Spinnenkampf
von
Tarek
1
Ist ohne großes Ende mit pointe würd ich sagen. Hätte aber trozdem gern feedback ;)
SpinnenKampf
Mein Herz schlug wie wild in meiner Brust, denn sie sah so ungeheuer schön aus in ihrem Glas. Und sie war nun meine Einzige. Ich hatte wirklich Angst um sie, aber mehr noch davor dass sie gewinnt. Der Moment war gekommen da sie gegen die glänzende schwarze Spinne kämpfen sollte, die noch nie einen Kampf verloren hatte, seit dem wir das erste Mal eine Arena in den Sand gebaut haben.
Die schwarze war die brutalste und gefährlichste und das passte auch zu ihrem Besitzer. Wir alle hatten schon so einige kämpfe verloren, und Einige von uns unter Tränen, wenn ihnen der Verlust ihrer größten, stärksten oder am schwersten erbeuteten Spinne bewusst wurde. Aber niemand von uns war wirklich traurig wenn er gegen Dennis verlor. Er war älter und ganze zweieinhalb Köpfe größer als die meisten von uns, blass, immer verschwitzt und guckte mit wirr funkelndem Ausdruck aus zwei mit tiefblauen Ringen behangen Augen. Seine pechschwarzen Haare, die so zerzaust von dem Kugelrunden Kopf abstanden, krönten seine Furcht einflößende Erscheinung. Norman, der fast genau so groß und breit und der beste Freund von Dennis war, pflegte es einen Jungen gegen den er verlor, wenn seine Spinne schon zwei oder drei kämpfe siegreich überlebt hatte, ein paar Wut gesteuerte Schläge in den Magen zu rammen. Norman war der nettere der Beiden. Und Dennis hatte mit seiner schwarzen Spinne noch nie verloren.
Wie auch all ihren Vorgängerinnen hatte ich ihr keinen Namen gegeben. Was ich bereute, da sie mir näher stand als die anderen die ich in das flache Loch im Sand, welches wir Arena nannten, hinein Schleudertete und mit einem kleinen Stöckchen zum kämpfen anstachelte. Meine Mutter musste sie mit Hilfe eines Glases mit gelöchertem Deckel, von denen ich immer mindestens zwei bei mir trug, aus ihrem hochgelegenem Netz zwischen zwei struppigen Bäumen einfangen. Das war nicht nur schwierig, sondern für meine Mutter, die meine Begeisterung für diese Tiere nicht gerade teilte, einfach eklig. Doch ich hatte sie gesehen und musste sie haben. Ich schätze durch ein zwei Sprünge ab, ob ich hoch genug kommen würde um sie selbst zu fangen, doch musste einsehen das ich bei einem Versuch wohl höchstens ihr Netz zerstört hätte. Meine liebe Mama fasste sich ein Herz und tat, bewaffnet mit dem Glas in der einen und dem Deckel in der anderen Hand, dass wofür mir ganz einfach die Höhe fehlte und machte mir so eines der bis dahin schönsten Geschenke. Sie sagte mir das sie so etwas nie wieder tun werde, was mir egal war, denn von dieser Spinne die sie mir eben mit dem Glas in die Hände reichte, die Vorderbeine aggressiv nach oben gestreckt, versprach ich mir mehr Siege als von irgend einer anderen, die ich vielleicht noch finden würde. Ihr hellbraun gescheckter Körper selbst, war verhältnismäßig klein aber ihre Beine lang und dick. Dadurch war sie die größte die bis jetzt auf dem Sand unseres kleinen Schlachtfeldes gekämpft hatte.
Obwohl niemand seine Favoritin gegen die Schwarze Spinne von Dennis antreten lassen wollte, da der schmerzliche Verlust wohl das kleinere Übel darstellte, boten die ungeschriebenen Regeln unseres Sandkastenspiels eben ab und an keinen anderen Ausweg.
Diesmal hatte es mich getroffen und ich kniete Dennis mit dem Glas, fest zwischen den zittrigen Fingern, umringt von unserer fünfköpfigen Truppe, auf der anderen Seite der Arena gegenüber. Zwar hatte ich mehr Angst vor Dennis seinen Fäusten aber wünschte mir doch noch mehr, dass meine Spinne stärker war als die Schwarze und überleben würde.
Siegessicher grinste er mir ins Gesicht bevor wir beide die Gläser mit unseren Spinnen kräftig schüttelten, den Deckel öffneten und die nun gereizten Achtbeiner vor uns in den Sand schleuderten. Verwirrt liefen beide die Arena ab, bis wir sie mit unseren kleinen Stöckchen in die Richtung der anderen stießen. Es dauerte nur wenige Atemzüge und geschah fast beiläufig, als meine Spinne einfach über die andere hinweg lief als wäre sie nur ein lästiges Hindernis auf dem Weg heraus aus dieser, von uns gebauten Todesfalle. Sie hinterließ ein sich krümmendes schwarzes Etwas, aus dem ein großer tropfen Lila Blut quoll. Mein Herz machte einen Sprung als ich registrierte dass, die schwarze, die noch nie einen Kampf verloren hatte nur noch eine von den unzähligen Verliererinnen war, die auf diesem Sand so erbärmlich krepierten. Ich war so Stolz in diesem Augenblick. Es war meine Spinne die die ewige Gewinnerin ganz einfach im vorbeilaufen zu dem gemacht hat was sie nun war, ein für alle mal Tod, und mir so den Titel schenkte.
Plötzlich wurde mir schlagartig vor Augen geführt, wer diesen Titel bis dahin innehatte.
Dennis schlug immer wieder wie wild mit der bloßen Faust auf meine nomenlose Siegerin ein, bis von ihr nur noch ein paar zerschmetterte Beine übrig waren, die an seiner rot geschwollenen Faust klebten. Er blickte mich, sabbernd und mit blutunterlaufenen Augen, durch eine Wut verzerrte Grimasse an. Doch anstatt dass die Angst davor, das mich das gleiche Schicksal ereilen würde wie meine namenlose, in mir hochstieg, war es Hass der nun meinen Körper ganz und gar ausfüllte. Hass auf jemanden der mir meine auf so ungeheure Weise wunderschöne Spinne wegnahm, die es so verdient hatte zu leben. Und vor allem Hass auf jemanden der es wagte mir dieses unglaubliche Gefühl zu nehmen. Das Gefühl von Triumph. Einem Triumph der wohl dem von David gleichkommt als er Goliath niederstreckte, mit nichts weiter als einer Schleuder. Die namenlose war meine Schleuder. Sie brachte diesen Sieg auch auf eine so einfache Weise, was ihn so viel bedeutsamer machte. Und nun wurde sie zerbrochen, von einem Fiesling der nach schweiß roch und einfach nicht verlieren konnte. Ich spürte den Hass durch und durch. Und noch bevor Dennis die Chance hatte, aufzustehen und mich, wie meine Spinne zuvor, unter seiner Faust zu zerquetschen, rammte ich ihm schon wieder und wieder das robuste Marmeladenglas, in dem ich meine Spinne eine ganze Woche lange behaust hatte, mit beiden Händen ins Gesicht, bis Teile von diesem genauso an der Unterseite klebten, wie die Beine der von meiner Mutter gefangen Siegerin an seiner rot geschwollen Faust.
1
Kommentare
Mary schrieb am 2008-08-27 00:44:57:
Ich finde, es ist eine sehr gelungene kleine Geschichte, die Gut und Böse in realistischer Gegenüberstellung erzählt. Ein Krieg zu gewinnen heißt der neue Herrscher zu sein, die Regeln sind uralt. Mach weiter so.
nelasum@web.de schrieb am 2008-03-01 20:44:51:
Ich finde deine Geschichte hat doch ein Ende mit Pointe oder besser gesagt eine Moral am Schluss. Man kann nicht immer gewinnen und manchen muss erst beigebracht werden zu verlieren. Ich finde deine Geschichte gut, auch sprachlich sehr gut erzählt ohne Durchhänger zwischendurch. Es war mir eine Freude sie zu lesen (und da sehe ich über den einen oder anderen Rechtschreibfehler hinweg) und freue mich eine deiner nächsten "Schreibübungen" zu lesen. Viele Grüße Nelasum
Kommentar hinzufügen