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Kategorien > Liebe > Ein bischen lustig

Spaghetti ohne Bolognese

von Glory Halleluja

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Spagetti ohne Bolognese
An manchen Tagen komme ich mich so seltsam vor wie Patrick, der Prachtregenbogenfisch. Patrick fühlte sich ganz offensichtlich nicht wohl in seinem Süßwasseraquarium, das er sich unter anderem mit den Zwergfadenfischen Miles und Seth herumärgern musste. Immer wenn ich in mein Zimmer komme, drückt er seine Nase an der Glaswand platt, als wollte er sagen: Hol mich hier raus. Ich gehör hier nicht dazu!
Aber gegenüber mir hatte Patrick, der Prachtregenbogenfisch einen unschätzbaren Vorteil: Er war nicht unsterblich in einen Jungen verknallt, der wohl niemals auch nur ansatzweise Gefühle für ihn entwickeln würde.

Unsere Mensa ist absolut grottig und außerdem diskriminierend gegenüber Vegetariern.
Mal im Ernst, was soll das? Schauen wir doch mal auf die heutige Speisekarte: Mhm, lecker, wie wär´s mit einer köstlich fettigen Bockwurst mit Senf? Saftigem Geschnetzelten? Oder Spaghetti Bolognese? Weiter reichte das vielfältige Angebot, bei dem für jeden was dabei war, leider nicht aus. Und so fand ich mich wieder einmal mit nackten Spaghetti OHNE Bolognese an einem der zerschrammten und mit Flecken übersähten Tischen wieder.
Meine Freundinnen Mille und Isa rutschten auf die Stühle neben mir und der unangenehme Geruch von gebratenem Fleisch schwappte mir in die Nase. Es hat schon seine Gründe, warum wir daheim kein Fleisch essen, und einer davon ist auf jeden Fall der widerwärtige Gestank.
“Lasst es euch schmecken”, murmelte ich und wickelte meine glibberigen Spaghettiwürmer um eine Gabel. Was ich gegen Fleisch hab? Oh, ich könnte euch jetzt stundenlang mit Fakten und Zahlen über den Vegetarismus zuschwallen, von A wie Ausbeutung der Tiere bis Z wie Zivilisationskrankheiten.
Aber die Abneigung gegenüber Fleisch wurde mir wohl in die Wiege gelegt- meine ganze Familie isst vegetarisch und so hat sich mir noch nie auch nur ein Stück Tier der Mundgegend genähert. Aber meine Familie samt ihrer über den Vegetarismus hinausgehenden Lebenseinstellungen werdet ihr noch früh genug kennen lernen, glaubt mir.
An diesem Tag also unterschied sich das Mensaangebot in keinster Weise von dem der vorherigen Tage , aber, und jetzt kommt das eigentlich Ungewöhnliche an diesem Tag, ich wurde angesprochen, und das von einem Jungen.
Ich kann mir denken, dass euch das jetzt nicht übermäßig umhaut. Ihr seid sicherlich von der Sorte Mädchen, die täglich von Jungs angesprochen werde, egal ob im Bus, im Supermarkt oder eben in der Mensa. Nun ja. Ich nicht. Aber halt, ich sehe schon das Bild einer bebrillten Streberin mit Zahnspange und Pickelminenfeld vor euren Augen. Nein, ich bin nicht hässlich, finde ich zumindest. Meine Haare sind blond und gelockt, in der Bravo steht, das gibt Pluspunkte bei den Jungs, und Pickel hab ich nur, wenn nichts anderes als Pommes in der Mensa zu fassen gekriegt habe. Das Problem ist wahrscheinlich eher, dass Jungs es nicht mögen, wenn Mädchen bunte Batiktücher um die Stirn tragen und, -hier kommt der große Minuspunkt: Ich hätte in der fünften Klasse nicht zugeben dürfen, dass ich 12 Aquarien daheim stehen hab und mein größtes Hobby darin besteht, die 52 darin herumdümpelnden Fische zu beobachten ( sorry, es sind 53. Ich habe Harry den Hummer vergessen. Viele sagen, Hummer zählen zu dem Krustentieren, aber Harry hat sich so in die Fischgemeinschaft eingefügt, dass ich es nicht übers Herz bringe, ihn da auszulassen). Man könnte eigentlich meinen, dass die Leute so was nach fünf Jahren vergessen- ihr könnt sicher sein, das tun sie bestimmt nicht.
Jetzt dürfte es also ein wenig klarer sein, warum dieser Tag einen etwas ungewöhnlicheren Verlauf einschlug. Ich saß mit Mille und Isa an einem Tisch und mampfte nackte Nudeln und plötzlich saß da ein Junge.
In der Mensa ist es ziemlich laut, vor allem zur Mittagszeit, nur um mich zu rechtfertigen, warum ich Simon nicht habe kommen sehen. Rein theoretisch könnte er sich auch gebeamt haben, aber das schließen wir jetzt mal aus. Jedenfalls saß er da, rittlings auf einem Stuhl, das Kinn auf die Hände gestützt und meinte: “Mahlzeit.”
Ich könnte schwören, dass mir in diesem Augenblick ein paar Spaghettiwürmchen aus dem Mund flutschten. Das wäre so typisch ich gewesen. Ich schob meinen halb leeren Teller abrupt beiseite , um derartige Missgeschicke gleich im Voraus zu vermeiden.
“Hi”, sagte Isa, Mille schloss sich mit einem lässigem “Tach” an und konnte erleichtert über den einfachen Gesprächseinstieg mit einem “Hallo” folgen. Soweit, so gut.
“Wie kann man dir helfen, Simon”, fragte Isa beiläufig und wischte sich mit einer Serviette den Mund ab. Isa kann so was. Sie hat die gleiche Grundschulklasse wie Simon besucht, ich schätze mal, deswegen fällt ihr das ein wenig leichter.
“Dem ist doch nicht zu helfen”, murmelte Mille etwas abschätzig. Man soll Jungs immer ein wenig necken und herausfordern, hat sie mir mal erklärt. Also lag es jetzt an mir, irgendwas Cooles, aber auch ein klein wenig Gemeines zu sagen. Soweit musste es aber gar nicht kommen.
“Nett wie eh und je, die Damen”, grinste Simon und verschränkte die Arme vor der Brust. Ja, okay, ich weiß, was ihr jetzt hören wollt; er sah schon recht gut aus, hatte ein echt süßes Grinsen blabla , die sportliche Statur, blabla. Ich könnte mich da jetzt reinsteigern und das weiter aufzählen und erörtern, aber das hätte doch sowieso keinen Sinn. Mille uns Isa, so gerne ich sie auch habe, werden das Gespräch an sich reißen, und ich, der komische Fischfreak mit dem roten Batiktuch im Haar würde außen vor bleiben. Hmprf. Das Süßholzgeraspel könnt ihr echt vergessen.
“ Aber da ich wusste, dass ihr mich mit so offenen Armen empfangt, wende ich mich gleich lieber an Gwendolyn”. Jup, er tat´s tatsächlich. Drehte sich von Mille und Isa weg und lächelte mich an. Oh, habt ihr den zweiten Megaminuspunkt bemerkt? Ich heiße Gwendolyn. GWENDOLYN, wie diese verrückten Feen und Königinnen aus Wales. Was aber bemerkenswert ist: Jeder hier nennt mich eigentlich Gwen oder Wendy oder wie auch immer, weil Gwendolyn denen wahrscheinlich zu abgespaced klingt. Simon aber nannte mich als Erster beim vollen Namen.
“ Würdest du mir bei meinem Bioreferat helfen? Ich hab von der Haselbach eines als Strafe aufgebrummt bekommen. Ich weiß noch, du hast in der fünften Klasse mal erzählt, dass du 15 Aquarien daheim hast”... Autsch, sie vergessen es wirklich nicht.
“..und mein Referat geht über einheimische Süßwasserfische. Da dachte ich, vielleicht könnte ich mir die Aquarien mal anschauen oder so...”
Stille. Mir war, als ob die gesamte Schülerschaft, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Mensa aufhielt, mit Schmatzen und Mampfen innehielt und aufmerksam lauschte. Nur gab´s nicht viel zu hören: Ich stierte Simon völlig entgeistert an, Mille und Isa stierten mich noch entgeisterter an und Simon selbst schien sich ziemlich unwohl zu fühlen. Er trippelte mit den Fingern auf seinen Armen und sein Blick huschte unruhig umher. Ich räusperte mich. Irgendetwas musste

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Kommentare

Anna schrieb am 2011-05-31 01:15:21:
Ich mag diese Geschichte (:
ich finde, sie ist unrealistisch, abr sehr niedlich :*
viel spass bei weiteren (;
Maja schrieb am 2011-01-19 13:19:22:
Tolle Geschichte. Verdammt lustig und naja...romantisch xD

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