil, aber er verschlechtert sich. Wir tun alles, was wir können.“ Ohne ein weiteres Wort schlich sie aus dem Zimmer. Lea lag da. Im Bett. Ihre Erinnerungen schmerzten. Sowie ihr Kopf.
Einige Tage später war Michelles Beerdigung. Ihre Verwandtschaft beerdigte sie neben ihren Eltern. Bei der Zeremonie fielen Lea alle Gedanken und Erinnerungen aus der Nacht durch den Kopf. Der Pastor hielt seine Rede. Sie war kurz. Und rührend. Lea hatte ebenfalls eine Rede vorbereitet. Sie weinte. Schon wieder verlor sie einen geliebten Menschen. Sie wollte immer für ihre beste Freundin da sein. War Michelle enttäuscht? Lea hoffte, dass ihre Freundin ihr verzeihen würde. Langsam ging sie zum Pastor und verließ unter Tränen ihre Rede:
Liebe Michelle, Nette Michelle, Gute Michelle,
Du warst und bist die einzigste beste Freundin in meinem Leben. Wenn ich traurig war, warst du bei mir und hast mich getröstet. Wenn ich fröhlich war, warst du bei mir und hast dich mit mir gefreut. Trauer und Glück teilten wir. Und immer noch teilen wir eines: Freundschaft. Selbst, wenn du nicht mehr hier sein kannst, so wirst du mich noch immer trösten, wenn ich traurig bin und wirst du dich auch noch mit mir freuen, wenn ich glücklich bin. Und wenn du weinst, tröste ich dich. Wenn du dich freust, freue ich mich mit dir. Nur weil du nicht mehr hier sein kannst, dass ich dich sehe, so wirst du für immer in meinem Herzen sein. Bitte sei nicht traurig, wenn ich an dich denke und weine. Du bist meine beste Freundin, klar, dass man dann traurig ist. Aber dich trifft keine Schuld. Also bitte weine nicht, sondern strahle wie die Sonne. Und immer, wenn die Sonne scheint, weiß ich, dass es dir gut geht. Und wenn du es regnen lässt, dann tröste ich dich. Du kannst auf mich zählen, Michelle.
Amen…


Ende

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