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Kategorien > Aus dem Leben > Begegnung

Spinne am Morgen

von Webtitania

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Heute morgen sah ich beim Betreten des Badezimmers eine Spinne an einer Ecke des Türrahmens sitzen. Sie drückte ihren kleinen runden grauen Leib, der ca. einen halben Zentimeter groß war, an das Holz um einen Faden zu befestigen. Dann ließ sie sich ein kleines Stück an diesem fallen und hangelte sich mit ihren dünnen Beinen gleich darauf wieder an der Seite nach oben. Sehr geschickt und sportlich, das musste ich neidvoll zu geben. Hatte ich im Sportunterricht doch immer versagt, wenn es darum ging ein Seil hoch zu klettern.
Das Tier arbeitete emsig an seiner neuen Falle ohne sich von meinem angeekelten Blick stören zu lassen. Ich wollte das Insekt sofort zerquetschen, bevor es noch mehr Dreck machte. Eine Umsiedlung ins Freie fand ich zu aufwendig.
Es gibt doch einen schlauen Spruch: „Spinnen am Morgen bringen Kummer und Sorgen“. Ein Unglücksbringer also, das rechtfertigte doch meine Abneigung und Tötungsabsichten.
Beim nächsten Betreten des Bades würde ich wahrscheinlich mit dem Kopf durch das Spinnenetz laufen. Nicht nur der Gedanke, das meine Haare sich mit dem Sekret aus ihrem Hinterteil verkleben würden, sondern auch, dass das Tier selber dabei auf mich herabfallen und in meinem Gesicht ein neues zu Hause suchen könnte, ließ mich erschauern. Mutig sah ich mich nach einem geeigneten Mordinstrument um. Mit der bloßen Hand würde ich das Insekt natürlich nicht berühren wollen. Ein Handtuch schien mir angemessen. Doch als ich die Spinne anvisierte, schimmerte die Morgensonne auf ihrem Netz. Die Fäden glänzten wie dünne Kettchen aus Silber. Wenn es denn so wäre, bestimmt das kostbarste in meiner Absteige.
Sie selber war so flink und geschickt bei der Ausübung ihrer Fallenstellung.
Ich zögerte. Bewunderung und Mitleid machten sich in mir breit. Vielleicht hatte das arme Tier auch nur Hunger und wollte deshalb ihr Netz bauen. Ich kenne mich nicht mit Spinnen und ihren niedrigen Instinkten aus, aber ich musste ihr zu stimmen, denn hier am Türrahmen war ein wirklich strategisch guter Ort um fliegendes Ungeziefer ab zu fangen. Kamen doch ständig dicke Brummer vom Flur durch diese Öffnung ins Badezimmer geflogen. Aus welchen Beweggründen, das lassen wir jetzt mal dahin gestellt!
Also standen die Chancen gut, das sich eines der lebenden Flugobjekte hier verfangen würde. Ich stellte mir vor wie eine grünlich glänzende dicke Fliege in die Falle flog und sich bei dem Versuch zu befreien nur noch mehr mit den klebrigen Fäden fesselte. Dann würde meine kleine Freundin kommen und das nutzlose Insekt mit einem Biss dahinraffen. Ich jubelte auf und reckte die geballte Faust zum Türrahmen. „Ja, meine Liebe! Zusammen werden wir diese Mistviecher bekämpfen!“ Das ich eigentlich selber schuld war, das die Fliegen ständig bei mir Einzug hielten, da ich immer noch keine Fliegentür zur Terrasse installiert hatte, ist kaum erwähnenswert. Die Spinne bekam sowieso bei Erfolg unseres Schlachtplanes die Belohnung. Die würde ich ihr auf keinen Fall streitig machen.
Mit diesem von mir beschlossenen Vertrag, auf dessen Besiegelung mit einem Handschlag ich gerne verzichte, drehte ich mich um und ging zum Klo. Ich hatte auch zu tun. Meine Aufgabe bestand schließlich darin, die Beute anzulocken.

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Kommentare

lenzfried@indiatimes.com schrieb am 2008-09-11 15:06:40:
tolle erzählung! hast du noch mehr davon!?

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